Kiddushin 29

Kapitel 29

א ואידך ההיא לגזירה שוה הוא דאתא דתניא רבי אליעזר אומר מנין לרציעה שהיא באזן ימנית נאמר כאן אזן ונאמר להלן (ויקרא יד, יד) אזן מה להלן ימין אף כאן ימין
1 Und der andere!? – Dies ist wiegen einer Wortanalogie nötig, denn es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Woher, daß das Anbohren am rechten Ohre erfolgen müsse? Hierbei heißt es <i>Ohr</i> und dort heißt es <i>Ohr,</i> wie dort das rechte, ebenso auch hier das rechte. –
ב ואידך א"כ לימא קרא אזן מאי אזנו
2 Und jener!? – Die Schrift sollte ja <i>Ohr</i> sagen, während es <i>sein Ohr</i> heißt. – Und der andere!? –
ג ואידך ההוא מיבעי ליה אזנו ולא אזנה ואידך נפקא לה (שמות כא, ה) מואם יאמר העבד העבד ולא אמה
3 Hieraus ist zu folgern: <i>sein Ohr,</i> nicht aber ihr Ohr. – Und jener!? – Dies geht hervor aus: <i>wenn der Sklave sagt,</i> der Sklave, nicht aber die Magd. –
ד ואידך מיבעי ליה עד שיאמר כשהוא עבד
4 Und der andere!? – Hieraus ist zu folgern: wenn er es sagt, solange er noch Sklave ist. –
ה ואידך מעבד העבד נפקא ואידך עבד העבד לא דריש
5 Und jener!? – Dies geht hervor aus: <i>der Sklave</i>. – Und der andere!? Aus [dem Worte] <i>der Sklave</i> folgert er nichts. –
ו מ"ט דתנא קמא דאמר מוכר עצמו אין מעניקין לו מיעט רחמנא גבי מכרוהו ב"ד (דברים טו, יד) הענק תעניק לו לו ולא למוכר עצמו
6 Ferner sagt der erste Autor deshalb, wenn er selber sich verkauft, beschenke man ihn nicht, weil der Allbarmherzige beim durch das Gericht verkauften einschränkt: <i>beschenken sollst du ihn,</i> nicht aber den, der selber sich verkauft. –
ז ואידך ההוא מיבעי ליה לו ולא ליורשיו יורשיו אמאי לא שכיר קרייה רחמנא מה שכיר פעולתו ליורשיו אף האי פעולתו ליורשיו אלא לו ולא לבעל חובו
7 Und der andere!? – Hieraus ist zu folgern: <i>ihn,</i> nicht aber seine Erben. – Weshalb nicht seine Erben, der Allbarmherzige nennt ihn ja einen Mietling, und wie der Lohn des Mietlings seinen Erben gehört, ebenso gehört ja auch der Lohn von diesem seinen Erben!? – Vielmehr, <i>ihn,</i> nicht aber seinen Gläubiger,
ח מדסבירא לן בעלמא כרבי נתן דתניא א"ר נתן מנין לנושה בחברו מנה וחברו בחברו מנין שמוציאין מזה ונותנין לזה ת"ל (במדבר ה, ז) ונתן לאשר אשם לו
8 da wir sonst nach R. Nathan entscheiden. Es wird nämlich gelehrt: R. Nathan sagte: Woher, daß, wenn jemand von seinem Nächsten und der Nächste von einem anderen eine Mine zu erhalten hat, man sie diesem abnehme und jenem gebe? Es heißt: <i>er gebe sie dem, dem die Schuld zukommt.</i>
ט אתא לו לאפוקי ואידך בעלמא נמי לא סבירא לן כרבי נתן
9 [Das Wort] <i>ihn</i> schließt dies hierbei aus. – Und jener!? – Auch sonst entscheiden wir nicht nach R. Nathan. –
י מ"ט דת"ק דאמר מוכר עצמו אין רבו מוסר לו שפחה כנענית מיעט רחמנא גבי מכרוהו ב"ד (שמות כא, ד) אם אדוניו יתן לו אשה לו ולא למוכר עצמו ואידך לו בעל כרחו
10 Ferner sagt der erste Autor deshalb, der selber sich verkauft, dem gebe sein Herr keine kenaa͑nitische Sklavin, weil der Allbarmherzige beim durch das Gericht verkauften einschränkt: <i>wenn sein Herr ihm eine Frau gibt,</i> ihm, nicht aber dem, der selber sich verkauft. – Und der andere!? – <i>Ihm,</i> gegen seinen Willen. –
יא ואידך מכי משנה שכר שכיר נפקא דתניא (דברים טו, יח) כי משנה שכר שכיר עבדך שכיר אינו עובד אלא ביום עבד עברי עובד בין ביום ובין בלילה
11 Und jener!? – Dies geht hervor aus: <i>denn das Doppelte des Lohnes eines Mietlings.</i> Es wird nämlich gelehrt: <i>Denn das Doppelte des Lohnes eines Mietlings hat er dir gedient;</i> der Mietling arbeitet nur am Tage, der hebräische Sklave aber arbeitet sowohl am Tage als auch nachts.
יב וכי תעלה על דעתך שעבד עברי עובד בין ביום ובין בלילה והלא כבר נאמר (דברים טו, טז) כי טוב לו עמך עמך במאכל עמך במשתה וא"ר יצחק מכאן שרבו מוסר לו שפחה כנענית
12 Kann es dir denn in den Sinn kommen, daß der hebräische Sklave am Tage und nachts arbeiten müsse, es heißt ja bereits: <i>weil ihm wohl ist bei dir,</i> mit dir beim Essen und mit dir beim Trinken!? Vielmehr, erklärte R. Jiçḥaq, besagt dies, daß sein Herr, ihm eine kenaa͑nitische Sklavin gebe. –
יג ואידך אי מהתם הוה אמינא ה"מ מדעתיה אבל בע"כ אימא לא קמ"ל
13 Und der andere!? – Wenn hieraus, so könnte man glauben, nur mit seinem Willen, nicht aber gegen seinen Willen, so lehrt er uns. –
יד אלא מאן תנא דלא יליף שכיר שכיר האי תנא הוא דתניא (ויקרא כה, מא) ושב אל משפחתו וגו' אמר ר"א בן יעקב במה הכתוב מדבר אי במוכר עצמו הרי כבר אמור
14 Vielmehr, der Autor, der aus [dem Worte] <i>Mietling</i> nichts folgert, ist der Autor der folgenden Lehre: <i>Er kehre zu seiner Familie zurück &amp;c.</i> R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte: Von wem spricht die Schrift: wenn von einem, der selber sich verkauft hat, so ist es ja von diesem bereits gesagt,
טו אי בנרצע הרי כבר אמור הא אין הכתוב מדבר אלא במכרוהו ב"ד שתים ושלש שנים לפני היובל שהיובל מוציאו ואי ס"ד יליף שכיר שכיר למה לי נילף שכיר שכיר
15 wenn vom Angebohrten, so ist dies ja von diesem bereits gesagt, vielmehr spricht die Schrift von dem, den das Gericht zwei oder drei Jahre vor dem Jobeljahre verkauft hat, daß das Jobeljahr ihn befreie. Wozu ist dies nötig, wenn man sagen wollte, er folgere aus [dem Worte] <i>Mietling,</i> es ist ja aus [dem Worte] <i>Mietling</i> zu folgern!?
טז אמר רב נחמן בר יצחק לעולם יליף שכיר שכיר ואיצטריך ס"ד אמינא מוכר עצמו הוא דלא עבד איסורא אבל מכרוהו ב"ד דעבד איסורא אימא ניקנסיה קמ"ל
16 R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Tatsächlich folgert er aus [dem Worte] <i>Mietling,</i> dennoch ist dies nötig; man könnte glauben, nur der selber sich verkauft und nichts Verbotenes begangen hat, denjenigen aber, den das Gericht verkauft hat, der Verbotenes begangen hat, maßregle man, so lehrt er uns.
