Chullin 11

Kapitel 11

א ואי סלקא דעתיך לא קבלה מיניה לישני ליה כאן כשישראל עומד על גביו כאן כשאין ישראל עומד על גביו אלא לאו ש"מ קבלה מיניה ש"מ
1 Wenn man nun sagen wollte, er habe es nicht anerkannt, so sollte er erklärt haben, eines in dem Falle, wenn ein Jisraélit dabei steht, und eines in dem Falle, wenn ein Jisraélit nicht dabei steht. Hieraus ist also zu entnehmen, daß er es anerkannt hat. Schließe hieraus.
ב ומ"ט גזרו בהו רבנן כי הא דר"ש בן אלעזר שדריה ר"מ לאתויי חמרא מבי כותאי אשכחיה ההוא סבא א"ל (משלי כג, ב) ושמת סכין בלועך אם בעל נפש אתה הלך ר"ש בן אלעזר וספר דברים לפני ר"מ וגזר עליהן
2 Weshalb haben die Rabbanan es verboten? – Wegen des folgenden Vorfalls: Einst sandte R. Meír den R. Šimo͑n b. Elea͑zar, für ihn Wein von Samaritanern zu holen. Da begegnete ihm ein Greis und sprach zu ihm: <i>Stecke ein Messer in deine Kehle, wenn du ein Mann von Mut</i> <i>bist.</i> Hierauf ging R. Šimo͑n b. Elea͑zar und erzählte es R. Meír, und dieser verbot es. –
ג מאי טעמא אמר רב נחמן בר יצחק דמות יונה מצאו להן בראש הר גריזים שהיו עובדין אותה ור"מ לטעמיה דחייש למיעוטא וגזר רובא אטו מיעוטא ורבן גמליאל ובית דינו נמי כר"מ סבירא להו
3 Aus welchem Grunde? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Sie fanden auf der Spitze des Gerizimberges die Gestalt einer Taube und beteten sie an. R. Meír vertritt hierbei seine Ansicht, daß man die Minderheit berücksichtige, und wegen der Minderheit verbot er es bei der Mehrheit. Und auch R. Gamliél und sein Gerichtskollegium waren der Ansicht R. Meírs.
ד פשטיה דקרא במאי כתיב בתלמיד היושב לפני רבו דתני רבי חייא (משלי כג, א) כי תשב ללחום את מושל בין תבין את אשר לפניך ושמת סכין בלועך אם בעל נפש אתה
4 Worauf bezieht sich der einfache Sinn dieses Schriftverses? – Auf einen Schüler, der vor seinem Lehrer sitzt. R. Ḥija lehrte nämlich: <i>Wenn du dich hinsetzest, um mit einem Herrscher zu speisen, so wisse, wen du vor dir hast; stecke ein Messer in deine Kehle, wenn du ein Mann von Mut bist</i>.
ה אם יודע תלמיד ברבו שיודע להחזיר לו טעם בין ואם לאו תבין את אשר לפניך ושמת סכין בלועך אם בעל נפש אתה פרוש הימנו
5 Wenn der Schüler von seinem Lehrer weiß, daß er es ihm begründen kann, so frage er, wenn aber nicht, so beachte er, wen er vor sich hat. <i>Stecke ein Messer in deine Kehle, wenn du ein Mann von Mut bist,</i> verlasse ihn.
ו רבי יצחק בן יוסף שדריה רבי אבהו לאתויי חמרא מבי כותאי אשכחיה ההוא סבא א"ל לית כאן שומרי תורה הלך רבי יצחק וספר דברים לפני רבי אבהו והלך רבי אבהו וספר דברים לפני רבי אמי ורבי אסי ולא זזו משם עד שעשאום עובדי כוכבים גמורין
6 Einst sandte R. Abahu den R. Jiçḥaq b. Joseph, für ihn Wein von den Samaritanern zu holen. Da begegnete ihm ein Greis und fragte ihn, ob es hier gar keine Leute gebe, die das Gesetz beachten. Hierauf ging R. Jiçḥaq und erzählte es R. Abahu, und R. Abahu ging und erzählte es R. Ami und R. Asi, und sie rührten sich nicht von der Stelle, bis sie sie als richtige Nichtjuden erklärten.
ז למאי אי לשחיטה ויין נסך מהתם גזרו בהו רבנן אינהו גזור ולא קבלו מינייהו אתו רבי אמי ורבי אסי גזרו וקבלו מינייהו
7 In welcher Hinsicht: wenn hinsichtlich des Schlachtens und des Libationsweines, so hatten ja die Rabbanan dies schon in jenen Fällen angeordnet!? – Jene hatten es angeordnet, und man erkannte es nicht an, darauf ordneten R. Ami und R. Asi es an, und man erkannte es an. –
ח מאי עובדי כוכבים גמורין אמר ר"נ בר יצחק לבטל רשות וליתן רשות
8 Was heißt ‘richtige Nichtjuden’? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Hinsichtlich des Aufgebens und des Abtretens eines Gebietes.
ט וכדתניא ישראל מומר משמר שבתו בשוק מבטל רשות ונותן רשות ושאינו משמר שבתו בשוק אינו מבטל רשות ונותן רשות
9 Es wird nämlich gelehrt: Ein abtrünniger Jisraélit, der auf der Straße den Šabbath beobachtet, kann sein Gebiet aufgeben oder (sein Gebiet) abtreten, und der auf der Straße den Šabbath nicht beobachtet, kann nicht sein Gebiet aufgeben oder (sein Gebiet) abtreten.
י מפני שאמרו ישראל נותן רשות ומבטל רשות ובעובד כוכבים עד שישכור
10 Sie sagten nämlich, ein Jisraélit könne [am Šabbath] sein Gebiet abtreten oder (sein Gebiet) aufgeben, ein Nichtjude nur dann, wenn er es vermietet.
יא כיצד אמר לו רשותי קנויה לך רשותי מבוטלת לך קנה ואינו צריך לזכות
11 Er spreche nämlich zu ihm: Mein Gebiet sei dir abgetreten, mein Gebiet sei zu deinen Gunsten aufgegeben. Dann erwirbt es dieser, ohne eines Aneignungsaktes zu benötigen.
יב רבי זירא ורב אסי איקלעו לפונדקא דיאי אייתו לקמייהו ביצים המצומקות ביין רבי זירא לא אכל ורב אסי אכל א"ל רבי זירא לרב אסי ולא חייש מר לתערובת דמאי א"ל לאו אדעתאי
12 R. Zera und R. Asi kehrten einst in ein Gasthaus zu Jai ein, und man setzte ihnen in Wein gesottene Eier vor; R. Zera aß sie nicht, R. Asi aber aß sie. Da sprach R. Zera zu R. Asi: Achtet denn der Meister nicht auf die Beimischung von Demaj? Dieser erwiderte: Ich dachte nicht daran.
יג א"ר זירא אפשר גזרו על התערובת דמאי ומסתייעא מילתא דרב אסי למיכל איסורא השתא בהמתן של צדיקים אין הקב"ה מביא תקלה על ידן צדיקים עצמן לא כל שכן
13 R. Zera sprach: Wieso konnte, wenn sie die Beimischung von Demaj verboten haben sollten, R. Asi dazu gekommen sein, Verbotenes zu essen; wenn der Heilige, gepriesen sei er, nicht einmal das Vieh der Frommen zu einem Verstoße kommen läßt, um wieviel weniger die Frommen selbst!?
יד נפק רבי זירא דק ואשכח דתנן הלוקח יין לתת לתוך המורייס או לתוך האלונתית כרשינין לעשות מהן טחינין עדשים לעשות מהן רסיסין חייב משום דמאי ואין צריך לומר משום ודאי
14 Hierauf ging R. Zera hinaus, dachte darüber nach und fand folgende Lehre: Wenn jemand Wein kauft, um ihn in Salztunke oder in Ölwein hineinzutun, Wicken, um daraus Graupenbrei zu machen, oder Linsen, um daraus Grütze zu machen, so ist er verpflichtet, wenn sie Demaj sind, und selbstverständlich, wenn sie sicher [unverzehntet] sind;
טו והן עצמן מותרין מפני שהן תערובת
15 sie selbst aber sind erlaubt, weil es nur Beigemischtes ist. –
טז ולא גזרו על תערובת דמאי והתניא הנותן לשכנתו עיסה לאפות וקדירה לבשל אינו חושש לשאור ותבלין שבה לא משום שביעית ולא משום מעשר
16 Haben denn die Rabbanan das beigemischte Demaj nicht verboten, es wird ja gelehrt: Wenn jemand seiner Nachbarin Teig zum Backen oder einen Topf zum Kochen gibt, so ist beim dazu gehörigen Sauerteige und Gewürze weder das Gesetz des Siebentjahres noch das der Verzehntung zu berücksichtigen.
יז ואם אמר לה עשי לי משליכי חושש לשאור ותבלין שבה משום שביעית ומשום מעשר
17 Wenn er aber zu ihr gesagt hat, daß sie diese vom ihrigen hineintue, so ist beim Sauerteige und beim Gewürze das Gesetz des Siebentjahres und das der Verzehntung zu berücksichtigen!? –
יח שאני התם דכיון דקאמר לה עשי לי משליכי כמאן דעריב בידים דמי רפרם אמר שאני שאור ותבלין דלטעמא עביד וטעמא לא בטיל
18 Anders ist es hierbei; da er zu ihr sagt, daß sie das ihrige hineintue, so ist es ebenso, als würde er sie selber mit den Händen beigemischt haben. Raphram erwiderte: Anders verhält es sich beim Sauerteige und beim Gewürze, da sie einen Geschmack verleihen, und der Geschmack nicht aufgehoben wird. –
יט ולחלופי לא חיישינן והתנן הנותן לחמותו מעשר את שהוא נותן לה ואת שהוא נוטל ממנה מפני שחשודה מחלפת המתקלקל התם כדתניא טעמא א"ר יהודה רוצה היא בתקנת בתה ובושה מחתנה
19 Ist denn das Umtauschen nicht zu berücksichtigen, wir haben ja gelernt, daß, wenn jemand seiner Schwiegermutter etwas gibt, er das, was er ihr gibt, und das, was er von ihr erhält, verzehnte, weil sie verdächtig ist, das Verdorbene umzutauschen!? – Da erfolgt dies aus dem dort angegebenen Grunde: R. Jehuda erklärte: Weil sie ihrer Tochter nutzen will und sich vor ihrem Schwiegersohne schämt. –