Berakhot 72

Kapitel 72

א ולוקח ובלבד שלא יראנו לוקט
1 und kaufen, nur ihn nicht lesen sehen!? –
ב רבי עקיבא במקום ר"א עבדינן כותיה וב"ש במקום ב"ה אינה משנה
2 Wir entscheiden nach R. A͑qiba gegen R. Elie͑zer, und die Schule Šammajs gegen die Schule Hillels ist bedeutungslos. –
ג ותיפוק ליה דנעשה שומר לפרי ורחמנא אמר (ויקרא יט, כג) וערלתם ערלתו את פריו את הטפל לפריו ומאי ניהו שומר לפרי
3 Es ist ja aber zu berücksichtigen, daß [die Schale] ein Schutz der Frucht ist, und der Allbarmherzige sagt: <i>ihr sollt ihn Ungeweihtes sein lassen, seine Frucht</i>, auch das, was zur Frucht gehört, nämlich das, was die Frucht beschützt.
ד אמר רבא היכא אמרינן דנעשה שומר לפרי היכא דאיתיה בין בתלוש בין במחובר הכא במחובר איתיה בתלוש ליתיה
4 Raba erwiderte: Als Schutz der Frucht gilt nur das, was sich sowohl am Gepflückten, als auch am [am Baume] Haftenden befindet, diese aber befindet sich nur am Haftenden, nicht aber am Gepflückten.
ה איתיביה אביי פיטמא של רמון מצטרפת והנץ שלו אין מצטרף מדקאמר הנץ שלו אין מצטרף אלמא דלאו אוכל הוא ותנ' גבי ערלה קליפי רמון והנץ שלו קליפי אגוזים והגרעינין חייבין בערלה
5 Abajje wandte gegen ihn ein: Der Knopf des Granatapfels wird mit diesem vereinigt, die Blüte wird nicht vereinigt. Da er sagt, die Blüte werde nicht vereinigt, so ist sie ja keine Speise, hinsichtlich des Ungeweihten aber wird gelehrt, die Schale des Granatapfels und seine Blüte, Nußschale und Fruchtkerne unterliegen dem Gesetze vom Ungeweihten!?
ו אלא אמר רבא היכא אמרינן דנעשה להו שומר לפירי היכא דאיתיה בשעת גמר פירא האי קפרס ליתיה בשעת גמר פירא
6 Vielmehr, erwiderte Raba, Schutz der Frucht heißt nur das, was auch bei Reife der Frucht vorhanden ist, die Kapernschale aber ist bei der Reife der Frucht nicht mehr vorhanden. –
ז איני והאמר רב נחמן אמר רבה בר אבוה הני מתחלי דערלה אסירי הואיל ונעשו שומר לפירי ושומר לפירי אימת הוי בכופרא וקא קרי ליה שומר לפירי
7 Dem ist ja aber nicht so, R. Naḥman sagte ja im Namen des Rabba b. Abuha, die Dattelschoten von Ungeweihtem seien verboten, weil sie ein Schutz der Frucht sind. Schutz der Frucht sind sie ja nur bei der unreifen Dattel, dennoch nennt er sie Schutz für die Frucht!? –
ח רב נחמן סבר לה כרבי יוסי דתנן רבי יוסי אומר סמדר אסור מפני שהוא פרי ופליגי רבנן עליה
8 R. Naḥman ist der Ansicht R. Joses, denn wir haben gelernt, R. Jose sagt, der Weintraubenansatz sei verboten, weil er eine Frucht ist; die Rabbanan aber streiten gegen ihn.
ט מתקיף לה רב שימי מנהרדעא ובשאר אילני מי פליגי רבנן עליה והתנן מאימתי אין קוצצין את האילנות בשביעית ב"ש אומרים כל האילנות משיוציאו וב"ה אומרים החרובין משישרשרו והגפנים משיגרעו והזיתים משיניצו ושאר כל האילנות משיוציאו
9 R. Šimi aus Nehardea͑ wandte ein: Streiten denn die Rabbanan gegen ihn bezüglich anderer Bäume, wir haben ja gelernt: Von wann an darf man die Fruchtbäume im Siebentjahre nicht mehr abhauen? Die Schule Šammajs sagt, keinen Baum, sobald er Frucht hervorbringt; die Schule Hillels sagt, den Johannisbrotbaum, sobald er kettenartig herunterhängt, Weinstöcke, sobald sie kernig sind, Oliven, sobald sie blühen, alle anderen Bäume, sobald sie [Frucht] hervorbringen.
י ואמר רב אסי הוא בוסר הוא גרוע הוא פול הלבן פול הלבן ס"ד אלא אימא שיעורו כפול הלבן מאן שמעת ליה דאמר בוסר אין סמדר לא רבנן וקתני שאר כל האילנות משיוציאו
10 Hierzu sagte R. Asi: ‘Unreifes’, ‘Kerniges’ und ‘weiße Bohne’ sind dasselbe. – ‘Weiße Bohne’, wie kommst du darauf!? – Sage vielmehr: so groß, wie die weiße Bohne. Die Rabbanan sind es ja, die der Ansicht sind, nur das Unreife [heiße Frucht], und nicht der Weintraubenansatz, und er lehrt: alle anderen Bäume, sobald sie [Frucht] hervorbringen!?
יא אלא אמר רבא היכא אמרינן דהוי שומר לפרי היכא דכי שקלת ליה לשומר מיית פירא הכא כי שקלת ליה לא מיית פירא
11 Vielmehr, erwiderte Raba, Schutz der Frucht heißt es nur dann, wenn die Frucht abstirbt, falls man den Schutz entfernt, hierbei aber stirbt die Frucht nicht ab, wenn man ihn auch entfernt.
יב הוה עובדא ושקלוה לנץ דרמונא ויבש רמונא ושקלוה לפרחא דביטיתא ואיקיים ביטיתא
12 Einst entfernte man die Blüte eines Granatapfels, und der Granatapfel verdorrte; man entfernte die Blüte [des Blumenkelches], und der Blumenkelch blieb erhalten.
יג (והלכתא כמר בר רב אשי דזריק את האביונות ואכיל את הקפריסין ומדלגבי ערלה לאו פירא נינהו לגבי ברכות נמי לאו פירא נינהו ולא מברכינן עליה בורא פרי העץ אלא בורא פרי האדמה)
13 Die Halakha ist wie Mar b. R. Aši, der die Kerne weggeworfen und die Schale gegessen hat. Und da sie bezüglich des Ungeweihten keine Früchte sind, sind sie auch bezüglich des Segensspruches keine Früchte, man spricht über sie nicht den Segen ‘Der die Baumfrucht erschafft’, sondern ‘Der die Erdfrucht erschafft’.
יד פלפלי רב ששת אמר שהכל רבא אמר לא כלום ואזדא רבא לטעמיה דאמר רבא כס פלפלי ביומי דכפורי פטור כס זנגבילא ביומא דכפורי פטור
14 Über Pfeffer [spreche man], wie R. Šešeth sagt, ‘Alles entsteht durch sein Wort’, und wie Raba sagt, überhaupt nichts. Raba richtet sich hierin nach seiner Ansicht, denn Raba sagte, wer am Versöhnungstage Pfeffer kaut, sei straffrei, wer Ingwer am Versöhnungstage kaut, sei straffrei.
