Berakhot 119

Kapitel 119

א מכלל דכי קנה וחזר וקנה דברי הכל אין צריך לברך
1 Demnach stimmen alle überein, daß, wenn er bereits einmal gekauft hat und wiederum kauft, er den Segen nicht zu sprechen brauche.
ב וא"ד אמר רב הונא לא שנו אלא שלא קנה וחזר וקנה אבל קנה וחזר וקנה אין צריך לברך ור' יוחנן אמר אפילו קנה וחזר וקנה צריך לברך מכלל דכי יש לו וקנה דברי הכל צריך לברך
2 Manche sagen: R. Hona sagte: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn er nicht bereits einmal gekauft hat und wiederum kauft, wenn er aber bereits einmal gekauft hat und wiederum kauft, braucht er den Segen nicht zu sprechen. R. Joḥanan aber sagt, auch wenn er bereits einmal gekauft hat und wiederum kauft, müsse er den Segen sprechen. Demnach stimmen alle überein, daß, wenn er solche hat und auch kauft, er den Segen sprechen müsse.
ג מיתיבי בנה בית חדש ואין לו כיוצא בו קנה כלים חדשים ואין לו כיוצא בהם צריך לברך יש לו כיוצא בהם אין צריך לברך דברי ר"מ ר' יהודה אומר בין כך ובין כך צריך לברך
3 Man wandte ein: Wer ein neues Haus baut und ein solches nicht hatte, wer neue Sachen kauft und solche nicht hatte, spreche den Segen; hatte er solche, so braucht er den Segen nicht zu sprechen – so R. Meír; R. Jehuda sagt, ob so oder so, müsse er den Segen sprechen.
ד בשלמא ללישנא קמא רב הונא כר"מ ורבי יוחנן כרבי יהודה אלא ללישנא בתרא בשלמא רב הונא כרבי יהודה אלא רבי יוחנן דאמר כמאן לא כר"מ ולא כרבי יהודה
4 Allerdings ist nach der ersten Lesart R. Hona der Ansicht R. Meírs und R. Joḥanan der R. Jehudas, nach der anderen Lesart aber kann zwar R. Hona der Ansicht R. Jehudas sein, wessen Ansicht ist aber R. Joḥanan: weder der R. Meírs noch der R. Jehudas!? –
ה אמר לך רבי יוחנן הוא הדין דלרבי יהודה קנה וחזר וקנה נמי צריך לברך והא דקא מיפלגי ביש לו וקנה להודיעך כחו דר"מ דאפי' קנה ויש לו אין צריך לברך וכל שכן קנה וחזר וקנה דאין צריך לברך
5 R. Joḥanan kann dir erwidern: Tatsächlich muß er nach R. Jehuda den Segen sprechen, auch wenn er bereits einmal gekauft hat und wiederum kauft, nur streiten sie deshalb über den Fall, wenn er es hatte und jetzt kauft, um dir die Ansicht R. Meírs hervorzuheben, daß er den Segen nicht zu sprechen brauche, auch wenn er es hatte und jetzt kauft, und um so weniger braucht er den Segen zu sprechen, wenn er bereits einmal gekauft hat und jetzt wiederum kauft. –
ו וליפלגו בקנה וחזר וקנה דאין צריך לברך להודיעך כחו דר' יהודה כח דהתירא עדיף ליה:
6 Sollten sie über den Fall streiten, wenn er es bereits einmal gekauft hat und jetzt wiederum kauft, wo man den Segen nicht zu sprechen braucht, um dir die Ansicht R. Jehudas hervorzuheben!? – Die erleichternde Ansicht ist ihm bevorzugter.
ז מברך על הרעה כו':
7 M<small>AN PREISE FÜR DAS</small> S<small>CHLECHTE</small> &amp;<small>C</small>.
ח היכי דמי כגון דשקל בדקא בארעיה אף על גב דטבא היא לדידיה דמסקא ארעא שירטון ושבחא השתא מיהא רעה היא:
8 Wie kann dies der Fall sein? – Wenn beispielsweise sein Feld überschwemmt worden ist; obgleich dies eigentlich zu seinem Vorteil ist, da das Feld dadurch Schlamm erhält und besser wird, so ist dies vorläufig dennoch Schlimmes.
ט ועל הטובה כו':
9 U<small>ND ÜBER DAS</small> G<small>UTE</small> &amp;<small>C</small>.
י היכי דמי כגון דאשכח מציאה אף על גב דרעה היא לדידיה דאי שמע בה מלכא שקיל לה מיניה השתא מיהא טובה היא:
10 Wie kann dies der Fall sein? – Wenn er beispielsweise etwas gefunden hat; obgleich dies für ihn schlimm [werden kann], denn wenn die Regierung dies erfährt, so nimmt man es ihm ab, so ist dies vorläufig dennoch Gutes.
יא היתה אשתו מעוברת ואמר יהי רצון שתלד כו' הרי זו תפלת שוא:
11 W<small>ENN SEINE</small> F<small>RAU SCHWANGER IST UND ER SPRICHT</small>: M<small>ÖGE ES</small> [G<small>OTT</small>] <small>WOHLGEFÄLLIG SEIN, DASS</small> &amp;<small>C. GEBÄRE, SO IST DIES EIN VERGEBLICHES</small> G<small>EBET</small>.
יב ולא מהני רחמי מתיב רב יוסף (בראשית ל, כא) ואחר ילדה בת ותקרא את שמה דינה מאי ואחר אמר רב לאחר שדנה לאה דין בעצמה ואמרה י"ב שבטים עתידין לצאת מיעקב ששה יצאו ממני וארבעה מן השפחות הרי עשרה אם זה זכר לא תהא אחותי רחל כאחת השפחות מיד נהפכה לבת שנא' ותקרא את שמה דינה אין מזכירין מעשה נסים
12 Demnach hilft das Beten nicht. R. Joseph wandte ein: <i>und nachher gebar sie eine Tochter und nannte sie Dina</i>. Was heißt ‘nachher’? Rabh erklärte: Nachdem Leá selber das Urteil gesprochen hatte. Sie sagte nämlich: Zwölf Stämme sollen von Ja͑qob hervorgehen; sechs sind bereits von mir hervorgegangen und vier von den Mägden, das sind zehn, und sollte auch dieses ein Knabe sein, so würde meine Schwester Raḥel nicht einmal so viel sein, wie eine der Mägde. Da wurde es sogleich in ein Mädchen verwandelt, wie es heißt: <i>und sie nannte sie Dina</i>. – Man beweise nichts von Wundertaten.
יג ואיבעית אימא מעשה דלאה בתוך ארבעים יום הוה כדתניא שלשה ימים הראשונים יבקש אדם רחמים שלא יסריח משלשה ועד ארבעים יבקש רחמים שיהא זכר מארבעים יום ועד שלשה חדשים יבקש רחמים שלא יהא סנדל משלשה חדשים ועד ששה יבקש רחמים שלא יהא נפל מששה ועד תשעה יבקש רחמים שיצא בשלום
13 Wenn du aber willst, sage ich: bei Leá geschah es innerhalb der vierzig Tage. Es wird nämlich gelehrt: In den ersten drei Tagen flehe man, daß [der Same] nicht verwese; von drei bis vierzig flehe man, daß es ein Knabe werde; vom vierzigsten Tage bis zu drei Monaten flehe man, daß es nicht eine Mißgeburt werde; von drei bis sechs Monaten flehe man, daß es keine Fehlgeburt werde; von sechs bis neun flehe man, daß es in Frieden herauskomme. –
יד ומי מהני רחמי והא"ר יצחק בריה דרב אמי איש מזריע תחלה יולדת נקבה אשה מזרעת תחלה יולדת זכר שנאמר (ויקרא יב, ב) אשה כי תזריע וילדה זכר הכא במאי עסקינן כגון שהזריעו שניהם בבת אחת:
14 Nützt ihm denn das Flehen, R. Jiçḥaq b. R. Ami sagte ja, wenn der Mann zuerst den Samen ausstößt, gebäre sie ein Mädchen, und wenn die Frau zuerst den Samen ausstößt, gebäre sie einen Knaben, denn es heißt: <i>wenn eine Frau Samen bringt und einen Knaben gebärt</i>!? – Hier handelt es sich um den Fall, wenn beide zugleich den Samen ausgestoßen haben.
