Ketubot 105

Kapitel 105

א חזייה דלא הוה ניחא ליה אמר ליה מאי דעתיך משום דאמר ליה שמואל לרב יהודה שיננא לא תיהוי בעבורי אחסנתא אפילו מברא בישא לברא טבא דלא ידיעא מאי זרעא נפיק מיניה וכל שכן מברא לברתא
1 Als er merkte, daß es ihm nicht recht war, sprach er zu ihm: Du denkst wohl an das, was Šemuél zu R. Jehuda gesagt hat: Scharfsinniger, sei nicht zugegen bei einer Übertragung der Erbschaft, nicht einmal eines schlechten Sohnes auf einen guten Sohn, und um so weniger eines Sohnes auf eine Tochter, denn man weiß nicht, welche Nachkommenschaft aus ihm hervorgehen wird.
ב האי נמי תקנתא דרבנן היא דאמר רבי יוחנן משום ר' שמעון בן יוחי אמר ליה ה"מ מדעתיה לעשוייה נמי א"ל אטו מי קאמינא לך דעול ועשייה עול ולא תעשייה קאמינא אמר ליה מעלאי דידי היינו עשייה
2 Dies ist jedoch ebenfalls eine Bestimmung der Rabbanan, wie R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj gesagthat. Dieser erwiderte: Dies nur freiwillig, darf man etwa hierzu nötigen!? Jener entgegnete: Sagte ich dir denn, daß du mitkommen und nötigen sollst, ich sagte, daß du mitkommest, ohne ihn zu nötigen. Dieser erwiderte: Mein Mitkommenist eine Nötigung. Jener drang jedoch in ihn, und er ging mit.
ג אכפייה ועול אישתיק ויתיב סבר ההוא מירתח רתח כתביה לכל מאי דהוה ליה לסוף אמר ליה השתא נמי לא מישתעי מר חיי דמר לא שביקי מידי לנפשאי
3 Da er aber still da saß, glaubte [der Vater], er seiböse, und verschrieb ihr alles, was er besaß. Endlich sprach er: Der Meister spricht noch immer nicht; beim Leben des Meisters, ich habe nichts für mich zurückbehalten.
ד אמר ליה אי מינאי דידי אפי' האי נמי דכתבת לא ניחא לי א"ל השתא נמי אהדר בי א"ל שוייה נפשך הדרנא לא קאמינא
4 Dieser erwiderte: Wenn es nach mir ginge, wäre mir auch das, was du ihr verschrieben hast, nicht genehm. Da sprach er: So will ich nun zurücktreten. Dieser erwiderte: Daß du Wortbrüchiger werden solltest, sagte ich nicht.
ה בעא מיניה רב יימר סבא מרב נחמן מכרה כתובתה לבעלה יש לה כתובת בנין דכרין או אין לה כתובת בנין דכרין א"ל רבא ותבעי לך מוחלת
5 R. Jemar der Greis fragte R. Naḥman: Hat sie, wenn sie ihrem Ehemanne die Morgengabe verkauft, Anspruch auf die Morgengabe für die männlichen Kinder oder nicht? Raba sprach zu ihm: Frage doch hinsichtlich des Falles, wenn sie verzichtet. –
ו אמר ליה השתא מוכרת קמיבעיא לי דאע"ג דאיכא למימר זוזי אנסוה דאמינא כמאן דקא מחו לה מאה עוכלי בעוכלא מוחלת מיבעיא
6 Wenn es mir sogar hinsichtlich des Verkaufes fraglich ist, wobei anzunehmen ist, die Geld[not] habe sie gezwungen, und es ebenso sei, als würde man jemand hundert Schläge mit einem Hammerversetzen, um wieviel mehr hinsichtlich des Verzichtes.
ז אמר רבא פשיטא לי מוכרת כתובתה לאחרים יש לה כתובת בנין דכרין מאי טעמא זוזי אנסוה מוחלת כתובתה לבעלה אין לה כתובת בנין דכרין מאי טעמא אחולי אחילתא
7 Raba sagte: Entschieden ist es mir, daß, wenn sie ihre Morgengabe Fremden verkauft, sie Anspruch auf die Morgengabe für die männlichen Kinder hat, weil nur die Geld[not] sie gezwungenhat, und wenn sie zugunsten ihres Ehemannes auf ihre Morgengabe verzichtet, sie keinen Anspruch auf die Morgengabe für die männlichen Kinder hat, weil sie darauf verzichtethat.
ח בעי רבא מוכרת כתובתה לבעלה כמוכרת לאחרים דמי או כמוחלת לבעלה דמי בתר דבעיא הדר פשטא מוכרת כתובה לבעלה כמוכרת לאחרים דמי
8 Folgendes aber fragte Raba: Gleicht der Verkauf der Morgengabe an ihren Ehemann dem Verkaufe an Fremde oder dem Verzichtezugunsten ihres Ehemannes? Später entschied er es: Der Verkauf der Morgengabe an den Ehemann gleicht dem Verkaufe an Fremde.
ט מתיב רב אידי בר אבין מתה אין יורשין של זה ואין יורשין של זה יורשין כתובתה והוינן בה כתובתה מאי עבידתה
9 R. Idi b. Abin wandte ein: Stirbt sie, so erben weder die Erben des einen noch die Erben des anderenihre Morgengabe. Und auf unsere Frage, welches Bewenden es mit der Morgengabehabe,
י ואמר רב פפא כתובת בנין דכרין ואמאי הכא נמי לימא יצר אנסה
10 erwiderte R. Papa, dies gelte von der Morgengabe für die männlichen Kinder. Weshalb dies, auch da sollte man sagen, der Triebhabe sie gezwungen!? –
יא התם קנסא הוא דקנסוה רבנן
11 Da ist es eine Maßregelung, mit der die Rabbanan sie belegt haben.
יב יתיב רבין בר חנינא קמיה דרב חסדא ויתיב וקאמר משמיה דרבי אלעזר מוחלת כתובתה לבעלה אין לה מזונות אמר ליה אי לאו דקאמרת לי משמיה דגברא רבא הוה אמינא לך (משלי יז, יג) משיב רעה תחת טובה לא תמוש רעה מביתו
12 Rabin b. Ḥanina saß vor R. Ḥisda und trug im Namen R. Elea͑zars vor: Verzichtet sie zugunsten ihres Ehemannes auf ihre Morgengabe, so erhält siekeine Ernährung. Da sprach dieser: Hättest du es nicht im Namen eines bedeutenden Mannes gesagt, würde ich dir erwidert haben:<i>wer Gutes mit Bösem vergilt, aus dessen Haus weicht das Unglück nicht</i>.
יג יתיב ר"נ ועולא ואבימי בר רב פפי ויתיב רב חייא בר אמי גבייהו אתא ההוא גברא דשכיבא ארוסתו אמרי ליה זיל קבר או הב לה כתובתה אמר להו רב חייא תנינא אשתו ארוסה לא אונן ולא מיטמא לה וכן היא לא אוננת ולא מיטמאה לו מתה אינו יורשה מת הוא גובה כתובתה
13 Einst saßen R. Naḥman, U͑la und Abimi b. Papi beisammen, und R. Ḥija b. Ami saß neben ihnen. Da erschien vor ihnen ein Mann, dessen Verlobte gestorben war. Sie sprachen zu ihm: Entweder du bestattest sie oder du zahlst ihre Morgengabe. Da sprach R. Ḥija zu ihnen: Wir haben gelernt: Wegen seinerVerlobten ist er nicht Leidtragendernoch verunreinige er sich an ihr, ebenso ist sie seinetwegen nicht Leidtragende noch verunreinige sie sich an ihm; stirbt sie, so beerbt er sie nicht, stirbt er, so kann sie ihre Morgengabe einfordern.
יד טעמא דמת הוא הא מתה היא אין לה כתובה מאי טעמא אמר רב הושעיא שאין אני קורא בה לכשתנשאי לאחר תטלי מה שכתוב ליכי
14 Nur wenn er stirbt, wenn sie aber stirbt, erhält sie keine Morgengabe. Aus welchem Grunde? R. Hoša͑ja erwiderte: Weil hierbei nicht anwendbar ist: verheiratestdu dich mit einem anderen, erhältst du, was dir verschriebenist.
טו כי אתא רבין אמר ריש לקיש ארוסה שמתה אין לה כתובה אמר להו אביי זילו אמרי ליה
15 Als Rabin kam, sagte er im Namen des Reš Laqiš: Wenn eine Verlobte stirbt, hat sie keine Morgengabe. Abajje sprach zu ihnen: Geht und sagt ihm: