Bekhorot 70

Kapitel 70

א מימר אמר לא שביק צורבא מרבנן ויהיב לדידי רועי כהנים והן ישראל אינן נאמנין דחיישינן ללגימא
1 denn [der Hirt] denkt: er wird nicht einen Gelehrten übergehen und es mir geben. Die Hirten eines Priesters aber, selbst wenn sie Jisraéliten sind, sind nicht glaubhaft, denn wir berücksichtigen, er wolle etwas abbekommen,
ב וכ"ש כהן לכהן דחיישינן לגומלין וחיישינן ללגימא ואתא ר"ש למימר נאמן על של חבירו ואינו נאמן על של עצמו ואתא ר"מ למימר החשוד על הדבר לא דנו ולא מעידו
2 und um so weniger, wenn beide Priester sind, denn wir berücksichtigen Gegenseitigkeit, und wir berücksichtigen, er wolle etwas abbekommen. Hierzu sagt R. Šimo͑n b. Gamliél, er sei glaubhaft bei dem eines anderen, nicht aber sei er glaubhaft bei seinem eignen. Und R. Meír sagt, wer hinsichtlich einer Sache verdächtig ist, dürfe dabei nicht richten und nicht zeugen.
ג בשלמא למ"ד רועי ישראל והן כהנים נאמנין היינו דאתא ר"מ למימר החשוד על הדבר לא דנו ולא מעידו
3 Erklärlich ist es nach demjenigen, welcher sagt, die Hirten eines Jisraéliten, die Priester sind, seien glaubhaft, daß R. Meír hierzu lehrt, wer hinsichtlich einer Sache verdächtig ist, dürfe dabei nicht richten und nicht zeugen;
ד אלא למ"ד רועי כהנים בי ישראל אין נאמנין מאי אתא ר"מ לאשמועינן היינו ת"ק
4 was aber lehrt R. Meír nach demjenigen, welcher sagt, priesterliche Hirten bei einem Jisraéliten seien nicht glaubhaft, dies lehrt ja auch der erste Autor!? –
ה איכא בינייהו דר' יהושע בן קפוסאי דתניא רבי יהושע בן קפוסאי אומר בכור בי כהן צריך שנים מן השוק להעיד עליו
5 Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich der Lehre des R. Jehošua͑ b. Qapusaj. Es wird nämlich gelehrt: R. Jehošua͑ b. Qapusaj sagte: Über ein Erstgeborenes bei einem Priester müssen zwei von der Straßees bekunden.
ו רשב"ג אומר אפי' בנו אפי' בתו ר' יוסי אומר אפי' עשרה והן בני ביתו אין מעידין עליו
6 R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, sogar sein Sohn, sogar seine Tochter. R. Jose sagt, selbst wenn es zehn sind, aber Familienangehörige, dürfen sie darüber nicht bekunden. –
ז כמאן אזלא הא דאמר רב חסדא אמר רב קטינא ספק בכור שנולד בי ישראל צריך שנים מן השוק להעיד עליו
7 Wessen Ansicht vertritt die Lehre R. Ḥisdas im Namen R. Qaṭṭinas, daß über ein bei einem Jisraéliten geborenes zweifelhaft Erstgeborenes zwei von der Straße bekunden müssen?
ח כמאן כר' יהושע בן קפוסאי
8 Doch wohl die des R. Jehošua͑ b. Qapusaj.
ט ר"נ אמר בעלים מעידין עליו דאי לא תימא הכי מעשר לר"מ מי מעיד עליו
9 R. Naḥman aber sagt, der Eigentümer könne darüber bekunden, denn wer kann, wenn man nicht so sagen wollte, nach R. Meír über den Zehnten bekunden!? –
י מעשר ודאי מהימן דאי בעי שדי ביה מומא בכוליה עדריה אלא ספק בכור לר"מ מי מעיד עליו
10 Beim Zehnten ist er entschieden glaubhaft, denn wenn er wollte, könnte er seine ganze Herde fehlerbehaftetmachen. Wer aber kann nach R. Meír über ein zweifelhaft Erstgeborenes bekunden?
יא וכי תימא ה"נ דלית ליה תקנתא והתנן שהיה רבי יוסי אומר כל שחליפיו ביד כהן פטור מן המתנות ור"מ מחייב
11 Wolltest du erwidern, es gebe für dieses tatsächlich kein Mittel, so haben wir ja gelernt: denn R. Jose sagte, alles, wovon das Eingetauschte sich in der Hand des Priesters befindet, sei frei von den Priestergaben, nach R. Meír aber pflichtig.
יב אלא ש"מ בעלים מעידין עליו כהנים הוא דחשידי אמומי ישראל לא חשידי אמומי
12 Vielmehr ist hieraus zu entnehmen, daß der Eigentümer dabei zeugen kann. Priester sind hinsichtlich der Leibesfehler verdächtig, Jisraéliten sind hinsichtlich der Leibesfehler nicht verdächtig.
יג איתמר ר"נ אמר הלכה כרשב"ג רבא אמר הלכה כר' יוסי
13 Es wurde gelehrt: R. Naḥman sagt, die Halakha sei wie R. Šimo͑nb. Gamliél; Raba sagt, die Halakha sei wie R. Jose. –
יד ומי אמר רבא הכי והאמר רבא בעלים עומדים עמנו בחוץ נכנס שלם ויצא חבול מעידין עליו אימא כל בעלים עומדים ולא חיישי'
14 Kann Raba dies denn gesagt haben, Raba sagte ja, wenn der Eigentümer mit uns auf der Straße steht, und es unbeschädigt hineingegangen war und beschädigt herauskommt, könne man darüber bekunden. – Lies: all seine Eigentümer stehen, und man befürchte nicht. –
טו אי הכי מאי למימרא מהו דתימא ניחוש לחשדא קמ"ל והלכתא כרשב"ג ודוקא בנו ובתו אבל אשתו לא מ"ט אשתו כגופו דמי
15 Wozu braucht dies demnach gelehrt zu werden!? – Man könnte glauben, man befürchte eine Verdächtigung, so lehrt er uns. Die Halakha ist wie R. Šimo͑n b. Gamliél, und nur Sohn und Tochter, seine Frau aber nicht, denn seine Frau gleicht seiner eignen Person.
טז א"ל רב פפא לאביי לרבי מאיר דאמר החשוד על הדבר לא דנו ולא מעידו וקאמר רבי מאיר החשוד לדבר אחד חשוד לכל התורה כולה כהנים הכי נמי דלא דייני דינא והכתיב (דברים כא, ה) ועל פיהם יהיה כל ריב וכל נגע
16 R. Papa sprach zu Abajje: Demnach dürfen nach R. Meír, welcher sagt, wer in einer Sache verdächtig ist, dürfe darüber nicht richten und nicht zeugen, da nach R. Meír, wer hinsichtlich einer Sache verdächtig ist, verdächtig ist hinsichtlich der ganzen Tora, Priester nicht Recht sprechen, während es doch heißt:<i>nach ihrem Munde soll jeder Streit und jeder</i> <i>Aussatz entschieden werden</i>!? –