טו היה בא בדרך:
15 W<small>ENN ER SICH AUF DER</small> R<small>EISE BEFINDET</small>.
טז ת"ר מעשה בהלל הזקן שהיה בא בדרך ושמע קול צוחה בעיר אמר מובטח אני שאין זה בתוך ביתי ועליו הכתוב אומר (תהלים קיב, ז) משמועה רעה לא יירא נכון לבו בטוח בה' אמר רבא כל היכי דדרשת להאי קרא מרישיה לסיפיה מדריש מסיפיה לרישיה מדריש מרישיה לסיפיה מדריש משמועה רעה לא יירא מה טעם נכון לבו בטוח בה' מסיפיה לרישיה מדריש נכון לבו בטוח בה' משמועה רעה לא יירא
16 Die Rabbanan lehrten: Einst befand sich Hillel der Ältere auf der Reise und hörte Geschrei aus der Stadt; da sprach er: Ich bin dessen sicher, daß dies nicht in meinem Hause ist. Über ihn spricht der Schriftvers: <i>Vor bösem Gerüchte fürchtet er nicht; fest ist sein Herz, vertrauend auf den Herrn</i>. Raba sagte: Wie du auch diesen Vers auslegst; du kannst ihn vom Anfang zum Schlusse auslegen, und du kannst ihn vom Schlüsse zum Anfang auslegen. Du kannst ihn vom Anfang zum Schlusse auslegen: er fürchtet sich nicht vor bösem Gerüchte, weil sein Herz fest ist und auf den Herrn vertrauend. Du kannst ihn vom Schlusse zum Anfang auslegen: ist sein Herz auf den Herrn vertrauend, so fürchtet er nicht vor bösem Gerüchte.
יז ההוא תלמידא דהוה קא אזיל בתריה דרבי ישמעאל ברבי יוסי בשוקא דציון חזייה דקא מפחיד אמר ליה חטאה את דכתיב (ישעיהו לג, יד) פחדו בציון חטאים אמר ליה והכתיב (משלי כח, יד) אשרי אדם מפחד תמיד אמר ליה ההוא בדברי תורה כתיב
17 Einst folgte ein Schüler R. Jišma͑él b. R. Jose auf der Straße (in Çijon), und als dieser bemerkte, daß er sich fürchtete, sprach er zu ihm: Du bist ein Sünder, denn es heißt: <i>die Sünder in Çijon fürchten sich</i>. Jener entgegnete: Es heißt ja: <i>Heil dem Manne, der stets fürchtet</i>!? Da erwiderte dieser: Dies bezieht sich ja auf Worte der Tora.
יח יהודה בר נתן הוה שקיל ואזיל בתריה דרב המנונא אתנח אמר ליה יסורים בעי ההוא גברא לאתויי אנפשיה דכתיב (איוב ג, כה) כי פחד פחדתי ויאתיני ואשר יגורתי יבא לי והא כתיב אשרי אדם מפחד תמיד ההוא בדברי תורה כתיב:
18 Jehuda b. Nathan folgte R. Hamnuna, sich mit ihm unterhaltend, und da er seufzte, sprach dieser: Dieser Mann will Leiden auf sich heraufbeschwören, denn es heißt: <i>die Angst, wovor ich mich ängstigte, traf mich; das, wovor ich gefürchtet, kam über mich</i>. – Es heißt ja aber: <i>Heil dem Manne, der sich stets ängstigt</i>!? – Dies bezieht sich auf Worte der Tora.
יט הנכנס לכרך:
19 W<small>ER IN EINE</small> G<small>ROSSSTADT KOMMT</small>.
כ תנו רבנן בכניסתו מהו אומר יהי רצון מלפניך ה' אלהי שתכניסני לכרך זה לשלום נכנס אומר מודה אני לפניך ה' אלהי שהכנסתני לכרך זה לשלום בקש לצאת אומר יהי רצון מלפניך ה' אלהי ואלהי אבותי שתוציאני מכרך זה לשלום יצא אומר מודה אני לפניך ה' אלהי שהוצאתני מכרך זה לשלום וכשם שהוצאתני לשלום כך תוליכני לשלום ותסמכני לשלום ותצעידני לשלום ותצילני מכף כל אויב ואורב בדרך
20 Die Rabbanan lehrten: Was spreche er bei seinem Einzuge? – Möge es dein Wille sein, o Herr, mein Gott, daß du mich in diese Großstadt in Frieden hineinführest. Ist er eingezogen, so spreche er: Ich danke dir, o Herr, mein Gott, daß du mich in diese Großstadt in Frieden hereingeführt hast. Will er hinausgehen, so spreche er: Möge es dein Wille sein, o Herr, mein Gott, daß du mich aus dieser Großstadt in Frieden hinausführest. Ist er hinausgegangen, so spreche er: Ich danke dir, o Herr, mein Gott, daß du mich aus dieser Großstadt in Frieden herausgeführt hast; und wie du mich in Frieden herausgeführt hast, so leite mich in Frieden, stütze mich in Frieden und lasse mich in Frieden schreiten und errette mich aus der Hand jedes Feindes und Wegelagerers.
