Kiddushin 131

Kapitel 131

א שורך נרבע והלה שותק נאמן ותנא תונא ושנעבדה בו עבירה ושהמית על פי עד אחד או ע"פ הבעלים נאמן האי ע"פ עד אחד היכי דמי אי דקא מודו בעלים היינו ע"פ הבעלים אלא לאו דשתיק
1 dein Rind ist zur Bestialität verwandt worden, und dieser schweigt, so ist er glaubhaft. Folgender Autor lehrt dasselbe: Das nach der Aussage eines einzelnen Zeugen oder des Eigentümers zur Sünde verwandt worden ist oder einen Menschen getötet hat. Von welchem Falle gilt dies bei einem einzelnen Zeugen: gibt der Eigentümer es zu, so ist dies ja eine Aussage des Eigentümers; doch wohl, wenn er schweigt.
ב וצריכא דאי אשמעינן הך קמייתא אי לאו דקים ליה בנפשיה דעבד חולין בעזרה לא הוה מייתי
2 Und [alle Fälle] sind nötig. Würde er nur das erste gelehrt haben, so könnte man glauben, weil er, wenn ihm nicht sicher wäre, daß er tatsächlich [Talg] gegessen hat, nicht Profanes in den Tempelhof bringen würde,
ג אבל נטמאו טהרותיך מימר אמרינן האי דשתיק דסבר חזי ליה בימי טומאתו
3 wenn man ihm aber sagt, seine reinen [Speisen] seien unrein geworden, so denkt er, er werde sie während seiner Unreinheit verwenden.
ד ואי אשמעינן הא משום דקא מפסיד ליה בימי טהרתו אבל שורו נרבע מימר אמר כל השוורים לאו לגבי מזבח קיימי צריכא
4 Und würde er nur das andere gelehrt haben, so könnte man glauben, weil ihm für die Zeit der Reinheit ein Schaden zugefügt wird, hinsichtlich der Verwendung seines Rindes zur Bestialität aber denkt er, nicht alle Rinder sind für den Altar bestimmt. Daher sind [alle Fälle] nötig.
ה איבעיא להו אשתו זינתה בעד אחד ושותק מהו אמר אביי נאמן רבא אמר אינו נאמן הוי דבר שבערוה ואין דבר שבערוה פחות משנים
5 Sie fragten: Wie ist es, wenn ein einzelner Zeuge [bekundet], seine Frau habe Ehebruch begangen, und dieser schweigt? Abajje sagte: Das ist dasselbe. Raba sagte: Dies ist eine Inzestsache, und bei einer Inzestsache sind wenigstens zwei [Zeugen] erforderlich.
ו אמר אביי מנא אמינא לה דההוא סמיא דהוה מסדר מתנייתא קמיה דמר שמואל יומא חד נגה ליה ולא הוה קאתי שדר שליחא אבתריה אדאזיל שליח בחדא אורחא אתא איהו בחדא כי אתא שליח אמר אשתו זינתה אתא לקמיה דמר שמואל א"ל אי מהימן לך זיל אפקה ואי לא לא תפיק
6 Abajje sagte: Dies entnehme ich aus folgendem: Mar Šemuél hatte einen Blinden, der ihm Lehren vortrug, und als er sich eines Tages verspätete und nicht kam, sandte er nach ihm einen Boten; aber während der Bote den einen Weg ging, kam jener über einen anderen. Als der Bote zurückkam, erzählte er, dessen Frau habe Ehebruch begangen. Hierauf kam jener zu Mar Šemuél, und dieser sprach zu ihm: Ist er dir glaubwürdig, so bring sie hinaus, sonst aber nicht.
ז מאי לאו אי מהימן עלך דלאו גזלנא הוא ורבא אי מהימן לך כבי תרי זיל אפקה ואי לא לא תפקה
7 Glaubwürdig heißt wohl, wenn er kein Räuber ist. – Und Raba!? – Wenn er dir wie zwei Zeugen glaubwürdig ist, so bring sie hinaus, sonst aber nicht.
ח ואמר אביי מנא אמינא לה דתניא מעשה בינאי המלך שהלך לכוחלית שבמדבר וכיבש שם ששים כרכים ובחזרתו היה שמח שמחה גדולה וקרא לכל חכמי ישראל אמר להם אבותינו היו אוכלים מלוחים בזמן שהיו עסוקים בבנין בית המקדש אף אנו נאכל מלוחים זכר לאבותינו והעלו מלוחים על שולחנות של זהב ואכלו
8 Ferner sagte Abajje: Dies entnehme ich aus folgender Lehre. Einst ging der König Jannaj nach Koḥlith in der Wüste und eroberte da sechzig Städte. Nach seiner Rückkehr war er überaus froh und lud alle Weisen Jisraéls zu sich. Er sprach dann zu ihnen: Unsere Vorfahren aßen zur Zeit, als sie sich mit dem Tempelbau befaßten, Melde, auch wir wollen zur Erinnerung an unsere Vorfahren Melde essen. Hierauf reichte man Melde auf goldenen Tischen herum und sie aßen.
ט והיה שם אחד איש לץ לב רע ובליעל ואלעזר בן פועירה שמו ויאמר אלעזר בן פועירה לינאי המלך ינאי המלך לבם של פרושים עליך ומה אעשה הקם להם בציץ שבין עיניך הקים להם בציץ שבין עיניו
9 Unter ihnen befand sich ein schalkhafter Mensch, schlechten Herzens und niederträchtig, namens Elea͑zar b. Poi͑ra, und dieser Elea͑zar b. Poi͑ra sprach zum König Jannaj: König Jannaj, das Herz der Pharisäer ist gegen dich. – Was soll ich tun!? – Prüfe sie mit dem Stirnblatte zwischen deinen Augen. Da prüfte er sie mit dem Stirnblatte zwischen seinen Augen.
י היה שם זקן אחד ויהודה בן גדידיה שמו ויאמר יהודה בן גדידיה לינאי המלך ינאי המלך רב לך כתר מלכות הנח כתר כהונה לזרעו של אהרן שהיו אומרים אמו נשבית במודיעים ויבוקש הדבר ולא נמצא ויבדלו חכמי ישראל בזעם
10 Unter ihnen befand sich ein Greis namens Jehuda b. Gedidja, und dieser Jehuda b. Gedidja sprach zum Könige Jannaj: König Jannaj, bescheide dich mit der Königskrone und laß die Priesterkrone für die Nachkommen Ahrons. Es hieß nämlich, daß seine Mutter in Modai͑m gefangen war, aber man hatte es untersucht und es nicht [bestätigt] gefunden. Und die Weisen Jisraéls schieden im Zorn.
יא ויאמר אלעזר בן פועירה לינאי המלך ינאי המלך הדיוט שבישראל כך הוא דינו ואתה מלך וכהן גדול כך הוא דינך ומה אעשה אם אתה שומע לעצתי רומסם ותורה מה תהא עליה הרי כרוכה ומונחת בקרן זוית כל הרוצה ללמוד יבוא וילמוד
11 Da sprach Elea͑zar b. Poi͑ra zum Könige Jannaj: König Jannaj, so heischt das Recht bei einem Gemeinen in Jisraél, du aber bist König und Hochpriester, sollte dies auch dir gegenüber erfolgen!? – Was soll ich nun tun? – Wenn du auf meinen Rat hören willst, so zertritt sie. – Was soll aus der Tora werden!? – Sie liegt in einem Winkel zusammengerollt; wer lernen will, geh und lerne.
יב אמר רב נחמן בר יצחק מיד נזרקה בו אפיקורסות דהוה ליה למימר תינח תורה שבכתב תורה שבעל פה מאי מיד ותוצץ הרעה על ידי אלעזר בן פועירה ויהרגו כל חכמי ישראל והיה העולם משתומם עד שבא שמעון בן שטח והחזיר את התורה ליושנה
12 R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Sofort fuhr Häresie in ihn, denn er sollte erwidert haben: allerdings die geschriebene Lehre, was aber soll aus der mündlichen Lehre werden!? So schoß das Unglück durch Elea͑zar b. Poi͑ra hervor, und alle Weisen Jisraéls wurden getötet. Die Welt war dann verwüstet, bis Šimo͑n b. Šaṭaḥ kam und die Tora auf ihren alten Stand brachte.
יג היכי דמי אילימא דבי תרי אמרי אישתבאי ובי תרי אמרי לא אישתבאי מאי חזית דסמכת אהני סמוך אהני
13 Wie verhielt es sich da: wollte man sagen, zwei bekundeten, daß sie gefangen war, und zwei bekundeten, daß sie nicht gefangen war, so veranlaßte ja nichts, sich auf diese zu verlassen, man konnte sich ja auf jene verlassen;
יד אלא בעד אחד וטעמא דקא מכחשי ליה בי תרי הא לאו הכי מהימן
14 wahrscheinlich war ein einzelner Zeuge vorhanden, und nur aus dem Grunde, weil zwei ihm widersprachen, sonst aber wäre er glaubhaft. –
טו ורבא לעולם תרי ותרי וכדאמר רב אחא בר רב מניומי בעדי הזמה הכא נמי בעדי הזמה
15 Und Raba!? – Tatsächlich waren es zwei gegen zwei, und wie R. Aḥa b. R. Minjomi erklärt hat, wenn es Zeugen der Überführung sind, ebenso waren es auch hierbei Zeugen der Überführung.
טז ואיבעית אימא כדרבי יצחק דאמר רבי יצחק שפחה הכניסו תחתיה
16 Wenn du aber willst, erkläre ich es nach R. Jiçḥaq, denn R. Jiçḥaq sagte, man hatte an ihrer Stelle eine Sklavin hingebracht
יז אמר רבא
17 Raba sagte: