Gittin 9

Kapitel 9

א אילימא חרש חרש בר איתויי גיטא הוא והתנן הכל כשרים להביא את הגט חוץ מחרש שוטה וקטן
1 wenn etwa der Fall, wenn er taubstumm ist, so kann ja ein Taubstummer keinen Scheidebrief überbringen, denn wir haben gelernt, jeder sei zulässig, einen Scheidebrief zu überbringen, ausgenommen ein Tauber, ein Blöder und ein Minderjähriger,
ב ואמר רב יוסף הכא במאי עסקינן כגון שנתנו לה כשהוא פקח ולא הספיק לומר בפני נכתב ובפני נחתם עד שנתחרש לרבא ניחא לרבה קשיא
2 erwiderte R. Joseph, hier werde von dem Falle gesprochen, wenn er ihn ihr gegeben hat, als er noch hörend war, und bevor er noch sagen konnte: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden, taubstumm geworden ist. Einleuchtend ist dies nach Raba, gegen Rabba ist dies ja aber ein Einwand!? –
ג הכא במאי עסקינן לאחר שלמדו אי הכי יכול נמי גזירה שמא יחזור דבר לקלקולו
3 Hier wird von der Zeit gesprochen, nachdem sie es gelernt haben. – Demnach sollte es auch von dem Falle gelten, wenn er es kann!? – Es ist zu berücksichtigen, es könnte wieder zu einem Verstoße kommen. –
ד אי הכי אינו יכול נמי פקח ונתחרש מילתא דלא שכיחא ומילתא דלא שכיחא לא גזור בה רבנן
4 Demnach sollte dies auch in dem Falle berücksichtigt werden, wenn er es nicht kann!? – Daß ein Hörender taubstumm wird, ist selten, und bei Seltenem haben die Rabbanan dies nicht berücksichtigt. –
ה והא אשה דלא שכיחא ותנן האשה עצמה מביאה גיטה ובלבד שצריכה לומר בפ"נ ובפ"נ שלא תחלוק בשליחות
5 Auch bei einer Frau ist es ja selten, dennoch wird gelehrt, daß eine Frau ihren Scheidebrief selber bringen dürfe, nur müsse sie sagen: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden!? – Um bei der Überbringung keinen Unterschied zu machen. –
ו אי הכי בעל נמי אלמה תניא הוא עצמו שהביא גיטו אין צריך לומר בפני נכתב ובפני נחתם
6 Demnach sollte dies auch vom Ehemanne gelten, während doch gelehrt wird, daß, wenn er selbst seinen Scheidebrief gebracht hat, er nicht zu sagen brauche: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden!? –
ז טעמא מאי אמור רבנן צריך לומר בפני נכתב ובפני נחתם דילמא אתי בעל מערער ופסיל ליה השתא מינקט נקיט ליה בידיה וערעורי קא מערער עליה
7 Die Rabbanan bestimmten ja deshalb, daß er sagen müsse: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden, weil der Ehemann ihn anfechten und ungültig machen könnte, und wenn er selber ihn in der Hand hält, wieso sollte er ihn anfechten!? –
ח תא שמע דבעא מיניה שמואל מרב הונא שנים שהביאו גט ממדינת הים צריכין שיאמרו בפנינו נכתב ובפנינו נחתם או אין צריכין אמר ליה אין צריכין ומה אילו יאמרו בפנינו גרשה מי לא מהימני
8 Komm und höre: Šemuél fragte R. Hona: Müssen, wenn zwei einen Scheidebrief aus dem Überseelande bringen, diese sagen: er ist vor uns geschrieben und vor uns unterzeichnet worden, oder brauchen sie es nicht? Dieser erwiderte: Sie brauchen es nicht; sind sie denn nicht glaubhaft, wenn sie sagen: er ließ sich in unserer Gegenwart von ihr scheiden!?
ט לרבא ניחא לרבה קשיא הכא במאי עסקינן לאחר שלמדו
9 Einleuchtend ist dies nach Raba, gegen Rabba aber ist dies ja ein Einwand!? – Hier wird von der Zeit gesprochen, nachdem sie es gelernt haben. –
י אי הכי חד נמי גזרה שמא יחזור דבר לקלקולו
10 Demnach sollte dies auch von einem gelten!? – Es ist zu berücksichtigen, es könnte wieder zu einem Verstoße kommen. –
יא אי הכי בי תרי נמי בי תרי דמייתו גיטא מילתא דלא שכיחא ומילתא דלא שכיחא לא גזור בה רבנן
11 Demnach sollte dies auch bei zweien berücksichtigt werden!? – Daß zwei einen Scheidebrief überbringen, ist selten, und bei Seltenem haben die Rabbanan dies nicht berücksichtigt. –
יב והא אשה דלא שכיחא ותנן האשה עצמה מביאה גיטה ובלבד שהיא עצמה צריכה לומר בפני נכתב ובפני נחתם שלא תחלוק בשליחות
12 Auch bei einer Frau ist es ja selten, dennoch haben wir gelernt, daß die Frau ihren Scheidebrief selber bringen dürfe, nur müsse sie sagen: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden!? – Um bei der Überbringung keinen Unterschied zu machen. –
יג אי הכי בעל נמי אלמה תניא הוא עצמו שהביא גיטו אינו צריך לומר בפני נכתב ובפני נחתם טעמא מאי אמור רבנן צריך לומר בפני נכתב ובפני נחתם דילמא אתי בעל מערער ופסיל ליה השתא מינקט נקיט ליה בידיה וערעורי קא מערער עליה
13 Demnach sollte dies auch vom Ehemanne gelten, während doch gelehrt wird, daß, wenn er selber seinen Scheidebrief gebracht hat, er nicht zu sagen brauche: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden!? – Die Rabbanan bestimmten ja deshalb, daß er sagen müsse: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden, weil der Ehemann ihn anfechten und ungültig machen könnte, und wenn er selber ihn in der Hand hält, wieso sollte er ihn anfechten!? –
יד ת"ש המביא גט ממדינת הים ונתנו לה ולא אמר לה בפ"נ ובפ"נ אם נתקיים בחותמיו כשר ואם לאו פסול הוי לא הוצרכו לומר בפ"נ ובפ"נ להחמיר עליה אלא להקל עליה
14 Komm und höre: Wenn jemand einen Scheidebrief aus dem Überseelande gebracht, ihn ihr gegeben, aber nicht gesagt hat: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden, so ist er, wenn er durch die Unterschriften bestätigt wird, gültig, wenn aber nicht, ungültig. Die Benötigung zu sagen: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden, ist nicht für sie erschwerend, sondern erleichternd.
טו לרבא ניחא לרבה קשיא הכא במאי עסקינן לאחר שלמדו
15 Einleuchtend ist dies nach Raba, gegen Rabba aber ist dies ja ein Einwand!? – Hier wird von der Zeit gesprochen, nachdem sie es gelernt haben. –
טז והאמרת גזירה שמא יחזור הדבר לקלקולו כשניסת אי הכי הוי לא הוצרכו לומר בפ"נ ובפני נחתם להחמיר עליה אלא להקל עליה משום דניסת הוא
16 Du sagtest ja aber, es sei zu berücksichtigen, es könnte wieder zu einem Verstoße kommen!? – Wenn sie bereits geheiratet hat. – Wieso begründet er demnach: die Benötigung zu sagen: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden, ist nicht für sie erschwerend, dies erfolgt ja aus dem Grunde, weil sie bereits geheiratet hat!? –
יז הכי קאמר וכי תימא להחמיר עלה ולפקה הוי לא הוצרכו לומר בפני נכתב ובפני נחתם להחמיר עליה אלא להקל עליה
17 Er meint es wie folgt: man könnte glauben, es erfolge für sie erschwerend und er entferne sie, so ist die Benötigung zu sagen: er ist vor mir geschrieben und vor mir unterzeichnet worden, nicht für sie erschwerend, sondern erleichternd.