Keritot 51

Kapitel 51

א למפשטיה לא מדרב דימי ולא מדאביי
1 aus der Auslegung R. Dimis noch aus der Auslegung Abajjes zu entnehmen,
ב אלא מהא חטא שאין מכיר בו אלא המקום יוה"כ מכפר ומינה חטא שאין מכיר בו אלא המקום הוא דיוה"כ מכפר אבל דידע בה לא מכפר
2 sondern aus folgendem: Eine Sünde, die nur Gott kennt, sühnt der Versöhnungstag. Hieraus [folgere man]: nur eine Sünde, die nur Gott kennt, sühnt der Versöhnungstag, die man aber selber kennt, sühnt der Versöhnungstag nicht.
ג ואמר רב תחליפא אבוה דרב הונא משמיה דרבא חייבי מלקיות שעבר עליהן יה"כ חייב פשיטא מאי שנא מחייבי חטאות ואשמות ודאין
3 Ferner sagte R. Taḥlipha, Vater des R. Hona, im Namen Rabas: Wenn jemand sich der Geißelung schuldig gemacht hat und der Versöhnungstag vorüber ist, so ist er schuldig. – Selbstverständlich, es ist ja nicht anders als bei denen, die ein Sündopfer oder ein zweifelloses Schuldopfer schulden!? –
ד סלקא דעתך אמינא התם ממונא הוא אבל הכא דגופא הוא אימא לא קמ"ל
4 Man könnte glauben, nur da, weil es eine Geldsacheist, nicht aber hierbei, wo es sich um eine körperliche [Strafe] handelt, so lehrt er uns. –
ה והא אנן תנן הודע ולא הודע עשה ולא תעשה
5 Wir haben ja aber gelernt: wenn er sich bewußt wird oder er sich nicht bewußt wird, ein Gebot oder ein Verbot!? –
ו לא קשיא הא דאתרו ביה הא דלא אתרו ביה
6 Das ist kein Einwand; eines, wenn man ihn gewarnt hat, und eines, wenn man ihn nicht gewarnt hat. –
ז אלא מעתה (סימן יולד"ת מצור"ע נזי"ר סוט"ה בעגל"ה)
7 
ח ספק יולדת שעבר עליה יוה"כ לא תייתי דהא כפר עליה יוה"כ דחטא שאין מכיר בו אלא המקום הוא אמר רב הושעיא (ויקרא טז, טז) לכל חטאתם ולא לכל טומאתם
8 Demnach sollte doch eine Wöchnerin, die im Zweifelist, wenn der Versöhnungstag vorüber ist, [das Opfer] nicht bringen, denn der Versöhnungstag hat ihr gesühnt, da es eine Sünde ist, die nur Gott kennt!? R. Hoša͑ja erwiderte: <i>In all ihren Verfehlungen</i>, nicht aber in all ihren Unreinheiten. –
ט ולר' שמעון בן יוחי דאמר יולדת חוטאת היא מאי איכא למימר יולדת כי קא מייתי קרבן לאישתרויי באכילת קדשים הוא ולא לכפרה מתיא
9 Wie ist es aber nach R. Šimo͑n b. Joḥaj zu erklären, welcher sagt, die Wöchnerin sei eine Sünderin!? – Die Wöchnerin bringt das Opfer, um Heiliges essen zu dürfen, nicht aber zur Sühne.
י אמר רב אשי אף אנן נמי תנינא האשה שיש עליה חטאת העוף ספק ועבר עליה יוה"כ חייבת להביא לאחר יוה"כ מפני שמכשרתה לאכול בזבחים
10 R. Aši sprach: Auch wir haben demgemäß gelernt: Eine Frau, die ein zweifelhaftes Geflügel-Sündopfer zu bringen hat, ist, wenn der Versöhnungstag vorüber ist, es nach dem Versöhnungstage zu bringen verpflichtet, weil es sie zum Essen von Schlachtopfern tauglich macht. –
יא אלא מעתה ספק מצורע שעבר יוה"כ לא מייתי דהא עבר עליה יוה"כ דחטא שאין מכיר בו אלא המקום הוא אמר ר' אושעיא לכל חטאתם ולא לכל טומאתם
11 Demnach hat der zweifelhaft Aussätzige, wenn der Versöhnungstag vorüber ist, [das Opfer] nicht zu bringen, da der Versöhnungstag vorüber ist und es eine Sünde ist, die nur Gott kennt!? R. Oša͑ja erwiderte: <i>In all ihren Verfehlungen</i>, nicht aber in all ihren Unreinheiten. –
יב והא אמר ר' שמואל בר נחמני אמר ר' יוחנן על ז' דברים נגעים באים (סימן גג"ג ששל"ץ) מצורע כי מייתי לאו לכפרה מייתי אלא לאישתרויי באכילת קדשים הוא
12 R. Šemuél b. Naḥman sagte ja aber im Namen R. Jonathans, der Aussatz komme über einen wegen sieben Vergehen!? – Der Aussätzige bringt das Opfer nicht zur Sühne, sondern um Heiliges essen zu dürfen. –
יג אלא מעתה ספק נזיר שעבר עליו יוה"כ לא מייתי קרבן דהא כפר יוה"כ דחטא שאין מכיר בו אלא המקום הוא אמר ר' אושעיא לכל חטאת ולא לכל טומאה
13 Demnach sollte der im Zweifelbefindliche Naziräer, wenn der Versöhnungstag vorüber ist, das Opfer nicht bringen, denn es ist eine Sünde, die nur Gott kennt!? R. Oša͑ja erwiderte: <i>In all ihren Verfehlungen</i>, nicht aber in all ihren Unreinheiten. –
יד ולרבי אלעזר בן הקפר דאמר נזיר חוטא הוא מאי איכא למימר נזיר כי קא מייתי קרבן לאו לכפרה מייתי לאשתרויי באכילת קדשים הוא
14 Wie ist es aber nach R. Elea͑zar b. Haqappar zu erklären, welcher sagt, der Naziräer sei ein Sünder!? – Der Naziräer bringt das Opfer nicht zur Sühne, sondern um Heiliges essen zu dürfen. –
טו אלא מעתה ספק סוטה שעבר עליה יוה"כ לא תייתי דהא כפר עלה יוה"כ דחטא שאינו מכיר בו אלא המקום אמר רבי הושעיא לכל חטאתם ולא לכל טומאתם
15 Demnach sollte die Ehebruchsverdächtigte, [über deren Vergehen] ein Zweifel besteht, wenn der Versöhnungstag vorüber ist [das Opfer] nicht bringen, weil der Versöhnungstag es gesühnt hat, denn es ist eine Sünde, die nur Gott kennt!? R. Hoša͑ja erwiderte: <i>In all ihren Verfehlungen</i>, nicht aber in all ihren Unreinheiten.
טז אמר אביי בועל מכיר בו רבא אמר סוטה כי מתייא לברר עון קא אתיא
16 Abajje erwiderte: Der Buhle kennt sie. Raba erwiderte: Die Ehebruchsverdächtigte bringt das Opfer zur Aufklärung der Sünde. –
יז אלא מעתה עגלה ערופה שעבר עליה יוה"כ וכו' אמר אביי הורג מכיר רבא אמר אמר קרא (במדבר לה, לד) ולארץ לא יכופר לדם אשר שפך בה וגו
17 Demnach sollte das genickbrochene Kalb, wenn der Versöhnungstag vorüber ist &amp;c.!? Abajje erwiderte: Der Totschläger kennt [die Sünde]. Raba erwiderte: Die Schrift sagt: <i>und dem Lande wird keine Sühne für das Blut, das darin vergossen worden ist &amp;c</i>.
יח רב פפא אמר אמר קרא (דברים כא, ח) כפר לעמך ישראל וגו ראויה כפרה זו שתכפר על יוצאי מצרים
18 R. Papa erwiderte: Die Schrift sagt:<i>vergib deinem Volke Jisraél &amp;c</i>. Dieses möge allen Auszüglernaus Miçrajim Sühne schaffen. –
יט השתא דאמרת חטא שאין מכיר בו אלא המקום יוה"כ מכפר אימא כי מתיידע ליה בתר יוה"כ נמי לא מייתי חטאת אמר ר' זעירא לא מצית אמרת דכתיב קרא ידיעה גבי חטאת וגבי נשיא וגבי צבור
19 Jetzt nun, wo du erklärt hast, eine Sünde, die nur Gott kennt, sühne der Versöhnungstag, sollte er doch, auch wenn er sich nach dem Versöhnungstage bewußt wird, kein Sündopfer bringen!? R. Zee͑ra erwiderte: Dies kannst du nicht sagen, denn die Schrift spricht vom Bewußtwerden beim Sündopfer, beim Fürsten und bei der Gemeinde. –
כ צריכי דאי כתב קרא גבי יחיד הוה אמינא כולהון מיחיד לא אתאן דאיכא למיפרך מה ליחיד שכל קרבנו נקבה
20 Aber dies ist ja bei allen nötig!? Hätte die Schrift es nur beim einzelnen geschrieben, so wäre vom einzelnen auf jene nicht zu folgern, denn man könnte einwenden: wohl gilt dies bei einem einzelnen, der nur ein Weibchen als Opfer zu bringenhat.