כא אמר רב מתנא ל"ש אלא בכרך שאין דנין והורגין בו אבל בכרך שדנין והורגין בו לית לן בה
21 R. Mathna sagte: Dies lehrten sie nur von einer Großstadt, in der man ohne Urteilsspruch hinrichtet, in einer Großstadt aber, in der man nur mit Urteilsspruch hinrichtet, ist nichts dabei.
כב א"ד אמר רב מתנא אפילו בכרך שדנין והורגין בו זימנין דלא מתרמי ליה אינש דיליף ליה זכותא
22 Manche sagen: R. Mathna sagte: Auch in einer Großstadt, in der man nur mit Urteilsspruch hinrichtet, denn es kann vorkommen, daß er niemand findet, der ihn verteidigt.
כג ת"ר הנכנס לבית המרחץ אומר יהי רצון מלפניך יי' אלהי שתצילני מזה ומכיוצא בו ואל יארע בי דבר קלקלה ועון ואם יארע בי דבר קלקלה ועון תהא מיתתי כפרה לכל עונותי
23 Die Rabbanan lehrten: Wer in ein Badehaus eintritt, spreche: Möge es dein Wille sein, o Herr, mein Gott, daß du mich vor diesem und Ähnlichem beschützest, und daß mir keine Verderbnis und keine Sünde widerfahre; sollte mir Verderbnis und Sünde widerfahren, so sei mein Tod eine Sühne für all meine Sünden.
כד אמר אביי לא לימא אינש הכי דלא לפתח פומיה לשטן דאמר ר"ל וכן תנא משמיה דר' יוסי לעולם אל יפתח אדם פיו לשטן
24 Abajje sagte: Der Mensch spreche nicht so, damit er seinen Mund nicht öffne vor dem Satan. Reš Laqiš sagte nämlich, auch wurde es im Namen R. Joses gelehrt: Nie öffne der Mensch seinen Mund vor dem Satan.
כה אמר רב יוסף מאי קראה דכתיב (ישעיהו א, ט) כמעט כסדום היינו לעמורה דמינו מאי אהדר להו נביא שמעו דבר יי' קציני סדום וגו'
25 R. Joseph sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers; es heißt: <i>fast wären wir wie Sedom, glichen wir A͑mora</i>, und darauf erwiderte ihnen der Prophet: <i>höret das Wort des Herrn, Fürsten Sedoms &amp;c</i>. –
כו כי נפיק מאי אומר א"ר אחא מודה אני לפניך יי' אלהי שהצלתני מן האור
26 Was spreche er, wenn er herauskommt? R. Aḥa erwiderte: Ich danke dir, o Herr, mein Gott, daß du mich vor Feuer geschützt hast.
כז ר' אבהו על לבי בני אפחית בי בני מתותיה אתרחיש ליה ניסא קם על עמודא שזיב מאה וחד גברי בחד אבריה אמר היינו דר' אחא
27 Als einst R. Abahu im Badehause war, wurde das Bad unter ihm schadhaft, und es geschah ihm ein Wunder, daß er auf einem Balken stehen blieb; er rettete dann hundert und eine Person mit einem Arm. Da sprach er: Das ist es, was R. Aḥa gesagt hat.
כח דאמר רב אחא הנכנס להקיז דם אומר יהי רצון מלפניך יי' אלהי שיהא עסק זה לי לרפואה ותרפאני כי אל רופא נאמן אתה ורפואתך אמת לפי שאין דרכן של בני אדם לרפאות אלא שנהגו
28 Wer sich zur Ader lassen geht, spreche: Möge es dein Wille sein, o Herr, mein Gott, daß mir diese Handlung zur Genesung diene, und heile mich, denn du, o Gott, bist der wahre Arzt, und deine Heilung ist eine wirkliche. Die Gewohnheit der Menschen, sich heilen zu lassen, erfolgt nur deshalb, weil es so Brauch ist.
כט אמר אביי לא לימא אינש הכי דתני דבי רבי ישמעאל (שמות כא, יט) ורפא ירפא מכאן שניתנה רשות לרופא לרפאות
29 Abajje sagte: Man sage dies aber nicht, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: <i>Und heilen lasse er ihn</i>; hieraus, daß dem Arzt die Erlaubnis zu heilen gegeben ist. –
ל כי קאי מאי אומר אמר רב אחא ברוך רופא חנם
30 Was [spricht er], wenn er aufsteht? R. Aḥa sagte: Gepriesen sei er, der unentgeltlich heilt.