Kiddushin 79

Kapitel 79

א נושאי קיסר שמרוני כל הלילה אמרו ליה שמא דבר ערוה בא לידך וניצלת הימנו דתנינא כל הבא דבר ערוה לידו וניצל הימנו עושין לו נס (תהלים קג, כ) גבורי כח עושי דברו לשמוע בקול דברו כגון רבי צדוק וחביריו
1 kaiserliche Mohren bewachten mich die ganze Nacht. Sie sprachen dann zu ihm: Wahrscheinlich hattest du Gelegenheit zur Sünde und bist errettet worden, denn es wird gelehrt, wer Gelegenheit zur Sünde hatte und davon errettet worden ist, dem lasse man ein Wunder geschehen. <i>Helden der Kraft, die seinen Willen</i> <i>tun, gehorchend auf die Stimme seines Wortes</i>. Zum Beispiel R. Çadoq und seine Genossen.
ב ר' צדוק תבעתיה ההיא מטרוניתא אמר לה חלש לי ליבאי ולא מצינא איכא מידי למיכל אמרה ליה איכא דבר טמא אמר לה מאי נפקא מינה דעביד הא אכול הא שגרת תנורא קא מנחא ליה סליק ויתיב בגויה אמרה ליה מאי האי אמר לה דעביד הא נפיל בהא אמרה ליה אי ידעי כולי האי לא צערתיך
2 Einst forderte ihn eine Matrone [zur Sünde] auf. Da sprach er zu ihr: Das Herz ist mir schwach und ich kann nicht; ist etwas zum Essen da? Sie erwiderte: Es ist etwas Unreines da. Er entgegnete: Schadet nichts; wer dies tut, kann auch solches essen. Hierauf heizte sie den Ofen ein und setzte [die Speise] auf; da kroch er hinein und setzte sich da hin. Sie sprach: Was soll dies!? Er erwiderte: Wer dies tut, fällt da hinein. Da sprach sie: Hätte ich es gewußt, würde ich dich nicht so sehr gequält haben.
ג רב כהנא הוה קמזבין דיקולי תבעתיה ההיא מטרוניתא אמר לה איזיל איקשיט נפשאי סליק וקנפיל מאיגרא לארעא אתא אליהו קבליה אמר ליה אטרחתן ארבע מאה פרסי א"ל מי גרם לי לאו עניותא יהב ליה שיפא דדינרי
3 R. Kahana verkaufte Körbe, und einmal forderte ihn eine Matrone [zur Sünde] auf. Da sprach er zu ihr: Ich will gehen und mich schmücken. Hierauf stieg er aufs Dach und stürzte sich auf die Erde hinab. Da kam Elijahu und fing ihn auf. Er sprach dann zu ihm: Du hast mich vierhundert Parasangen bemüht. Jener erwiderte: Was denn sonst als meine Armut hat dies verursacht!? Da gab er ihm ein Gefäß mit Denaren.
ד רמי ליה רבא לרב נחמן תנן אלו דברים שאדם עושה אותן ואוכל פירותיהן בעולם הזה והקרן קיימת לו לעולם הבא אלו הן כיבוד אב ואם וגמילות חסדים והבאת שלום שבין אדם לחבירו ותלמוד תורה כנגד כולם
4 Rami wies R. Naḥman auf einen Widerspruch hin: wir haben gelernt: von folgenden Dingen genießt der Mensch, wenn er sie tut, die Früchte auf dieser Welt, und der Stamm bleibt ihm für die zukünftige Welt erhalten, und zwar: Ehrung von Vater und Mutter, Liebeswerke, Friedensstiftung zwischen einem Menschen und dem anderen, und das Studium der Tora wiegt alles auf.
ה בכיבוד אב ואם כתיב (דברים ה, טו) למען יאריכון ימיך ולמען ייטב לך בגמילות חסדים כתיב (משלי כא, כא) רודף צדקה וחסד ימצא חיים צדקה וכבוד
5 Von der Ehrung von Vater und Mutter heißt es: <i>damit da lange lebest und damit es dir wohl gehe.</i> Von den Liebeswerken heißt es: <i>wer nach Wohltat und Liebe jagt, wird Leben</i>, <i>Wohltat und Ehre finden.</i>
ו ובהבאת שלום כתיב (תהלים לד, טו) בקש שלום ורדפהו וא"ר אבהו אתיא רדיפה רדיפה כתיב הכא בקש שלום ורדפהו וכתיב התם רודף צדקה וחסד בתלמוד תורה כתיב (דברים ל, כ) כי הוא חייך ואורך ימיך
6 Von der Friedensstiftung heißt es: <i>suche den Frieden und jage ihm nach,</i> und hierzu sagte R. Abahu, man folgere es aus [dem Worte] <i>jagen;</i> hierbei heißt es: <i>suche den Frieden und jage ihm nach</i>, und dort heißt es: <i>wer nach Wohltat und Liebe jagt.</i> Vom Studium der Tora heißt es: <i>denn es ist dein Leben und die Verlängerung deiner Tage.</i>
ז בשילוח הקן נמי כתיב (דברים כב, ז) למען ייטב לך והארכת ימים ליתני נמי הא תנא ושייר תני תנא אלו דברים ואת אמרת תנא ושייר
7 Auch beim Fliegenlassen des Nest[vogels] heißt es ja: <i>damit es dir wohlgehe und du lange lebest</i>, somit sollte er auch dies mitzählen!? – Manches lehrt er und manches läßt er fort. – Der Autor leint ‘folgende’, und du sagst, manches lehre er und manches lasse er fort!?
ח אמר רבא רב אידי אסברא לי (ישעיהו ג, י) אמרו צדיק כי טוב כי פרי מעלליהם יאכלו וכי יש צדיק טוב ויש צדיק שאינו טוב אלא טוב לשמים ולבריות זהו צדיק טוב טוב לשמים ורע לבריות זהו צדיק שאינו טוב
8 Raba erwiderte: R. Idi erklärte es mir. [Es heißt:] <i>saget dem Frommen, daß er gut ist, denn die Frucht ihrer Taten den sie genießen;</i> gibt es denn einen guten Frommen und einen nicht guten Frommen? Vielmehr heißt er, wenn er gegen den Himmel und gegen Menschen gut ist, ein guter Frommer, und wenn er gegen den Himmel gut und gegen Menschen schlecht ist, ein nicht guter Frommer.
ט כיוצא בדבר אתה אומר (ישעיהו ג, יא) אוי לרשע רע כי גמול ידיו יעשה לו וכי יש רשע רע ויש שאינו רע אלא רע לשמים ורע לבריות הוא רשע רע רע לשמים ואינו רע לבריות זהו רשע שאינו רע
9 Desgleichen heißt es: <i>wehe dem Frevler</i>, <i>der böse ist, denn nach dem Verdienste seiner Hände wird ihm geschehen;</i> gibt es denn einen bösen Frevler und einen nicht bösen Frevler? Vielmehr heißt er, wenn er gegen den Himmel und gegen Menschen böse ist, ein böser Frevler, und wenn er gegen den Himmel böse und gegen Menschen nicht böse ist, ein nicht böser Frevler.
י הזכות יש לה קרן ויש לה פירות שנאמר אמרו צדיק כי טוב וגו' עבירה יש לה קרן ואין לה פירות שנאמר אוי לרשע רע וגו'
10 Das Verdienst hat einen Stamm und trägt Früchte, denn es heißt: <i>saget dem Frommen, daß er gut &amp;c.</i> Die Sünde hat einen Stamm und trägt keine Früchte, denn es heißt: <i>wehe dem Frevler, der böse &amp;c</i>.
יא ואלא מה אני מקיים (משלי א, לא) ויאכלו מפרי דרכם וממועצותיהם ישבעו עבירה שעושה פירות יש לה פירות ושאין עושה פירות אין לה פירות
11 Wieso aber halte ich aufrecht [den Vers:] <i>sie werden genießen die Frucht ihres Weges und an ihren Ratschlägen sich sättigen</i>? Die Sünde, die Früchte bringt, trägt Früchte, und die keine Früchte bringt, trägt keine Früchte.
יב מחשבה טובה מצרפה למעשה שנאמר (מלאכי ג, טז) אז נדברו יראי ה' איש אל רעהו ויקשב ה' וישמע ויכתב ספר זכרון לפניו ליראי ה' ולחושבי שמו מאי ולחושבי שמו אמר רב אסי אפילו חשב אדם לעשות מצוה ונאנס ולא עשאה מעלה עליו הכתוב כאילו עשאה
12 Die gute Absicht rechnet der Heilige, gepriesen sei er, zur Tat, denn es heißt: <i>damals besprachen sich die Gottesfürchtigen mit einander, und der Herr merkte auf und hörte</i>, <i>und es wurde für sie, die den Herrn fürchten und an seinen Namen denken, ein Gedenkbuch auf gezeichnet,</i> und [die Worte:] <i>die an seinen Namen denken,</i> erklärte R. Asi, auch wenn ein Mensch ein Gebot auszuüben nur gedacht, aber verhindert worden ist und es nicht ausgeübt hat, rechne die Schrift es ihm an, als hätte er es ausgeübt.
יג מחשבה רעה אין הקדוש ברוך הוא מצרפה למעשה שנאמר (תהלים סו, יח) און אם ראיתי בלבי לא ישמע ה' ואלא מה אני מקים (ירמיהו ו, יט) הנני מביא אל העם הזה רעה פרי מחשבותם מחשבה שעושה פרי הקב"ה מצרפה למעשה מחשבה שאין בה פרי אין הקב"ה מצרפה למעשה
13 Die böse Absicht rechnet der Heilige, gepriesen sei er, nicht zur Tat, denn es heißt: <i>hätte ich Unrecht in meinem Herzen, der Herr hörte es nicht</i>. Wieso aber halte ich aufrecht [den Vers:] <i>siehe, ich bringe diesem Volke Unglück, die Frucht ihrer Gedanken</i>? Die Absicht, die zur Ausführung gelangt, rechnet der Heilige, gepriesen sei er, zur Tat, und die Absicht, die nicht zur Ausführung gelangt, rechnet der Heilige, gepriesen sei er, nicht zur Tat. –
יד ואלא הא דכתיב (יחזקאל יד, ה) למען תפוש את [בית] ישראל בלבם אמר רב אחא בר יעקב ההוא בעבודת כוכבים הוא דכתיב דאמר מר חמורה עבודת כוכבים שכל הכופר בה כמודה בכל התורה כולה
14 Es heißt ja aber: <i>und das Haus Jisraél ans Herz zu ergreifen!</i>? R. Aba b. Ja͑qob erwiderte: Dies gilt vom Götzendienste, denn der Meister sagte, der Götzendienst sei so streng, daß, wenn jemand ihn verleugnet, es ebenso sei, als würde er sich zur ganzen Tora bekennen.
טו עולא אמר כדרב הונא דאמר רב הונא כיון שעבר אדם עבירה ושנה בה הותרה לו הותרה לו סלקא דעתך אלא נעשית לו כהיתר
15 U͑la erwiderte: Dies ist nach R. Hona zu erklären, denn R. Hona sagte, wenn jemand eine Sünde begangen und sie wiederholt hat, werde sie ihm erlaubt. – Erlaubt, wie kommst du darauf!? – Vielmehr, sie erscheint ihm erlaubt.
טז אמר רבי אבהו משום רבי חנינא נוח לו לאדם שיעבור עבירה בסתר ואל יחלל שם שמים בפרהסיא שנאמר (יחזקאל כ, לט) ואתם בית ישראל כה אמר ה' איש גילוליו לכו עבדו [ואחר] אם אינכם שומעים אלי ואת שם קדשי לא תחללו
16 R. Abahu sagte im Namen R. Ḥaninas: Lieber begehe der Mensch eine Sünde heimlich, als den Namen des Himmels öffentlich zu entweihen, denn es heißt: <i>und ihr, Haus Jisraél, so spricht der Herr</i>, <i>geht hin und dient jeder seinem Götzen, da ihr auf mich doch nicht hören wollt, aber meinen heiligen Namen entweiht nicht.</i>
יז אמר רבי אלעאי הזקן אם רואה אדם שיצרו מתגבר עליו ילך למקום שאין מכירין אותו וילבש שחורים ויתכסה שחורים ויעשה כמו שלבו חפץ ואל יחלל שם שמים בפרהסיא
17 R. Ilea͑j sagte: Sieht jemand, daß der böse Trieb sich seiner bemächtigt, so gehe er nach einem Orte, wo man ihn nicht kennt, kleide sich schwarz, hülle sich schwarz und folge dem Triebe seines Herzens, aber er entweihe nicht den Namen des Himmels öffentlich. –
יח איני והתניא כל שלא חס על כבוד קונו ראוי לו שלא בא לעולם מה היא רבה אומר זה המסתכל בקשת רב יוסף אומר זה העובר עבירה בסתר
18 Dem ist ja aber nicht so, es wird ja gelehrt, wer nicht die Ehre seines Schöpfers schont, für den wäre es besser, er wäre nicht auf die Welt gekommen, [und auf die Frage,] was dies sei, erklärte Rabba, wenn jemand den Regenbogen betrachtet, und R. Joseph erklärte, wenn jemand eine Sünde heimlich begeht!? –
יט לא קשיא הא דמצי כייף ליצריה והא דלא מצי כייף ליצריה
19 Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn er seinen Trieb bezwingen kann, und das andere, wenn er seinen Trieb nicht bezwingen kann.
כ תנן התם אין מקיפין בחילול השם אחד שוגג ואחד מזיד מאי אין מקיפין אמר מר זוטרא שאין עושים כחנווני מר בריה דרבנא אמר לומר שאם היתה שקולה מכרעת
20 Dort haben wir gelernt: Bei der Entweihung des göttlichen Namens wird nichts geborgt, einerlei ob fahrlässig oder vorsätzlich. Was heißt: nichts geborgt? Mar Zuṭra erwiderte: Man verfährt hierbei nicht nach Art eines Krämers. Mar, der Sohn Rabanas, erklärte: Dies besagt, daß, wenn sie einander aufwiegen, dies den Ausschlag gebe.
כא ת"ר לעולם
21 Die Rabbanan lehrten: Stets