Kiddushin 117

Kapitel 117

א ומאי שנא התם דקתני האומר לשלוחו
1 Weshalb heißt es hier: wenn jemand zu seinem Nächsten gesagt hat, dort aber, wenn jemand zu seinem Beauftragten gesagt hat!? —
ב הכא רבותא קמ"ל והתם רבותא קמ"ל הכא רבותא קמ"ל דאי תנא שלוחו הוה אמינא שלוחו הוא דהוי רמאי דסמכה דעתיה סבר עבד לי שליחותי אבל חבירו דלא סמכה דעתיה אימא לא ליהוי רמאי
2 Hier hebt er etwas hervor und dort hebt er etwas hervor. Hier hebt er etwas hervor, denn, wenn er es von einem Beauftragten gelehrt haben würde, so könnte man glauben, nur ein Beauftragter gelte als Betrüger, weil er sich auf ihn verlassen hatte, denn er glaubte er werde seinen Auftrag ausführen, nicht aber gelte sein Nächster als Betrüger, weil er sich auf ihn nicht verlassen hatte.
ג התם רבותא קמ"ל דאי תנא האומר לחבירו הוה אמינא חבירו הוא דכי קדשה במקום אחר אינה מקודשת דסבר לא טרח אבל שלוחו דטרח אימא מראה מקום הוא לו קמ"ל
3 Dort hebt er etwas hervor, denn, wenn er es von seinem Nächsten gelehrt haben würde, so könnte man glauben, nur wenn sein Nächster sie ihm in einem anderen Orte angetraut hat, sei sie ihm nicht angetraut, weil er angenommen hatte, er werde sich nicht bemühen, bei einem Beauftragten aber, der sich Mühe gibt, könnte man glauben, er wollte ihm nur einen Hinweis geben, so lehrt er uns.
ד רבין חסידא אזיל לקדושי ליה איתתא לבריה קידשה לנפשיה והתניא מה שעשה עשוי אלא שנהג בו מנהג רמאות לא יהבוה ניהליה איבעי ליה לאודועי סבר אדהכי והכי אתא איניש אחרינא מקדש לה
4 Einst ging Rabin der Fromme seinem Sohne eine Frau antrauen und traute sie für sich selbst an. — Es wird ja gelehrt, was er getan hat, sei getan, nur habe er gegen ihn trügerisch gehandelt!? — Sie gaben sie ihm nicht. — Sollte er ihm dies mitgeteilt haben!? — Er dachte, mittlerweile könnte ein anderer kommen und sie sich antrauen.
ה רבה בר בר חנה יהיב ליה זוזי לרב אמר זבנה ניהלי להאי ארעא אזל זבנה לנפשיה והתניא מה שעשה עשוי אלא שנהג בו מנהג רמאות באגא דאלימי הוה ליה לרב נהגי ביה כבוד לרבה בר בר חנה לא נהגי ביה כבוד איבעי ליה לאודועי סבר אדהכי והכי אתא איניש אחרינא זבין לה
5 Einst gab Rabba b. Bar Ḥana dem Rabh Geld und sagte zu ihm, daß er für ihn jenes Grundstück kaufe. Hierauf ging er hin und kaufte es für sich selbst. — Es wird ja gelehrt, was er getan hat, sei getan, nur habe er gegen ihn trügerisch gehandelt!? — Es war ein Felderkomplex von gewalttätigen Menschen; Rabh erwiesen sie Ehrung, Rabba b. Bar Ḥana erwiesen sie keine Ehrung. — Sollte er ihm dies mitgeteilt haben!? — Er dachte, mittlerweile könnte ein anderer kommen und es kaufen.
ו רב גידל הוה מהפיך בההיא ארעא אזל רבי אבא זבנה אזל רב גידל קבליה לרבי זירא אזל רבי זירא וקבליה לרב יצחק נפחא אמר ליה המתן עד שיעלה אצלנו לרגל כי סליק אשכחיה אמר ליה עני מהפך בחררה ובא אחר ונטלה הימנו מאי
6 R. Gidel bemühte sich um ein Grundstück, und R. Abba ging hin und kaufte es. Da ging R. Gidel und klagte darüber vor R. Zera, und R. Zera klagte darüber vor R. Jiçḥaq dem Schmied. Dieser sprach zu ihm: Warte bis er am Feste zu uns kommt. Als er kam und dieser ihn traf, sprach er zu ihm: Wenn ein Armer sich um einen Kohlenkuchen bemüht, und jemand kommt und ihn ihm wegnimmt, was ist dieser?
ז אמר ליה נקרא רשע ואלא מר מאי טעמא עבד הכי א"ל לא הוה ידענא השתא נמי ניתבה ניהליה מר א"ל זבוני לא מזבנינא לה דארעא קמייתא היא ולא מסמנא מילתא אי בעי במתנה נישקליה
7 Jener erwiderte: Er heißt ein Bösewicht. — Weshalb hat der Meister so gehandelt!? Jener erwiderte: Ich wußte es nicht. — So mag der Meister es ihm abtreten. Jener erwiderte: Verkaufen will ich es nicht, denn es ist das erste Grundstück und dies ist nicht glückbringend, wenn er es aber geschenkt haben will, mag er es nehmen.
ח רב גידל לא נחית לה דכתיב (משלי טו, כז) ושונא מתנות יחיה רבי אבא לא נחית לה משום דהפיך בה רב גידל לא מר נחית לה ולא מר נחית לה ומיתקריא ארעא דרבנן
8 R. Gidel aber trat den Besitz nicht an, denn es heißt: <i>wer Geschenke haßt, wird leben</i>, und R. Abba trat ebenfalls den Besitz nicht an, weil R. Gidel sich darum bemüht hatte. Weder trat der eine den Besitz an noch trat der andere den Besitz an, und man nennt es das Grundstück der Gelehrten.
ט וכן האומר לאשה התקדשי לי כו' לא בא אחר וקידשה בתוך שלשים מהו רב ושמואל דאמרי תרוייהו מקודשת ואע"פ שנתאכלו המעות
9 E<small>BENSO IST, WENN JEMAND ZU EINER</small> F<small>RAU GESAGT HAT: SEI MIR ANGETRAUT &amp;C</small>. Wie ist es, wenn innerhalb der dreißig Tage kein anderer gekommen ist und sie sich angetraut hat? Rabh und Šemuél sagen beide, sie sei ihm angetraut, selbst wenn das Geld verzehrt worden ist,
י מאי טעמא הני זוזי לא למלוה דמו ולא לפקדון דמו
10 denn dieses Geld gleicht weder einem Darlehen noch einem Depositum.
יא לפקדון לא דמו פקדון ברשותא דמרא קא מתאכלי והני ברשותא דידה קא מתאכלי למלוה נמי לא דמו מלוה להוצאה ניתנה הני בתורת קידושין יהבינהו ניהלה
11 Einem Depositum gleicht es nicht, denn das Depositum wird im Besitze des Eigentümers verzehrt, während dieses in ihrem Besitze verzehrt worden ist; einem Darlehen gleicht es ebenfalls nicht, denn ein Darlehen wird zur Verausgabung gegeben, dieses aber hat er ihr zur Antrauung gegeben. —
יב לא בא אחר וקידשה וחזרה בה מהו ר' יוחנן אמר חוזרת אתי דיבור ומבטל דיבור ריש לקיש אמר אינה חוזרת לא אתי דיבור ומבטל דיבור
12 Wie ist es, wenn kein anderer gekommen ist und sie sich angetraut hat, sie aber zurückgetreten ist? R. Joḥanan sagt, sie könne zurücktreten, denn Worte können Worte aufheben; Reš Laqiš sagt, sie könne nicht zurücktreten, denn Worte können nicht Worte aufheben.
יג איתיביה ר' יוחנן לריש לקיש ביטל אם עד שלא תרם ביטל אין תרומתו תרומה והא הכא דדיבור ודיבור הוא וקאתי דיבור ומבטל דיבור שאני נתינת מעות ליד אשה דכי מעשה דמו ולא אתי דיבור ומבטל מעשה
13 R. Joḥanan wandte gegen Reš Laqiš ein: Hat er es widerrufen, so ist die Absonderung der Hebe, wenn der Widerruf vorher erfolgt ist, ungültig. Hierbei sind es ja Worte und Worte, und die Worte heben die Worte auf!? — Anders verhält es sich beim Geben des Geldes in die Hand der Frau, da dies einer Handlung gleicht, und Worte können eine Handlung nicht aufheben.
יד איתיביה השולח גט לאשתו והגיע בשליח או ששלח אחריו שליח ואמר לו גט שנתתי לך בטל הוא הרי זה בטל והא נתינת גט ליד שליח דכי נתינת מעות ליד אשה דמי וקתני הרי זה בטל
14 Er wandte gegen ihn ein: Wenn jemand seiner Frau einen Scheidebrief geschickt hat und den Boten erreicht oder ihm einen Boten nachsendet und zu ihm spricht: der Scheidebrief, den ich dir gegeben habe, sei nichtig, so ist er nichtig. Das Geben des Scheidebriefes in die Hand des Boten gleicht ja dem Geben des Geldes in die Hand der Frau, und er lehrt, sei er nichtig!? —
טו התם נמי כל כמה דלא מטא גיטא לידה דיבור ודיבור הוא אתי דיבור ומבטל דיבור
15 Auch da sind es, solange der Scheidebrief nicht in die Hand der Frau gekommen ist, nur Worte und Worte, und Worte können Worte aufheben.
טז איתיביה ר"ל לר' יוחנן כל הכלים יורדין לידי טומאתן במחשבה ואין עולים מידי טומאתן אלא בשינוי מעשה
16 Reš Laqiš wandte gegen R. Joḥanan ein: Jedes Gerät wird durch die Bestimmung verunreinigungsfähig und nur durch eine ändernde Handlung der Verunreinigungsfähigkeit enthoben. Die Handlung hebt die Handlung und die Bestimmung auf, die Bestimmung hebt weder die Handlung noch die Bestimmung auf.