Chagigah 10

Kapitel 10

א אינו מהם אמרו ליה רבנן לרבא מר לא בהסתר פנים איתיה ולא בוהיה לאכול איתיה אמר להו מי ידעיתו כמה משדרנא בצנעא בי שבור מלכא אפי' הכי יהבו ביה רבנן עינייהו אדהכי שדור דבי שבור מלכא וגרבוהו אמר היינו דתניא אמר רבן שמעון בן גמליאל כל מקום שנתנו חכמים עיניהם או מיתה או עוני
1 gehört nicht zu ihnen. Die Jünger sprachen zu Raba: Dem Meister ist ja weder das Angesicht verborgen, noch wird er ausgeplündert! Dieser erwiderte: Wißt ihr denn, wieviel ich heimlich an den König Sapor sende!? Die Jünger hatten aber bereits ihr Auge auf ihn gerichtet, und währenddessen wurden Leute vom König Sapor gesandt, die ihn ausplünderten. Da sprach er: Das ist es, was gelehrt wird: R. Šimo͑n b.Gamliél sagte: Wo die Weisen ihre Augen richten, ist entweder Tod oder Armut.
ב (דברים לא, יח) ואנכי הסתר אסתיר פני ביום ההוא אמר רבא אמר הקב"ה אף על פי שהסתרתי פני מהם בחלום אדבר בו רב יוסף אמר ידו נטויה עלינו שנאמר (ישעיהו נא, טז) ובצל ידי כסיתיך
2 <i>Ich aber werde [an jenem Tage] gänzlich mein Gesicht vor ihnen verbergen</i>. Raba sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Wenn ich auch mein Gesicht vor ihnen verberge, so spreche ich dennoch mit ihnen im Traume. R. Joseph sagte: Seine Hand ist über uns ausgebreitet, denn es heißt: <i>mit dem Schatten meiner Hand bedeckte ich dich</i>.
ג ר' יהושע בן חנניה הוה קאי בי קיסר אחוי ליה ההוא אפיקורוסא עמא דאהדרינהו מריה לאפיה מיניה אחוי ליה ידו נטויה עלינו אמר ליה קיסר לר' יהושע מאי אחוי לך עמא דאהדרינהו מריה לאפיה מיניה ואנא מחוינא ליה ידו נטויה עלינו
3 R. Jehošua͑ b. Ḥananja befand sich einst beim Kaiser, und ein Minäer winkte ihm zu: Ein Volk, von dem sein Herr das Gesicht abgewandt. Da winkte er diesem zu: Seine Hand ist über uns ausgebreitet. Darauf fragte der Kaiser R. Jehošua͑: Was winkte er dir zu? – Ein Volk, von dem sein Herr das Gesicht abgewandt hat, und ich winkte ihm zurück, seine Hand sei über uns ausgebreitet.
ד אמרו ליה לההוא מינא מאי אחויית ליה עמא דאהדרינהו מריה מיניה ומאי אחוי לך לא ידענא אמרו גברא דלא ידע מאי מחוו ליה במחוג יחוי קמי מלכא אפקוהו וקטלוהו
4 Hierauf fragten sie jenen: Was winktest du ihm zu? – Ein Volk, von dem sein Herr das Gesicht abgewandt. – Und was winkte er dir zu? – Das weiß ich nicht. Da sprachen sie: Wie kann ein Mann, der nicht versteht, was man ihm zuwinkt, in Gegenwart des Kaisers winken!? Alsdann führten sie ihn ab und töteten ihn.
ה כי קא ניחא נפשיה דרבי יהושע בן חנניה אמרו ליה רבנן מאי תיהוי עלן מאפיקורוסין אמר להם (ירמיהו מט, ז) אבדה עצה מבנים נסרחה חכמתם כיון שאבדה עצה מבנים נסרחה חכמתן של אומות העולם
5 Als die Seele des R. Jehošua͑ b. Ḥananja zur Ruhe einkehren sollte, sprachen die Rabbanan zu ihm: Wer wird uns nun gegen die Minäer [verteidigen]? Dieser erwiderte: <i>Der Rat ist von den Verständigen</i><i>fort, ihre Weisheit verlaufen;</i> sobald Rat von den Verständigen fort ist, so ist auch die Weisheit der weltlichen Völker verlaufen.
ו ואי בעית אימא מהכא (בראשית לג, יב) ויאמר נסעה ונלכה ואלכה לנגדך
6 Wenn du willst, sage ich: hieraus: <i>und er sprach: Laß uns aufbrechen und weiter ziehen; ich ziehe neben dir</i>.
ז רבי אילא הוה סליק בדרגא דבי רבה בר שילא שמעיה לינוקא דהוה קא קרי (עמוס ד, יג) כי הנה יוצר הרים ובורא רוח ומגיד לאדם מה שיחו אמר עבד שרבו מגיד לו מה שיחו תקנה יש לו מאי מה שיחו אמר רב אפילו שיחה יתירה שבין איש לאשתו מגידים לו לאדם בשעת מיתה
7 Einst hörte R. Ila, als er die Treppe des Hauses des Rabba b. Šila bestieg, ein Kind folgenden Schriftvers lesen: <i>Denn fürwahr, er ist es, der die Berge gebildet und den Wind geschaffen hat, der dem Menschen sagt, was er gesprochen hat</i>. Da sprach er: Gibt es ein Mittel für den Sklaven, den sein Herr wegen jedes Gespräches zur Rede stellt!? – Was heißt: was er gesprochen hat? Rabh erwiderte: Selbst wegen eines unnötigen Gespräches, das ein Mann mit seiner Frau führt, stellt man ihn beim Sterben zur Rede. –
ח איני והא רב כהנא הוה גני תותי פורייה דרב ושמעיה דסח וצחק ועשה צרכיו אמר דמי פומיה דרב כמאן דלא טעים ליה תבשילא אמר ליה כהנא פוק לאו אורח ארעא
8 Dem ist ja aber nicht so!? Einst legte sich R. Kahana unter das Bett Rabhs, und er hörte ihn plaudern und scherzen und das Nötige tun; da sprach er: Der Mund Rabhs scheint noch keine Speise gekostet zu haben! Jener sprach zu ihm: Kahana, geh hinaus, dies ist unschicklich! –
ט לא קשיא כאן דצריך לרצויה הא דלא צריך לרצויה
9 Das ist kein Einwand; das eine, wenn man sie geneigt machen muß, und das eine, wenn man sie nicht geneigt zu machen braucht.
י (ירמיהו יג, יז) ואם לא תשמעוה במסתרים תבכה נפשי מפני גוה אמר רב שמואל בר איניא משמיה דרב מקום יש לו להקב"ה ומסתרים שמו מאי מפני גוה אמר רב שמואל בר יצחק מפני גאוותן של ישראל שניטלה מהם ונתנה לעובדי כוכבים ר' שמואל בר נחמני אמר מפני גאוותה של מלכות שמים
10 <i>Wenn ihr aber nicht darauf hört, so will ich im Verborgenen weinen, wegen des Stolzes</i>. R. Šemuél b. Inja sagte im Namen Rabhs: Der Heilige, gepriesen sei er, hat einen Ort, der Verborgenes heißt. – Was heißt: wegen des Stolzes? R. Šemuél b. Jiçḥaq sagte: Wegen des Stolzes, der Jisraél abgenommen und den weltlichen Völkern gegeben worden ist. R. Šemuél b. Naḥmani sagte: Wegen des Stolzes der himmlischen Herrschaft. –
יא ומי איכא בכיה קמיה הקב"ה והאמר רב פפא אין עציבות לפני הקב"ה שנאמר (דברי הימים א טז, כז) הוד והדר לפניו עוז וחדוה במקומו לא קשיא הא בבתי גואי הא בבתי בראי
11 Gibt es denn beim Heiligen, gepriesen sei er, ein Weinen, R. Papa sagte ja, vor dem Heiligen, gepriesen sei er, gebe es keine Traurigkeit, denn es heißt: <i>Schönheit und Pracht vor ihm, Stärke und Frohlocken an seinem Wohnsitze</i>!? – Das ist kein Einwand; eines gilt von den inneren Räumen und eines gilt von den äußeren Räumen. –
יב ובבתי בראי לא והא כתיב (ישעיהו כב, יב) ויקרא אדני ה' צבאות ביום ההוא לבכי ולמספד ולקרחה ולחגור שק שאני חרבן בית המקדש דאפילו מלאכי שלום בכו שנאמר (ישעיהו לג, ז) הן אראלם צעקו חוצה מלאכי שלום מר יבכיון:
12 In den äußeren etwa nicht, es heißt ja aber: <i>und Gott, der Herr der Heerscharen, rief an jenem Tage zum Weinen und zum Klagen und zum Glatzescheren und zum Anlegen von Säcken</i>!? – Anders war es bei der Zerstörung des Tempels, worüber sogar die Friedensengel weinten, wie es heißt: <i>da jammerten draußen die Edlen, die Friedensengel weinten bitterlich.</i>
