Berakhot 66

Kapitel 66

א אמר ליה רבינא לרבא הלכתא מאי אמר ליה כי קידוש מה קידוש אף על גב דמקדש בצלותא מקדש אכסא אף הבדלה נמי אע"ג דמבדיל בצלותא מבדיל אכסא:
1 Rabina sprach zu Raba: Wie ist die Halakha? Dieser erwiderte: Gleich dem Weihsegen; wie man den Weihsegen, obgleich man ihn im Gebete spricht, auch über den Becher spreche, so spreche man auch den Unterscheidungssegen, obgleich man ihn im Gebete spricht, auch über den Becher.
ב ר' אליעזר אומר בהודאה:
2 R. E<small>LIE͑ZER SAGT, IM</small> D<small>ANKSEGEN</small>.
ג ר' זירא הוה רכיב חמרא הוה קא שקיל ואזיל ר' חייא בר אבין בתריה אמר ליה ודאי דאמריתו משמיה דר' יוחנן הלכה כר' אליעזר ביום טוב שחל להיות אחר השבת אמר ליה אין
3 R. Zera ritt einst auf einem Esel und R. Ḥija b. Abin ging, sich unterhaltend, hinter ihm einher. Da sprach er zu ihm: Ist es wahr, daß ihr im Namen R. Joḥanans gesagt habt, die Halakha sei wie R. Elie͑zer, wenn ein Festtag auf den Šabbath folgt? Jener erwiderte: Gewiß.
ד הלכה מכלל דפליגי
4 Ob so die Halakha ist, streitet denn jemand dagegen!? —
ה ולא פליגי והא פליגי רבנן
5 Streiten sie etwa nicht, die Rabbanan streiten ja dagegen!? —
ו אימר דפליגי רבנן בשאר ימות השנה ביום טוב שחל להיות אחר השבת מי פליגי
6 Die Rabbanan streiten nur hinsichtlich der übrigen Tage des Jahres, aber streiten sie etwa [über den Fall], wenn ein Festtag auf den Šabbath folgt!? —
ז והא פליג ר' עקיבא
7 R. A͑qiba streitet ja dagegen!? —
ח אטו כל השנה כולה מי עבדינן כר' עקיבא דהשתא ניקו ונעביד כוותיה כל השנה כולה מאי טעמא לא עבדינן כרבי עקיבא דתמני סרי תקון תשסרי לא תקון הכא נמי שב תקון תמני לא תקון
8 Verfahren wir denn das ganze Jahr nach R. A͑qiba, daß wir jetzt nach seiner Ansicht verfahren sollten!? — Das ganze Jahr verfahren wir nicht nach R. A͑qiba, weil sie achtzehn (angeordnet) und nicht neunzehn angeordnet haben; ebenso haben sie auch hier, sieben (angeordnet), und nicht acht angeordnet.
ט אמר ליה לאו הלכה אתמר אלא מטין אתמר
9 Jener sprach: Es wurde nicht gelehrt, daß die Halakha so sei, sondern daß man dazu neige.
י דאתמר ר' יצחק בר אבדימי אמר משום רבינו הלכה ואמרי לה מטין
10 Es wurde gelehrt: R. Jiçḥaq b. Evdämi sagt im Namen unseres Meisters, so sei die Halakha; manche sagen, man neige dazu;
יא ר' יוחנן אמר מודים ור' חייא בר אבא אמר נראין
11 R. Joḥanan sagt, sie gäben es zu; R. Ḥija b. Abba sagt, so leuchte es ein.
יב אמר ר' זירא נקוט דרבי חייא בר אבא בידך דדייק וגמר שמעתא מפומא דמרה שפיר כרחבא דפומבדיתא
12 R. Zera sagte: Halte an der [Ansicht] des R. Ḥija b. Abba, denn er erwog und lernte die Lehre aus dem Munde seines Lehrers so genau, wie Reḥaba aus Pumbeditha.
יג דאמר רחבא אמר ר' יהודה הר הבית סטיו כפול היה והיה סטיו לפנים מסטיו
13 Reḥaba sagte nämlich im Namen R. Jehudas: Der Tempelberg hatte eine Doppelstoa, eine Stoa innerhalb einer Stoa.
יד אמר רב יוסף אנא לא האי ידענא ולא האי ידענא אלא מדרב ושמואל ידענא דתקינו לן מרגניתא בבבל
14 R. Joseph sagte: Ich weiß weder das eine, noch weiß ich das andere, aber das des Rabh und Šemuél weiß ich, die uns in Babylonien Köstliches angeordnet haben:
טו ותודיענו ה' אלהינו את משפטי צדקך ותלמדנו לעשות חקי רצונך ותנחילנו זמני ששון וחגי נדבה ותורישנו קדושת שבת וכבוד מועד וחגיגת הרגל בין קדושת שבת לקדושת יום טוב הבדלת ואת יום השביעי מששת ימי המעשה קדשת הבדלת וקדשת את עמך ישראל בקדושתך ותתן לנו וכו':
15 ‘Du hast uns erkennen lassen die Gesetze deiner Gerechtigkeit, und hast uns gelehrt, die Satzungen deines Willens zu üben. Du hast uns zuteil werden lassen Zeiten der Freude und Feste der Freiwilligkeit, und hast uns erben lassen die Heiligkeit des Šabbaths, die Herrlichkeit des Feiertages und die Feier des Festes. Zwischen der Heiligkeit des Šabbaths und der Heiligkeit des Festtages hast du gesondert; und den siebenten Tag hast du vor den sechs Werktagen geheiligt und gesondert. Du hast uns gegeben &amp;c.’
טז <big><strong>מתני׳</strong></big> האומר על קן צפור יגיעו רחמיך ועל טוב יזכר שמך מודים מודים משתקין אותו:
16 <b>W</b><small>ENN JEMAND SAGT</small>: ‘<small>BIS AUF DAS</small> V<small>OGELNEST</small> <small>ERSTRECKT SICH DEIN</small> E<small>RBARMEN</small>’, <small>ODER</small>: ‘<small>OB DES</small> G<small>UTEN SEI DEINES</small> N<small>AMENS GEDACHT</small>’, <small>ODER</small>: ‘<small>WIR DANKEN, WIR DANKEN</small>’,
יז <big><strong>גמ׳</strong></big> בשלמא מודים מודים משתקין אותו משום דמיחזי כשתי רשויות ועל טוב יזכר שמך נמי משמע על הטובה ולא על הרעה ותנן חייב אדם לברך על הרעה כשם שמברך על הטובה אלא על קן צפור יגיעו רחמיך מ"ט
17 <small>SO HEISST MAN IHN SCHWEIGEN</small>. W<small>ENN JEMAND VOR DAS</small> V<small>ORBETERPULT TRITT UND SICH IRRT, SO TRETE EIN ANDERER AN SEINER</small> S<small>TELLE</small>; <small>MAN LASSE SICH DABEI NICHT NÖTIGEN</small>. W<small>O BEGINNE DIESER</small>? – <small>WO JENER SICH GEIRRT HAT</small>. GEMARA. Erklärlich ist es, daß man ihn schweigen heißt, wenn er ‘wir danken, wir danken’ sagt, weil es den Anschein hat, als [glaube er an] zwei Prinzipien, ebenso wegen ‘ob des Guten sei deines Namens gedacht’, weil das heißt: nur für das Gute, nicht aber für das Schlechte, während wir gelernt haben, man sei verpflichtet, für das Schlechte zu preisen, wie man für das Gute preist, warum aber wegen ‘bis auf das Vogelnest erstreckt sich dein Erbarmen’!? –
יח פליגי בה תרי אמוראי במערבא רבי יוסי בר אבין ורבי יוסי בר זבידא חד אמר מפני שמטיל קנאה במעשה בראשית וחד אמר מפני שעושה מדותיו של הקדוש ברוך הוא רחמים ואינן אלא גזרות
18 Hierüber streiten im Westen zwei Amoraím, R. Jose b. Abin und R. Jose b. Zebida; einer erklärt: weil er dadurch Neid in der Schöpfung erregt, und der andere erklärt, weil er die Gebote des Heiligen, gepriesen sei er, zur Barmherzigkeit macht, während sie Befehle sind.
יט ההוא דנחית קמיה דרבה ואמר אתה חסת על קן צפור אתה חוס ורחם עלינו אמר רבה כמה ידע האי צורבא מרבנן לרצויי למריה א"ל אביי והא משתקין אותו תנן
19 Einst trat jemand in Gegenwart Rabbas vor und betete: Du hast des Vogelnestes geschont, schone auch und erbarme dich unser! Da sprach Rabba: Wie sehr versteht es dieser Jünger, seinen Herrn zu besänftigen. Abajje sprach zu ihm: Wir haben ja gelernt, man heiße ihn schweigen!?
כ ורבה נמי לחדודי לאביי הוא דבעי
20 Rabba aber wollte nur Abajje prüfen.
כא ההוא דנחית קמיה דר' חנינא אמר האל הגדול הגבור והנורא והאדיר והעזוז והיראוי החזק והאמיץ והודאי והנכבד
21 Einst trat jemand in Gegenwart R. Ḥaninas vor und betete: Gott, der Große, der Mächtige, der Furchtbare, der Starke, der Kräftige, der Gefürchtete, der Feste, der Mutige, der Zuverlässige und der Verehrte.
כב המתין לו עד דסיים כי סיים א"ל סיימתינהו לכולהו שבחי דמרך למה לי כולי האי אנן הני תלת דאמרינן אי לאו דאמרינהו משה רבינו באורייתא ואתו אנשי כנסת הגדולה ותקנינהו בתפלה לא הוינן יכולין למימר להו ואת אמרת כולי האי ואזלת משל למלך בשר ודם שהיו לו אלף אלפים דינרי זהב והיו מקלסין אותו בשל כסף והלא גנאי הוא לו:
22 Dieser wartete, bis er beendete, und als er beendet hatte, sprach er zu ihm: Bist du mit allen Lobpreisungen deines Herrn zu Ende, wozu dies alles!? Auch die drei, die wir [im Gebete] sagen, dürften wir nicht sagen, hätte unser Lehrer Moše sie nicht in der Tora gesagt, und wären die Männer der Großsynode nicht gekommen und sie im Gebete angeordnet; du aber fährst fort und sagst dies alles!? Ein Gleichnis. Als wenn man einen König von Fleisch und Blut, der tausende Myriaden Golddenare besitzt, wegen silberner preisen würde. Wäre dies nicht für ihn eine Herabsetzung!?
כג ואמר רבי חנינא הכל בידי שמים חוץ מיראת שמים שנאמר (דברים י, יב) ועתה ישראל מה ה' אלהיך שואל מעמך כי אם ליראה
23 R. Ḥanina sagte: Alles in den Händen des Himmels, ausgenommen die Gottesfurcht, denn es heißt: <i>und nun Jisraél, was verlangt der Herr, dein Gott, von dir, als ihn zu fürchten</i>.
כד אטו יראת שמים מילתא זוטרתא היא והא"ר חנינא משום ר' שמעון בן יוחי אין לו להקב"ה בבית גנזיו אלא אוצר של יראת שמים שנאמר (ישעיהו לג, ו) יראת ה' היא אוצרו
24 Ist denn die Gottesfurcht eine Kleinigkeit!? R. Ḥanina sagte ja im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Nichts hat der Heilige, gepriesen sei er, in seiner Schatzkammer, als den Schatz der Gottesfurcht, denn es heißt: <i>die Gottesfurcht, das ist sein Schatz</i>. –
כה אין לגבי משה מילתא זוטרתא היא דאמר ר' חנינא משל לאדם שמבקשים ממנו כלי גדול ויש לו דומה עליו ככלי קטן קטן ואין לו דומה עליו ככלי גדול:
25 Freilich, für Moše war es eine Kleinigkeit. R. Ḥanina sagte nämlich: Ein Gleichnis. Wenn man von einem Menschen ein großes Gerät verlangt und er es hat, so kommt es ihm wie ein kleines Gerät vor, wenn ein kleines und er es nicht hat, so kommt es ihm wie ein großes Gerät vor.
כו מודים מודים משתקין אותו:
26 ‘W<small>IR DANKEN, WIR DANKEN</small>’, <small>SO HEISST MAN IHN SCHWEIGEN</small>.
כז אמר ר' זירא כל האומר שמע שמע כאומר מודים מודים דמי
27 R. Zera sagte: Wenn man ‘höre, höre’ sagt, so ist es ebenso, als wenn man sagt ‘wir danken, wir danken’.
כח מיתיבי הקורא את שמע וכופלה הרי זה מגונה מגונה הוא דהוי שתוקי לא משתקינן ליה
28 Man wandte ein: Wenn man das Šema͑ liest und es wiederholt, so ist dies verwerflich. Nur verwerflich ist es, schweigen aber heißt man ihn nicht!? –
כט לא קשיא הא דאמר מילתא מילתא ותני לה והא דאמר פסוקא פסוקא ותני ליה
29 Das ist kein Einwand; dies, wenn er Wort nach Wort wiederholt, jenes, wenn er Satz nach Satz wiederholt.
ל אמר ליה רב פפא לאביי ודילמא מעיקרא לא כוון דעתיה ולבסוף כוון דעתיה
30 R. Papa sprach zu Abajje: Vielleicht hatte er vorher seine Gedanken nicht andächtig gestimmt, später aber seine Gedanken wohl andächtig gestimmt?
לא אמר ליה
31 Dieser erwiderte: