Chullin 281

Kapitel 281

א ליתני רובדי אילן וכ"ש מעופפת מעופפת איצטריך ליה דאפי' כנפיה נוגעות בקן פטור מלשלח
1 sollte er es doch vom [Sitzen zwischen] Ästen lehren, und umso mehr, wenn sie schwebt!? – Vom Schweben ist dies [zu lehren] nötig, daß man nämlich vom Fliegenlassen frei ist, auch wenn die Flügel das Nest berühren. –
ב והאנן תנן בזמן שכנפיה נוגעות בקן חייב לשלח אמר רב יהודה כי קתני מתניתין בנוגע מן הצד:
2 Wir haben ja aber gelernt, wenn die Flügel das Nest berühren, sei man zum Fliegenlassen verpflichtet!? R. Jehuda erwiderte: Die Barajtha lehrt es von dem Falle, wenn sie es von der Seite berühren.
ג אין שם אפרוח וכו': א"ל ההוא מרבנן לרבא אימא איפכא אין שם אפרוח אלא אחד או ביצה אחת פטור מלשלח דבעינן אפרוחים או ביצים וליכא
3 B<small>EFINDET SICH DARIN NUR EIN</small> K<small>ÜCHLEIN &c</small> Einer von den Jüngeren sprach zu Raba: Vielleicht engegengesetzt: befindet sich darin nur Küchlein oder nur ein Ei, so ist man vom Fliegenlassen frei, denn es müssen <i>Küchlein oder Eier</i> sein, was hierbei nicht der Fall ist; befinden sich darin flügge Küchlein oder verdorbene Eier, </small>
ד היו שם אפרוחים מפריחים או ביצים מוזרות חייב לשלח שנאמר קן קן מכל מקום אם כן נכתוב קרא והאם רובצת עליהם מאי (דברים כב, ו) והאם רובצת על האפרוחים או על הביצים לאקושי אפרוחים לביצים וביצים לאפרוחים:
4 so ist man zum Fliegenlassen verpflichtet, denn es heißt <i>Nest</i>, jede Art Nest!? – Demnach sollte es doch heißen: und die Mutter auf ihnen brütet, wenn es aber <i>heißt: und die Mutter auf den Küchlein oder den Eiern brütet, so deutet</i> dies, daß die Küchlein mit den Eiern und die Eier mit den Küchlein zu vergleichen sind.
ה <big><strong>מתני׳</strong></big> שלחה וחזרה אפי' ארבעה וחמשה פעמים חייב שנאמר (דברים כב, ז) שלח תשלח את האם אמר הריני נוטל את האם ומשלח את הבנים חייב שנאמר שלח תשלח את האם נטל את הבנים והחזירן לה ואח"כ חזרה האם עליהן פטור מלשלח:
5 <b>W</b><small>ENN MAN SIE FLIEGEN LÄSST UND SIE ZURÜCKKEHRT, SELBST VIER- ODER FÜNFMAL, SO IST MAN</small> <small>VERPFLICHTET, DENN ES HEISST</small>: <i>fort schicken, fortschicken sollst du die Mutter</i>. S<small>AGT JEMAND, ER WOLLE DIE</small> M<small>UTTER BEHALTEN UND DIE</small> J<small>UNGEN FLIEGEN LASSEN, SO IST ER SCHULDIG, DENN ES HEISST:</small> <i>fortschicken, fortschicken sollst du die Mutter</i>. W<small>ENN MAN DIE</small> J<small>UNGEN GENOMMEN UND SIE ZURÜCK IN DAS</small> N<small>EST GESETZT HAT, UND DIE</small> M<small>UTTER ZU IHNEN ZURÜCHGEKEHRT IST, SO IST MAN VOM</small> F<small>LIEGENLASSEN FREI</small>.
ו <big><strong>גמ׳</strong></big> א"ל ההוא מרבנן לרבא ואימא שלח חדא זימנא תשלח תרי זימנין
6 GEMARA. Einer von den Jüngern sprach zu Raba: Vielleicht: <i>fortschicken</i>, einmal, <i>fortschicken sollst du</i>, zweimal!?
ז א"ל שלח אפילו מאה פעמים תשלח אין לי אלא לדבר הרשות לדבר מצוה מנין ת"ל תשלח מכל מקום
7 Dieser erwiderte: <i>Fortschicken</i>, auch hundertmal, <i>fortschicken sollst du</i> [deutet hierauf:] man könnte glauben, nur wenn man sie zu Freigestelltem braucht, woher dies von dem Falle, wenn zu Gebotszwecken? Es heißt: <i>fortschicken sollst du</i>, in jedem Falle.
ח א"ל ר' אבא בריה דרב יוסף בר רבא לרב כהנא אלא טעמא דכתב רחמנא תשלח הא לאו הכי הוה אמינא לדבר מצוה לא עשה ולא תעשה הוא ואין עשה דוחה לא תעשה ועשה
8 R. Abba, Sohn des R. Joseph b. Raba, sprach zu R. Kahana: Nur aus dem Grunde, weil der Allbarmherzige geschrieben hat, <i>fortschicken sollst du</i>, sonst aber würde man geglaubt haben, wenn zu Gebotszwecken, brauche man dies nicht; hierbei ist es ja ein Gebot und ein Verbot, und ein Gebot verdrängt nicht ein Gebot und ein Verbot!? –
ט לא צריכא דעבר ושקלה לאם דלאו עבריה עשה הוא דאיכא ליתי עשה ולידחי עשה קמ"ל
9 Dies ist wegen des Falles nötig, wenn man übertreten und die Mutter genommen hat, wobei das Verbot bereits übertreten worden und nur das Gebot zu beachten ist; man könnte glauben, das eine Gebot verdränge das andere, so lehrt er uns. –
י הניחא למאן דתני קיימו ולא קיימו
10 Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, es hänge von der Ausübung und Nichtausübung [des Gebotes] ab,
יא אלא למאן דתני בטלו ולא בטלו כמה דלא שחטה לא עבריה ללאו
11 nach demjenigen aber, welcher sagt, es hänge von der Unmöglichmachung und Nichtunmöglichmachung ab, hat man ja, solange man sie nicht geschlachtet hat, das Verbot nicht übertreten!?
יב ותו לר' יהודה דאמר שלח מעיקרא משמע אפי' עשה נמי ליכא
12 Ferner liegt ja nach R. Jehuda, welcher sagt, das Fliegenlassen sei nur von vornherein zu verstehen, nicht einmal ein Gebot vor!?
יג אלא אמר מר בר רב אשי כגון שנטלה על מנת לשלח דלאו ליכא עשה הוא דאיכא וליתי עשה ולידחי עשה
13 Vielmehr, erklärte Mar b. R. Aši, wenn man sie zum Fliegenlassen genommen hat, wobei kein Verbot, sondern nur ein Gebot vorliegt; [man könnte glauben,] das eine Gebot verdränge das andere. –
יד מאי אולמיה דהאי עשה מהאי עשה סלקא דעתך הואיל ואמר מר גדול שלום שבין איש לאשתו שהרי אמרה תורה שמו של הקב"ה שנכתב בקדושה ימחה על המים
14 Womit ist denn das eine Gebot bedeutender als das andere!? – Man könnte dies glauben, weil der Meister sagte, der Friede zwischen Mann und Weib sei so bedeutend, daß die Tora sogar sagt, dieserhalb sei der in Heiligkeit geschriebene Name des Heiligen, gepriesen sei er, im Wasser zu verwischen.
טו והאי מצורע כיון דכמה דלא מטהר אסור בתשמיש המטה דכתיב (ויקרא יד, ח) וישב מחוץ לאהלו שבעת ימים אהלו זו אשתו מכאן שאסור בתשמיש המטה מהו דתימא כיון דאסור בתשמיש המטה ליתי עשה דידיה ולידחי עשה דשלוח הקן קמ"ל:
15 Dem Aussätzigen ist nämlich, solange er nicht rein ist, der Geschlechtsverkehr verboten, denn es heißt: <i>er verweile sieben Tage außerhalb seines Zeltes</i>, und unter Zelt ist das Weib zu verstehen, woraus hervorgeht, daß ihm der Geschlechtsverkehr verboten ist. Da ihm nun der Geschlechtsverkehr verboten ist, so könnte man glauben, das für ihn bestimmte Gebot verdränge das Gebot des Fliegenlassens des Nest[vogels] so lehrt er uns.
טז <big><strong>מתני׳</strong></big> הנוטל אם על הבנים ר' יהודה אומר לוקה ואינו משלח וחכמים אומרים משלח ואינו לוקה זה הכלל כל מצות לא תעשה שיש בה קום עשה אין לוקין עליה:
16 <b>W</b><small>ER DIE</small> M<small>ÜTTER SAMT DEN</small> J<small>UNGEN GENOMMEN HAT, IST, WIE</small> R. J<small>EHUDA SAGT, ZU GEISSELN, UND ER LASSE SIE NICHT MEHR FLIEGEN; DIE</small> W<small>EISEN SAGEN, ER LASSE SIE FLIEGEN UND SEI NICHT ZU GEISSELN</small>. D<small>IE</small> R<small>EGEL HIERBEI IST: WEGEN EINES</small> V<small>ERBOTES, DEM EIN</small> G<small>EBOT</small> <small>SICH ANSCHLIESST, IST NICHT ZU GEISSELN</small>.
יז <big><strong>גמ׳</strong></big> בעי רבי אבא בר ממל טעמא דרבי יהודה משום דסבר לאו שניתק לעשה לוקין עליו
17 GEMARA. R. Abba b. Mamal fragte: Ist der Grund R. Jehudas, weil er der Ansicht ist, wegen eines Verbotes, das durch ein Gebot aufgehoben wird, sei zu geißeln,
יח או דלמא בעלמא סבר לאו שניתק לעשה אין לוקין עליו והכא היינו טעמא משום דקסבר שלח מעיקרא משמע
18 oder ist er sonst der Ansicht, wegen eines Verbotes, das durch ein Gebot aufgehoben wird, sei nicht zu geißeln, und hierbei aus dem Grunde, weil er der Ansicht ist, das Fliegenlassen sei nur von vornherein zu verstehen? –
יט תא שמע גנב וגזלן ישנן בכלל מלקות דברי רבי יהודה והא הכא דלאו שניתק לעשה הוא דרחמנא אמר (ויקרא יט, יג) לא תגזול (ויקרא ה, כג) והשיב את הגזלה שמע מינה טעמא דר' יהודה משום דקסבר לאו שניתק לעשה לוקין עליו
19 Komm und höre: Diebe und Räuber unterliegen der Geißelung – so R. Jehuda. Hierbei wird das Verbot durch ein Gebot aufgehoben, denn der Allbarmherzige sagt: <i>du sollst nicht rauben</i>, <i>er gebe den Raub zurück</i>. Hieraus ist also zu entnehmen, der Grund R. Jehudas sei, weil er der Ansicht ist, wegen des Verbotes, das durch ein Gebot aufgehoben wird, sei zu geißeln.
כ אמר ליה ר' זירא לאו אמינא לכו כל מתניתא דלא תניא בי
20 R. Zera sprach zu ihm: Habe ich euch etwa nicht gesagt, jede Barajtha, die nicht in der Schule