יג (ירמיהו יג, יז) ודמע תדמע ותרד עיני דמעה כי נשבה עדר ה' אמר ר' אלעזר שלש דמעות הללו למה אחת על מקדש ראשון ואחת על מקדש שני ואחת על ישראל שגלו ממקומן ואיכא דאמרי אחת על ביטול תורה
13 <i>Und unaufhörlich (Tränen) tränen, ja, in Tränen zerfließen soll mein Auge, weil die Herde des Herrn gefangen wurde.</i> R. Elea͑zar sagte: Worauf deuten diese drei ‘Tränen’? Einmal über die Zerstörung des ersten Tempels, einmal über die Zerstörung des zweiten Tempels und einmal über Jisraél, das aus seiner Stätte verbannt worden ist. Manche erklären: Einmal über die Aussetzung des Torastudiums. –
יד בשלמא למאן דאמר על ישראל שגלו היינו דכתיב כי נשבה עדר ה' אלא למאן דאמר על ביטול תורה מאי כי נשבה עדר ה' כיון שגלו ישראל ממקומן אין לך ביטול תורה גדול מזה
14 Einleuchtend ist es nach demjenigen, welcher erklärt: über Jisraél, das aus seiner Stätte verbannt worden ist, denn es heißt: <i>weil die Herde des Herrn gefangen wurde,</i> wieso aber heißt es: <i>weil die Herde des Herrn gefangen wurde,</i> nach demjenigen, welcher erklärt: über die Aussetzung des Torastudiums!? – Ist Jisraél aus seiner Stätte verbannt, so gibt es ja keine größere Aussetzung des Torastudiums als dies.
טו תנו רבנן שלשה הקב"ה בוכה עליהן בכל יום על שאפשר לעסוק בתורה ואינו עוסק ועל שאי אפשר לעסוק בתורה ועוסק ועל פרנס המתגאה על הצבור
15 Die Rabbanan lehrten: Über drei weint der Heilige, gepriesen sei er, täglich: über einen, dem es möglich ist, sich mit der Tora zu befassen, es aber nicht tut, über einen, dem es nicht möglich ist, sich mit der Tora zu befassen, es aber dennoch tut, und über einen Gemeindevorsteher, der sich gegen die Gemeinde hochmütig gebart.
טז רבי הוה נקיט ספר קינות וקא קרי בגויה כי מטא להאי פסוקא (איכה ב, א) השליך משמים ארץ נפל מן ידיה אמר מאיגרא רם לבירא עמיקתא
16 Einst hielt Rabbi das Buch der Klagelieder und las daraus; als er herankam an den Vers: <i>Vom Himmel warf er zur Erde</i>, fiel es ihm aus der Hand, und er rief: Von einem so hohen Dache in eine so tiefe Grube!
יז רבי ורבי חייא הוו שקלי ואזלי באורחא כי מטו לההוא מתא אמרי איכא צורבא מרבנן הכא נזיל וניקביל אפיה אמרי איכא צורבא מרבנן הכא ומאור עינים הוא אמר ליה ר' חייא לרבי תיב את לא תזלזל בנשיאותך איזיל אנא ואקביל אפיה
17 Rabbi und R. Ḥija befanden sich einst auf einer Wanderreise, und als sie in eine Stadt kamen, sprachen sie: Wohnt hier ein Gelehrter, so wollen wir ihn besuchen. Da berichtete man ihnen: Hier gibt es einen Gelehrten, und er ist blind. Darauf sprach R. Ḥija zu Rabbi: Bleibe du hier, du darfst deine Fürstenwürde nicht herabsetzen; ich werde ihn besuchen gehen.
יח תקפיה ואזל בהדיה כי הוו מיפטרי מיניה אמר להו אתם הקבלתם פנים הנראים ואינן רואין תזכו להקביל פנים הרואים ואינן נראין אמר ליה איכו השתא מנעתן מהאי בירכתא
18 Dieser aber hielt ihn fest und ging mit. Als sie sich von jenem verabschiedeten, sprach er zu ihnen: Ihr habt einen besucht, der gesehen wird und nicht sieht, möge es euch beschieden sein, den zu besuchen, der sieht und nicht gesehen wird. Da sprach [Rabbi zu R. Ḥija]: Fast hättest du mir diesen Segen vorenthalten.
