Arakhin 32

Kapitel 32

א הא בפרהסיא
1 und eines gilt, wenn öffentlich.
ב בעא מיניה רבי שמואל בר נדב מרבי חנינא ואמרי לה רבי שמואל בר נדב חתניה דרבי חנינא מרבי חנינא ואמרי לה מרבי יהושע בן לוי מה נשתנה מצורע שאמרה תורה (ויקרא יג, מו) בדד ישב מחוץ למחנה מושבו הוא הבדיל בין איש לאשתו בין איש לרעהו לפיכך אמרה תורה בדד ישב וגו'
2 R. Šemuél b. Nadabh fragte R. Ḥanina, manche sagen, R. Šemuél b. Nadabh, der Schwiegersohn R. Ḥaninas, R. Ḥanina, und manche sagen, R. Jehošua͑ b. Levi: Weshalb ist es beim Aussätzigen anders, daß es von ihm heißt: <i>abgeschieden soll er wohnen, außerhalb des Lagers sei seine Wohnung</i>? Er hat zwischen Mann und Frau getrennt, zwischen einem und seinem Nächsten, darum sagt die Tora: <i>abgeschieden soll er wohnen &amp;c.</i>
ג אמר רבי יהודה בן לוי מה נשתנה מצורע שאמרה תורה יביא {ויקרא י״ד:ד׳ } שתי ציפרים לטהרתו אמר הקב"ה הוא עושה מעשה פטיט לפיכך אמרה תורה יביא קרבן פטיט
3 R. Jehuda b. Levi sagte: Weshalb ist es beim Aussätzigen anders, daß die Tora [von ihm] sagt, er bringe zwei Vögel zu seiner Reinigung? Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Er hat wie ein Schnatterer gehandelt, daher, sagt die Tora, bringe er Schnatternde als Opfer.
ד תנו רבנן (ויקרא יט, יז) לא תשנא את אחיך בלבבך יכול לא יכנו לא יסטרנו ולא יקלקלנו ת"ל בלבבך שנאה שבלב הכתוב מדבר
4 Die Rabbanan lehrten: <i>Du sollst nicht deinen Bruder in deinem Herzen hassen</i>. Man könnte glauben, man dürfe nur ihn nicht schlagen, nicht puffen und ihm nicht fluchen, daher heißt es: <i>in deinem Herzen</i>, die Schrift spricht von Haß im Herzen.
ה מנין לרואה בחבירו דבר מגונה שחייב להוכיחו שנאמר (ויקרא יט, יז) הוכח תוכיח הוכיחו ולא קבל מנין שיחזור ויוכיחנו תלמוד לומר תוכיח מכל מקום יכול אפי' משתנים פניו ת"ל לא תשא עליו חטא
5 Woher, daß, wenn man etwas Häßliches an seinem Nächsten sieht, man ihn zurechtweisen muß? Es heißt: <i>zurechtweisen</i>. Woher, daß, wenn man ihn zurechtgewiesen und dieser darauf nicht geachtet hat, man ihn wiederum zurechtweisen muß? Es heißt: <i>sollst du zurechtweisen</i>, wiederholt, Man könnte glauben, auch wenn sein Gesicht sich verfärbt, so heißt es: <i>daß du nicht seinetwegen Sünde tragest</i>.
ו תניא א"ר טרפון (תמיהני) אני אם יש בדור הזה שמקבל תוכחה אם אמר לו טול קיסם מבין עיניך אמר לו טול קורה מבין עיניך אמר רבי אלעזר בן עזריה תמיהני אם יש בדור הזה שיודע להוכיח
6 Es wird gelehrt: R. Tryphon sagte: Es würde mich wundern, wenn es in diesem Zeitalter jemand geben sollte, der Zurechtweisung annimmt. Sagt man zu einem: nimm den Splitter, der zwischen deinen Augen, so erwidert er: nimm du den Balken, der zwischen deinen Augen. R. Elea͑zar b. A͑zarja sagte: Es würde mich wundern, wenn es in diesem Zeitalter jemand geben sollte, der zurechtzuweisen versteht.
ז ואמר רבי יוחנן בן נורי מעיד אני עלי שמים וארץ שהרבה פעמים לקה עקיבא על ידי שהייתי קובל עליו לפני רבן (שמעון ברבי) וכל שכן שהוספתי בו אהבה לקיים מה שנאמר (משלי ט, ח) אל תוכח לץ פן ישנאך הוכח לחכם ויאהבך
7 Auch sagte R. Joḥanan b. Nuri: Ich rufe Himmel und Erde als Zeugen an, daß A͑qiba häufig durch mich geschlagen wurde, weil ich mich über ihn bei R. Šimo͑n b. Rabbi beklagt hatte; er aber liebte mich umso mehr. Dies bestätigt, was geschrieben steht: <i>weise den Spötter nicht zurecht, denn er könnte dich hassen; weise den Klugen zurecht, und er wird dich lieben</i>.
