Kiddushin 129

Kapitel 129

א אמצעית שבכת שניה תשתרי הכא במאי עסקינן בשאין שם אלא גדולה וקטנה
1 sollte doch die mittelste der zweiten Klasse erlaubt sein!? – Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn nur eine große und eine kleine vorhanden ist.
ב והכי נמי מסתברא דאם איתא דאיכא ליתנייה ולטעמיך אמצעית שבכת ראשונה דודאי ספיקא ואסירא ליה מי קתני לה
2 Dies ist auch einleuchtend; wenn man sagen wollte, wenn auch eine solche vorhanden ist, so sollte er auch diese nennen. – Lehrt er es denn, nach deiner Auffassung, von der mittelsten der ersten Klasse, die entschieden im Zweifel einbegriffen und somit verboten ist!? –
ג הכי השתא התם תנא קטנה דידה לאיסורא והוא הדין להך דקשישא מינה
3 Es ist ja nicht gleich; von jenen ist sogar die kleinste im Verbote einbegriffen und dasselbe, gilt auch von der älteren,
ד הכא אם איתא דאיכא ניתנייה
4 diese aber sollte er doch, wenn eine solche vorhanden ist, besonders nennen.
ה אמר ליה רב הונא בריה דרב יהושע לרבא הא פסח דכי כת אחת דמי ופליגי
5 R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sprach zu Raba: Der Fall vom Pesaḥ entspricht ja einer Klasse, und sie streiten!?
ו אמר ליה התם בלישנא דעלמא קמיפלגי מר סבר עד פני הפסח עד קמי פיסחא ומר סבר עד דמיפני פיסחא
6 Dieser erwiderte: Da streiten sie nur über diese Redewendung: einer ist der Ansicht, unter ‘bis es Pesaḥ ist’ sei zu verstehen, bis vor dem Pesaḥ, und einer ist der Ansicht, bis Pesaḥ vorüber ist.
ז <big><strong>מתני׳</strong></big> האומר לאשה קדשתיך והיא אומרת לא קדשתני הוא אסור בקרובותיה והיא מותרת בקרוביו היא אומרת קדשתני והוא אומר לא קדשתיך הוא מותר בקרובותיה והיא אסורה בקרוביו
7 <b>S</b><small>AGT JEMAND ZU EINER</small> F<small>RAU</small>: <small>ICH HABE DICH MIR ANGETRAUT</small>, <small>UND SIE SAGT</small>: <small>DU HAST MICH NICHT ANGETRAUT</small>, <small>SO SIND IHM IHRE</small> V<small>ERWANDTEN</small> <small>VERBOTEN</small>, <small>IHR ABER SEINE</small> V<small>ERWANDTEN ERLAUBT</small>; <small>SAGT SIE</small>: <small>DU HAST DIR MICH ANGETRAUT</small>, <small>UND ER SAGT</small>: <small>ICH HABE DICH MIR NICHT ANGETRAUT</small>, <small>SO SIND IHM IHRE</small> V<small>ERWANDTEN ERLAUBT</small>, <small>IHR ABER SEINE</small> V<small>ERWANDTEN VERBOTEN</small>.
ח קידשתיך והיא אומרת לא קידשת אלא בתי הוא אסור בקרובות גדולה וגדולה מותרת בקרוביו הוא מותר בקרובות קטנה וקטנה מותרת בקרוביו
8 [W<small>ENN ER SAGT</small>:] <small>ICH HABE DICH MIR ANGETRAUT</small>, <small>UND SIE SAGT</small>: <small>DU HAST DIR MEINE</small> T<small>OCHTER ANGETRAUT</small>, <small>SO SIND IHM DIE</small> V<small>ERWANDTEN DER</small> G<small>ROSSEN</small> <small>VERBOTEN</small>, <small>DER</small> G<small>ROSSEN SEINE</small> V<small>ERWANDTEN ERLAUBT</small>, <small>IHM DIE</small> V<small>ERWANDTEN DER</small> K<small>LEINEN</small> <small>ERLAUBT</small>, <small>UND DER</small> K<small>LEINEN SEINE</small> V<small>ERWANDTEN ERLAUBT</small>.
ט קדשתי את בתך והיא אומרת לא קדשת אלא אותי הוא אסור בקרובות קטנה וקטנה מותרת בקרוביו הוא מותר בקרובות גדולה וגדולה אסורה בקרוביו
9 [W<small>ENN ER SAGT</small>:] <small>ICH HABE MIR DEINE</small> T<small>OCHTER ANGETRAUT</small>, <small>UND SIE SAGT</small>: <small>DU HAST DIR MICH ANGETRAUT</small>, <small>SO SIND IHM DIE</small> V<small>ERWANDTEN DER</small> K<small>LEINEN VERBOTEN</small>, <small>DER</small> K<small>LEINEN SEINE</small> V<small>ERWANDTEN ERLAUBT</small>, <small>IHM DIE</small> V<small>ERWANDTEN DER</small> G<small>ROSSEN ERLAUBT</small>, <small>UND DER</small> G<small>ROSSEN SEINE</small> V<small>ERWANDTEN VERBOTEN</small>.
י <big><strong>גמ׳</strong></big> האומר לאשה קדשתיך וכו' וצריכא דאי אשמעינן גביה דידיה משום דגברא לא איכפת ליה ומיקרי אמר
10 GEMARA. W<small>ENN JEMAND ZU EINER</small> F<small>RAU SAGT</small>: <small>ICH HABE DICH MIR ANGETRAUT</small> &amp;<small>C</small>. Und [beide Fälle] sind nötig. Würde er es nur von ihm gelehrt haben, so könnte man glauben, da dies einem Manne gleichgültig ist, so sagt er es hin,
יא אבל איהי אימא אי לאו דקים לה בדיבורה לא הות אמרה וליתסר איהו בקרובותיה קמ"ל
11 sie aber würde es, wenn es nicht wahr wäre, nicht gesagt haben, somit sollten auch ihm ihre Verwandten verboten sein, so lehrt er uns.
יב קידשתיך והיא אומרת וכו' הא תו למה לי איצטריך ס"ד אמינא מדאורייתא הימניה רחמנא לאב מדרבנן הימנוה לדידה ותיתסר ברתה בדיבורה קא משמע לן
12 I<small>CH HABE DICH MIR ANGETRAUT</small>, <small>UND SIE SAGT</small> &amp;<small>C</small>. Wozu ist dies weiter nötig? – Dies ist nötig. Man könnte glauben, nach der Tora hat zwar der Allbarmherzige nur den Vater als glaubhaft erachtet, rabbanitisch aber sei auch sie glaubhaft und ihre Tochter durch ihre Worte verboten, so lehrt er uns.
יג קידשתי את בתך וכו' הא תו למה לי איידי דתנא הא תנא נמי הא
13 I<small>CH HABE MIR DEINE</small> T<small>OCHTER ANGETRAUT</small> &amp;<small>C</small>. Wozu ist dies weiter nötig? Da er das eine lehrt, lehrt er auch das andere.
יד איתמר רב אמר כופין ושמואל אמר מבקשין אהייא אילימא ארישא לאו כופין איכא ולא מבקשין איכא אלא אסיפא
14 Es wurde gelehrt: Rabh sagt, man zwinge ihn, und Šemuél sagt, man bitte ihn. Worauf bezieht sich dies: wenn auf den Anfangsatz, so ist da ja weder zu zwingen noch zu bitten, und wenn auf den Schlußsatz, so ist es wohl gelten zu lassen,
טו בשלמא מבקשין לחיי אלא כופין אמאי אמר לא ניחא לי דאיתסר בקריבה
15 daß man ihn bitte, wieso aber zwinge man ihn, er kann ja sagen, er wolle nicht, daß ihm ihre Verwandten verboten werden!? –
טז אלא שמעתתא אהדדי איתמר אמר שמואל מבקשין ממנו ליתן גט אמר רב אם נתן גט מעצמו כופין אותו ליתן כתובה
16 Vielmehr, diese Lehren beziehen sich auf einander: Šemuél sagte, man bitte ihn, ihr einen Scheidebrief zu geben, und hierzu sagte Rabh, wenn er ihr freiwillig einen Scheidebrief gegeben hat, zwinge man ihn, ihr die Morgengabe zu geben.
יז איתמר נמי אמר רב אחא בר אדא אמר רב ואמרי לה אמר רב אחא בר אדא אמר רב המנונא אמר רב כופין ומבקשין תרתי ה"ק מבקשין ממנו ליתן גט ואם נתן מעצמו כופין אותו ליתן כתובה
17 Es wurde auch gelehrt: R. Aḥa b. Ada sagte im Namen Rabhs, und manche sagen, R. Aḥa b. Ada im Namen R. Hamnunas im Namen Rabhs: Man zwinge und bitte ihn. – Beides!? – Er meint es wie folgt: man bitte ihn, ihr einen Scheidebrief zu geben, und wenn er ihn ihr freiwillig gegeben hat, zwinge man ihn, ihr die Morgengabe zu geben.
יח אמר רב יהודה המקדש בעד אחד אין חוששין לקידושיו בעו מיניה מרב יהודה שניהם מודים מאי אין ולא ורפיא בידיה איתמר אמר רב נחמן אמר שמואל המקדש בעד אחד אין חוששין לקידושיו ואפי' שניהם מודים
18 R. Jehuda sagte: Wenn jemand sich [eine Frau] vor einem einzelnen Zeugen angetraut hat, so ist seine Antrauung nicht zu berücksichtigen. Man fragte R. Jehuda: Wie ist es, wenn beide es zugeben? ‘Ja’ und ‘nein’; er schwankte. Es wurde gelehrt: R. Naḥman sagte im Namen Šemuéls: Wenn jemand sich [eine Frau] vor einem einzelnen Zeugen antraut, so ist seine Antrauung nicht zu berücksichtigen, selbst wenn beide es zugeben.
יט איתיביה רבא לרב נחמן האומר לאשה קדשתיך והיא אומרת לא קדשתני הוא אסור בקרובותיה והיא מותרת בקרוביו אי דאיכא עדים אמאי מותרת בקרוביו ואי דליכא עדים אמאי אסור בקרובותיה אלא לאו בעד אחד
19 Raba wandte gegen R. Naḥman ein: Wenn jemand zu einer Frau sagt: ich habe dich mir angetraut, und sie sagt: du hast mich dir nicht angetraut, so sind ihm ihre Verwandten verboten, ihr aber seine Verwandten erlaubt. Sind Zeugen vorhanden, wieso sind ihr seine Verwandten erlaubt, und sind keine Zeugen vorhanden, wieso sind ihm ihre Verwandten verboten!? Doch wohl, wenn ein einzelner Zeuge vorhanden ist. –
כ הכא במאי עסקינן כגון דאמר לה קידשתיך בפני פלוני ופלוני והלכו להם למדינת הים
20 Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er zu ihr sagt: ich habe dich mir vor jenem und jenem angetraut, und sie nach dem Überseelande verreist sind.
כא איתיביה המגרש את אשתו ולנה עמו בפונדקי ב"ש אומרים אינה צריכה הימנו גט שני וב"ה אומרים צריכה הימנו גט שני היכי דמי אי דאיכא עדים מאי טעמייהו דב"ש ואי דליכא עדים מאי טעמייהו דבית הלל אלא לאו בעד אחד
21 Er wandte gegen ihn ein: Wenn jemand sich von seiner Frau scheiden ließ und sie darauf mit ihm in einer Herberge übernachtet, so benötigt sie von ihm, wie die Schule Šammajs sagt, keines anderen Scheidebriefes, und wie die Schule Hillels sagt, eines anderen Scheidebriefes. In welchem Falle: sind Zeugen vorhanden, was ist der Grund der Schule Šammajs, und sind keine Zeugen vorhanden, was ist der Grund der Schule Hillels!? Doch wohl, wenn ein einzelner Zeuge vorhanden ist. –
כב וליטעמיך אימא סיפא ומודים בנתגרשה מן האירוסין שאין צריכה הימנו גט שני מפני שאין לבו גס בה ואי סלקא דעתך עד אחד מהימן מה לי מן האירוסין מה לי מן הנשואין
22 Wie ist, nach deiner Auffassung, der Schlußsatz zu erklären: sie stimmen überein, daß, wenn sie aus der Verlobung geschieden worden ist, sie keines anderen Scheidebriefes von ihm benötige, weil er mit ihr nicht vertraut ist. Wenn man sagt, ein einzelner Zeuge sei glaubhaft, so ist es ja einerlei, ob es nach der Verlobung oder nach der Heirat erfolgt ist!?
כג אלא הכא במאי עסקינן כגון דאיכא עדי יחוד וליכא עדי ביאה בית שמאי סברי לא
23 Hier wird vielmehr von dem Falle gesprochen, wenn Zeugen des Beisammenseins und keine Zeugen des Beischlafes vorhanden sind. Die Schule Šammajs ist der Ansicht,