כא נכתוב גבי נשיא ונייתי הנך מנשיא
21 Und hätte sie es nur beim Fürsten geschrieben, so wäre vom Fürsten
כב יחיד מנשיא לא אתי דאיכא למיפרך מה לנשיא שכן אין בשמיעת קול תאמר ביחיד שכן ישנו בשמיעת קול
22 auf den einzelnen nicht zu folgern, denn man könnte einwenden: wohl gilt dies vom Fürsten, der beim Zeugenaufrufenicht einbegriffen ist, während es beim einzelnen auch wegen des Zeugenaufrufes erfolgt;
כג וצבור מנשיא לא אתי דאיכא למיפרך מה לנשיא שכן בקרבנו נקבה
23 auch wäre vom Fürsten auf die Gemeinde nicht zu folgern, denn man könnte einwenden: wohl gilt dies vom Fürsten, der auch ein Weibchen als Opfer[zu bringen] hat.
כד נכתוב גבי צבור יחיד ונשיא מינה איכא למיפרך מה לצבור שכן אין חייבין אלא על העלם דבר עם שגגת מעשה
24 Und wenn sie es nur bei der Gemeinde geschrieben hätte und man von dieser auf einen einzelnen und den Fürsten folgern wollte, so könnte man einwenden: wohl gilt dies von der Gemeinde, die schuldig ist, nur bei Entfallen der Sache und Versehen bei der Tat. –
כה מחדא ידיעה לא אתיא תיתי חדא ידיעה מתרתי לא נכתוב ידיעה גבי יחיד ותיתי מנשיא וצבור
25 Wenn auch vom Bewußtwerden bei einem nicht auf die anderen zu folgern ist, so könnte doch vom Bewußtwerden bei zweien auf einen gefolgert werden: die Schrift sollte das Bewußtwerden beim einzelnen nicht geschrieben, und man würde vom Fürsten und von der Gemeinde auf diesen gefolgert haben!? –
כו איכא למיפרך מה לנשיא וצבור שכן אינן בשמיעת קול תאמר ביחיד שישנו בשמיעת קול
26 Man könnte einwenden: wohl gilt dies vom Fürsten und von der Gemeinde, die beim Zeugenaufrufe nicht einbegriffen sind, während es beim einzelnen auch wegen des Zeugenaufrufes erfolgt. –
כז לא נכתוב קרא ידיעה גבי צבור ותיתי מידיעה דיחיד ונשיא איכא למיפרך מה ליחיד ונשיא שכן יש בקרבן נקבה תאמר בצבור שאין בקרבן נקבה
27 Sollte die Schrift das Bewußtwerden bei der Gemeinde nicht geschrieben haben, und man würde vom Bewußtwerden beim einzelnen und beim Fürsten auf diese gefolgert haben!? – Man könnte einwenden: wohl gilt dies beim einzelnen und beim Fürsten, die auch ein Weibchen als Opfer [zu bringen] haben, während die Gemeinde kein Weibchen als Opfer [zu bringen] hat. –
כח לא נכתוב גבי נשיא ותיתי מידיעה דיחיד וצבור מאי פרכת אי משום דאינן בשמיעת הקול יחיד יוכיח דאינו בשמיעת הקול
28 Sollte sie es beim Fürsten nicht geschrieben haben, und man würde es vom Bewußtwerden beim einzelnen und bei der Gemeinde gefolgert haben, denn wenn man einwenden wollte, weil sie bei der Aufforderung nicht einbegriffen sind, so ist vom einzelnen [das Entgegengesetzte] zu beweisen, bei dem es auch wegen der Aufforderung erfolgt;
כט ואי משום דיש בכל קרבנו נקבה צבור יוכיח דאין בקרבנן נקבה עד דאית להון ידיעה לא מחייב למה לי דכתיב ידיעה גבי נשיא
29 und wenn [man einwenden wollte], weil er auch ein Weibchen als Opfer [zu bringen] hat, so ist von der Gemeinde [das Entgegengesetzte] zu beweisen, die kein Weibchen als Opfer [zu bringen] hat. Diese sind schuldig, nur wenn sie sich bewußt werden; wozu ist nun [die Nennung] des Bewußtwerdens beim Fürsten nötig!?
ל אם אינו ענין לגופיה דהא אתיא מיחיד וצבור תנהו ענין להיכא דמתיידע ליה בתר יום הכפורים דמייתי חטאת
30 Da dies nun an sich nicht nötig ist, weil es vom einzelnen und von der Gemeinde zu folgern wäre, so ist es auf das Bewußtwerden nach dem Versöhnungstage zu beziehen, daß auch dann das Sündopfer zu bringen ist.
לא אביי אמר אי דלא כתיב ידיעה גבי נשיא מיחיד וצבור לא אתי משום דאיכא למיפרך מה ליחיד וצבור שכן אין עשויין להשתנות תאמר
31 Abajje entgegnete: Würde das Bewußtwerden beim Fürsten nicht geschrieben worden sein, so wäre es vom einzelnen und von der Gemeinde nicht zu folgern, denn man könnte einwenden: wohl gilt dies vom einzelnen und von der Gemeinde, bei denen keine Veränderung erfolgen kann,