יט אמרו ליה ממאן שמיעא לך מפרקיה דרבי יעקב שמיע לי דרבי יעקב איש כפר חיטייא הוה מקביל אפיה דרביה כל יומא כי קש א"ל לא נצטער מר דלא יכיל מר
19 Alsdann fragten sie ihn: Von wem hast du dies gehört? – Ich habe dies bei einem Vortrage des R. Ja͑qob gehört. R. Ja͑qob aus Kephar Ḥiṭja pflegte seinen Lehrer täglich zu besuchen. Als er alt wurde, sprach jener zu ihm: Möge sich der Meister nicht bemühen, da er es nicht kann!
כ אמר ליה מי זוטר מאי דכתיב בהו ברבנן (תהלים מט, י) ויחי עוד לנצח לא יראה השחת כי יראה חכמים ימותו ומה הרואה חכמים במיתתן יחיה בחייהן על אחת כמה וכמה
20 Dieser aber erwiderte: Nicht gering ist das, was von den Rabbanan geschrieben steht <i>damit er immer fortlebe, die Grube wird er nicht sehen; er sieht, wie die Weisen sterben</i>. Wenn nun derjenige, der die Weisen bei ihrem Sterben sieht, fortleben wird, um wieviel mehr derjenige, der sie bei ihrem Leben sieht.
כא רב אידי אבוה דרבי יעקב בר אידי הוה רגיל דהוה אזיל תלתא ירחי באורחא וחד יומא בבי רב והוו קרו ליה רבנן בר בי רב דחד יומא חלש דעתיה קרי אנפשיה (איוב יב, ד) שחוק לרעהו אהיה וגו' א"ל ר' יוחנן במטותא מינך לא תעניש להו רבנן
21 R. Idi, der Vater des R. Ja͑qob b. Idi, pflegte drei Monate auf der Reise zu verbringen und einen Tag im Lehrhause, und die Jünger nannten ihn ‘Eintagsschüler’. Darüber war er niedergeschlagen, und er las über sich: <i>der Spott meiner Genossen muß ich sein.</i> Da sprach R. Joḥanan zu ihm: Ich bitte dich, du sollst keine Strafe über die Jünger heraufbeschwören!
כב נפק ר' יוחנן לבי מדרשא ודרש (ישעיהו נח, ב) ואותי יום יום ידרשון ודעת דרכי יחפצון וכי ביום דורשין אותו ובלילה אין דורשין אותו אלא לומר לך כל העוסק בתורה אפי' יום אחד בשנה מעלה עליו הכתוב כאילו עסק כל השנה כולה
22 Darauf ging R. Joḥanan ins Lehrhaus und trug vor: <i>Tag für Tag forschen sie nach mir, und nach der Kenntnis meiner Wege verlangen sie.</i> Forscht man denn nach ihm nur am Tage und nicht auch nachts? Vielmehr besagt dies, daß, wenn jemand sich auch nur einen Tag im Jahre mit der Tora befaßt, die Schrift es ihm anrechnet, als hätte er sich damit das ganze Jahr hindurch befaßt.
כג וכן במדת פורענות דכתיב (במדבר יד, לד) במספר הימים אשר תרתם את הארץ וכי ארבעים שנה חטאו והלא ארבעים יום חטאו אלא לומר לך כל העובר עבירה אפי' יום אחד בשנה מעלה עליו הכתוב כאילו עבר כל השנה כולה:
23 Dasselbe gilt auch von der Strafe. Es heißt: <i>entsprechend den Tagen, in denen ihr das Land ausgekundschaftet habt;</i> haben sie denn vierzig Jahre gesündigt, sie haben ja nur vierzig Tage gesündigt!? Dies besagt vielmehr, daß, wenn jemand auch nur einen Tag im Jahre eine Sünde begeht, die Schrift es ihm anrechnet, als hätte er dies das ganze Jahr hindurch getan.
כד אי זהו קטן כל שאינו יכול לרכוב על כתפו של אביו: מתקיף לה רבי זירא
24 W<small>ELCHES</small> [K<small>IND</small>] <small>HEISST</small> [<small>DIESBEZÜGLICH</small>] <small>MINDERJÄHRIG?</small> D<small>AS NICHT AUF</small> <small>SEINES</small> V<small>ATERS</small> S<small>CHULTERN REITEND</small> &amp;<small>C</small>. R. Zera wandte ein: