Chullin 86

Kapitel 86

א לספק דרוסה
1 Wenn ein Zweifel des Anpackens vorliegt.
ב ההיא ספק דרוסה דאתאי לקמיה דרבה הוה קא בדיק ליה רבה לוושט מאבראי אמר ליה אביי והא מר הוא דאמר וושט אין לו בדיקה אלא מבפנים אפכיה רבה ובדקיה ואישתכח עליה תרי קורטי דמא וטרפה ורבה נמי לחדודי לאביי הוא דבעי
2 Einst wurde Rabba [ein Tier] gebracht, bei dem ein Zweifel des Anpackens vorlag, und er untersuchte die Speiseröhre von außen. Da sprach Abajje zu ihm: Der Meister selbst sagte ja, die Speiseröhre sei nur von innen zu untersuchen!? Hierauf drehte Rabba sie um und untersuchte sie. Da fand er zwei Tropfen Blut, und er erklärte es als totverletzt. Auch Rabba wollte damit nur den Scharfsinn Abajjes wecken.
ג אמר עולא ישב לו קוץ בוושט אין חוששין שמא הבריא
3 U͑la sagte: Wenn [einem Vieh] ein Dorn in der Speiseröhre gesessen hat, so befürchte man nicht, sie kann durchlöchert worden sein. —
ד (דרס חתיכות בסכין טמאה סימן)
4 
ה ולעולא מ"ש מספק דרוסה קסבר עולא אין חוששין לספק דרוסה
5 Womit ist es nach U͑la hierbei anders als bei einem Zweifel des Anpackens!? — U͑la ist der Ansicht, auch bei einem Zweifel des Anpackens sei dies nicht zu befürchten. —
ו ומאי שנא משתי חתיכות אחת של חלב ואחת של שומן התם איתחזק איסורא
6 Womit ist es hierbei anders als im Falle von zwei Stücken, eines Talg und eines Fett!? — Da ist das Verbot feststehend, hierbei ist das Verbot nicht feststehend. —
ז ומאי שנא מהשוחט בסכין ונמצא' פגומה התם איתייליד לה ריעותא בסכין
7 Womit ist es hierbei anders als in dem Falle, wenn jemand mit einem Messer schlachtet, das nachher als schartig befunden wird? — Da ist ja ein Fehler am Messer vorhanden. —
ח ומאי שנא מספק טומאה ברשות היחיד דספקו טמא וליטעמיך נידמייה לספק טומאה ברשות הרבים דספקו טהור אלא התם הלכתא גמירי לה מסוטה
8 Womit ist es hierbei anders als bei einem Zweifel der Unreinheit auf Privatgebiet, wobei es als unrein gilt!? — Nach deiner Auffassung ist es ja ebensogut mit dem Zweifel der Unreinheit auf öffentlichem Gebiete zu vergleichen, wobei es als rein gilt!? Vielmehr ist es eine überlieferte Lehre, von der Ehebruchsverdächtigten [gefolgert].
ט יתיב ההוא מרבנן קמיה דרב כהנא ויתיב וקאמר נמצאת אתמר אבל ישב חיישינן אמר להו רב כהנא לא תציתו ליה ישב איתמר אבל נמצאת לא איצטריך ליה לעולא דכולהו חיוי ברייתא קוצי אכלן
9 Einer von den Jüngern saß vor R. Kahana und trug vor: Jene Lehre spricht von dem Falle, wenn einer gefunden wird, wenn er aber gesessen hat, so befürchte man wohl. Da sprach R. Kahana zu ihnen: Hört nicht auf ihn; sie spricht von dem Falle, wenn er gesessen hat; von dem Falle aber, wenn er gefunden wird, brauchte U͑la dies nicht zu lehren, denn alle Tiere im Freien fressen Dornen.
י איתמר תורבץ הוושט רב אמר במשהו ושמואל אמר ברובו רב אמר במשהו מקום שחיטה הוא ושמואל אמר ברובו לאו מקום שחיטה הוא
10 Es wurde gelehrt: Beim Schlundkopfe gilt dies, wie Rabh sagt, von der kleinsten [Durchlöcherung], und wie Šemuél sagt, vom größeren Teile. Rabh sagt, von der kleinsten, weil er zur Schlachtstelle gehört, Šemuél sagt, vom größeren Teile, weil er nicht zur Schlachtstelle gehört. —
יא הי ניהו תורבץ הוושט אמר מרי בר מר עוקבא אמר שמואל כל שחותכו ומרחיב זה הוא תורבץ הוושט חותכו ועומד במקומו זהו וושט עצמו אמר להו רב פפי מר לא אמר הכי ומנו רב ביבי בר אביי אלא כל שחותכו ועומד במקומו זה תורבץ הוושט אלא איזהו וושט עצמו כל שחותכו וכויץ יונה אמר זירא מבלעתא וכמה אמר רב אויא פחות משערתא ועדיף מחיטתא
11 Was gehört zum Schlundkopfe? Mari b. Mar erwiderte im Namen Mar U͑qabas im Namen Šemuéls: Was beim Schneiden sich ausweitet, gehört zum Schlundkopfe, und was beim Schneiden in seiner Lage bleibt, gehört zum Schlunde selbst. R. Papi sprach zu ihnen: Der Meister, das ist R. Bebaj b. Abajje, sagte nicht so; vielmehr gehört das, was beim Schneiden in seiner Lage bleibt, zum Schlundkopfe, und zum Schlunde selbst gehört das, was beim Schneiden sich zusammenzieht. Jona erklärte im Namen R. Zeras: Die Schluckstelle. — Wieviel beträgt diese? R. Ivja erwiderte: Weniger als ein Gerstenkorn und mehr als ein Weizenkorn.
יב ההוא תורא דהוה לבני רב עוקבא דאתחיל ביה שחיטה בתורבץ הוושט וגמר בוושט אמר רבא רמינא עליה חומרי דרב וחומרי דשמואל וטריפנא ליה
12 Die Söhne R. U͑qabas hatten ein Rind, an dem der Schlacht[schnitt] am Schlundkopfe begonnen und am Schlunde aufgehört hatte. Da sagte Raba: Ich will hierbei die erschwerende Ansicht Rabhs und die erschwerende Ansicht Šemuéls berücksichtigen, und es als verboten erklären.
יג חומרי דרב דאמר רב במשהו והאמר רב מקום שחיטה הוא כשמואל דאמר לאו מקום שחיטה הוא אי שמואל האמר ברובו כרב דאמר במשהו
13 Die erschwerende Ansicht Rabhs, daß dies bei der kleinsten [Durchlöcherung] erfolge; da aber Rabh sagt, dies sei die Schlachtstelle, so ist die des Šemuél zu berücksichtigen, welcher sagt, dies sei nicht die Schlachtstelle. Und da Šemuél sagt, nur beim größeren Teile, so ist die des Rabh zu berücksichtigen, welcher sagt, bei der kleinsten [Durchlöcherung].
יד איגלגל מילתא מטאי לקמיה דר' אבא אמר להו תורא בין לרב בין לשמואל שרי זילו אמרו ליה לבריה דרב יוסף בר חמא דלשלים דמי תורא למריה
14 Die Sache ging weiter und gelangte zu R. Abba. Da sprach er zu ihnen: Das Rind ist sowohl nach Rabh als auch nach Šemuél erlaubt. Geht und sagt dem Sohne des R. Joseph b. Ḥama, daß er dem Eigentümer den Wert des Rindes ersetze.
טו אמר מר בריה דרבינא מותבינא תיובתא כלפי סנאיה דרבא לעולם הלכתא כדברי ב"ה והרוצה לעשות כדברי בית שמאי עושה כדברי בית הלל עושה מקולי בית שמאי ומקולי ב"ה רשע
15 Mar, der Sohn Rabinas, sprach: Ich will einen Einwand gegen den Feind Rabas erheben: Die Halakha ist stets nach der Schule Hillels zu entscheiden, jedoch ist es jedem überlassen, entweder nach der Ansicht der Schule Šammajs oder nach der Ansicht der Schule Hillels zu verfahren. Wer aber nach den Erleichterungen der Schule Šammajs und nach den Erleichterungen der Schule Hillels verfährt, ist ein Übeltäter,