Berakhot 109

Kapitel 109

א כל המאריך בתפלתו ומעיין בה סוף בא לידי כאב לב שנאמר (משלי יג, יב) תוחלת ממושכה מחלה לב וא"ר יצחק שלשה דברים מזכירים עונותיו של אדם ואלו הן קיר נטוי ועיון תפלה ומוסר דין על חבירו לשמים
1 wer sein Gebet lange ausdehnt und [auf Erfüllung] sinnt, bekomme endlich Herzweh, denn es heißt: <i>hingezogenes Hoffen macht das Herz weh!</i>? Auch sagte R. Jiçḥaq: Drei Dinge bringen die Sünden des Menschen in Erinnerung, und zwar: eine sich neigende Wand, das Nachsinnen beim Gebete, und wenn man seinen Nächsten beim Himmel anklagt. –
ב הא לא קשיא הא דמעיין בה הא דלא מעיין בה והיכי עביד דמפיש ברחמי
2 Das ist kein Widerspruch; dies, wenn man [auf Erfüllung] sinnt, jenes, wenn man nicht darauf sinnt. – Wie mache man dies? – Man lese viel Gebete.
ג והמאריך על שלחנו דלמא אתי עניא ויהיב ליה דכתיב (יחזקאל מא, כב) המזבח עץ שלש אמות גבוה וכתיב (יחזקאל מא, כב) וידבר אלי זה השלחן אשר לפני ה' פתח במזבח וסיים בשלחן ר' יוחנן ור' אלעזר דאמרי תרוייהו כל זמן שבהמ"ק קיים מזבח מכפר על ישראל ועכשיו שלחנו של אדם מכפר עליו
3 «Wenn man lange bei Tisch verweilt.» Vielleicht kommt ein Armer, dem man etwas geben kann. Es heißt: <i>der Altar war aus Holz, drei Ellen hoch</i>, und darauf heißt es: <i>er sprach zu mir: Das ist der Tisch vor dem Herrn</i>. Er beginnt mit ‘Altar’ und schließt mit ‘Tisch’; R. Joḥanan und R. Elea͑zar sagten beide: Solange das Heiligtum bestand, pflegte der Altar für Jisraél zu sühnen, jetzt aber sühnt der Tisch des Menschen für ihn.
ד והמאריך בבית הכסא מעליותא הוא והתניא עשרה דברים מביאין את האדם לידי תחתוניות האוכל עלי קנים ועלי גפנים ולולבי גפנים ומוריגי בהמה ושדרו של דג ודג מליח שאינו מבושל כל צרכו והשותה שמרי יין והמקנח בסיד ובחרסית והמקנח בצרור שקנח בו חבירו וי"א אף התולה עצמו בבית הכסא יותר מדאי
4 Ist es denn was Gutes, lange im Aborte zu verweilen, es wird ja gelehrt, zehn Dinge bringen dem Menschen Unterleibsschmerzen: wenn man Rohrlaub, Weinlaub, Weinranken, das papillose Fleisch des Viehes, das Rückgrat des Fisches, oder einen nicht genügend gekochten gesalzenen Fisch ißt, wenn man Weinhefe trinkt, wenn man sich mit Kalk oder einer Scherbe oder mit einer Scholle, die sein Nächster benutzt hat, abwischt, und manche sagen, auch wenn man mehr als nötig im Aborte kauert!? –
ה לא קשיא הא דמאריך ותלי הא דמאריך ולא תלי
5 Das ist kein Widerspruch; dieses, wenn man sich lange kauernd aufhält, jenes, wenn man sich lange nicht kauernd aufhält.
ו כי הא דאמרה ליה ההיא מטרוניתא לר' יהודה בר' אלעאי פניך דומים למגדלי חזירים ולמלוי ברבית אמר לה הימנותא לדידי תרוייהו אסירן אלא עשרים וארבעה בית הכסא איכא מאושפיזאי לבי מדרשא דכי אזילנא בדיקנא נפשאי בכולהו.
6 So sagte auch eine Matrone zu R. Jehuda b. R. Elea͑j: Dein Gesicht gleicht dem der Schweinezüchter und Wucherer. Da sprach er zu ihr: Bei meiner Treu, beides ist mir verboten, aber vierundzwanzig Aborte habe ich von meiner Wohnung bis zum Lehrhause, und wenn ich gehe, versuche ich mich in jedem.
ז ואמר רב יהודה שלשה דברים מקצרים ימיו ושנותיו של אדם מי שנותנין לו ס"ת לקרות ואינו קורא כוס של ברכה לברך ואינו מברך והמנהיג עצמו ברבנות
7 Ferner sagte R. Jehuda: Drei Dinge verkürzen die Tage und Jahre des Menschen: wenn man einem das Torabuch zum Lesen vorlegt, und er nicht liest, wenn man einem den Becher des Tischsegens vorsetzt, daß er den Segen spreche, und er ihn nicht spricht, und wenn einer sich herrisch gebärdet.
ח ס"ת לקרות ואינו קורא דכתיב (דברים ל, כ) כי הוא חייך ואורך ימיך כוס של ברכה לברך ואינו מברך דכתיב (בראשית יב, ג) ואברכה מברכיך והמנהיג עצמו ברבנות דא"ר חמא בר חנינא מפני מה מת יוסף קודם לאחיו מפני שהנהיג עצמו ברבנות:
8 «Das Torabuch zum Lesen und er nicht liest», denn es heißt <i>sie ist dein Leben und die Verlängerung deiner Tage</i>. «Den Becher des Tischsegens, daß er den Segen spreche, und er ihn nicht spricht», denn es heißt: <i>ich werde segnen</i>, <i>die dich segnen</i>. «Wer sich herrisch gebärdet», denn R. Ḥama b. Ḥanina sagte, Joseph starb deshalb früher als seine Brüder, weil er sich herrisch gebärdete.
ט ואמר רב יהודה אמר רב שלשה צריכים רחמים מלך טוב שנה טובה וחלום טוב מלך טוב דכתיב (משלי כא, א) פלגי מים לב מלך ביד ה' שנה טובה דכתיב (דברים יא, יב) תמיד עיני ה' אלהיך בה מראשית השנה ועד אחרית שנה חלום טוב דכתיב (ישעיהו לח, טז) ותחלימני (ותחייני):
9 Ferner sagte R. Jehuda im Namen Rabhs: Drei benötigen der Barmherzigkeit: ein guter König, ein gutes Jahr und ein guter Traum. Ein guter König, denn es heißt: <i>gleich Wasserflüssen ist das Herz des Königs in der Hand des Herrn</i>. Ein gutes Jahr, denn es heißt: <i>die Augen des Herrn, deines Gottes, sind stets darauf gerichtet, vom Anfang des Jahres &amp;c</i>. Ein guter Traum, denn es heißt: <i>laß mich träumen</i> <i>und laß mich leben.</i>
י אמר רבי יוחנן שלשה דברים מכריז עליהם הקב"ה בעצמו ואלו הן רעב ושובע ופרנס טוב רעב דכתיב (מלכים ב ח, א) כי קרא ה' לרעב וגו' שובע דכתיב (יחזקאל לו, כט) וקראתי אל הדגן והרביתי אותו פרנס טוב דכתיב (שמות לא, ב) (ויאמר) ה' אל משה לאמר ראה קראתי בשם בצלאל וגו'
10 R. Joḥanan sagte: Drei Dinge ruft der Heilige, gepriesen sei er, selbst aus, und zwar: Hungersnot, Sattheit und einen guten Gemeindeverwalter. Hungersnot, denn es heißt: <i>der Herr hat die Hungersnot herbeigerufen &amp;c.</i> Sattheit, denn es heißt: <i>ich will das Getreide herbeirufen und es vermehren</i>. Einen [guten] Gemeindeverwalter, denn es heißt: <i>der Herr sprach zu Moše: Siehe, ich habe Beçalél mit Namen berufen &amp;c.</i>
יא אמר רבי יצחק אין מעמידין פרנס על הצבור אלא אם כן נמלכים בצבור שנא' (שמות לה, ל) ראו קרא ה' בשם בצלאל אמר לו הקדוש ברוך הוא למשה משה הגון עליך בצלאל אמר לו רבונו של עולם אם לפניך הגון לפני לא כל שכן אמר לו אף על פי כן לך אמור להם הלך ואמר להם לישראל הגון עליכם בצלאל אמרו לו אם לפני הקדוש ברוך הוא ולפניך הוא הגון לפנינו לא כל שכן
11 R. Jiçḥaq sagte: Man setzt über die Gemeinde keinen Verwalter, als bis man sich mit der Gemeinde beraten hat, denn es heißt: <i>siehe, ich habe Beçalél mit Namen berufen.</i> Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Moše: Moše, ist dir Beçalél recht? Dieser erwiderte: Herr der Weit, wenn er dir recht ist, um so mehr mir. [Gott] sprach: Geh dennoch und sage es ihnen. Da ging er hin und sprach zu Jisraél: Ist euch Beçalél recht? Sie erwiderten: Wenn er dem Heiligen, gepriesen sei er, und dir recht ist, um so mehr uns.
יב א"ר שמואל בר נחמני א"ר יונתן בצלאל על שם חכמתו נקרא בשעה שאמר לו הקדוש ברוך הוא למשה לך אמור לו לבצלאל עשה לי משכן ארון וכלים הלך משה והפך ואמר לו עשה ארון וכלים ומשכן אמר לו משה רבינו מנהגו של עולם אדם בונה בית ואחר כך מכניס לתוכו כלים ואתה אומר עשה לי ארון וכלים ומשכן כלים שאני עושה להיכן אכניסם שמא כך אמר לך הקב"ה עשה משכן ארון וכלים אמר לו שמא בצל אל היית וידעת
12 R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Beçalél wurde er wegen seiner Weisheit genannt. Als der Heilige, gepriesen sei er, zu Moše sprach: Geh und sage Beçalél, daß er mir eine Wohnung, eine Lade und Geräte mache, ging Moše hin und sagte es ihm verkehrt: mache eine Lade, Geräte und eine Wohnung. Da sprach jener zu ihm: Meister Moše, in der Welt ist es Brauch, daß der Mensch ein Haus zuerst baut, nachher erst bringt er Geräte hinein; du aber sprichst: mache mir eine Lade, Geräte und eine Wohnung. Wohin sollte ich die Geräte bringen, die ich anfertige!? Vielleicht aber hat der Heilige, gepriesen sei er, dir wie folgt gesagt: mache eine Wohnung, eine Lade und Geräte? Dieser erwiderte: Du warst wahrscheinlich im Schatten Gottes und hast dies erfahren.
יג אמר רב יהודה אמר רב יודע היה בצלאל לצרף אותיות שנבראו בהן שמים וארץ כתיב הכא (שמות לה, לא) וימלא אותו רוח אלהים בחכמה ובתבונה ובדעת וכתיב התם (משלי ג, יט) ה' בחכמה יסד ארץ כונן שמים בתבונה וכתיב (משלי ג, כ) בדעתו תהומות נבקעו
13 R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Beçalél verstand die Buchstaben zusammenzusetzen, mit denen Himmel und Erde erschaffen wurden; denn hier heißt es: <i>und der göttliche Geist erfüllte ihn mit Weisheit, Einsicht und Erkenntnis</i>, und dort heißt es: <i>der Herr gründete die Erde mit Weisheit, mit Einsicht errichtet er den Himmel</i>. Ferner: <i>mit seiner Einsicht wurden die Tiefen gespalten.</i>
יד אמר רבי יוחנן אין הקדוש ברוך הוא נותן חכמה אלא למי שיש בו חכמה שנא' (דניאל ב, כא) יהב חכמתא לחכימין ומנדעא לידעי בינה שמע רב תחליפא בר מערבא ואמרה קמיה דרבי אבהו אמר ליה אתון מהתם מתניתו לה אנן מהכא מתנינן לה דכתיב (שמות לא, ו) ובלב כל חכם לב נתתי חכמה:
14 R. Joḥanan sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, verleiht Weisheit nur demjenigen, der schon Weisheit besitzt, denn es heißt: <i>er verleiht Weisheit den Weisen und Erkenntnis den Einsichtsvollen.</i> R. Taḥlipha aus dem Westen hörte dies und sagte es vor R. Abahu; da sprach dieser zu ihm: Ihr entnehmet dies hieraus, wir entnehmen dies aus folgendem, es heißt: <i>in das Herz jedes Weisen habe ich Weisheit getan.</i>
טו אמר רב חסדא כל חלום ולא טוות ואמר רב חסדא חלמא דלא מפשר כאגרתא דלא מקריא ואמר רב חסדא לא חלמא טבא מקיים כוליה ולא חלמא בישא מקיים כוליה ואמר רב חסדא חלמא בישא עדיף מחלמא טבא וא"ר חסדא חלמא בישא עציבותיה מסתייה חלמא טבא חדויה מסתייה אמר רב יוסף חלמא טבא אפילו לדידי בדיחותיה מפכחא ליה ואמר רב חסדא חלמא בישא קשה מנגדא שנאמר (קהלת ג, יד) והאלהים עשה שייראו מלפניו ואמר רבה בר בר חנה א"ר יוחנן זה חלום רע
15 R. Ḥisda sagte: Jeder Traum [bedeutet etwas], nur nicht, wenn infolge des Fastens. Ferner sagte R. Ḥisda: Ein ungedeuteter Traum ist wie ein ungelesener Brief. Ferner sagte R. Ḥisda: Weder geht ein guter Traum ganz in Erfüllung, noch geht ein schlechter Traum ganz in Erfüllung. Ferner sagte R. Ḥisda: Besser ist ein schlechter Traum als ein guter Traum. Ferner sagte R. Ḥisda: Bei einem schlechten Traume genügt schon die Betrübnis, bei einem guten Traume genügt schon die Freude. R. Joseph sagte: Sogar bei mir macht die Heiterkeit den guten Traum wirkungslos. Ferner sagte R. Ḥisda: Ein schlechter Traum ist schlimmer als Geißelung, denn es heißt: <i>Gott tat es, damit man ihn fürchte,</i> worüber Rabba b. Bar Ḥana im Namen R. Joḥanans sagte, dies beziehe sich auf einen schlechten Traum.
טז (ירמיהו כג, כח) הנביא אשר אתו חלום יספר חלום ואשר דברי אתו ידבר דברי אמת מה לתבן את הבר נאם ה' וכי מה ענין בר ותבן אצל חלום אלא אמר ר' יוחנן משום ר' שמעון בן יוחי כשם שאי אפשר לבר בלא תבן כך אי אפשר לחלום בלא דברים בטלים
16 <i>Ein Prophet, der einen Traum hat, verkünde den Traum, der aber mein Wort hat, verkünde mein Wort in Wahrheit. Was soll das Stroh beim Korn? Spruch des Herrn.</i> Welche Bewandtnis haben Korn und Stroh zum Traume? Vielmehr, sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Johaj: Wie kein Korn ohne Stroh möglich ist, so wenig gibt es einen Traum ohne eitle Worte.
יז אמר ר' ברכיה חלום אף על פי שמקצתו מתקיים כולו אינו מתקיים מנא לן מיוסף דכתיב (בראשית לז, ט) והנה השמש והירח וגו'
17 R. Berekhja sagte: Wenn auch der Traum teilweise in Erfüllung geht, so geht er doch nicht ganz in Erfüllung. Woher dies? – Von Joseph, denn es heißt: <i>und siehe, die Sonne, der Mond &amp;c.</i>,