Ketubot 9

Kapitel 9

א משום חשבונות
1 Wegen der Kalkulationen.
ב אמר ליה אביי וחשבונות של מצוה מי אסירי והא רב חסדא ורב המנונא דאמרי תרוייהו חשבונות של מצוה מותר לחשבן בשבת וא"ר אלעזר פוסקין צדקה לעניים בשבת ואמר ר' יעקב אמר ר' יוחנן הולכין לבתי כנסיות ולבתי מדרשות לפקח על עסקי רבים בשבת ואמר רבי יעקב בר אידי אמר רבי יוחנן מפקחין פיקוח נפש בשבת
2 Abajje sprach zu ihm: Sind denn religiöseKalkulationen [am Šabbath] verboten, R. Ḥisda und R. Hamnuna sagen ja beide, man dürfe religiöse Kalkulationen am Šabbath aufstellen!? Ferner sagte R. Elea͑zar, man dürfe am Šabbath Gaben für die Armen festsetzen. Ferner sagte R. Ja͑qob im Namen R. Joḥanans, man dürfe am Šabbath in Bet- und Lehrhäuser gehen, um öffentliche Angelegenheiten zu ordnen. Ferner sagte R. Ja͑qob b. Idi im Namen R. Joḥanans, man dürfe am Šabbath Lebensrettung vollziehen.
ג ואמר רב שמואל בר נחמני אמר רבי יונתן הולכין לטרטייאות ולקרקייאות לפקח על עסקי רבים בשבת ותנא דבי מנשיא משדכין על התינוקת ליארס בשבת ועל התינוק ללמדו ספר וללמדו אומנות
3 Ferner sagte R. Šemuél b. Naḥmani im Namen R. Jonathans, man dürfe am Šabbath Theater und Zirkusse besuchen, um für öffentliche Interessen zu sorgen. Ferner lehrten sie in der Schule des Menasja, man dürfe sich am Šabbath um ein Mädchen bemühen, es zu verheiraten, ebenso um einen Knaben, ihn die Schriftkunde und ein Handwerk zu lehren.
ד אלא אמר רבי זירא גזירה שמא ישחוט בן עוף א"ל אביי אלא מעתה יום הכפורים שחל להיות בשני בשבת ידחה גזירה שמא ישחוט בן עוף התם דלנפשיה לא טריד הכא דלאחרים טריד אי נמי התם אית ליה רווחא הכא לית ליה רווחא
4 Vielmehr erklärte R. Zera, mit Rücksicht darauf, er könnte veranlaßt werden, ein Geflügelzu schlachten. Abajje sprach zu ihm: Demnach sollte der Versöhnungstag, wenn er auf einen Montag fällt, verlegt werden, mit Rücksicht darauf, man könnte ein Geflügel schlachten!? — Da, wo man es für sich braucht, ist man nicht überstürzt, hierbei aber, wo man es für anderebraucht, ist man überstürzt. Oder auch, da hat man Spielraum, hierbei aber nicht. Da du nun auf diese Erklärung gekommen bist,
ה השתא דאתית להכי ערב שבת נמי גזירה שמא ישחוט בן עוף
5 so ist es auch am Vorabend des Šabbaths mit Rücksicht darauf [verboten], er könnte ein Geflügel schlachten.
ו איבעיא להו בתולה נשאת ברביעי ונבעלת ברביעי ולא חיישינן לאיקרורי דעתא או דלמא בתולה נשאת ברביעי ונבעלת בחמישי דחיישינן לאיקרורי דעתא
6 Sie fragten: Ist eine Jungfrau am Mittwoch zu ehelichen und am Mittwoch zu beschlafen, und man befürchte nicht, er könnte sichberuhigen, oder aber ist eine Jungfrau am Mittwoch zu ehelichen und am Donnerstagzu beschlafen, denn man befürchte, er könnte sich beruhigen? —
ז ת"ש דתני בר קפרא בתולה נשאת ברביעי ונבעלת בחמישי הואיל ונאמרה בו ברכה לדגים אלמנה נשאת בחמישי ונבעלת בששי הואיל ונאמרה בו ברכה לאדם טעמא משום ברכה אבל משום איקרורי דעתא לא חיישינן
7 Komm und höre: Bar Qappara lehrte: Eine Jungfrau ist am Mittwoch zu ehelichen und am Donnerstag zu beschlafen, weil an diesem der Segen über die Fische gesprochenwurde; eine Witwe ist am Donnerstag zu ehelichen und am Freitag zu beschlafen, weil an diesem der Segen über den Menschen gesprochenwurde. Nur wegen des Segens, die Beruhigung aber befürchten wir nicht. —
ח אי הכי אלמנה נמי תיבעל בחמישי הואיל ונאמרה בו ברכה לדגים ברכה דאדם עדיפא ליה
8 Demnach sollte auch eine Witwe am Donnerstag beschlafen werden, da an diesem der Segen über die Fische gesprochen wurde!? — Der Segen über den Menschen ist bedeutender.
ט ואי נמי משום שקדו דתניא מפני מה אמרו אלמנה נשאת בחמישי ונבעלת בששי שאם אתה אומר תיבעל בחמישי למחר משכים לאומנתו והולך לו שקדו חכמים על תקנת בנות ישראל שיהא שמח עמה שלשה ימים חמישי בשבת וערב שבת ושבת
9 Oder auch, wegen der Vorsorge. Es wird nämlich gelehrt: Sie sagten deshalb, eine Witwe sei am Donnerstag zu ehelichen und am Freitag zu beschlafen, weil [der Ehemann], wenn man sagen würde, sie sei am Donnerstag zu beschlafen, am folgenden Morgen aufstehen und seinem Berufe nachgehenwürde. Die Weisen haben daher eine Vorsorge für die Töchter Jisraéls getroffen, daß er sich mit [seiner Frau] drei Tage der Wonne hingebe, Donnerstag, Freitag und Šabbath. —
י מאי איכא בין ברכה לשקדו איכא בינייהו אדם בטל אי נמי יום טוב שחל להיות בערב שבת
10 Welchen Unterschied gibt es zwischen [der Begründung mit dem] Segen und der mit der Vorsorge? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich eines Müßiggängers; oder auch, wenn auf den Freitag ein Festtag fällt.
יא דרש בר קפרא גדולים מעשה צדיקים יותר ממעשה שמים וארץ דאילו במעשה שמים וארץ כתיב (ישעיהו מח, יג) אף ידי יסדה ארץ וימיני טפחה שמים ואילו במעשה ידיהם של צדיקים כתיב (שמות טו, יז) מכון לשבתך פעלת ה' מקדש אדני כוננו ידיך
11 Bar Qappara trug vor: Bedeutender sind die Werke der Frommen als die Schöpfung von Himmel und Erde. Von der Schöpfung von Himmel und Erde heißt es:<i>auch hat meine Hand die Erde gegründet, meine Rechte den Himmel ausgespannt</i>, von den Werken der Frommen aber heißt es:<i>der Stätte, der du zu deinem Sitze bereitet hast, o Herr, dem Heiligtume, Gott, das deine Hände</i><i>errichtet haben</i>.
יב השיב בבלי אחד ור' חייא שמו (תהלים צה, ה) ויבשת ידיו יצרו ידו כתיב והכתיב יצרו א"ר נחמן בר יצחק יצרו אצבעותיו כדכתיב (תהלים ח, ד) כי אראה שמיך מעשה אצבעותיך ירח וכוכבים אשר כוננת
12 Ein Babylonier, namens R. Ḥija, entgegnete:<i>Seine Hände haben das Festland gebildet</i>!? — Die Schreibweise ist <i>Hand</i>. — Es heißt ja aber: <i>haben gebildet</i>!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: <i>Haben gebildet</i>, seine Finger, wie es heißt:<i>wenn ich deine Himmel sehe, Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du errichtet hast</i>.
יג מיתיבי (תהלים יט, ב) השמים מספרים כבוד אל ומעשה ידיו מגיד הרקיע הכי קאמר מעשה ידיהם של צדיקים מי מגיד הרקיע ומאי ניהו מטר
13 Man wandte ein:<i>Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, das Werk seiner Hände verkündet das Firmament</i>!? — Er meint es wie folgt: die (Hände)werke der Frommen verkündet das Firmament, nämlich der Regen.
יד דרש בר קפרא מאי דכתיב (דברים כג, יד) ויתד תהיה לך על אזנך אל תקרי אזנך אלא על אוזנך שאם ישמע אדם דבר שאינו הגון
14 Bar Qappara trug [ferner] vor: Es heißt:<i>und einen Pflock sollst du dir halten zu deiner Rüstung</i>; man lese nicht <i>azenekha</i> [Rüstung], sondern <i>oznekha</i> [Ohr]. Wenn jemand Ungehöriges hört,