טו מיתיבי היה ר"מ אומר ממשמע שנאמר וערלתם ערלתו את פריו איני יודע שעץ מאכל הוא אלא מה ת"ל עץ מאכל להביא עץ שטעם עצו ופריו שוה ואיזהו זה הפלפלין ללמדך שהפלפלין חייבין בערלה וללמדך שאין ארץ ישראל חסרה כלום שנאמר (דברים ח, ט) ארץ אשר לא במסכנות תאכל בה לחם לא תחסר כל בה
15 Man wandte ein: R. Meír sagte: Wenn es heißt<i>:</i> <i>ihr sollt ihn Ungeweihtes sein lassen, seine Frucht</i>, so weiß ich ja, daß ein Baum eßbarer Frucht gemeint ist, wozu heißt es: <i>Bäume eßbarer Frucht</i>? – um einen Baum einzuschließen, dessen Holz und Früchte den gleichen Geschmack haben, nämlich die Pfefferpflanze, dich zu lehren, daß die Pfefferpflanze dem Gesetze vom Ungeweihten unterliegt, und dich zu lehren, daß es im Jisraélland an nichts fehle, wie es heißt: <i>ein Land, in dem du nicht in Dürftigkeit Brot essen wirst, darin an nichts mangelt</i>. –
טז לא קשיא הא ברטיבתא הא ביבשתא
16 Das ist kein Einwand; das eine gilt von eingemachtem, und das andere von trockenem.
יז אמרי ליה רבנן למרימר כס זנגבילא ביומא דכפורי פטור והא אמר רבא האי המלתא דאתיא מבי הנדואי שריא ומברכין עליה בפה"א לא קשיא הא ברטיבתא הא ביבשתא
17 Die Rabbanan sprachen zu Meremar: Ist denn, wer Ingwer am Versöhnungstage kaut, straffrei, Raba sagte ja, das indische Ingwermus sei [zum Genuß] erlaubt, und man spreche darüber den Segen ‘Der die Bodenfrucht erschafft’!? – Das ist kein Einwand; das eine gilt von eingemachtem und das andere von trockenem.
יח חביץ קדרה וכן דייסא רב יהודה אמר שהכל נהיה בדברו רב כהנא אמר במ"מ בדייסא גרידא כ"ע לא פליגי דבמ"מ כי פליגי בדייסא כעין חביץ קדרה רב יהודה אמר שהכל סבר דובשא עיקר רב כהנא אמר בורא מיני מזונות סבר סמידא עיקר א"ר יוסף כותיה דרב כהנא מסתברא דרב ושמואל דאמרי תרוייהו כל שיש בו מחמשת המינין מברכין עליו בורא מיני מזונות:
18 Über den Topfpudding, ebenso Graupenbrei spreche man, wie R. Jehuda sagt, ‘Alles entsteht durch sein Wort’, und wie R. Kahana sagt, ‘Der allerlei Speisen erschafft’. Bezüglich des gewöhnlichen Graupenbreies stimmen alle überein, daß man ‘Der allerlei Speisen erschafft’ spreche, sie streiten nur über den Graupenbrei nach Art eines Topfpuddings: R. Jehuda sagt, ‘Alles’, denn er ist der Ansicht, der Honig sei die Hauptsache, R. Kahana sagt, ‘Der allerlei Speisen erschafft‘, denn er ist der Ansicht, das Mehl sei die Hauptsache. R. Joseph sagte: Die Ansicht R. Kahanas ist einleuchtender, denn Rabh und Šemuél sagten beide, über alles, worin eine der fünf Getreidearten enthalten ist, spreche man den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’.
יט גופא רב ושמואל דאמרי תרוייהו כל שיש בו מחמשת המינין מברכין עליו בורא מיני מזונות ואיתמר נמי רב ושמואל דאמרי תרווייהו כל שהוא מחמשת המינין מברכין עליו בורא מיני מזונות
19 Der Text. Rabh und Šemuél sagten beide: Über alles, worin eine der fünf Getreidearten enthalten ist, spreche man den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’. Ferner wurde gelehrt: Rabh und Šemuél sagten beide: Über alles, was aus einer der fünf Getreidearten besteht, spreche man den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’.
כ וצריכא דאי אשמעינן כל שהוא הוה אמינא משום דאיתיה בעיניה אבל על ידי תערובות לא
20 Und [beide Lehren] sind nötig; würde es nur von dem, was besteht, gelehrt worden sein, so könnte man glauben, weil es sein Wesen behält, nicht aber gelte dies von Mischungen;