Beitzah 74

Kapitel 74

א דלא כר' דוסא דתניא ר' דוסא אומר ואמרי לה אבא שאול אומר הלוקח בהמה מחברו מערב יו"ט אע"פ שלא מסרה לו אלא ביו"ט הרי היא כרגלי הלוקח והמוסר בהמה לרועה אע"פ שלא מסרה לו אלא ביו"ט הרי היא כרגלי הרועה
1 nicht nach R. Dosa, denn es wird gelehrt: R. Dosa, wie manche sagen, Abba Šaúl, sagte: Wenn jemand am Vorabend des Festes von seinem Nächsten ein Vieh kauft, so gleicht es den Füßen des Käufers, obgleich jener es ihm erst am Festtage übergibt; wenn jemand ein Vieh einem Hirten übergibt, so gleicht es den Füßen des Hirten, obgleich er es ihm erst am Festtage übergibt. –
ב אפי' תימא ר' דוסא ולא קשיא כאן ברועה אחד כאן בשני רועים דיקא נמי דקתני לבנו או לרועה שמע מינה
2 Du kannst auch sagen, nach R. Dosa, dennoch besteht hier kein Widerspruch; das eine gilt von einem Hirten und das andere gilt von zwei Hirten. Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt: seinem Sohne oder einem Hirten. Schließe hieraus.
ג אמר רבה בר בר חנה א"ר יוחנן הלכה כר' דוסא ומי אמר ר' יוחנן הכי והאמר ר' יוחנן הלכה כסתם משנה ותנן הבהמה והכלים כרגלי הבעלים
3 Rabba b.Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Die Halakha ist wie R. Dosa. – Kann R. Joḥanan dies denn gesagt haben, er sagte ja, die Halakha sei wie die anonyme Mišna, und eine solche lehrt ja, Vieh und Geräte gleichen den Füßen des Eigentümers!? –
ד ולאו אוקימנא כאן ברועה אחד כאן בשני רועים
4 Haben wir etwa nicht erklärt, das eine gelte von einem Hirten und das andere gelte von zwei Hirten!?
ה ת"ר שנים ששאלו חלוק אחד בשותפות זה לילך בו שחרית לבית המדרש וזה ליכנס בו ערבית לבית המשתה זה ערב עליו לצפון וזה ערב עליו לדרום זה שערב עליו לצפון מהלך לצפון כרגלי מי שערב עליו לדרום
5 Die Rabbanan lehrten: Wenn zwei gemeinsam ein Gewand geborgt haben, einer, um in diesem morgens ins Lehrhaus zu gehen und einer um in diesem abends zu einem Gastmahle zu gehen, und einer einen E͑rub in der Nordseite gemacht hat, und einer einen E͑rub in der Südseite gemacht hat, so darf derjenige, der den E͑rub in der Nordseite gemacht hat, es nördlich so weit tragen wie derjenige, der den E͑rub in der Südseite gemacht hat, und derjenige, der den E͑rub in der Südseite gemacht hat,
ו וזה שערב עליו לדרום מהלך לדרום כרגלי מי שערב עליו לצפון
6 es südlich so weit tragen wie derjenige, der den E͑rub in der Nordseite gemacht hat.
ז ואם מצעו את התחום הרי זה לא יזיזנה ממקומה
7 Haben sie das Gebiet geteilt und in die Mitte genommen, so dürfen sie es nicht von der Stelle rühren.
ח אתמר שנים שלקחו חבית ובהמה בשותפות רב אמר חבית מותרת ובהמה אסורה ושמואל אמר חבית נמי אסורה
8 Es wurde gelehrt: wenn zwei gemeinsam ein Faß und Vieh gekauft haben, so ist, wie Rabh sagt, das Faß erlaubt und das Vieh verboten, und wie Šemuél sagt, das Faß ebenfalls verboten. –
ט מאי קסבר רב אי קא סבר יש ברירה אפי' בהמה תשתרי ואי קסבר אין ברירה אפילו חבית נמי אסורה
9 Welcher Ansicht ist Rabh: ist er der Ansicht, es gebe eine fiktive Feststellung, so sollte auch das Vieh erlaubt sein, und ist er der Ansicht, es gebe keine fiktive Feststellung, so sollte auch das Faß verboten sein!? –
י לעולם קסבר יש ברירה ושניא בהמה דקא ינקי תחומין מהדדי אמרי ליה רב כהנא ורב אסי לרב לאיסור מוקצה לא חששו לאיסור תחומין חששו שתיק רב
10 Tatsächlich ist er der Ansicht, es gebe eine fiktive Feststellung, anders ist es aber bei einem Vieh, da die Gebiete voneinander ihre Nahrung ziehen. R. Kahana und R. Asi Sprachen zu Rabh: Sie haben also das Verbot des Abgeordneten nicht berücksichtigt und das Verbot hinsichtlich des Šabbathgebietes berücksichtigt!? Da schwieg Rabh. –
יא מאי הוי עלה ר' הושעיא אמר יש ברירה ור' יוחנן אמר אין ברירה
11 Wie bleibt es nun damit? – R. Hošaja sagt, es gebe eine fiktive Feststellung, und R. Joḥanan sagt, es gebe keine fiktive Feststellung. –
יב וסבר ר' הושעיא יש ברירה והתנן המת בבית ולו פתחים הרבה כולן טמאים נפתח אחד מהן הוא טמא וכולן טהורים חשב להוציאו באחד מהן או בחלון שיש בו ארבעה על ארבעה מצלת על הפתחים כולן
12 Wir haben gelernt: Befindet sich der Leichnam in einem Hause, das mehrere Türen hat, so ist [der Hohlraum] aller Türen unrein, wird eine derselben geöffnet, so ist diese unrein und alle übrigen sind rein; hat man beschlossen, ihn durch eine derselben oder durch ein vier zu vier [Handbreiten] großes Fenster hinauszubringen, so schützt diese alle übrigen Türen.
יג ב"ש אומרים והוא שחשב עליו עד שלא ימות המת וב"ה אומרים אף משימות המת
13 Die Schule Šammajs sagt, dies nur, wenn man es noch vor seinem Tode beschlossen hatte; die Schule Hillels sagt, auch wenn nach seinem Tode.
יד ואתמר עלה אמר ר' הושעיא לטהר את הפתחים מכאן ולהבא מכאן ולהבא אין למפרע לא
14 Und hierzu wurde gelehrt: R. Hošaja sagte, nur die Geräte, die nachher hineinkommen, sind rein. Nur nachher, rückwirkend aber nicht!? –
טו אפוך ר' הושעיא אמר אין ברירה ור' יוחנן אמר יש ברירה
15 Wende es um: R. Hošaja sagt, es gebe keine fiktive Feststellung, und R. Joḥanan sagt, es gebe eine fiktive Feststellung. –
טז ומי אית ליה לר' יוחנן ברירה והאמר רב אסי א"ר יוחנן האחין שחלקו לקוחות הן ומחזירין זה לזה ביובל
16 Ist R. Joḥanan denn der Ansicht, es gebe eine fiktive Feststellung. R. Asi sagte ja im Namen R. Joḥanans: Brüder, die [eine Erbschaft] geteilt haben, gelten als Käufer und müssen im Jobeljahre einander zurückerstatten.
יז וכי תימא כי לית ליה לרבי יוחנן ברירה בדאורייתא אבל בדרבנן אית ליה
17 Wolltest du sagen, R. Joḥanan halte nichts von der fiktiven Feststellung bei einem Gebote der Tora,
יח ובדרבנן מי אית ליה והתני איו
18 wohl aber bei einem rabbanitischen, so lehrte ja Ajo:
יט ר' יהודה אומר אין אדם מתנה על שני דברים כאחד אלא אם בא חכם למזרח עירובו למזרח למערב עירובו למערב ואילו לכאן ולכאן לא
19 R. Jehuda sagt, niemand könne sich bedingungsweise zwei Eventualitäten gleichzeitig vorbehalten ’; vielmehr, kommt der Gelehrte aus der Ostseite, so ist sein E͑rub nach Osten gültig, und wenn aus der Westseite, so ist sein E͑rub nach Westen gültig, jedoch nicht da und dort.