Kiddushin 11

Kapitel 11

א לישני בתראי קמ"ל הכא כתיב (דברים כד, א) כי יקח ולא שיקח את עצמו והכא כתיב (דברים כד, א) ושלחה ולא שישלח את עצמו :
1 Er lehrt uns die [Ungültigkeit der] letzteren Formeln; bezüglich der einen heißt es: <i>wenn jemand nimmt,</i> nicht aber, wenn er sich nehmen läßt, und bezüglich der anderen heißt es: <i>er schicke sie fort,</i> nicht aber, wenn er sich fortschicken läßt.
ב ת"ר הרי את אשתי הרי את ארוסתי הרי את קנויה לי מקודשת הרי את שלי הרי את ברשותי הרי את זקוקה לי מקודשת וליתנינהו כולהו כחדא תנא תלת תלת שמעינהו וגרסינהו
2 Die Rabbanan lehrten: [Sagte er:] sei meine Frau, sei meine Verlobte, sei mir angeeignet, so ist sie ihm angetraut; [sagte er:] sei mein, sei in meinem Besitze, gehöre mir, so ist sie ihm angetraut. – Sollte er es doch summarisch lehren!? – Der Autor hörte dies von je drei [Formeln], und er lehrt sie so.
ג איבעיא להו מיוחדת לי מהו מיועדת לי מהו עזרתי מהו נגדתי מהו עצורתי מהו צלעתי מהו סגורתי מהו תחתי מהו תפושתי מהו לקוחתי מהו
3 Sie fragten: Wie ist es, [wenn er gesagt hat: sei] mit mir vereint, sei mir bestimmt, sei meine Hilfe, sei meine Aufgenommene, sei mein Gegenstück, sei meine Rippe, sei meine Angeschlossene, sei meine Ergänzung, sei meine Ergriffene, sei meine Genommene? –
ד פשוט מיהא חדא דתניא האומר לקוחתי הרי זו מקודשת משום שנאמר (דברים כד, א) כי יקח איש אשה
4 Hinsichtlich des einen ist aus folgender Lehre zu entscheiden: Wenn jemand ‘meine Genommene’ gesagt hat, so ist sie ihm angetraut, denn es heißt: <i>wenn jemand eine Frau nimmt.</i>
ה איבעיא להו חרופתי מהו ת"ש דתניא האומר חרופתי מקודשת שכן ביהודה קורין לארוסה חרופה ויהודה הויא רובא דעלמא
5 Sie fragten: Wie ist es, [wenn er gesagt hat:] meine Vergebene? – Komm und höre, es wird gelehrt: Wenn jemand ‘meine Vergebene’ gesagt hat, so ist sie ihm angetraut, denn in Judäa nennt man die Verlobte ‘Vergebene’. – Ist Judäa denn die Mehrheit der Welt? –
ו ה"ק האומר חרופתי מקודשת שנאמר (ויקרא יט, כ) והיא שפחה נחרפת לאיש ועוד ביהודה קורין לארוסה חרופה ויהודה ועוד לקרא אלא ה"ק האומר חרופה ביהודה מקודשת שכן ביהודה קורין לארוסה חרופה
6 Er meint es wie folgt: wenn jemand ‘meine Vergebene’ sagt, so ist sie ihm angetraut, denn es heißt: <i>und sie eine Sklavin ist, die einem Manne vergeben ist;</i> ferner nennt man in Judäa die Verlobte ‘Vergebene’. – Ist denn der Beweis von Judäa als Stütze für den Schriftvers nötig!? – Vielmehr, er meint es wie folgt: wenn jemand in Judäa ‘Vergebene’ sagt, so ist sie ihm angetraut, denn in Judäa nennt man die Verlobte Vergebene. –
ז במאי עסקינן אילימא בשאין מדבר עמה על עסקי גיטה וקידושיה מנא ידעה מאי קאמר לה ואלא במדבר עמה על עסקי גיטה וקידושיה אע"ג דלא אמר לה נמי
7 Von welchem Falle wird hier gesprochen: hat er mit ihr über die Angelegenheit ihrer Scheidung oder ihrer Antrauung nicht gesprochen, so wußte sie ja nicht, was er ihr gesagt hat, und hat er mit ihr über die Angelegenheit ihrer Scheidung oder ihrer Antrauung gesprochen, so gilt dies ja auch von dem Falle, wenn er nichts zu ihr gesagt hat!?
ח דתנן היה מדבר עם אשה על עסקי גיטה וקידושיה ונתן לה גיטה וקידושיה ולא פירש ר' יוסי אומר דיו ר' יהודה אומר צריך לפרש ואמר רב הונא אמר שמואל הלכה כר' יוסי
8 Wir haben nämlich gelernt: Wenn jemand mit einer Frau über die Angelegenheit ihrer Scheidung oder ihrer Antrauung spricht und ihr ihren Scheidebrief oder ihre Antrauungsurkunde ohne Erklärung gibt, so ist dies, wie R. Jose sagt, genügend; R. Jehuda sagt, er müsse es ihr erklären. Hierzu sagte R. Hona im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R. Jose. –
ט אמרי לעולם במדבר עמה על עסקי גיטה וקידושיה ואי דיהיב לה ושתיק ה"נ הב"ע דיהב לה ואמר לה בהני לישני
9 Ich will dir sagen, tatsächlich, wenn er mit ihr über die Angelegenheit ihrer Scheidung oder ihrer Antrauung gesprochen hat; wenn er ihr schweigend gegeben hat, ist dem auch so, hier aber wird von dem Falle gesprochen, wenn er ihr gegeben und jene Ausdrücke gebraucht hat.
י והכי קא מיבעי ליה הני לישני לקידושי קאמר לה או דילמא למלאכה קאמר לה תיקו :
10 Er fragt folgendes: sind es Ausdrücke der Antrauung, oder wollte er sie nur zur Arbeit haben? – Dies bleibt unentschieden.
יא גופא היה מדבר עם האשה על עיסקי גיטה וקידושיה ונתן לה גיטה וקידושיה ולא פירש רבי יוסי אומר דיו ר' יהודה אומר צריך לפרש אמר רב יהודה אמר שמואל והוא שעסוקין באותו ענין
11 Der Text. Wenn jemand mit einer Frau über die Angelegenheit ihrer Scheidung oder ihrer Antrauung spricht und ihr ihren Scheidebrief oder ihre Antrauungsurkunde ohne Erklärung gibt, so ist dies, wie R. Jose sagt, genügend; R. Jehuda sagt, er müsse es ihr erklären. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Dies nur, wenn sie sich mit dieser Angelegenheit befaßt haben.
יב וכן אמר ר"א א"ר אושעיא והוא שעסוקין באותו ענין כתנאי רבי אומר והוא שעסוקין באותו ענין ר' אלעזר בר ר"ש אומר אע"פ שאין עסוקין באותו ענין
12 Ebenso sagte auch R. Elea͑zar im Namen R. Oša͑jas: Dies nur, wenn sie sich damit befaßt haben. Hierüber streiten auch Tannaím: Rabbi sagt, nur, wenn sie sich mit dieser Angelegenheit befaßt haben; R. Elea͑zar b. Šimo͑n sagt, auch wenn sie sich nicht mit dieser Angelegenheit befaßt haben.
יג ואי לאו דעסוקין באותו ענין מנא ידעה מאי קאמר לה אמר אביי מענין לענין באותו ענין
13 Woher wußte sie, wenn sie sich mit dieser Angelegenheit nicht befaßt haben, was er ihr sagte!? Abajje erwiderte: Von Angelegenheit zu Angelegenheit, diese Angelegenheit betreffend.
יד אמר רב הונא אמר שמואל הלכה כר' יוסי א"ל רב יימר לרב אשי ואלא הא דאמר רב יהודה אמר שמואל כל שאינו יודע בטיב גיטין וקידושין לא יהא לו עסק עמהם אפילו לא שמיע ליה הא דרב הונא אמר שמואל א"ל אין הכי נמי :
14 R. Hona sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist wie R. Jose. R. Jemar sprach zu R. Aši: R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls, wer in den Vorschriften über Scheidung und Antrauung nicht kundig ist, befasse sich damit nicht; gilt dies auch von dem, der die Lehre R. Honas im Namen Šemuéls nicht gehört hat? Dieser erwiderte: Freilich, dem ist auch so.
טו וכן בגירושין נתן לה גיטה ואמר לה הרי את משולחת הרי את מגורשת הרי את מותרת לכל אדם הרי היא מגורשת : פשיטא נתן לה גיטה ואמר לה לאשתו הרי את בת חורין
15 «Dasselbe gilt auch von der Scheidung. Wenn er ihr ihren Scheidebrief gegeben und zu ihr gesagt hat: sei fortgeschickt, sei geschieden, sei jedermann erlaubt, so ist sie geschieden.» Klar ist es, daß, wenn jemand seiner Frau ihren Scheidebrief gegeben und zu ihr gesagt hat: sei nun eine Freie,