Arakhin 60

Kapitel 60

א הריני כבן עזאי בשוקי טבריא אמר ליה ההוא מרבנן לאביי איכא למידרשינהו לקולא ואיכא למידרשינהו לחומרא ממאי דלקולא אימא לחומרא
1 Ich fühle mich wie Ben A͑zaj in den Straßen von Tiberias. Da sprach ein Jünger zu Abajje: [Jene Schriftverse] können ja erleichternd ausgelegt werden und können erschwerend ausgelegt werden, was veranlaßt nun, sie erleichternd auszulegen, vielleicht erschwerend? —
ב לא סלקא דעתיך מדאקיל רחמנא גביה דתניא (דברים טו, טז) כי טוב לו עמך עמך במאכל עמך במשתה שלא תהא אוכל פת נקיה והוא אוכל פת קיבר אתה שותה יין ישן והוא שותה יין חדש אתה ישן על גבי מוכין והוא ישן על גבי קרקע מיכן אמרו הקונה עבד עברי כקונה אדון לעצמו
2 Dies ist nicht einleuchtend, da der Allbarmherzige für ihn erleichtert hat. Es wird nämlich gelehrt: <i>Weil ihm wohl ist bei dir</i>; mit dir beim Essen und mit dir beim Trinken. Du darfst nicht feines Brot essen und er grobes Brot, du [darfst nicht] alten Wein trinken und er neuen Wein; du [darfst nicht] auf Weichem schlafen und er auf der Erde. Hieraus folgernd sagten sie, wenn jemand einen hebräischen Sklaven kauft, sei es ebenso, als kaufte er einen Herrn über sich. —
ג אדרבה נחמיר עליה מדרבי יוסי ברבי חנינא דאמר רבי יוסי בר' חנינא בא וראה כמה קשה אבקה של שביעית
3 Im Gegenteil, man sollte für ihn erschweren, wegen einer Lehre des R. Jose b. R. Ḥanina!? R. Jose b. R. Ḥanina sagte nämlich: Komm und sieh, wie streng sogar der Staub des Siebentjahrgesetzes ist.
ד אדם נושא ונותן בפירות שביעית לסוף מוכר את מטלטליו שנאמר בשנת היובל הזאת תשובו איש אל אחוזתו וכתיב (ויקרא כה, יד) וכי תמכרו ממכר לעמיתך או קנה מיד עמיתך דבר הנקנה מיד ליד
4 Wer mit Früchten des Siebentjahres handelt, verkauft endlich seine Mobilien, denn es heißt: <i>in diesem Jobeljahre sollt ihr ein jeder zu seinem Besitze zurückkehren</i>, und darauf folgt: <i>wenn ihr eurem Nächsten etwas verkauft oder aus der Hand des Nächsten kauft</i>, eine Sache, die von Hand zu Hand gekauft wird.
ה לא הרגיש לסוף מוכר את שדותיו שנאמר (ויקרא כה, כה) וכי ימוך אחיך ומכר מאחוזתו
5 Merkt er dies nicht, so verkauft er endlich seine Felder, denn es heißt: <i>wenn dein Bruder verarmt und von seinem Erbbesitze verkauft</i>.
ו לא באת לידו לסוף מוכר את ביתו שנאמר (ויקרא כה, כט) ואיש כי ימכור בית מושב עיר חומה מאי שנא התם דקאמר לא הרגיש ומאי שנא הכא דקאמר לא באת לידו כדרב הונא דאמר רב הונא כיון שעבר אדם עבירה ושנה בה הותרה לו
6 Sie reicht an ihn nicht heran, bis er endlich auch sein Haus verkauft, denn es heißt: <i>wenn jemand ein Wohnhaus in einer ummauerten Stadt verkauft</i>. — Weshalb heißt es anfangs: merkt er dies nicht, weiter aber: sie reicht an ihn nicht heran? — Nach R. Hona, denn R. Hona sagte, wenn jemand eine Sünde begangen und sie wiederholt hat, werde sie ihm erlaubt. —
ז הותרה לו ס"ד אלא אימא נעשית לו כהיתר
7 ‘Werde sie ihm erlaubt’, wie kommst du darauf!? — Sage vielmehr, sie kommt ihm erlaubt vor.
ח (לא באת לידו לסוף שלוה ברבית שנאמר (ויקרא כה, כה) וכי ימוך אחיך וגו' וכתיב אל תקח מאתו נשך ותרבית)
8 Sie reicht an ihn nicht heran, bis er sogar auf Wucher borgt, denn es heißt: <i>wenn dein Bruder verarmt &amp;c.</i>, und weiter: <i>nimm von ihm nicht Zins und Wucher</i>.
ט לא באת לידו עד שמוכר את בתו שנאמר (שמות כא, ז) וכי ימכור איש [את] בתו לאמה ואע"ג דבתו בהאי ענינא ליתא ניחא לאיניש דליזבין ברתיה ולא ליזיף בריביתא דאילו התם מיגרעא ואזלא ואילו הכא קא מוספא ואזלא
9 Sie reicht an ihn nicht heran, bis er auch seine Tochter verkauft, denn es heißt: <i>wenn jemand seine Tochter als Magd verkauft</i>. Dies obgleich [der Verkauf] einer Tochter in diesem Abschnitte nicht genannt wird, denn man verkaufe lieber seine Tochter, als auf Wucher borgen, weil im eisten Falle [der Betrag] sich fortwährend verringert, während er im anderen Falle fortwährend wächst.
י לא באת לידו לסוף שמוכר את עצמו שנאמר (ויקרא כה, לט) כי ימוך אחיך עמך ונמכר לך לא לך אלא לגר שנאמר לגר ולא לגר צדק אלא לגר תושב שנאמר לגר תושב
10 Sie reicht an ihn nicht heran, bis er auch sich selbst verkauft, denn es heißt: <i>wenn dein Bruder verarmt und sich dir verkauft</i>. Nicht nur dir, sondern auch einem Fremdlinge, denn es heißt: <i>einem Fremdlinge</i>, und nicht nur einem wirklichen Proselyten, sondern auch einem Beisassen, denn es heißt: <i>einem Beisaßfremdlinge</i>.
יא משפחת גר זה העובד כוכבים כשהוא אומר או לעקר (משפחת גר) זה הנמכר ונעשה משרת לעבודת כוכבים עצמה
11 Unter <i>Fremdlingsgeschlecht</i> ist ein Nichtjude zu verstehen, und wenn es noch <i>Abkömmling</i> heißt, so ist darunter der Verkauf als Pfaffe für den Götzendienst selber zu verstehen.
יב א"ל הא אהדריה קרא ותנא דבי רבי ישמעאל הואיל והלך ומכר עצמו לעבודת כוכבים אידחה אבן אחר הנופל ת"ל ((ויקרא כה, לב) גאולת עולם תהיה לו וביובל יצא) אימא גאולה תהיה לו דלא ליטמע בעובדי כוכבים ולעולם לענין פדיונו נחמיר
12 Jener erwiderte: Diesbezüglich hat die Schrift ihn wieder aufgenommen. In der Schule R. Jišma͑éls wurde nämlich gelehrt: [Man könnte glauben,] da dieser hingegangen ist und sich für den Götzendienst verkauft hat, werfe man dem Stürzenden einen Stein nach, so heißt es: <i>soll ihm Einlösung werden</i>, auch geht er im Jobeljahre frei aus. — Vielleicht soll ihm Einlösung werden, damit er nicht zwischen Nichtjuden untergehe, hinsichtlich des Lösegeldes aber erschwere man ihm!?
יג אמר רב נחמן בר יצחק כתיב (ויקרא כה, נא) אם עוד רבות בשנים וכתיב (ויקרא כה, נב) אם מעט נשאר בשנים
13 R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Es heißt: <i>sind es noch viel der Jahre</i>, und es heißt: <i>und wenn wenig der Jahre zurückbleiben</i>; gibt es denn viele Jahre und wenige Jahre!?
יד וכי יש שנים מרובות ויש שנים מועטות אלא נתרבה כספו מכסף מקנתו נתמעט כספו כפי שניו
14 Vielmehr, ist sein Wert gestiegen, so richte man sich nach seinem Kaufpreise, ist sein Wert gesunken, so richte man sich nach den Jahren. —
טו ואימא היכא דעבד תרתי ופיישי ארבעי ליתב ליה ארבע מכסף מקנתו והיכא דעבד ארבע ופיישי תרתי ליתב ליה תרתי כפי שניו
15 Vielleicht aber wie folgt: wenn er zwei [Jahre] gedient hat und vier zurückbleiben, zahle er ihm für vier zurück, von seinem Kaufgelde, und wenn er vier gedient hat und zwei zurückbleiben, zahle er ihm zwei zurück, nach den Jahren!? —
טז א"כ נכתוב אם עוד רבות שנים מאי בשנים נתרבה כספו בשנים מכסף מקנתו נתמעט כספו בשנים כפי שניו אמר רב יוסף דרשינהו רב נחמן להני קראי כסיני:
16 Demnach sollte es heißen: sind es noch viele Jahre, wenn es aber <i>der Jahre</i> heißt, [so heißt dies:] ist während der Jahre sein Wert gestiegen, so richte man sich nach seinem Kaufgelde, ist während der Jahre sein Wert gesunken, so richte man sich nach den Jahren. R. Joseph sagte: R. Naḥman b. Jiçḥaq legte die Schriftverse so aus, als wäre es vom Sinaj.
יז לא ימכור ברחוק כו': מנא הני מילי דת"ר (ויקרא כה, כו) והשיגה ידו יד עצמו שלא ילוה ויגאל
17 M<small>AN DARF NICHT EIN ENTFERNTES VERKAUFEN &amp;C</small>. Woher dies? — Die Rabbanan lehrten: <i>Und seine Hand reicht</i>, seine eigene Hand; er darf nicht borgen und einlösen.
יח ומצא פרט למצוי שלא ימכור ברחוק ויגאול בקרוב ברע ויגאול ביפה כדי גאולתו כדי גאולה הוא גואל ואינו גואל לחצאין
18 <i>Und findet</i>, ausgenommen der Fall, wenn er es bereits hatte; er darf nicht ein entferntes verkaufen und ein nahes einlösen, ein schlechtes [verkaufen] und gutes einlösen. <i>Als er zur Einlösung braucht</i>, er darf das ganze einlösen, nicht aber in Hälften. —
יט למימרא דמצא השתא משמע ורמינהו {דברים יט } ומצא פרט לממציא עצמו מיכן אמר רבי אליעזר אם משיצאה אבן מתחת ידו הוציא הלה את ראשו וקיבלה פטור אלמא מצא מידי דאיתיה מעיקרא משמע
19 Demnach ist unter ‘finden’ zu verstehen, was schon vorher da war; ich will auf einen Widerspruch hinweisen: <i>Und treffen</i> <i>wird</i>, ausgenommen der Fall, wenn jener sich treffen läßt. Hieraus folgerte R. Elie͑zer, daß, wenn nachdem der Stein aus seiner Hand gekommen war, jener den Kopf hervorgestreckt hat und getroffen wurde, er frei sei. Somit ist unter ‘finden’ zu verstehen, wenn die Sache schon vorher da war!?
כ אמר רבא הכא מענינא דקרא והכא מענינא דקרא הכא דומיא דהשיגה ידו מה השיגה ידו דהשתא אף מצא נמי דהשתא והכא דומיא דיער מה יער מילתא דאיתיה מעיקרא אף מצא מילתא דאיתיה מעיקרא:
20 Raba erwiderte: Hier berücksichtige man den Zusammenhang des Schriftverses und dort berücksichtige man den Zusammenhang des Schriftverses. Hierbei gleich dem ‘erreichen seiner Hand’, wie das ‘erreichen seiner Hand’ erst jetzt, ebenso ‘finden’ erst jetzt. Ebenso dort gleich dem Walde; wie der Wald schon vorher da war, ebenso das ‘treffen’, wenn er schon vorher da war.
כא ובהקדש כו': מנא ה"מ דת"ר (ויקרא כז, יג) ואם גאל יגאל מלמד שלוה וגואל וגואל לחצאין
21 B<small>EIM</small> H<small>EILIGEN &amp;C</small>. Woher dies? — Die Rabbanan lehrten: <i>Wenn einlösen wird er einlösen</i>, dies lehrt, daß er borgen und einlösen darf, daß er in Hälften einlösen darf.
כב אר"ש מה טעם לפי שמצינו במוכר שדה אחוזה שיפה כחו שאם הגיע יובל ולא נגאלה חוזרת לבעלים ביובל הורע כחו שאינו לוה וגואל ואינו גואל לחצאין
22 R. Šimo͑n sagte: Aus folgendem Grunde: Wir finden, daß beim Verkaufe eines Erbbesitzfeldes einerseits sein Recht gestärkt ist, indem es, wenn das Jobeljahr heranreicht und es nicht eingelöst worden ist, im Jobeljahre an den Eigentümer zurückgeht, andererseits aber sein Recht geschwächt ist, indem er nicht borgen und einlösen darf, auch nicht in Hälften einlösen darf.
כג אבל מקדיש שדה אחוזה הואיל שהורע כחו שאם הגיע יובל ולא נגאלה יוצא לכהנים יפה כחו שלוה וגואל וגואל לחצאין
23 Bei der Heiligung eines Erbbesitzfeldes aber ist sein Recht einerseits geschwächt, indem es, wenn das Jobeljahr heranreicht und es nicht eingelöst wird, den Priestern zufällt, dafür aber ist sein Recht andererseits gestärkt, indem er borgen und einlösen darf, auch in Hälften einlösen darf. —