יז אמר מר אי בנרצע הרי כבר אמור מאי היא דתניא (ויקרא כה, י) ושבתם איש אל אחוזתו ואיש אל משפחתו וגו' במה הכתוב מדבר אי במוכר עצמו הרי כבר אמור
17 Der Meister sagte: Wenn von einem Angebohrten, so ist dies von diesem bereits gesagt. Wo dies? – Es wird gelehrt: <i>Daß ihr zurückkehrt jeder (Mann) zu seinem Besitze und jeder (Mann) zu seinem Geschlechte &amp;c.</i> Von wem spricht die Schrift,
יח אי במכרוהו ב"ד הרי כבר אמור הא אין הכתוב מדבר אלא בנרצע שתים ושלש שנים לפני היובל שהיובל מוציאו מאי משמע אמר רבא בר שילא אמר קרא איש איזהו דבר שנוהג באיש ואין נוהג באשה הוי אומר זו רציעה
18 wenn von einem, der selber sich verkauft hat, so ist dies ja von diesem bereits gesagt, wenn von einem, den das Gericht verkauft hat, so ist dies ja von diesem bereits gesagt, vielmehr spricht die Schrift von dem, der zwei oder drei Jahre vor dem Jobeljahre angebohrt worden ist, daß das Jobeljahr ihn befreie. Wieso geht dies hieraus hervor? Raba b. Šila erwiderte: Die Schrift sagt <i>Mann</i>, und das, was nur beim Manne und nicht beim Weibe vorkommt, ist das Anbohren.
יט ואיצטריך למיכתב מכרוהו בית דין ואיצטריך למיכתב נרצע דאי אשמעינן מכרוהו ב"ד משום דלא מטאי זמניה אבל נרצע דמטאי זמניה אימא ניקנסיה
19 Dies muß sowohl vom durch das Gericht Verkauften als auch vom Angebohrten gelehrt werden. Würde er es nur vom durch das Gericht Verkauften gelehrt haben, so könnte man glauben, weil seine Zeit nicht herangereicht ist, den Angebohrten aber, dessen Zeit herangereicht war, maßregle man, so lehrt er uns.
כ ואי אשמעינן נרצע משום דעבד ליה שש אבל מכרוהו ב"ד דלא עבד ליה שש אימא לא צריכא
20 Und würde er es nur vom Angebohrten gelehrt haben, so könnte man glauben, weil er bereits sechs [Jahre] gedient hat, nicht aber gelte dies vom durch das Gericht Verkauften, der die sechs [Jahre] nicht gedient hat. Daher ist beides nötig.
כא ואיצטריך למיכתב ושבתם ואיצטריך למיכתב לעולם דאי כתב רחמנא לעולם הוה אמינא לעולם ממש כתב רחמנא ושבתם
21 Und sowohl [das Wort] <i>zurückkehrt</i> als auch [das Wort] <i>ewig</i> ist nötig. Würde der Allbarmherzige nur <i>ewig</i> geschrieben haben, so könnte man dies wörtlich verstehen, daher schrieb er <i>zurückkehrt</i>.
כב ואי כתב רחמנא ושבתם הוה אמינא ה"מ היכא דלא עבד שש אבל היכא דעבד שש לא יהא סופו חמור מתחלתו מה תחלתו שש אף סופו נמי שש קמשמע לן לעולם לעולמו של יובל
22 Und würde der Allbarmherzige nur <i>zurückkehrt</i> geschrieben haben, so könnte man glauben, nur wenn er keine sechs Jahre gedient hat, wenn er aber sechs Jahre gedient hat, sei das Ende nicht strenger als der Anfang; wie der Anfang nur sechs [Jahre] währt, ebenso auch das Ende nur sechs [Jahre]. Daher heißt es <i>ewig,</i> den ganzen Jobelzyklus.
כג אלא מאן תנא דלא יליף שכיר שכיר רבי היא דתניא
23 Der Autor, der aus [dem Worte] <i>Mietling</i> nichts folgert, ist vielmehr Rabbi, denn es wird gelehrt: <i> </i>