Kiddushin 87

Kapitel 87

א קטנה מן האירוסין אין עושים בה מאמר אלא מדעת אביה והנערה בין מדעת עצמה בין מדעת אביה (מה שאין כן בקידושין)
1 daß bei einer während der Verlobung [verwitweten] Minderjährigen die Eheformel nur mit Willigung des Vaters erfolgen könne, und im Mädchenalter sowohl mit ihrer Willigung als auch mit Willigung ihres Vaters, was aber bei der Antrauung nicht der Fall ist!? –
ב אלא אי איתמר הכי איתמר אמר רבי יוסי בר' חנינא מאי טעמיה דר' יוחנן אליבא דרבנן קידושין דמדעתה אביה ולא היא גירושין דבעל כרחה בין היא בין אביה
2 Vielmehr, ist dies gelehrt worden, so wird es wie folgt lauten. R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Folgendes ist der Grund der Rabbanan nach R. Joḥanan: die Antrauung erfolgt nur mit ihrem Willen, daher nur durch ihren Vater und nicht durch sie, die Scheidung erfolgt auch gegen ihren Willen, daher sowohl durch sie als auch durch ihren Vater. –
ג הרי מאמר דמדעתה וקתני בין היא ובין אביה התם במאמר דבעל כרחה ורבי היא דתניא העושה מאמר ביבמתו שלא מדעתה רבי אומר קנה וחכ"א לא קנה
3 Auch die Eheformel erfolgt ja nur mit ihrem Willen, dennoch lehrt er: sowohl mit ihrer als auch mit ihres Vaters [Willigung]!? – Da wird von der Eheformel gegen ihren Willen gesprochen, nach Rabbi. Es wird nämlich gelehrt: Wer die Eheformel an seine Schwägerin gegen ihren Willen gerichtet hat, hat sie sich, wie Rabbi sagt, angeeignet, und wie die Weisen sagen, nicht angeeignet. –
ד מאי טעמיה דרבי גמר מביאה דיבמה מה ביאה דיבמה בעל כרחה אף הכא נמי בע"כ ורבנן סברי ילפינן מקידושין מה קידושין דמדעתה אף ה"נ דמדעתה
4 Was ist der Grund Rabbis? – Er folgert dies vom Beischlafe bei der Eheschwägerin; wie [die Aneignung] der Eheschwägerin durch Beischlaf gegen ihren Willen erfolgen kann, ebenso auch dies gegen ihren Willen. Die Rabbanan aber sind der Ansicht, es sei von der Antrauung zu folgern; wie die Antrauung nur mit ihrem Willen erfolgen kann, ebenso auch dies nur mit ihrem Willen. –
ה במאי קמיפלגי רבי סבר מילי דיבמה מיבמה הוה ליה למילף ורבנן סברי קידושין מקידושין הוה ליה למילף
5 Worin besteht ihr Streit? – Rabbi ist der Ansicht, eine Sache inbetreff der Eheschwägerin sei von einer Sache inbetreff der Eheschwägerin zu folgern, und die Rabbanan sind der Ansicht, die Antrauung sei von der Antrauung zu folgern.
ו ה"נ מסתברא כדקא מתרץ רבי יוחנן מדקתני סיפא מה שאין כן בקידושין אלא נימא תיהוי תיובתא דר"ל אמר לך ר"ל הא מני רבי יהודה היא דאמר אין שתי ידים זוכות כאחת
6 Dies, wie R. Joḥanan erklärt, ist auch einleuchtend, denn im Schlußsatze lehrt er: was aber bei der Antrauung nicht der Fall ist. – Dies wäre somit eine Widerlegung des Reš Laqiš!? – Reš Laqiš kann dir erwidern, hier sei die Ansicht R. Jehudas vertreten, welcher sagt, zwei Hände können nicht gleichzeitig erwerben. –
ז אי רבי יהודה מה שאין כן בקידושין מה שאין כן בגירושין מיבעי ליה אין ה"נ איידי דתנא מאמר דדמי לקידושין תנא נמי מה שאין כן בקידושין
7 Wieso heißt es, wenn hier die Ansicht R. Jehudas vertreten ist: was aber bei der Antrauung nicht der Fall ist, es sollte ja heißen: was aber bei der Scheidung nicht der Fall ist!? – Dem ist auch so; da er aber von der Eheformel spricht, die der Antrauung gleicht, so lehrt er: was aber bei der Antrauung nicht der Fall ist. –
ח ורבי יהודה מאי שנא מאמר הואיל וזקוקה ועומדת השתא דאתית להכי ר' יוחנן נמי לא תיקשי לך מעיקרא שאני מאמר הואיל וזקוקה ועומדת
8 Womit ist nach R. Jehuda die Eheformel anders? – Weil sie mit ihm bereits verbunden ist. Da du nun darauf gekommen bist, so ist auch gegen die ursprüngliche Erklärung R. Joḥanans nichts einzuwenden, denn bei der Eheformel ist es anders, da sie mit ihm bereits verbunden ist. –
ט תנן האיש מקדש את בתו כשהיא נערה בו ובשלוחו בו ובשלוחו אין בה ובשלוחה לא תיובתא דר"ל אמר לך ר"ל הא נמי רבי יהודה היא
9 Wir haben gelernt: Ein Mann kann seine Tochter im Mädchenalter antrauen persönlich und durch seinen Beauftragten. Nur er und sein Beauftragter, nicht aber sie und ihr Beauftragter; dies ist somit eine Widerlegung des Reš Laqiš!? – Reš Laqiš kann dir erwidern, hier sei ebenfalls die Ansicht R. Jehudas vertreten. –
י ומי מצית מוקמת לה כרבי יהודה והקתני סיפא האומר לאשה התקדשי לי בתמרה זו התקדשי לי בזו ואמרינן מאן תנא התקדשי התקדשי
10 Wieso kannst du es R. Jehuda addizieren, im Schlußsatze lehrt er: wenn jemand zu einer Frau sagt: sei mir mit dieser Dattel angetraut, sei mir mit dieser angetraut; und auf unsere Frage, wer der Autor sei, der zweimal ‘sei mir angetraut’ lehrt,
יא ואמר רבה ר"ש היא דאמר עד שיאמר שבועה לכל אחד ואחד
11 erwiderte Rabba, es sei R. Šimo͑n, welcher sagt, nur wenn er den Schwur bei jedem besonders gesprochen hat!?
יב וכי תימא כולה ר' יהודה ובפרטי סבר לה כר"ש ומי סבר לה
12 Wolltest du erwidern, die ganze [Lehre] sei von R. Jehuda, und dieser sei hinsichtlich der Sondernennung der Ansicht R. Šimo͑ns, so ist er ja nicht dessen Ansicht!?
יג והתניא זה הכלל כלל אינו חייב אלא אחת פרט חייב על כל אחת ואחת דברי ר"מ רבי יהודה אומר שבועה לא לך לא לך לא לך חייב על כל אחת ואחת רא"א לא לך לא לך לא לך ולא לך שבועה חייב על כל אחת ואחת ר' שמעון אומר לעולם אינו חייב עד שיאמר שבועה לכל אחד ואחד
13 Es wird nämlich gelehrt: Die Regel hierbei ist: hat er es verallgemeinert, so ist er nur einmal schuldig, hat er es spezialisiert, so ist er wegen eines jeden besonders schuldig – so R. Meir. R. Jehuda sagt, [sagte er:] ich schwöre, nicht dir, nicht dir und nicht dir, so ist er wegen eines jeden besonders schuldig. R. Elea͑zar sagt, [sagte er:] nicht dir, nicht dir, nicht dir und nicht dir, ich schwöre es, so ist er wegen eines jeden besonders schuldig. R. Šimo͑n sagt, er sei nur dann [besonders] schuldig, wenn er den Schwur jedem besonders geleistet hat. –
יד אלא כולה ר' שמעון היא ובשליחות סבר לה כרבי יהודה
14 Vielmehr, die ganze [Lehre] vertritt die Ansicht R. Šimo͑ns, und dieser ist hinsichtlich der Beauftragung der Ansicht R. Jehudas.
טו ר' אסי לא על לבי מדרשא אשכחיה לרבי זירא אמר ליה מאי אמור האידנא בי מדרשא אמר ליה אף אנא לא עייל ר' אבין הוא דעייל ואמר חברותא כולה כר' יוחנן וצווח ריש לקיש כי כרוכיא (דברים כד, ב) ויצאה והיתה וליכא דאשגח ביה אמר ליה רבי אבין בר סמכא הוא אמר ליה אין כמין ימא לטיגני הוא
15 Einst fehlte R. Asi im Lehrhause, und als er darauf R. Zera traf, fragte er ihn, was heute im Lehrhause gesagt worden sei. Dieser erwiderte: Auch ich war nicht da, aber R. Abin war da, und er erzählt, die ganze Versammlung war der Ansicht R. Joḥanans, und obgleich Reš Laqiš wie ein Kranich schrie: <i>sie gehe fort und sei</i>, achtete niemand auf ihn. Jener fragte: Ist R. Abin ein Mann, auf den man sich verlassen kann? Dieser erwiderte: Freilich, wie aus der See in den Tiegel.
טז אמר רב נחמן בר יצחק אנא לא רבי אבין ברבי חייא ולא רבי אבין בר כהנא אלא רבי אבין סתם למאי נפקא מינה למירמא דידיה אדידיה
16 R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Ich [weiß nicht], ob es R. Abin b. R. Ḥija oder R. Abin b. Kahana war, sondern nur R. Abin. – In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Hinsichtlich eines Widerspruches, in dem er sich etwa befinden sollte.
יז בעא מיניה רבא מרב נחמן
17 Raba fragte R. Naḥman: