Chullin 22

Kapitel 22

א דילמא חד מינייהו טריפה הוא אלא לאו משום דאמרינן זיל בתר רובא
1 vielleicht ist einer von ihnen totverletzt? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
ב וכי תימא מאי נפקא לן מינה הא אין גורל קובע לעזאזל אלא בדבר הראוי לשם וכי תימא דבדקינן ליה והתנן לא היה מגיע למחצית ההר עד שנעשה אברים אברים
2 Wolltest du erwidern, dies sei gleichgültig, so ist ja das Los nur dann für A͑zazel bestimmend, wenn auch der für den Herrn bestimmte verwendbar ist. Wolltest du erwidern, man untersuche ihn, so haben wir ja gelernt, daß bevor er noch die Hälfte des Berges erreichte, von ihm nur einzelne Glieder vorhanden waren.
ג רב מרי אמר אתיא (שמות כא, טו) ממכה אביו ואמו דאמר רחמנא קטליה וליחוש דלמא לאו אביו הוא אלא לאו משום דאמרינן זיל בתר רובא ורוב בעילות אחר הבעל
3 R. Mari erklärte: Dies ist zu entnehmen [vom Gesetze]: <i>wer Vater und Mutter schlägt.</i> Der Allbarmherzige sagt, daß man ihn töte, obgleich zu berücksichtigen ist, er sei vielleicht gar nicht sein Vater? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit, und die meisten Beiwohnungen sind vom Ehemanne. –
ד ממאי דלמא כגון שהיו אביו ואמו חבושים בבית האסורין אפילו הכי אין אפוטרופוס לעריות
4 Wieso denn, vielleicht in dem Falle, wenn der Vater und die Mutter zusammen im Gefängnisse eingesperrt waren!? – Trotzdem, es gibt keine Sicherheit vor der Unzucht.
ה רב כהנא אמר אתיא מהורג את הנפש דאמר רחמנא קטליה וליחוש דלמא טרפה הוה אלא לאו משום דאמרינן זיל בתר רובא
5 R. Kahana erklärte: Dies ist vom Mörder zu entnehmen, von dem der Allbarmherzige sagt, daß man ihn töte. Es ist ja zu berücksichtigen, vielleicht war [der Ermordete] totverletzt? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
ו וכי תימא דבדקינן ליה הא קא מינוול וכי תימא משום איבוד נשמה דהאי נינווליה וניחוש שמא במקום סייף נקב הוה
6 Wolltest du erwidern, man untersuche [die Leiche], so wird sie ja dadurch geschändet. Wolltest du erwidern, wegen seines Lebens schände man sie, so ist ja zu berücksichtigen, die Verletzung kann sich an der Stelle der Schwert[wunde] befunden haben.
ז רבינא אמר אתיא מעדים זוממין דאמר רחמנא (דברים יט, יט) ועשיתם לו כאשר זמם וגו' וליחוש דלמא הך דאסהידו ביה טרפה הוה אלא לאו משום דאמרינן זיל בתר רובא
7 Rabina erklärte: Dies ist von den überführten Falschzeugen zu entnehmen. Der Allbarmherzige sagt: <i>verhänge über ihn, was er gedacht hat &amp;c.</i> Es ist ja zu berücksichtigen, derjenige, über den sie ausgesagt haben, war vielleicht totverletzt? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
ח וכי תימא דבדקינן ליה והתניא ברבי אומר לא הרגו נהרגין הרגו אין נהרגין
8 Wolltest du erwidern, man untersuche ihn, so wird ja gelehrt, Berabbi sagte, hat man ihn noch nicht hingerichtet, so werden sie hingerichtet, hat man ihn hingerichtet, so werden sie nicht hingerichtet.
ט רב אשי אמר אתיא משחיטה עצמה דאמר רחמנא שחוט ואכול וליחוש שמא במקום נקב קא שחיט אלא לאו משום דאמרינן זיל בתר רובא
9 R. Aši erklärte: Dies ist vom Schlachten selbst zu entnehmen. Der Allbarmherzige sagt, daß man schlachte und esse, und es ist ja zu berücksichtigen, vielleicht hatte [das Vieh] an der Stelle, wo man es geschlachtet hat, ein Loch? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
י אמר רב אשי אמריתא לשמעתא קמיה דרב כהנא ואמרי לה רב כהנא קמיה דרב שימי ואמר ליה ודלמא היכא דאפשר אפשר היכא דלא אפשר לא אפשר
10 R. Aši sagte: Ich habe diese Lehre R. Kahana vorgetragen, manche sagen, R. Kahana dem R. Šimi, und dieser erwiderte: Vielleicht nur da, wo es möglich ist, und wo es nicht möglich ist, ist es nicht möglich.
יא דאי לא תימא הכי לר"מ דחייש למיעוטא הכי נמי דלא אכיל בישרא וכי תימא הכי נמי
11 Wenn dem nicht so wäre, so dürfte man nach R. Meír, der auch die Minderheit berücksichtigt, überhaupt kein Fleisch essen!?