Chullin 88

Kapitel 88

א רוב עוביה ואמרי לה רוב חללה
1 der größere Teil des Umfanges, und manche erklären, der größere Teil der Höhlung.
ב ההיא פסוקת הגרגרת דאתאי לקמיה דרב יתיב וקא בדיק לה ברוב עוביה אמרו ליה רב כהנא ורב אסי לרב לימדתנו רבינו ברוב חללה שדריה לקמיה דרבה בר בר חנה בדקה ברוב חללה ואכשרה וזבן מינה בתליסר איסתירי פשיטי בישרא
2 Einst brachte man Rabh [ein Vieh] mit durchgerissener Gurgel, und er saß und untersuchte es am größeren Teile des Umfanges. Da sprachen R. Kahana und R. Asi zu Rabh: Du hast uns ja gelehrt, Meister, [man messe] den größeren Teil der Höhlung!? Hierauf sandte er es zu Rabba b. Bar Ḥana, und dieser untersuchte es am größeren Teile der Höhlung und erklärte es als tauglich. Er kaufte auch davon für dreizehn Stater Fleisch. —
ג והיכי עביד הכי והתניא חכם שטימא אין חבירו רשאי לטהר אסר אין חבירו רשאי להתיר שאני הכא דרב לא אסר מיסר
3 Wieso tat er dies, es wird ja gelehrt, wenn ein Gelehrter etwas als unrein erklärt hat, dürfe sein Kollege es nicht als rein erklären, wenn er etwas als verboten erklärt hat, dürfe sein Kollege es nicht als erlaubt erklären!? — Anders ist es hierbei, denn Rabh hatte es nicht verboten. —
ד וכיון דאורי בה חכם היכי אכל מינה והא כתיב (יחזקאל ד, יד) ואומר אהה ה' אלהים הנה נפשי לא מטומאה ונבלה וטרפה לא אכלתי מנעורי ועד עתה ולא בא בפי בשר פגול
4 Wieso aber aß er davon, nachdem ein Gelehrter darüber eine Entscheidung getroffen hatte!? Es heißt ja: <i>Ich sprach: Ach, Herr, Gott, fürwahr, meine Seele ist noch nie verunreinigt gewesen, und Aas und Zerrissenes habe ich noch nie gegessen von Jugend auf bis jetzt, und nie kam in meinen Mund verwerfliches Fleisch. </i>
ה הנה נפשי לא מטומאה שלא הרהרתי ביום לבא לידי טומאה בלילה ונבלה וטרפה לא אכלתי שלא אכלתי בשר כוס כוס מעולם ולא בא בפי בשר פגול שלא אכלתי מבהמה שהורה בה חכם משום ר' נתן אמרו שלא אכלתי מבהמה שלא הורמו מתנותיה
5 Meine Seele ist noch nie verunreinigt gewesen, ich hatte nie sündhafte Gedanken am Tage, die zu einer nächtlichen Verunreinigung führen könnten; <i>Aas und Zerrissenes habe ich noch nie gegessen</i>, ich habe noch nie Fleisch von schnell Geschlachtetem gegessen; <i>und nie kam in meinen Mund verwerfliches Fleisch</i>, ich habe noch nie von einem Vieh gegessen, über das ein Gelehrter eine Entscheidung traf. Im Namen R. Nathans erklärten sie: Ich habe noch nie von einem Vieh gegessen, von dem nicht die Priestergaben entrichtet worden wären. —
ו הני מילי מילתא דתליא בסברא רבה בר בר חנה אגמריה סמך
6 Dies gilt nur von einem Falle, wobei es sich um eine eigene Ansicht handelt, während Rabba b. Bar Ḥana sich auf eine ihm überlieferte Lehre stützte. —
ז ותיפוק ליה משום חשדא דתניא דן את הדין זיכה וחייב טימא וטיהר אסר והתיר וכן העדים שהעידו כולן רשאין ליקח אבל אמרו חכמים הרחק מן הכיעור ומן הדומה לו
7 Er sollte es ja aber wegen der Verdächtigung unterlassen!? Es wird nämlich gelehrt: Wenn er das Urteil gefällt hat, zu Gunsten oder zu Ungunsten, als unrein oder als rein, als verboten oder als erlaubt, ebenso auch, wenn Zeugen Zeugnis abgelegt haben, so dürfen sie alle es kaufen, jedoch sagten die Weisen, daß man sich vom Garstigen und was dem gleicht, fern halte. —
ח ה"מ מידי דמזבין משומא הכא מתקלא מוכח כי הא דרבה שרא טרפתא וזבן מינה בישרא אמרה ליה בת רב חסדא אבא שרי בוכרא ולא זבן מיניה בישרא
8 Dies gilt nur von einer Sache, die nach Schätzung gekauft wird, hierbei aber beweist dies das Gewicht. So erlaubte einst Raba ein verletztes [Vieh] und kaufte von seinem Fleische. Da sprach die Tochter R. Ḥisdas zu ihm: Mein Vater erlaubte ein Erstgeborenes, kaufte aber nicht von seinem Fleische.
ט אמר לה ה"מ בוכרא דאשומא מזדבן הכא מתקלא מוכח מאי איכא משום אומצא מעלייתא כל יומא אומצא מעלייתא זבנו לי
9 Er erwiderte ihr: Dies wohl bei einem Erstgeborenen, das nur nach Schätzung verkauft werden darf, hierbei aber beweist dies das Gewicht. Wollte man glauben, wegen eines guten Stückes frischen Fleisches, so verkauft man mir jeden Tag gutes frisches Fleisch.
י אמר רב חסדא איזהו תלמיד חכם זה הרואה טרפה לעצמו ואמר רב חסדא איזהו (משלי טו, כז) שונא מתנות יחיה זה הרואה טרפה לעצמו
10 R. Ḥisda sagte: Ein Gelehrter ist derjenige, der für sich erschwerend entscheidet. Ferner sagte R. Ḥisda: Wer ist es, von dem es heißt: <i>wer Geschenke haßt, wird leben</i>? Der für sich selbst erschwerend entscheidet.
יא דרש מר זוטרא משמיה דרב חסדא כל מי שקורא ושונה ורואה טרפה לעצמו ושימש תלמידי חכמים עליו הכתוב אומר (תהלים קכח, ב) יגיע כפיך כי תאכל אשריך וטוב לך רב זביד אמר זוכה ונוחל שני עולמות העולם הזה והעולם הבא אשריך בעולם הזה וטוב לך לעולם הבא
11 Mar Zuṭra trug im Namen R. Ḥisdas vor: Wer die Schrift liest, das [mündliche] Gesetz studiert, für sich selbst erschwerend entscheidet und Umgang mit Gelehrten pflegt, über den spricht die Schrift: <i>wenn du deiner Hände Arbeit genießest, heil dir, du hast es gut</i>. R. Zebid sagte: Ihm ist es beschieden, zwei Welten zu erben, diese Welt und die zukünftige Welt. <i>Heil dir</i>, auf dieser Welt; <i>du hast es gut</i>, in der zukünftigen Welt.
יב ר' אלעזר כי הוו משדרי ליה מבי נשיאה מידי לא שקיל וכי הוו מזמני ליה לא אזיל אמר לא קא בעי מר דאיחי דכתיב ושונא מתנות יחיה רבי זירא כי משדרי ליה לא שקיל כי הוו מזמנין ליה אזיל אמר
12 Wenn man R. Elea͑zer etwas aus dem Hause des Fürsten sandte, nahm er es nicht an, und wenn man ihn zu Tische lud, ging er nicht hin, indem er sprach: Der Meister gönnt mir wohl das Leben nicht; es heißt: <i>wer Geschenke haßt, wird leben</i>. Wenn man R. Zera etwas sandte, nahm er es nicht an, wenn man ihn aber zu Tische lud, ging er hin, denn er sagte: