Bekhorot 106

Kapitel 106

א אפשר כדרב יהודה דאמר רב יהודה מותר לו לאדם להטיל מום בבכור קודם שיצא לאויר העולם הכא נמי אפשר דשדי ביה מומא מעיקרא
1 Man kann auch nach R. Jehuda verfahren, denn R. Jehuda sagte, man dürfe dem Erstgeborenen, bevor es in den Weltenraum kommt, einen Leibesfehler beibringen. – Auch jenemkann man ja vorher einen Leibesfehler beibringen!? –
ב מי ידע הי נפיק וכי תימא דמפיק ליה בריש עשרה (ויקרא כז, לג) לא יבקר בין טוב לרע אמר רחמנא
2 Weiß man denn, welches [als Zehntes] herauskommen wird. Wolltest du erwidern, man kann es als Zehntes herauskommen lassen, so sagt ja der Allbarmherzige:<i>er suche nicht zwischen gut und schlecht</i>.
ג וכי תימא אפשר דשדי ביה מומא בכולי עדריה מהרה יבנה בית המקדש ובעינן בהמה להקרבה וליכא
3 Wolltest du erwidern, man könne seiner ganzen Herde Leibesfehler beibringen, so kann ja binnen Kurzem der Tempel erbaut werden, und wenn wir ein Vieh zur Darbringung brauchen, ist keines da. –
ד ה"נ בבכור בהמה מהרה יבנה בית המקדש ובעינן בהמה להקרבה וליכא אפשר בפשוטין
4 Dies gilt ja auch vom Erstgeborenen: binnen Kurzem kann der Tempel erbaut werden, und wenn wir ein Vieh zur Darbringung brauchen, ist keines da!? – Man kann Nichterstgeborene verwenden. –
ה הכא נמי אפשר בלקוחין כיון דאיהו שדי ביה מומא בכולי עדריה ושכיחי מומי דפסילי בקדשים דאפי' דוקין שבעין נמי פסלי לא שכיחי:
5 Auch dakann man ja gekaufteverwenden!? – Wenn man seiner ganzen Herde Leibesfehler bei bringt, und noch außerdem andere Leibesfehler Opfer untauglich machen, denn auch ein Häutchen am Auge macht untauglich, so fehlen sie.
ו בחולין אבל לא במוקדשין: מוקדשין פשיטא לאו דידיה נינהו
6 B<small>EI</small> P<small>ROFANEM</small>, <small>ABER NICHT BEI</small> H<small>EILIGEM</small>. Vom Heiligen ist es ja selbstverständlich, es ist ja nicht seines!? –
ז בקדשים קלים ואליבא דרבי יוסי הגלילי דאמר קדשים קלים ממון בעלים הם דתניא (ויקרא כז, ז) ומעלה מעל בה' לרבות קדשים קלים שהן ממון בעלים דברי רבי יוסי הגלילי סד"א ליעשרו קמ"ל
7 Bei Minderheiligem, nach R. Jose dem Galiläer, welcher sagt, Minderheiliges sei Eigentum des Besitzers. Es wird nämlich gelehrt:<i>Und am Herrn eine Veruntreuung begeht</i>, dies schließt Minderheiliges ein, das Eigentum des Besitzers ist – so R. Jose der Galiläer. Man könnte glauben, es sei zu verzehnten, so lehrt er uns. –
ח ואימא הכי נמי (ויקרא כז, ט) יהיה קדש אמר רחמנא ולא שכבר קדוש
8 Vielleicht ist dem auch so!? – Der Allbarmherzige sagt: <i>soll heilig sein</i>, nicht aber, was bereits heilig ist. –
ט טעמא דכתב רחמנא יהיה קדש הא לאו הכי הוה אמינא חיילא קדושת מעשר עילויהו השתא קדושה חמורה אקדושה קלה לא חיילא קדושה קלה אקדושה קלה מיבעיא
9 Nur aus dem Grunde, weil der Allbarmherzige geschrieben hat: <i>soll heilig sein</i>, sonst aber würde man gesagt haben, die Heiligkeit des Zehnten erstrecke sich auf dieses. Wenn aber die schwere Heiligkeit die leichte Heiligkeit nicht erfaßt, um wieviel weniger die leichte Heiligkeit die leichte Heiligkeit!? –
י מאי היא דתנן אחד קדשי מזבח ואחד קדשי בדק הבית אין משנין אותם מקדושה לקדושה אבל מקדישין אותו הקדש עילוי ומחרימין אותו
10 Welches Bewenden hat es damit? – Wir haben gelernt: Man darf weder Heiliges für den Altar, noch Heiliges für den Tempelreparaturfonds von einer Heiligkeit auf eine andre Heiligkeit abändern, wohl aber darf man ihren Schätzungswert heiligen oder als Banngut weihen. –
יא מהו דתימא התם דכל בהמה לאו לעולה קיימא אבל הכא דכל בהמה למעשר קיימא אע"ג דאקדשה לא פקע איסורא דמעשר מינה
11 Man könnte glauben, dies nur da, weil nicht jedes Vieh Brandopferist, hierbei aber, wo jedes Vieh zur Verzehntung bestimmt ist, entziehe man es nicht dem Verbote des Zehnten, auch wenn man es geheiligt hat. –
יב למאי נפקא מינה (ויקרא כז כח) בלא יגאל ובלא ימכר קמ"ל:
12 In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Hinsichtlich [des Verbots]:<i>es darf nicht ausgelöst werden</i>. So lehrt er uns.
יג ונוהג בבקר ובצאן ואין מתעשרין מזה על זה בכבשים ובעזים וכו': ויהיו חדש וישן מתעשרין מזה על זה מק"ו ומה כבשים ועזים שהם כלאים זה בזה מתעשרין מזה על זה חדש וישן שאינן כלאים זה בזה אינו דין שיתעשרו מזה על זה
13 E<small>S HAT</small> G<small>ELTUNG BEIM</small> R<small>INDE UND BEIM</small> K<small>LEINVIEH</small>, <small>JEDOCH DARF DER</small> Z<small>EHNT NICHT VON DEM EINEN FÜR DAS ANDRE ENTRICHTET WERDEN</small>; <small>BEI</small> S<small>CHAFEN UND BEI</small> Z<small>IEGEN</small> &amp;<small>C</small>. Sollte doch [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere gefolgert werden, daß diesjährige und vorjährige für einander verzehntet werden dürfen: wenn Schafe und Ziegen, die miteinander eine verbotene Mischung sind, für einander verzehntet werden dürfen, um wieviel mehr dürfen diesjährige und vorjährige, die miteinander keine verbotene Mischung sind, für einander verzehntet werden!? –
יד תלמוד לומר (דברים יד, כב) עשר תעשר בשתי מעשרות הכתוב מדבר אחד מעשר בהמה ואחד מעשר דגן ומקיש מעשר בהמה למעשר דגן מה מעשר דגן מחדש על הישן לא אף מעשר בהמה מחדש על הישן לא
14 Es heißt:<i>einen Zehnten verzehnten sollst du</i>, die Schrift spricht von zwei Zehnten, vom Vierzehnten und vom Getreidezehnten, und man vergleiche den Viehzehnten mit dem Getreidezehnten; wie den Getreidezehnten nicht von diesjährigen für vorjährige, ebenso den Viehzehnten nicht von diesjährigen für vorjährige. –
טו אי הכי כבשים ועזים נמי לימא מקיש מעשר בהמה למעשר דגן מה מעשר דגן ממין על שאינו מינו לא אף מעשר בהמה ממין על שאינו מינו לא רבי רחמנא צאן
15 Demnach sollte man dies auch von Schafen und Ziegen sagen, man vergleiche den Viehzehnten mit dem Getreidezehnten, wie den Getreidezehnten nicht von einer Art für eine andre Art, ebenso den Viehzehnten nicht von einer Art für eine andre Art!? – Der Allbarmherzige [schreibt] einschließend: <i>Kleinvieh</i>. –
טז אי הכי חדש וישן נמי הא כתיב (דברים יד, כב) עשר תעשר ומה ראית אמר רבא אמר קרא (דברים יד, כב) שנה שנה לשנה הקשתיו ולא לדבר אחר
16 Demnach sollte dies auch von diesjährigen und vorjährigen gelten!? – Es heißt ja: <i>einen Zehnten sollst du verzehnten</i>. – Was veranlaßt dich dazu!? Raba erwiderte: Die Schrift sagt:<i>Jahr für Jahr</i>, ich habe sie nur hinsichtlich des Jahresverglichen und nicht hinsichtlich einer andren Sache.
יז תנן התם אין תורמין ממין על שאינו מינו ואם תרם אין תרומתו תרומה מנא הני מילי אמר רבי אמי אמר רבי ינאי ואמרי לה א"ר אמי אמר רבי שמעון בן לקיש (במדבר יח, יב) כל חלב יצהר וכל חלב תירוש ודגן אמרה תורה תן חלב לזה וחלב לזה
17 Dort haben wir gelernt: Man darf nicht die Hebe entrichten von einer Art für die andre Art; hat man bereits entrichtet, so ist die Abhebung ungültig. Woher dies? R. Ami erwiderte im Namen R. Jannajs, manche sagen, R. Ami im Namen des R. Šimo͑n b. Laqiš:<i>Alles Beste vom Öl und alles Beste vom Most und vom Getreide</i>; die Tora sagt damit, daß man das Beste von diesem und das Beste von jenem [besonders] entrichte.