ח בעא מיניה רבי יהודה בריה דר' שמעון תוכחה לשמה וענוה שלא לשמה הי מינייהו עדיפא אמר ליה ולא מודית דענוה לשמה עדיפא דאמר מר ענוה גדולה מכולם שלא לשמה נמי עדיפא דאמר רב יהודה אמר רב לעולם יעסוק אדם בתורה ובמצות אע"פ שלא לשמה שמתוך שלא לשמה בא לשמה
8 R. Jehuda, Sohn des R. Šimo͑n, fragte ihn: Was ist von gutgemeinter Zurechtweisung und selbstsüchtiger Demut bevorzugter? Dieser erwiderte: Gibst du etwa nicht zu, daß gutgemeinte Demut bevorzugter ist, wo doch der Meister sagte, Demut sei bedeutender als sie alle? Sie ist auch selbstsüchtig bevorzugter. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Man befasse sich stets mit der Tora und guten Werken auch nicht um ihrer selbst willen, denn auch wenn man es nicht um ihrer selbst willen tut, wird man dadurch veranlaßt, es um ihrer selbst willen zu tun. —
ט היכי דמי תוכחה לשמה וענוה שלא לשמה כי הא דרב הונא וחייא בר רב הוו יתבי קמיה דשמואל אמר ליה חייא בר רב חזי מר דקא מצער לי קביל עליה דתו לא מצער ליה בתר דנפיק אמר ליה הכי והכי קא עביד אמר ליה אמאי לא אמרת ליה באנפיה אמר ליה חס לי דליכסוף זרעיה דרב על ידאי
9 Was heißt gutgemeinte Zurechtweisung und selbstsüchtige Demut? — Wie in folgendem Falle. R. Hona und Ḥija b. Rabh saßen vor Šemuél, und Ḥija b. Rabh sprach zu ihm: Sehe doch der Meister, wie er mich quält. Da nahm er auf sich, ihn nicht mehr zu quälen. Nachdem jener hinausgegangen war, sprach dieser zu ihm: Er hat dies und jenes getan. Da sprach [Šemuél]: Weshalb hast du es ihm nicht ins Gesicht gesagt? Dieser erwiderte: Ich befürchtete die Nachkommen Rabh könnten durch mich beschämt werden.
י עד היכן תוכחה רב אמר עד הכאה ושמואל אמר עד קללה ורבי יוחנן אמר עד נזיפה כתנאי רבי אליעזר אומר עד הכאה רבי יהושע אומר עד קללה בן עזאי אומר עד נזיפה
10 Wie weit reiche die Zurechtweisung? — Rabh sagt, bis zum Schlagen; Šemuél sagt, bis zum Fluchen; R. Joḥanan sagt, bis zum Anschreien. Hierüber streiten auch Tannaím: R. Elie͑zer sagt, bis zum Schlagen; R. Jehošua͑ sagt, bis zum Fluchen; Ben A͑zaj sagt, bis zum Anschreien.
יא אמר רב נחמן בר יצחק ושלשתן מקרא אחד דרשו {שמואל א כ ל} ויחר אף שאול ביהונתן ויאמר לו בן נעות המרדות וכתיב {שמואל א כ לג} ויטל שאול את החנית עליו להכותו
11 R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Alle drei legen ein und denselben Schriftvers aus: <i>Da entbrannte der Zorn Šaúls über Jehonathan und er sprach zu ihm: Du Sohn verdrehter Widerspenstigkeit</i>. Und es heißt: <i>Da schleuderte Šaúl den Speer auf ihn, ihn zu treffen</i>.
יב למאן דאמר עד הכאה דכתיב להכותו ולמאן דאמר עד קללה דכתיב {שמואל א כ ל} לבשתך ולבושת ערות אמך ולמאן דאמר עד נזיפה דכתיב ויחר אף שאול
12 Einer sagt, bis zum Schlagen, denn es heißt: <i>ihn zu treffen</i>; einer sagt, bis zum Fluchen, denn es heißt: <i>zu deiner Schande und der Schande deiner Mutter</i>; und einer sagt, bis zum Anschreien, denn es heißt: <i>da entbrannte der Zorn Šaúls</i>. —
יג ולמ"ד נזיפה הכתיב הכאה וקללה שאני התם דאגב חביבותא יתירא דהוה ביה ליהונתן בדוד מסר נפשיה טפי
13 Aber nach demjenigen, der bis zum Anschreien sagt, [ist ja einzuwenden:] es werden ja auch Schlagen und Fluchen genannt!? — Anders verhielt es sich da; wegen der großen Freundschaft, die Jehonathan gegen David hegte, opferte er sich mehr.
יד עד היכן לא ישנה אדם באכסניא שלו רב אמר עד הכאה ושמואל אמר עד שיפשלו לו כליו לאחוריו
14 Wie weit reiche die Beharrlichkeit in der Gaststätte? — Rabh sagt, bis zum Schlagen; Šemuél sagt, bis man ihm seine Sachen über den Rücken hängt.
טו בהכאה דידיה כולי עלמא לא פליגי בהפשלת כליו לאחוריו כולי עלמא נמי לא פליגי כי פליגי בהכאה דדביתהו מר סבר כיון דלדידיה לא מצער ליה מאי נפקא ליה מינה ומר סבר אתי לאיטרודי
15 Über den Fall, wenn man ihn selbst schlägt, streitet niemand, wenn man ihm selber seine Sachen über den Rücken hängt, streitet niemand, sie streiten nur über den Fall, wenn man seine Frau schlägt; einer ist der Ansicht, da man ihm selber nichts tut, gehe es ihn nicht an, und einer ist der Ansicht, er könnte in Streit geraten. —
טז וכל כך למה דאמר מר אכסנאי פוגם ונפגם
16 Weshalb dies alles? — Weil der Meister sagte, ein Logiergast bemakele und werde bemakelt.
יז אמר רב יהודה אמר רב מנין שלא ישנה אדם באכסניא שלו מן התורה שנאמר {בראשית י״ג:ג׳} (אל) המקום אשר היה שם אהלו בתחלה
17 R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Wo ist aus der Tora zu entnehmen, daß man seine Gaststätte nicht wechsle? Es heißt: <i>bis an den Ort, wo sein Zelt zuvor war</i>.
יח רבי יוסי ברבי חנינא אמר מהכא (בראשית יג, ג) וילך למסעיו מאי בינייהו איכא בינייהו אכסנאי דאקראי
18 R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Hieraus: <i>er zog über seine Reisestätten</i>. — Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich einer gelegentlichen Gaststätte.
יט אמר ר' יוחנן מנין שלא ישנה אדם מאומנותו ומאומנות אבותיו שנאמר (מלכים א ז, יג) וישלח המלך שלמה ויקח את חירם מצר בן אשה אלמנה הוא ממטה נפתלי ואביו איש צרי חרש נחושת
19 R. Joḥanan sagte: Woher, daß man seinen Beruf und seiner Väter Beruf nicht wechseln soll? Es heißt: <i>da sandte der König Šelomo und ließ den Ḥiram aus Çor holen, den Sohn einer Witwe aus dem Stamme Naphtali, und sein Vater war ein Kupferschmied aus Çor</i>.
כ ואמר מר אימיה מבית דן וכתיב {שמות ל״א:ו׳} אתו [את] אהליאב בן אחיסמך למטה דן
20 Hierzu sagte der Meister, seine Mutter war aus dem Hause Dan, und es heißt: <i>mit ihm Ahaliáb, der Sohn Aḥisamakhs, aus dem Stamme Dan</i>.
כא עד היכן תכלית יסורין אמר רבי אלעזר כל שארגו לו בגד ללבוש ואין מתקבל עליו מתקיף לה רבא זעירא ואיתימא רבי שמואל בר נחמני גדולה מזו אמרו אפילו נתכוונו למזוג בחמין ומזגו לו בצונן בצונן ומזגו לו בחמין ואת אמרת כולי האי
21 Wie weit reicht die Grenze der Züchtigung? R. Elea͑zar erwiderte: Wenn man einem ein Gewand zum Anziehen gewebt hat, und es ihm nicht paßt. Raba der Kleine, nach andren R. Šemuél b. Naḥmani, wandte ein: Noch mehr als dies sagten sie: selbst wenn man einem mit Warmem mischen wollte, und man ihm mit Kaltem gemischt hat, oder mit Kaltem, und man ihm mit Warmem gemischt hat, und du sagst, so weit!?
כב מר בריה דרבינא אמר אפילו נהפך לו חלוקו רבא ואיתימא רב חסדא ואיתימא רבי יצחק ואמרי לה במתניתא תנא אפילו הושיט ידו לכיס ליטול שלש ועלו בידו שתים
22 Mar, der Sohn Rabinas, sagte: Selbst wenn einem das Hemd sich umgedreht hat. Raba sagte, nach andren R. Ḥisda, nach andren R. Jiçḥaq, und nach andren wurde es in einer Barajtha gelehrt: Selbst wenn man die Hand in die Tasche steckt, um drei hervorzuholen und ihm zwei in die Hand geraten.
כג דווקא שלש ועלו בידו שתים אבל שתים ועלו בידו שלש לא דליכא טירחא למישדייהו
23 Aber nur drei [hervorzuholen], und ihm zwei in die Hand geraten, nicht aber, wenn zwei [hervorzuholen], und drei ihm in die Hand geraten, weil es keine Mühe ist, es zurückzulegen. —
כד וכל כך למה דתניא דבי רבי ישמעאל כל שעברו עליו ארבעים יום בלא יסורין קיבל עולמו במערבא אמרי
24 Weshalb dies alles? — Weil in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt wurde: Wenn einem vierzig Tage ohne Züchtigung vergehen, so hat er seine Welt erhalten. Im Westen sagten sie,