Berakhot 49

Kapitel 49

א אבל לתפלה עד שיכסה את לבו
1 zum Gebete aber muß auch das Herz bedeckt sein.
ב וא"ר הונא שכח ונכנס בתפילין לבית הכסא מניח ידו עליהן עד שיגמור עד שיגמור ס"ד אלא כדאמר ר"נ בר יצחק עד שיגמור עמוד ראשון ולפסוק לאלתר וליקום משום דרשב"ג דתניא רשב"ג אומר עמוד החוזר מביא את האדם לידי הדרוקן סילון החוזר מביא את האדם לידי ירקון:
2 Ferner sagte R. Hona: Wenn jemand vergessentlich mit den Tephillin in den Abort getreten ist, so bedecke er sie mit der Hand, bis er fertig ist. — Bis er fertig ist, wie kommst du darauf!? — Vielmehr, wie R. Naḥman b. Jiçḥaq gesagt hat, bis er mit der ersten [Kot]säule fertig ist. — Soll er doch sofort unterbrechen und aufstehen!? — Wegen [einer Lehre] des R. Šimo͑n b. Gamliél, denn es wird gelehrt: R. [Šimo͑n b.] Gamliél sagte: Die zurückgehaltene [Kot]säule bringt den Menschen zur Wassersucht, der zurückgehaltene Strahl bringt den Menschen zur Gelbsucht.
ג אתמר צואה על בשרו או ידו מונחת בבית הכסא רב הונא אמר מותר לקרות ק"ש רב חסדא אמר אסור לקרות ק"ש אמר רבא מ"ט דרב הונא דכתיב (תהלים קנ, ו) כל הנשמה תהלל יה
3 Es wurde gelehrt: Wenn jemand Kot an seinem Leibe hat oder seine Hand im Aborte hält, so darf er, wie R. Hona sagt, das Šema͑ lesen; R. Ḥisda sagt, er dürfe das Šema͑ nicht lesen. Raba sagte: Folgendes ist der Grund R. Honas, es heißt: <i>alles, was Odem hat, lobe den Herrn</i>. —
ד ורב חסדא אמר אסור לקרות ק"ש מ"ט דרב חסדא דכתיב (תהלים לה, י) כל עצמותי תאמרנה ה' מי כמוך:
4 «R. Ḥisda sagt, er dürfe das Šema͑ nicht lesen.» Was ist der Grund R. Ḥisdas? — Es heißt: <i>alle meine Gebeine sprechen: Herr, wer ist deinesgleichen</i>.
ה אתמר ריח רע שיש לו עיקר רב הונא אמר מרחיק ד' אמות וקורא ק"ש ורב חסדא אמר מרחיק ד' אמות ממקום שפסק הריח וקורא ק"ש
5 Es wurde gelehrt: Von einem schlechten Geruche, der einen Ausgangspunkt hat, entferne man sich, wie R. Hona sagt, vier Ellen und lese das Šema͑; R. Ḥisda sagt, man entferne sich vier Ellen von der Stelle, wo der schlechte Geruch aufhört, und lese das Šema͑.
ו תניא כותיה דרב חסדא לא יקרא אדם ק"ש לא כנגד צואת אדם ולא כנגד צואת כלבים ולא כנגד צואת חזירים ולא כנגד צואת תרנגולים ולא כנגד צואת אשפה שריחה רע ואם היה מקום גבוה עשרה טפחים או נמוך עשרה טפחים יושב בצדו וקורא ק"ש ואם לאו מרחיק מלא עיניו וכן לתפלה ריח רע שיש לו עיקר מרחיק ד' אמות ממקום הריח וקורא ק"ש
6 Übereinstimmend mit R. Ḥisda wird gelehrt: Man darf das Šema͑ nicht vor Menschenkot, vor Hundekot, vor Schweinekot, vor Hühnerkot oder vor übelriechendem Misthaufen(kot) lesen. Ist da ein zehn Handbreiten hoher oder zehn Handbreiten tiefer Platz, so setze man sich daneben und lese das Šema͑, wenn aber nicht, entferne man sich, soweit das Auge reicht. Dasselbe gilt auch vom Gebete. Von einem schlechten Geruche, der einen Ausgangspunkt hat, entferne man sich vier Ellen, von der Stelle aus, wo der schlechte Geruch [aufhört], und lese das Šema͑.
