Kiddushin 85

Kapitel 85

א נילף מיניה משום דהוה מעילה טביחה ומכירה שני כתובים הבאים כאחד וכל שני כתובים הבאים כאחד אין מלמדין מעילה הא דאמרן טביחה ומכירה מאי היא אמר קרא (שמות כא, לז) וטבחו או מכרו מה מכירה ע"י אחר אף טביחה על ידי אחר
1 Von der Veruntreuung und vom Schlachten oder Verkaufen lehren zwei Schriftverse dasselbe, und wenn zwei Schriftverse dasselbe lehren, so ist von diesen nichts zu folgern. – Von der Veruntreuung sagten wir es, wo dies vom Schlachten oder Verkaufen? – Die Schrift sagt: <i>und es schlachtet oder verkauft,</i> wie der Verkauf mit einem anderen, ebenso das Schlachten [auch] durch einen anderen.
ב דבי ר' ישמעאל תנא או לרבות את השליח דבי חזקיה תנא תחת לרבות את השליח
2 In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: <i>Oder</i>, dies schließt den Beauftragten ein. In der Schule Ḥizqijas wurde gelehrt: <i>Statt,</i> dies schließt den Beauftragten ein. –
ג הניחא למ"ד שני כתובים הבאים כאחד אין מלמדין אלא למ"ד מלמדין מאי איכא למימר גלי רחמנא בשחוטי חוץ (ויקרא יז, ד) דם יחשב לאיש ההוא דם שפך הוא ולא שלוחו
3 Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, daß von zwei Schriftversen, die dasselbe lehren, nichts zu folgern sei, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, es sei wohl zu folgern!? – Der Allbarmherzige lehrt vom außerhalb Geschlachteten: <i>als Blutschuld soll es jedem Manne angerechnet werden, Blut hat er vergossen,</i> jenem, nicht aber seinem Beauftragten. –
ד אשכחן גבי שחוטי חוץ בכל התורה מנלן דיליף משחוטי חוץ
4 Wir wissen dies vom außerhalb Geschlachteten, woher dies von der ganzen Tora!? – Es ist vom außerhalb Geschlachteten zu folgern. –
ה אדיליף משחוטי חוץ ניליף מהנך הדר כתב רחמנא (ויקרא יז, ד) ונכרת האיש ההוא אם אינו ענין לגופו תנהו ענין לכל התורה כולה
5 Weshalb vom außerhalb Geschlachteten, sollte es doch von jenen gefolgert werden!? – Der Allbarmherzige schreibt weiter: <i>jener Mann soll ausgerottet werden,</i> und da dies selbst wegen nicht nötig ist, so beziehe man es auf alle [anderen Gesetze] der Tora. –
ו ולמ"ד שני כתובים הבאים כאחד אין מלמדים הני ההוא ההוא מאי דריש בהו חד למעוטי שנים שאוחזים בסכין ושוחטים וחד הוא ולא אנוס הוא ולא שוגג הוא ולא מוטעה
6 Wofür verwendet derjenige, welcher sagt, von zwei Schriftversen, die dasselbe lehren, sei nichts zu folgern, [die Worte] <i>jenem, jener</i>? – Das eine schließt den Fall aus, wenn zwei das Messer halten und schlachten, und das eine lehrt: <i>jener</i>, nicht aber gezwungen, <i>jener,</i> nicht aber fahrlässig, <i>jener,</i> nicht aber irrtümlich. –
ז ואידך מהוא ההוא ואידך הוא ההוא לא דריש
7 Und jener!? – [Er folgert dies] aus <i>dem</i> <i>jenem.</i> Und der andere!? Aus <i>dem jenem</i> folgert er nichts. –
ח והא דתני האומר לשלוחו צא הרוג את הנפש הוא חייב ושולחיו פטור שמאי הזקן אומר משום חגי הנביא שולחיו חייב שנא' (שמואל ב יב, ט) אותו הרגת בחרב בני עמון
8 Es wird gelehrt: Wenn jemand zu seinem Beauftragten gesagt hat, daß er gehe und jemand töte, so ist dieser schuldig und der Beauftragende frei. Šammaj der Älteste sagte im Namen des Propheten Ḥaggaj, der Beauftragende sei schuldig, denn es heißt: <i>ihn hast du durch das Schwert der A͑mmoniter getötet.</i>
ט מאי טעמיה דשמאי הזקן קסבר שני כתובים הבאים כאחד מלמדין והוא ההוא לא דריש ואיבעית אימא לעולם דריש ומאי חייב חייב בדיני שמים
9 Was ist der Grund Šammaj des Ältesten? – Er ist der Ansicht, von zwei Schriftversen, die dasselbe lehren, sei zu folgern, und aus <i>dem jenem</i> folgert er nichts. Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich folgert er hieraus, und unter ‘schuldig’ ist zu verstehen, beim himmlischen Gerichte schuldig.
י מכלל דת"ק סבר אפילו מדיני שמים נמי פטור אלא דינא רבה ודינא זוטא איכא בינייהו
10 Demnach wäre der erste Autor der Ansicht, er sei auch beim himmlischen Gerichte frei!? – Vielmehr, sie streiten über die Strafe, ob sie eine hohe oder eine niedrige ist.
יא ואיבעית אימא שאני התם דגלי רחמנא אותו הרגת בחרב בני עמון
11 Wenn du aber willst, sage ich: anders verhält es sich da, denn der Allbarmherzige sagt: <i>ihn hast du durch das Schwert der A͑mmoniter getötet.</i> – Und jener!? – [Dies heißt:] es gelte dir wie durch das Schwert der A͑mmoniter [getötet];
יב ואידך הרי לך כחרב בני עמון מה חרב בני עמון אין אתה נענש עליו אף אוריה החתי אי אתה נענש עליו מאי טעמא מורד במלכות הוה דקאמר ליה (שמואל ב יא, יא) ואדוני יואב וכל עבדי אדוני על פני השדה חונים
12 wie du für das Schwert der A͑mmoniter nicht strafbar bist, ebenso bist du wegen Urija des Hethiters nicht strafbar, weil er Hochverräter war, denn er sagte: <i>mein Herr Joah und die Knechte meines Herrn lagern auf freiem Felde</i>.
יג אמר רבא את"ל סבר שמאי שני כתובים הבאים כאחד מלמדין והוא ההוא לא דריש מודה באומר לשלוחו צא בעול את הערוה ואכול את החלב שהוא חייב ושולחיו פטור שלא מצינו בכל התורה כולה זה נהנה וזה מתחייב
13 Raba sagte: Selbst wenn du sagst, Šammaj sei der Ansicht, von zwei Schriftversen, die dasselbe lehren, sei zu folgern, und er aus <i>dem jenem</i> nichts folgere, so pflichtet er dennoch bei, daß, wenn jemand zu einem gesagt hat, daß er gehe und ein Inzestverbrechen ausübe, oder Talg esse, dieser schuldig und der Beauftragende frei sei, denn wir finden in der ganzen Tora keinen Fall, daß der eine den Genuß hat und ein anderer strafbar ist.
יד איתמר רב אמר שליח נעשה עד דבי רבי שילא אמרי אין שליח נעשה עד מ"ט דבי רבי שילא אילימא משום דלא א"ל הוי לי עד אלא מעתה קידש אשה בפני שנים ולא אמר להם אתם עדיי ה"נ דלא הוו קידושי
14 Es wurde gelehrt: Rabh sagt, der Beauftragte könne Zeuge sein, und in der Schule R. Šilas sagen sie, der Beauftragte könne nicht Zeuge sein. Was ist der Grund der Schule R. Šilas; wollte man sagen, weil er zu ihm nicht gesagt hat: sei mein Zeuge, so müßte demnach, wenn jemand sich vor zwei Zeugen eine Frau angetraut und zu ihnen nicht gesagt hat: seid meine Zeugen, die Antrauung ungültig sein!? –
טו אלא רב אמר שליח נעשה עד אלומי קא מאלימנא למילתיה דבי רבי שילא אמרי אין שליח נעשה עד כיון דאמר מר שלוחו של אדם כמותו הוה ליה כגופיה
15 Vielmehr, Rabh sagt, der Beauftragte könne Zeuge sein, denn er hat die Sache wirksamer gemacht; in der Schule R. Šilas sagen sie, der Beauftragte könne nicht Zeuge sein, denn der Meister sagte, der Beauftragte gleiche dem Auftraggeber selbst, somit gilt er wie seine Person.
טז מיתיבי אמר לשלשה צאו וקדשו לי האשה אחד שליח ושנים עדים דברי ב"ש וב"ה אומרים כולם שלוחין הן ואין שליח נעשה עד עד כאן לא פליגי אלא בשלשה אבל בשנים דברי הכל לא
16 Man wandte ein: Wenn jemand zu drei [Personen] gesagt hat: geht und traut mir eine Frau an, so ist einer Beauftragter und die beiden anderen sind Zeugen – so die Schule Šammajs; die Schule Hillels sagt, sie seien alle Beauftragte, und der Beauftragte kann nicht Zeuge sein. Sie streiten nur über drei [Personen], bei zwei aber stimmen alle überein, daß dies nicht zulässig sei!? –
יז הוא דאמר כי האי תנא דתניא רבי נתן אומר בית שמאי אומרים שליח ועד אחד וב"ה אומרים שליח ושני עדים ורב כבית שמאי איפוך ורב אחא בריה דרבא מתני איפכא רב אמר אין שליח נעשה עד דבי ר' שילא אמרי שליח נעשה עד והילכתא שליח נעשה עד
17 [Rabh] ist der Ansicht des Autors der folgenden Lehre: R. Nathan sagte: Die Schule Šammajs sagt, der Beauftragte und ein Zeuge, die Schule Hillels sagt, der Beauftragte und zwei Zeugen. – Rabh ist demnach der Ansicht der Schule Šammajs!? – Wende es um. R. Aḥa, der Sohn Rabas, lehrte es umgekehrt: Rabh sagt, der Beauftragte könne nicht Zeuge sein, und in der Schule R. Šilas sagen sie, der Beauftragte könne Zeuge sein. Die Halakha ist, der Beauftragte kann Zeuge sein.
יח אמר רבא אמר רב נחמן אמר לשנים צאו וקדשו לי את האשה הן הן שלוחיו הן הן עדיו וכן בגירושין
18 Raba sagte im Namen R. Naḥmans: Wenn jemand zu zwei [Personen] gesagt hat: geht und traut mir eine Frau an, so sind sie sowohl seine Beauftragten als auch seine Zeugen. Desgleichen auch bei der Scheidung,