Gittin 67

Kapitel 67

א יתומין שבאו לחלוק בנכסי אביהן בית דין מעמידין להן אפוטרופוס ובוררים להן חלק יפה הגדילו יכולין למחות ורב נחמן דידיה אמר הגדילו אין יכולין למחות דאם כן מה כח בית דין יפה
1 daß, wenn die Waisen die Güter ihres Vaters teilen, das Gericht ihnen Vormünder stelle, die für sie einen guten Teil heraussuchen, und wenn sie großjährig werden, sie Einspruch erheben können, und in seinem eigenen Namen sagte R. Naḥman, wenn sie großjährig werden, können sie keinen Einspruch erheben, denn worin bestände sonst die Macht des Gerichtes!? –
ב התם ממונא הכא איסורא
2 Da handelt es sich um eine Zivilsache, hierbei aber um eine kanonische Sache.
ג גידול בר רעילאי שדר לה גיטא לדביתהו אזל שליחא אשכחה דהוה יתבה ונוולה אמר לה הא גיטיך אמרה ליה זיל השתא מיהא ותא למחר אזל לגביה וא"ל פתח ואמר ברוך הטוב והמטיב
3 Gidul, Sohn des Reîlaj, sandte seiner Frau einen Scheidebrief, und der Bote ging hin und traf sie sitzen und spinnen; da sprach er zu ihr: Da ist dein Scheidebrief. Sie erwiderte ihm: Geh heute fort und komm morgen. Hierauf kam er zu jenem, und jener sprach: Gepriesen sei der Gute und Gütige.
ד אביי אמר ברוך הטוב והמטיב ולא בטל גיטא רבא אמר ברוך הטוב והמטיב ובטל גיטא
4 Hierzu sagte Abajje: Gepriesen sei der Gute und Gütige; aber der Scheidebrief ist nicht ungültig. Raba aber sagte: Gepriesen sei der Gute und Gütige, und der Scheidebrief ist ungültig. –
ה במאי קמיפלגי בגלוי דעתא בגיטא קמיפלגי דאביי סבר גלוי דעתא בגיטא לאו מלתא היא ורבא סבר גלוי דעתא בגיטא מילתא היא
5 Worin besteht ihr Streit? – Sie streiten über die Kundgebung über den Scheidebrief. Abajje ist der Ansicht, die Kundgebung über den Scheidebrief sei unwesentlich, und Raba ist der Ansicht, die Kundgebung über den Scheidebrief sei wesentlich.
ו אמר רבא מנא אמינא לה דרב ששת אשקליה גיטא לההוא גברא בעל כרחיה ואמר להו לסהדי הכי אמר לכו רב ששת לבטל גיטא ואצרכיה רב ששת גיטא אחרינא
6 Raba sagte: Dies entnehme ich aus folgendem. Einst erzwang R. Šešeth von einem einen Scheidebrief gegen seinen Willen; darauf sprach dieser zu den Zeugen: R. Šešeth läßt euch sagen, daß der Scheidebrief nichtig sein möge. Hierauf benötigte ihn R. Šešeth eines anderen Scheidebriefes. –
ז ואביי אטו רב ששת מבטל גיטא דאינשי הוה איהו בטלה והאי דקאמר להו הכי משום דפנוי
7 Und Abajje!? – Machte etwa R. Šešeth die Scheidebriefe der Leute nichtig!? Er selbst machte ihn nichtig, nur sagte er ihnen dies wegen der Büttel.
ח ואמר אביי מנא אמינא לה דרב יהודה אשקליה גיטא לחתניה דר' ירמיה ביראה ובטליה תנא אשקליה ובטליה הדר תנא ואשקליה על כרחיה ואמר להו לסהדי אותיבו קרי באוניכו וכתובו ליה ואי סלקא דעתך גלוי דעתא בגיטא מילתא היא הא חזו ליה דקא רהיט בתרייהו
8 Abajje sprach: Ich entnehme es aus folgendem. R. Jehuda erzwang einen Scheidebrief vom Schwiegersohne des R. Jirmeja Biraá, und dieser machte ihn nichtig; da erzwang ihn jener wiederum, und dieser machte ihn abermals nichtig. Hierauf erzwang er ihn wiederum gegen seinen Willen und sprach zu den Zeugen: Steckt Kürbisstengel in eure Ohren und schreibt ihn. Wenn man nun sagen wollte, die Kundgebung beim Scheidebriefe sei wesentlich, so sahen sie ja, daß er ihnen nachlief!? –
ט ורבא האי דקא רהיט בתרייהו דאמר להו אשור הבו לה הייא כי היכא דמשלם צערא דההוא גברא
9 Und Raba!? – Er lief ihnen [vielleicht] nach, um ihnen zu sagen: übergebt ihr ihn schnell, damit der Schmerz zuende sei.
י ואמר אביי מנא אמינא לה דההוא דאמר להו אי לא אתינא עד תלתין יומין ליהוי גיטא אתא ופסקיה מברא אמר להו חזו דאתאי חזו דאתאי ואמר שמואל לא שמיה מתיא
10 Femer sagte Abajje: Ich entnehme es aus folgendem. Einst sagte jemand: Wenn ich in dreißig Tagen nicht zurück bin, sei der Scheidebrief gültig. Als er zurückkam, verhinderte ihn die Fähre. Da rief er: Seht, ich bin gekommen, seht, ich bin gekommen. Hierauf entschied Šemuél, dies heiße kein Kommen. –
יא ורבא אטו התם לבטולי גיטא בעי התם לקיומי תנאיה קא בעי והא לא איקיים תנאיה
11 Und Raba!? – Wollte dieser denn den Scheidebrief nichtig machen!? Er wollte vielmehr die Bedingung erfüllen, sie wurde aber nicht erfüllt.
יב ההוא דאמר להו אי לא נסיבנא עד תלתין יומין ליהוי גיטא כי מטו תלתין יומין אמר להו הא טרחנא
12 Einst sagte jemand: Wenn ich sie in dreißig Tagen nicht heirate, sei der Scheidebrief gültig. Als die dreißig Tage um waren, sprach er zu ihnen: Ich habe mich darum bemüht.
יג למאי ניחוש לה אי משום אונסא אין אונס בגיטין אי משום גלויי דעתא בגיטא פלוגתא דאביי ורבא הוא
13 Was ist hierbei zu berücksichtigen: wenn ein Zwangsfall, so gibt es ja bei der Scheidung keinen Zwangsfall, und wenn die Kundgebung (beim Scheidebriefe), so besteht hierüber ein Streit zwischen Abajje und Raba.
יד ההוא דאמר להו אי לא נסיבנא לריש ירחא דאדר ליהוי גיטא כי מטא ריש ירחא דאדר אמר להו אנא לריש ירחא דניסן אמרי למאי ניחוש לה אי משום אונס אין אונס בגיטין אי משום גלויי דעתא פלוגתא דאביי ורבא
14 Einst sagte jemand: Wenn ich sie bis zum Neumond des Adar nicht heirate, sei der Scheidebrief gültig. Als der Neumond des Adar herangereicht war, sprach er zu ihnen: Ich sagte: zum Neumond des Nisan. Da entschieden sie: Was ist hierbei zu berücksichtigen: wenn ein Zwangsfall, so gibt es ja bei der Scheidung keinen Zwangsfall, und wenn die Kundgebung, so besteht hierüber ein Streit zwischen Abajje und Raba.
טו והלכתא כנחמן והלכתא כנחמן
15 Die Halakha ist wie Naḥman, die Halakha ist wie Naḥman