ז אמר רבא לית הלכתא כי הא מתניתא (בכל הני שמעתתא) אלא כי הא דתניא לא יקרא אדם ק"ש לא כנגד צואת אדם ולא כנגד צואת חזירים ולא כנגד צואת כלבים בזמן שנתן עורות לתוכן
7 Raba sagte: Die Halakha ist bei all diesen Lehren nicht wie diese Barajtha, sondern wie folgende Lehre: Man darf das Šema͑ nicht vor Menschenkot lesen, noch vor Schweinekot oder Hundekot, wenn Häute darin sind.
ח בעו מיניה מרב ששת ריח רע שאין לו עיקר מהו אמר להו אתו חזו הני ציפי דבי רב דהני גנו והני גרסי וה"מ בדברי תורה אבל בק"ש לא ודברי תורה נמי לא אמרן אלא דחבריה אבל דידיה לא:
8 Man fragte R. Šešeth: Wie ist es bei einem schlechten Geruche, der keinen Ausgangspunkt hat? Er erwiderte: Kommt, seht diese Matten in den Lehrhäusern, auf denen diese schlafen und jene lernen. Dies gilt nur vom Studium der Tora, nicht aber vom Šema͑lesen; und auch beim Studium der Tora gilt dies nur vom [üblen Geruche] seines Nächsten, nicht aber von seinem eigenen.
ט אתמר צואה עוברת אביי אמר מותר לקרות ק"ש רבא אמר אסור לקרות ק"ש
9 Es wurde gelehrt: Vor vorüberziehendem Kot darf man, wie Abajje sagt, das Šema͑ lesen; Raba sagt, es sei verboten, das Šema͑ zu lesen.
י אמר אביי מנא אמינא לה דתנן הטמא עומד תחת האילן והטהור עובר טמא טהור עומד תחת האילן וטמא עובר טהור ואם עמד טמא וכן באבן המנוגעת
10 Abajje sagte: Ich entnehme dies aus folgender Lehre: Wenn der Unreine unter dem Baume steht und der Reine vorübergeht, so wird er unrein, wenn aber der Reine unter dem Baume steht und der Unreine vorübergeht, so ist er rein, bleibt er aber stehen, so wird er unrein. Ebenso beim aussätzigen Steine. —
יא ורבא אמר לך התם בקביעותא תליא מילתא דכתיב (ויקרא יג, מו) בדד ישב מחוץ למחנה מושבו הכא (דברים כג, טו) והיה מחניך קדוש אמר רחמנא והא ליכא:
11 Und Raba? — Er kann dir folgendes erwidern: Da hängt es vom festen Platze ab, wie es heißt: <i>getrennt soll er sitzen, außerhalb des Lagers sei sein Aufenthalt</i>, hierbei aber sagt der Allbarmherzige: <i>heilig sei dein Lager</i>, was hier nicht der Fall ist.
יב א"ר פפא פי חזיר כצואה עוברת דמי פשיטא לא צריכא אע"ג דסליק מנהרא
12 R. Papa sagte: Die Schnauze des Schweines gleicht vorüberziehendem Kot. — Selbstverständlich!? — Nötig ist dies: selbst wenn es vom Flusse heraufkommt.
יג א"ר יהודה ספק צואה אסורה ספק מי רגלים מותרים א"ד אמר רב יהודה ספק צואה בבית מותרת באשפה אסורה ספק מי רגלים אפילו באשפה נמי מותרין
13 R. Jehuda sagte: Bei einem Zweifel, ob es Kot ist, ist es verboten, bei einem Zweifel, ob Urin, ist es erlaubt. Manche sagen: R. Jehuda sagte: Bei einem Zweifel, ob es Kot ist, ist es, wenn im Zimmer, erlaubt, wenn auf einem Misthaufen, verboten; bei einem Zweifel, ob Urin, ist es, auch wenn auf dem Misthaufen, erlaubt.
יד סבר לה כי הא דרב המנונא דאמר רב המנונא לא אסרה תורה אלא כנגד עמוד בלבד
14 Er ist der Ansicht R. Hamnunas, denn R. Hamnuna sagte: die Tora hat es nur vor dem [Urin-]strahl verboten.
טו וכדרבי יונתן דר' יונתן רמי כתיב (דברים כג, יג) ויד תהיה לך מחוץ למחנה ויצאת שמה חוץ וכתיב (דברים כג, יד) ויתד תהיה לך וגו' וכסית את צאתך
15 Dies auch nach R. Jonathan, denn R. Jonathan wies auf einen Widerspruch hin; es heißt: <i>du sollst außerhalb des Lagers einen Platz haben, daß du dort hinausgehst</i>, dagegen heißt es: <i>und eine Schaufel sollst du haben &amp;c</i>.
טז הא כיצד כאן בגדולים כאן בקטנים אלמא קטנים לא אסרה תורה אלא כנגד עמוד בלבד הא נפול לארעא שרי ורבנן הוא דגזרו בהו וכי גזרו בהו רבנן בודאן אבל בספקן לא גזור
16 Wie ist dies [zu erklären]? — das eine bei der großen, das andere bei der kleinen [Notdurft]. Hieraus, daß bei der kleinen die Tora es nur vor dem Strahle verboten hat, wenn er aber schon zur Erde gefallen, ist es erlaubt, nur haben die Rabbanan es verboten; die Rabbanan haben es aber nur bei Zweifellosem verboten, nicht aber haben sie es bei Zweifelhaftem verboten. —
יז ובודאן עד כמה אמר רב יהודה אמר שמואל כל זמן שמטפיחין וכן אמר רבה בב"ח א"ר יוחנן כל זמן שמטפיחין וכן אמר עולא כל זמן שמטפיחין גניבא משמיה דרב אמר כל זמן שרשומן ניכר
17 Wie lange bei Zweifellosem? — R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Solange er feucht ist. So sagte auch Rabba b. Bar Ḥana im Namen R. Joḥanans: Solange er feucht ist. So sagte auch U͑la: Solange er feucht ist. Geniba sagte im Namen Rabhs: Solange Spuren wahrnehmbar sind.
יח א"ר יוסף שרא ליה מריה לגניבא השתא צואה אמר רב יהודה אמר רב כיון שקרמו פניה מותר מי רגלים מיבעיא
18 R. Joseph sprach: Möge der Herr Geniba verzeihen. Sogar vom Kot sagte R. Jehuda im Namen Rabhs, es sei erlaubt, sobald sich oben eine Kruste gebildet hat, um so mehr gilt dies vom Urin.
יט א"ל אביי מאי חזית דסמכת אהא סמוך אהא דאמר רבה בר רב הונא אמר רב צואה אפילו כחרס אסורה
19 Abajje sprach zu ihm: Was veranlaßt dich, dich hierauf zu verlassen, verlasse dich auf das, was Rabba b. R. Hona im Namen Rabhs gesagt hat, bei Kot sei es verboten, auch wenn er einer Scherbe gleicht!? —
כ והיכי דמי צואה כחרס אמר רבה בב"ח א"ר יוחנן כל זמן שזורקה ואינה נפרכת וא"ד כל זמן שגוללה ואינה נפרכת
20 Welcher heißt scherbengleicher Kot? — Es wurde gelehrt: Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen des R. Joḥanan: wenn man ihn wirft und er nicht zerbröckelt; manche sagen; wenn man ihn wälzt und er nicht zerbröckelt.
כא אמר רבינא הוה קאימנא קמיה דרב יהודה מדפתי חזא צואה אמר לי עיין אי קרמו פניה אי לא א"ד הכי א"ל עיין אי מפלאי אפלויי
21 Rabina erzählte: Ich stand einmal vor R. Jehuda aus Diphte, und er bemerkte Kot; da sprach er zu mir: Sieh nach, ob sich eine Kruste gebildet hat oder nicht. Manche sagen, er habe zu ihm wie folgt gesagt: Sieh nach, ob er zerplatzt ist. —
כב מאי הוי עלה אתמר צואה כחרס אמימר אמר אסורה ומר זוטרא אמר מותרת אמר רבא הלכתא צואה כחרס אסורה ומי רגלים כל זמן שמטפיחין
22 Wie bleibt es damit? — Es wurde gelehrt: Vor scherben[hartem] Kot, ist es, wie Amemar sagt, verboten, und wie Mar Zuṭra sagt, erlaubt. Raba sagte: Die Halakha ist: vor scherben[hartem] Kot ist es verboten, vor Urin, solange er feucht ist.
כג מיתיבי מי רגלים כל זמן שמטפיחין אסורין נבלעו או יבשו מותרים מאי לאו נבלעו דומיא דיבשו מה יבשו דאין רשומן ניכר אף נבלעו דאין רשומן ניכר הא רשומן ניכר אסור אע"ג דאין מטפיחין
23 Man wandte ein: Vor Urin ist es verboten, solange er feucht ist, ist er aufgesogen oder verdunstet, so ist es erlaubt. Doch wohl ‘aufgesogen’ in gleicher Weise wie ‘verdunstet’; wie ‘verdunstet’, daß keine Spuren zurückbleiben, so auch ‘aufgesogen’, daß keine Spuren zurückbleiben; wenn aber Spuren zurückbleiben, ist es verboten, auch wenn er nicht feucht ist!? —
כד ולטעמיך אימא רישא כל זמן שמטפיחין הוא דאסור הא רשומן ניכר שרי אלא מהא ליכא למשמע מינה
24 Wie ist, auch nach deiner Auffassung, der Anfangssatz zu erklären: ist es denn verboten, nur solange es feucht ist, und erlaubt, wenn Spuren zu merken sind!? Vielmehr ist hieraus nichts zu entnehmen.
כה לימא כתנאי כלי שנשפכו ממנו מי רגלים אסור לקרות ק"ש כנגדו ומי רגלים עצמן שנשפכו נבלעו מותר לא נבלעו אסור ר' יוסי אומר כל זמן שמטפיחין
25 Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím [streiten]: Vor einem Gefäße, aus dem Urin ausgegossen wurde, darf man nicht das Šema͑ lesen; vor dem Urin selbst, der ausgegossen wurde, ist es, wenn er aufgesogen wurde, erlaubt, und wenn er nicht aufgesogen wurde, verboten. R. Jose sagt, solange er feucht ist.
כו מאי נבלעו ומאי לא נבלעו דקאמר ת"ק אילימא נבלעו דאין מטפיחין לא נבלעו דמטפיחין ואתא ר' יוסי למימר כ"ז שמטפיחין הוא דאסור הא רשומן ניכר שרי היינו ת"ק אלא נבלעו דאין רשומן ניכר לא נבלעו דרשומן ניכר ואתא ר' יוסי למימר כ"ז שמטפיחין הוא דאסור הא רשומן ניכר שרי
26 Was ist nun unter ‘aufgesogen’ und ‘nicht aufgesogen’, von dem er spricht, zu verstehen: wollte man sagen, ‘aufgesogen’ heiße nicht feucht, ‘nicht aufgesogen’ heiße feucht, und hierzu sagt R. Jose, solange er feucht ist, sei es verboten, wenn aber nur Spuren zu merken sind, sei es erlaubt, so ist dies ja das, was der erste Tanna sagt!? Vielmehr bedeutet ‘aufgesogen’, wenn keine Spuren zu merken sind, ‘nicht aufgesogen’, wenn Spuren zu merken sind, und hierzu sagt R. Jose, nur solange er feucht ist, sei es verboten, wenn aber nur Spuren zu merken sind, sei es erlaubt. —
כז לא דכ"ע כ"ז שמטפיחין הוא דאסור הא רשומן ניכר שרי
27 Nein; alle stimmen überein, daß es verboten sei, solange er feucht ist, und erlaubt, wenn Spuren zu merken sind,