Chagigah 5

Kapitel 5

א חייב בשמחה ואת שאינו לא שומע ולא מדבר ושוטה וקטן פטורין אף מן השמחה הואיל ופטורין מכל מצות האמורות בתורה מאי שנא לענין ראיה דפטירי ומאי שנא לענין שמחה דמחייבי
1 so ist er dennoch zur Festfreude verpflichtet. Der aber weder hören noch sprechen kann, ein Blöder und ein Minderjähriger sind auch von der Festfreude frei, da sie von allen in der Tora genannten Geboten frei sind. – Weshalb sind sie vom Erscheinen frei und zur Festfreude verpflichtet? –
ב לענין ראיה גמר ראיה ראיה מהקהל דכתיב (דברים לא, יב) הקהל את העם האנשים והנשים והטף וכתיב (דברים לא, יא) בבא כל ישראל לראות
2 Hinsichtlich des Erscheinens ist es durch [das Wort] <i>erscheinen</i> von der Versammlung zu entnehmen, denn es heißt: <i>versammle das Volk, Männer, Frauen und Kinder,</i> und [vorangehend] heißt es: <i>wenn ganz Jisraél erscheint.</i> –
ג והתם מנלן דכתיב (דברים לא, יב) למען ישמעו ולמען ילמדו ותניא למען ישמעו פרט למדבר ואינו שומע ולמען ילמדו פרט לשומע ואינו מדבר
3 Woher dies von der Versammlung selbst? – Es heißt: <i>damit sie es hören und damit sie es lernen,</i> und hierzu wird gelehrt: <i>damit sie es hören,</i> ausgenommen, der sprechen und nicht hören kann; <i>damit sie es lernen,</i> ausgenommen, der hören und nicht sprechen kann. –
ד למימרא דכי לא משתעי לא גמר והא הנהו תרי אילמי דהוו בשבבותיה דרבי בני ברתיה דרבי יוחנן בן גודגדא ואמרי לה בני אחתיה דרבי יוחנן דכל אימת דהוה עייל רבי לבי מדרשא הוו עיילי ויתבי קמייהו ומניידי ברישייהו ומרחשין שפוותייהו
4 Demnach kann, wer nicht sprechen kann, auch nicht lernen; einst waren ja aber in der Nachbarschaft Rabbis zwei Stumme, Tochterssöhne des R. Joḥanan b. Gudgada, und wie manche sagen, Schwesterssöhne R. Joḥanans, die, sobald Rabbi ins Lehrhaus kam, sich vor ihn setzten und mit den Köpfen nickten und die Lippen bewegten,
ה ובעי רבי רחמי עלייהו ואיתסו ואשתכח דהוו גמירי הלכתא וספרא וספרי וכולה הש"ס
5 und als Rabbi für sie um Erbarmen flehte und sie geheilt wurden, stellte es sich heraus, daß sie Halakha, Siphra, Siphre und den ganzen Talmud gelernt hatten!?
ו אמר מר זוטרא קרי ביה למען ילמדו רב אשי אמר ודאי למען ילמדו הוא דאי סלקא דעתך למען ילמדו וכיון דלא משתעי לא גמר וכיון דלא שמע לא גמר
6 Mar Zuṭra erwiderte: Lies: damit sie es lehren. R. Aši sagte: ohnehin leseman: damit sie es lehren. Wolltest du sagen, er folgere es aus [der Lesart]: damit sie es lernen, so könnte man es ja auch aus [den Worten]: damit sie es hören folgern, denn wer nicht spricht, lernt nicht, und wer nicht hört, lernt nicht;
ז האי מלמען ישמעו נפקא אלא ודאי למען ילמדו הוא
7 vielmehr folgert er aus [der Lesart]: damit sie es lehren.
ח אמר ר' תנחום חרש באזנו אחת פטור מן הראיה שנאמר (דברים לא, יא) באזניהם
8 R. Tanḥum sagte: Wer auf einem Ohre taub ist, ist vom Erscheinen frei, denn es heißt: <i>vor ihren Ohren.</i> –
ט והאי באזניהם מבעי ליה באזניהם דכולהו ישראל ההוא מנגד כל ישראל נפקא אי מנגד כל ישראל הוה אמינא אע"ג דלא שמעי כתב רחמנא באזניהם והוא דשמעי
9 Aber [die Worte]: <i>vor ihren Ohren</i> deuten ja darauf, daß es vor den Ohren von ganz Jisraél erfolgen muß!? – Dies ist aus [den Worten]: <i>in Gegenwart ganz Jisraéls,</i> zu entnehmen. – Aber wenn es nur hieße: <i>in Gegenwart ganz Jisraéls,</i> könnte man ja glauben, auch wenn sie es nicht hören, daher muß der Allbarmherzige auch schreiben: <i>vor ihren Ohren</i>!? –
י ההוא מלמען ישמעו נפקא
10 Dies geht hervor aus [den Worten] <i>damit sie hören.</i>
יא אמר רבי תנחום חיגר ברגלו אחת פטור מן הראיה שנאמר רגלים
11 R. Tanḥum sagte: Wer auf einem Fuße lahm ist, ist vom Erscheinen frei, denn es heißt: <i>[drei]mal</i>. –
יב והא רגלים מבעי ליה פרט לבעלי קבין ההוא מפעמים נפקא דתניא פעמים אין פעמים אלא רגלים וכן הוא אומר (ישעיהו כו, ו) תרמסנה רגל רגלי עני פעמי דלים ואומר (שיר השירים ז, ב) מה יפו פעמיך בנעלים בת נדיב
12 Dies ist ja dazu nötig, den Stelzbeinigen auszuschließen!? – Dies ist aus [dem Worte] <i>Pea͑mim [Male]</i> zu entnehmen. Es wird nämlich gelehrt: <i>Pea͑mim,</i> unter <i>pea͑mim</i> sind die Füße zu verstehen, denn es heißt: <i>es zertritt sie der Fuß, Füße der Armen, die Tritte [paa͑me] der Geringen.</i> Ferner heißt <i>es</i>: <i>wie schön sind deine Füße [pea͑majikh] in den Schuhen, du Tochter des Edlen.</i>
יג דרש רבא מאי דכתיב מה יפו פעמיך בנעלים בת נדיב כמה נאין רגליהן של ישראל בשעה שעולין לרגל בת נדיב בתו של אברהם אבינו שנקרא נדיב שנאמר (תהלים מז, י) נדיבי עמים נאספו עם אלהי אברהם אלהי אברהם ולא אלהי יצחק ויעקב אלא אלהי אברהם שהיה תחילה לגרים
13 Raba trug vor: Es heißt: <i>Wie schön sind deine Füße in den Schuhen, du Tochter des Edlen;</i> wie schön sind die Füße Jisraéls, wenn sie zur Wallfahrt ziehen. <i>Du Tochter des Edlen,</i> du Tochter unseres Vaters Abraham, der Edler genannt wird. Es heißt nämlich: <i>die Edlen der Völker haben sich versammelt, ein Volk des Gottes Abrahams;</i> des Gottes Abrahams und nicht des Gottes Jiçḥaqs und Ja͑qobs!? Vielmehr, des Gottes Abrahams, der der erste der Proselyten war.
יד אמר רב כהנא דרש רב נתן בר מניומי משום ר' תנחום מאי דכתיב (בראשית לז, כד) והבור רק אין בו מים משמע שנאמר והבור רק איני יודע שאין בו מים אלא מים אין בו אבל נחשים ועקרבים יש בו
14 R. Kahana sagte: R.Nathan b. Minjomi trug im Namen R. Tanḥums vor: Es heißt: <i>die Grube aber war leer, kein Wasser war darin;</i> wenn es heißt, daß sie leer war, so weiß ich ja, daß kein Wasser darin war!? Vielmehr, kein Wasser war darin, wohl aber Schlangen und Eidechsen.
טו ת"ר מעשה ברבי יוחנן בן ברוקה ורבי אלעזר (בן) חסמא שהלכו להקביל פני ר' יהושע בפקיעין אמר להם מה חידוש היה בבית המדרש היום אמרו לו תלמידיך אנו ומימיך אנו שותין אמר להם אף על פי כן אי אפשר לבית המדרש בלא חידוש
15 Die Rabbanan lehrten: Einst gingen R. Joḥanan b. Beroqa und R. Elea͑zar Ḥisma R. Jehošua͑ in PeqiỈn ihre Aufwartung machen. Da fragte er sie: Was Neues gab es heute im Lehrhause? Sie erwiderten: Wir sind ja deine Schüler und trinken dein Wasser! Dieser entgegnete: Dennoch; es ist ja nicht möglich, daß es im Lehrhause nichts Neues geben sollte.
טז שבת של מי היתה שבת של ר' אלעזר בן עזריה היתה ובמה היתה הגדה היום אמרו לו בפרשת הקהל ומה דרש בה
16 Wessen Šabbath war es? – Der Šabbath des R. Elea͑zar b. A͑zarja. – Worüber hielt er den Vortrag? Sie erwiderten: Über den Abschnitt von der Versammlung. – Was trug er vor? –
יז (דברים לא, יב) הקהל את העם האנשים והנשים והטף אם אנשים באים ללמוד נשים באות לשמוע טף למה באין כדי ליתן שכר למביאיהן אמר להם מרגלית טובה היתה בידכם ובקשתם לאבדה ממני
17 <i>Versammle das Volk, Männer, Frauen und Kinder;</i> die Männer kommen lernen, die Frauen kommen hören, wozu aber die Kinder? Um denen, die sie mitbringen, eine Belohnung zukommen zu lassen. Darauf sprach er zu ihnen: Ihr hattet eine kostbare Perle in der Hand, und die wolltet ihr mir verloren gehen lassen. –
יח ועוד דרש (דברים כו, יז) את ה' האמרת היום וה' האמירך היום
18 Ferner trug er vor: <i>Du hast heute den Herrn verherrlicht,</i> <i>und der Herr hat dich heute verherrlicht.</i>
יט אמר להם הקב"ה לישראל אתם עשיתוני חטיבה אחת בעולם ואני אעשה אתכם חטיבה אחת בעולם אתם עשיתוני חטיבה אחת בעולם דכתיב (דברים ו, ד) שמע ישראל ה' אלהינו ה' אחד ואני אעשה אתכם חטיבה אחת בעולם שנאמר
19 Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Jisraél: Ihr habt mich zu einer Verherrlichung auf der Welt gemacht, auch ich will euch zu einer Verherrlichung auf der Welt machen. Ihr habt mich zu einer Verherrlichung auf der Welt gemacht, denn es heißt: <i>höre Jisraél, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig;</i> auch ich will euch zu einer Verherrlichung auf der Welt machen; denn es heißt: