Chullin 190

Kapitel 190

א מחוור רישא נפל מיניה אזל אייתי סילתא שדא אסיק תרין אמר רב עבדי נמי הכי אסרינהו ניהליה
1 einen Kopf abspülte, und als dieser ihm entfiel, holte er einen Korb und warf ihn aus, und er zog zwei herauf. Hierauf sprach Rabh: Tat ich dies ebenfalls? Und er verbot sie ihm.
ב אמרי ליה רב כהנא ורב אסי לרב דאיסורא שכיחי דהתירא לא שכיחי אמר להו דאיסורא שכיחי טפי
2 Da sprachen R. Kahana und R. Asi zu Rabh: Sind etwa nur verbotene vorhanden und keine erlaubten!? Er erwiderte ihnen: Die verbotenen sind häufiger. –
ג וכי מכללא מאי פרוותא דעובדי כוכבים הואי תדע דקאמר להו דאיסורא שכיחי טפי
3 Was ist denn dabei, daß es aus dem Zusammenhange entnommen wurde!? – Es war ein nichtjüdischer Hafen. Dies ist auch zu beweisen, denn er sagte zu ihnen, die verbotenen seien häufiger. –
ד אלא רב היכי אכל בשרא בשעתיה דלא עלים עיניה מיניה איבעית אימא בציירא וחתומא ואי נמי בסימנא כי הא דרבה ב"ר הונא מחתך ליה אתלת קרנתא
4 Wie aß Rabh demnach Fleisch!? – Sofort, bevor es seinen Augen entschwunden war. Wenn du aber willst, sage ich: eingewickelt und versiegelt, oder mit einem Zeichen. So pflegte Rabba b. Hona [Fleisch] dreieckig zu schneiden.
ה רב הוה קאזיל לבי רב חנן חתניה חזי מברא דקאתי לאפיה אמר מברא קאתי לאפי יומא טבא לגו
5 Einst ging Rabh zu seinem Schwiegersohne R. Ḥanan und sah die Fähre ihm entgegenkommen. Da sagte er sich: die Fähre kommt mir entgegen, [dies bedeutet] einen guten Tag.
ו אזל קם אבבא אודיק בבזעא דדשא חזי חיותא דתליא טרף אבבא נפוק אתו כולי עלמא לאפיה אתא טבחי נמי לא עלים רב עיניה מיניה אמר להו איכו השתא ספיתו להו איסורא לבני ברת לא אכל רב מההוא בישרא
6 Als er zur Tür herankam, schaute er durch die Türspalte und sah Vieh hängen. Hierauf klopfte er an die Tür, und alle Welt kam ihm entgegen, der Schlächter ebenfalls. Rabh aber wandte seine Augen [vom Fleische] nicht ab, indem er zu ihnen sprach: Wenn es so zugeht, gebt ihr den Kindern meiner Tochter Verbotenes zu essen. Und Rabh aß von diesem Fleische nicht. –
ז מ"ט אי משום איעלומי הא לא איעלים אלא דנחיש
7 Aus welchem Grunde: wenn wegen des Entschwindens, so entschwand es ja nicht, und wenn wegen des Augurierens,
ח והאמר רב כל נחש שאינו כאליעזר עבד אברהם וכיונתן בן שאול אינו נחש אלא סעודת הרשות הואי ורב לא מתהני מסעודת הרשות
8 so sagte ja Rabh, das Augurieren, das nicht dem des Elie͑zer, des Knechts Abrahams, und dem des Jonathan, des Sohnes Šaúls, gleicht, gelte nicht als Augurieren!? – Vielmehr, es war eine profane Mahlzeit, und Rabh genoß nicht [bei Fremden] von einer profanen Mahlzeit.
ט רב בדיק במברא ושמואל בדיק בספרא רבי יוחנן בדיק בינוקא
9 Rabh augurierte mit einer Fähre, Šemuél augurierte mit einem Buche und R. Joḥanan augurierte mit einem Kinde.
י כולהו שני דרב הוה כתב ליה רבי יוחנן לקדם רבינו שבבבל כי נח נפשיה הוה כתב לשמואל לקדם חבירינו שבבבל אמר לא ידע לי מידי דרביה אנא כתב שדר ליה עיבורא דשיתין שני אמר השתא חושבנא בעלמא ידע
10 Während der ganzen Lebenszeit Rabhs pflegte R. Joḥanan an ihn zu schreiben: an unseren Meister in Babylonien; nachdem seine Seele zur Ruhe eingekehrt war, schrieb er an Šemuél: an unseren Kollegen in Babylonien. Dieser sprach: Sollte ich nichts verstehen, worin ich sein Meister sein könnte? Da sandte er ihm einen Kalender auf sechzig Jahre. Da sprach jener: Er versteht also nichts weiter als zu berechnen!
יא כתב שדר ליה תליסר גמלי ספקי טריפתא אמר אית לי רב בבבל איזיל איחזייה א"ל לינוקא פסוק לי פסוקיך אמר ליה (שמואל א כח, ג) ושמואל מת אמר ש"מ נח נפשיה דשמואל
11 Hierauf sandte er ihm dreizehn Kamel[ladungen] mit Rechtsfragen inbetreff der Totverletzung. Da sprach jener: Ich habe einen Meister in Babylonien; ich will gehen und ihn sehen. Hierauf sprach er zu einem Knaben: Lies mir deinen Schriftvers vor. Dieser sprach: <i>Und Šemuél starb</i>. Da sprach er: Es scheint also, daß die Seele Šemuéls zur Ruhe eingekehrt ist.
יב ולא היא לא שכיב שמואל אלא כי היכי דלא ליטרח רבי יוחנן
12 Dem war aber nicht so; Šemuél war nicht gestorben, und dies geschah nur deshalb, damit R. Joḥanan sich nicht bemühe.
יג תניא רבי שמעון בן אלעזר אומר בית תינוק ואשה אף על פי שאין נחש יש סימן
13 Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Obgleich man mit einem Hause, einem Kinde und einem Weibe nicht auguriere, so sind sie dennoch ein Vorzeichen.
יד אמר ר' אלעזר והוא דאיתחזק תלתא זימני דכתיב (בראשית מב, לו) יוסף איננו ושמעון איננו ואת בנימין תקחו
14 R. Elea͑zar sagte: Nur dann, wenn sie sich dreimal bewährt haben, denn es heißt: <i>Joseph ist nicht mehr, Šimo͑n ist nicht mehr, und Binjamin wollt ihr mir nehmen</i>.
טו בעא מיניה רב הונא מרב בחרוזין מהו א"ל אל תהי שוטה בחרוזין הרי זה סימן איכא דאמרי אמר רב הונא אמר רב בחרוזין הרי זה סימן
15 R. Hona fragte Rabh: Wie verhält es sich bei Kranzbündeln? Dieser erwiderte: Sei kein Tor; Kranzbündel gelten als Kennzeichen. Manche lesen: R. Hona sagte im Namen Rabhs: Kranzbündel gelten als Kennzeichen.
טז רב נחמן מנהרדעא איקלע לגבי רב כהנא לפום נהרא במעלי יומא דכפורי אתו עורבי שדו כבדי וכוליתא אמר ליה שקול ואכול האידנא דהיתרא שכיח טפי
16 R. Naḥman aus Nehardea͑ kam einst an einem Vorabend des Versöhnungstages zu R. Kahana in Pum Nahara und sah Raben Lebern und Nieren niederwerfen. Da sprach er zu ihm: Nimm sie und iß; heute ist das Erlaubte mehr.
יז רב חייא בר אבין איתבד ליה כרכשא (בי דינא) אתא לקמיה דרב הונא אמר ליה אית לך סימנא בגויה א"ל לא אית לך טביעות עינא בגויה אמר ליה אין אם כן זיל שקול
17 Einst war R. Ḥija b. Abin ein Darm zwischen den Fässern abhanden gekommen, und als er hierauf zu R. Hona kam, sprach dieser zu ihm: Hast du daran ein Kennzeichen? Jener erwiderte: Nein. – Erkennst du ihn wieder? Jener erwiderte: Jawohl. – Wenn dem so ist, so geh und nimm ihn.
יח רב חנינא חוזאה איתבד ליה גבא דבשרא אתא לקמיה דרב נחמן אמר ליה אית לך סימנא בגויה אמר ליה לא אית לך טביעות עינא בגויה אמר ליה אין אם כן זיל שקול
18 Einst war R. Ḥanina aus Ḥozäa ein Rückenstück Fleisch abhanden gekommen, und als er hierauf zu R. Naḥman kam, sprach dieser zu ihm: Hast du daran ein Kennzeichen? Jener erwiderte: Nein. – Erkennst du es wieder? Jener erwiderte: Jawohl. – Wenn dem so ist, so geh und nimm es.
יט רב נתן בר אביי איתבד ליה קיבורא דתכלתא אתא לקמיה דרב חסדא אמר ליה אית לך סימנא בגויה אמר ליה לא אית לך טביעות עינא בגויה אמר ליה אין אם כן זיל שקול
19 Einst war R. Nathan b. Abajje ein Knäuel purpurblauer Wolle abhanden gekommen, und als er hierauf zu R. Ḥisda kam, sprach dieser zu ihm: Hast du daran ein Kennzeichen? Jener erwiderte: Nein. – Erkennst du ihn wieder? Jener erwiderte: Jawohl. – Wenn dem so ist, so geh und nimm ihn.
כ אמר רבא מרישא הוה אמינא סימנא עדיף מטביעות עינא דהא מהדרינן אבידתא בסימנא
20 Raba sagte: Früher glaubte ich, das Kennzeichen sei maßgebender als das Wiedererkennen, denn man liefert ja einen Fund ab auf Grund eines Kennzeichens,