Gittin 64

Kapitel 64

א שתי לשונות משמע משמע דבטל ומשמע דליבטיל גבי גט לישנא דמהני ביה קאמר גבי מתנה לישנא דמהני בה קאמר
1 sind beide Begriffe zu verstehen; es ist zu verstehen: es ist nichtig, und es ist zu verstehen: es werde nichtig. Bei der Scheidung versteht man den Begriff, der dabei wirksam ist, und bei der Schenkung den Begriff, der dabei wirksam ist.
ב אמר אביי נקיטינן שליח מתנה הרי הוא כשליח הגט נפקא מינה להולך לאו כזכי דמי
2 Abajje sagte: Es ist uns überliefert, daß der Bevollmächtigte bei einer Schenkung dem Bevollmächtigten bei einem Scheidebriefe gleiche. Dies ist von Bedeutung, daß nämlich [der Ausdruck] ‘bring’ nicht ‘erwirb’ heiße.
ג רבינא אשכחיה לרב נחמן בר יצחק דתלי וקאי בעיברא דדשא וקא מיבעיא ליה בטל מהו תיקו
3 Rabina traf R. Naḥman b. Jiçḥaq am Türriegel gelehnt stehen und folgendes fragen: Wie ist es, wenn er nur ‘nichtig’ [gesagt hat]? – Dies bleibt unentschieden.
ד אמר רב ששת ואמרי לה במתניתא תנא גט זה לא יועיל לא יתיר לא יעזיב לא ישלח ולא יגרש יהא חרס יהא כחרס דבריו קיימין
4 R. Šešeth sagte, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt: [Sagte er:] dieser Scheidebrief soll nicht wirken, nicht lösen, nicht entlassen, nicht fortschicken, nicht scheiden, ein Fetzen sein, einem Fetzen gleichen, so sind seine Worte von Wirkung;
ה אינו מועיל אינו מתיר אינו מעזיב אינו משלח אינו מגרש חרס הוא כחרס הוא לא אמר כלום
5 wenn aber: wirkt nicht, löst nicht, entläßt nicht, schickt nicht fort, scheidet nicht, ist ein Fetzen, gleicht einem Fetzen, so hat er nichts gesagt.
ו איבעיא להו הרי הוא חרס מהו א"ל רבינא לרב אחא בריה דרבא ואמרי לה רב אחא בריה דרבא לרב אשי מאי שנא מהרי הוא הקדש הרי הוא הפקר
6 Sie fragten: Wie ist es, [wenn er gesagt hat:] er ist ein Fetzen? Rabina sprach zu R. Aḥa, dem Sohne Rabas, und wie manche sagen, R. Aḥa, der Sohn Rabas, zu R. Aši: Hierbei ist es ja nicht anders, [als wenn jemand gesagt hat:] dies ist geheiligt, dies ist Freigut. –
ז חוזר ומגרש בו או אינו חוזר ומגרש בו רב נחמן אמר חוזר ומגרש בו ורב ששת אמר אינו חוזר ומגרש בו והלכתא כוותיה דרב נחמן
7 Kann er sich damit wiederum scheiden lassen oder kann er sich damit nicht wiederum scheiden lassen? R. Naḥman sagt, er könne sich damit wiederum scheiden lassen, und R. Šešeth sagt, er könne sich damit nicht wiederum scheiden lassen. Die Halakha ist wie R. Naḥman. –
ח איני והא קי"ל הלכתא כוותיה דר' יוחנן דאמר חוזרת
8 Dem ist ja aber nicht so, es ist uns ja bekannt, daß die Halakha wie R. Joḥanan sei, welcher sagt, sie könne zurücktreten!? –
ט הכי השתא התם דיבור ודיבור הוא אתי דיבור ומבטל דיבור והכא נהי דבטליה לשליחותא דשליח גיטא גופיה מי קא בטיל:
9 Es ist ja nicht gleich; da handelt es sich bei beidem um Worte, und ein Wort kann ein Wort aufheben, wieso aber sollte er hierbei, wenn er auch den Auftrag des Boten nichtig machen kann, den Scheidebrief selbst nichtig machen!?
י בראשונה היה עושה: איתמר בפני כמה הוא מבטלו רב נחמן אמר בפני ב' רב ששת אמר בפני ג'
10 A<small>NFANGS KONNTE MAN &amp;C</small>. Es wurde gelehrt: Vor wieviel [Personen] erfolgt die Nichtigmachung? R. Naḥman sagt, vor zwei, und R. Šešeth sagt, vor drei.
יא רב ששת אמר בפני ג' ב"ד קתני ורב נחמן אמר בפני ב' לבי תרי נמי ב"ד קרי להו אמר רב נחמן מנא אמינא לה דתנן מוסרני לפניכם
11 R. Šešeth sagt, vor drei, denn es heißt Gericht; R. Naḥman sagt, vor zwei, denn auch zwei werden Gericht genannt. R. Naḥman sagte: Dies entnehme ich aus folgender Lehre: Ich übergebe euch