Gittin 91

Kapitel 91

א משום נדר אני מוציאך קסבר טעמא מאי משום קלקולא אי אמר לה הכי מצי מקלקל לה ואי לא לא מצי מקלקל לה
1 ich lasse mich von dir wegen des Gelobens scheiden. Er ist der Ansicht, der Grund hierbei ist das Verderben, somit könnte er, wenn er es ihr gesagt hat, ihr Verderben herbeiführen; wenn er ihr aber nichts gesagt hat, kann er ihr Verderben nicht herbeiführen.
ב איכא דאמרי אמר רב יוסף בר מניומי אמר רב נחמן צריך שיאמר לה הוי יודעת שמשום שם רע אני מוציאך ומשום נדר אני מוציאך קסבר טעמא מאי כדי שלא יהו בנות ישראל פרוצות בעריות ובנדרים הלכך צריך למימר לה הכי
2 Manche lesen: R. Joseph b. Minjomi sagte im Namen R. Naḥmans: Es ist auch nötig, daß er ihr sage, wisse, daß ich mich von dir wegen der üblen Nachrede scheiden lasse, daß ich mich von dir wegen des Gelobens scheiden lasse. Er ist der Ansicht, dies aus dem Grunde, damit die Töchter Jisraéls nicht Unzucht und Gelübden fröhnen, daher ist es nötig, daß er es ihr sage.
ג תניא כלישנא קמא ותניא כלישנא בתרא
3 Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit der ersten Lesart, und es gibt eine Lehre übereinstimmend mit der zweiten Lesart.
ד תניא כלישנא קמא א"ר מאיר מפני מה אמרו המוציא את אשתו משום שם רע לא יחזיר ומשום נדר לא יחזיר שמא תלך ותנשא לאחר ונמצאו דברים בדאין ויאמר אילו הייתי יודע שכן הוא אפי' אם היו נותנים לי מאה מנה לא הייתי מגרשה ונמצא גט בטל ובניה ממזרין לפיכך אומרים לו הוי יודע שהמוציא את אשתו משום שם רע לא יחזיר ומשום נדר לא יחזיר
4 Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit der ersten Lesart: R. Meír sagte: Weshalb sagten sie, wer sich von seiner Frau wegen übler Nachrede scheiden ließ, dürfe sie nicht wiedernehmen, wer wegen Gelobens, dürfe sie nicht wiedernehmen? Weil er, wenn sie sich mit einem anderen verheiratet und die Sache sich als unwahr herausstellt, sagen könnte: wenn ich gewußt hätte, daß dem so sei, ließe ich mich von ihr nicht scheiden, selbst wenn man mir hundert Minen gegeben hätte. Die Scheidung würde dann nichtig sein und ihre Kinder Hurenkinder. Daher spreche man zu ihm: Wisse, wenn jemand sich von seiner Frau wegen übler Nachrede scheiden ließ, darf er sie nicht wiedernehmen, wenn wegen Gelobens, darf er sie nicht wiedernehmen.
ה תניא כלישנא בתרא אמר רבי אלעזר ברבי יוסי מפני מה אמרו המוציא את אשתו משום שם רע לא יחזיר ומשום נדר לא יחזיר שלא יהו בנות ישראל פרוצות בעריות ובנדרים לפיכך אומרים לו אמור לה הוי יודעת שמשום שם רע אני מוציאך ומשום נדר אני מוציאך:
5 Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit der zweiten Lesart. R. Elea͑zar b. R. Jose sagte: Weshalb sagten sie, wer sich von seiner Frau wegen übler Nachrede scheiden ließ, dürfe sie nicht wiedernehmen, wer wegen Gelobens, dürfe sie nicht wiedernehmen? Damit die Töchter Jisraéls nicht Unzucht und Gelübden fröhnen. Daher spreche man zu ihm: Sage ihr folgendes: wisse, daß ich mich von dir wegen der üblen Nachrede scheiden lasse, daß ich mich von dir wegen des Gelobens scheiden lasse.
ו רבי יהודה אומר כל נדר שידעו בו רבים לא יחזיר ושלא ידעו בו רבים יחזיר: אמר רבי יהושע בן לוי מ"ט דר' יהודה דכתיב (יהושע ט, יח) ולא הכום בני ישראל כי נשבעו להם נשיאי העדה
6 R. J<small>EHUDA SAGT, WENN DAS</small> G<small>ELÜBDE VIELEN BEKANNT WAR, SO NEHME ER</small> <small>SIE NICHT WIEDER, UND WENN ES NICHT VIELEN BEKANNT WAR, SO DARF ER</small> <small>SIE WIEDERNEHMEN</small>. R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Folgendes ist der Grund R. Jehudas; es heißt: <i>die Kinder Jisraél erschlugen sie nicht, weil ihnen die Fürsten der Gemeinde geschworen hatten</i> <i>.</i> –
ז ורבנן התם מי חלה שבועה עילוייהו כלל כיון דאמרו להו מארץ רחוקה באנו ולא באו לא חיילה שבועה עילוייהו כלל והאי דלא קטלינהו משום קדושת השם
7 Und die Rabbanan!? – War denn da der Schwur überhaupt gültig!? Jene sagten zu ihnen, daß sie aus einem fernen Lande gekommen seien, während sie nicht gekommen waren, somit war der Schwur überhaupt nicht gültig, und nur wegen der Heiligung des göttlichen Namens töteten sie sie nicht. –
ח וכמה רבים רב נחמן אמר ג' ר' יצחק אמר עשרה
8 Was heißt ‘vielen’? R. Naḥman sagt, drei [Personen]; R. Jiçḥaq sagt, zehn.
ט רב נחמן אמר ג' ימים ב' רבים ג' רבי יצחק אמר עשרה דכתיב עדה:
9 R. Naḥman sagt, drei, denn unter <i>Tage</i> sind zwei und unter <i>viele</i> sind drei zu verstehen. R. Jiçḥaq sagt, zehn, denn es heißt Gemeinde.
י רבי מאיר אומר כל נדר שצריך וכו': תניא רבי אלעזר אומר לא אסרו צריך אלא מפני שאינו צריך
10 R. M<small>EÍR SAGT, WENN DAS</small> G<small>ELÜBDE</small> &amp;<small>C. MUSS</small>. Es wird gelehrt: R. Elea͑zar sagte: Sie haben es verboten in dem Falle, wenn dies nötig ist, wegen des Falles, wenn es nicht nötig ist. –
יא במאי קמיפלגי ר"מ סבר אדם רוצה שתתבזה אשתו בב"ד
11 Worin besteht ihr Streit? – R. Meír ist der Ansicht, man sei damit einverstanden, daß seine Frau sich bei Gericht herabsetze,
יב ור"א סבר אין אדם רוצה שתתבזה אשתו בב"ד:
12 und R. Elea͑zar ist der Ansicht, man sei nicht damit einverstanden, daß seine Frau sich bei Gericht herabsetze.
יג א"ר יוסי בר' יהודה מעשה בצידן וכו: מאי תנא דקתני מעשה
13 R. J<small>OSE B</small>. R. J<small>EHUDA SAGTE</small>: E<small>INST SAGTE JEMAND IN</small> Ç<small>AJDAN</small> &amp;<small>C</small>.
יד חסורי מיחסרא והכי קתני בד"א כשנדרה היא אבל נדר איהו יחזיר ואמר רבי יוסי ברבי יהודה מעשה נמי בצידן באחד שאמר לאשתו קונם אם איני מגרשיך וגירשה והתירו לו חכמים שיחזירנה מפני תיקון העולם
14 Wo lehrt er hier etwas, worauf dieses Ereignis sich beziehen könnte!? – [Die Mišna] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: dies gilt nur von dem Falle, wenn sie gelobt hat, wenn aber er gelobt hat, so darf er sie wieder nehmen. Hierzu sagte R. Jose b. R. Jehuda: Einst sagte auch jemand in Çajdan zu seiner Frau: Qonam, wenn ich mich von dir nicht scheiden lasse, und darauf ließ er sich von ihr scheiden. Da erlaubten ihm die Weisen, sie wieder zu nehmen, als vorsorgende Institution. –