Kiddushin 9

Kapitel 9

א ומנין שאף בשטר ודין הוא ומה כסף שאין מוציא מכניס שטר שמוציא אינו דין שמכניס
1 Woher, daß dies auch durch Urkunde erfolgen kann? Wollte man es durch einen Schluß folgern: wenn das Geld, das nicht hinausbringt, hereinbringt, um wieviel mehr bringt die Urkunde, die hinausbringt, auch herein, so ist zu erwidern:
ב מה לכסף שכן פודין בו הקדש ומעשר שני תאמר שטר שאין פודין בו הקדש ומעשר שני דכתיב (ויקרא כז, יט) ונתן הכסף וקם לו
2 wohl gilt dies vom Gelde, durch das man Geheiligtes und den zweiten Zehnten auslösen kann, während man durch Urkunde Geheiligtes und den zweiten Zehnten nicht auslösen kann, denn es heißt: <i>er gebe das Geld und soll es erstehen,</i>
ג אמר קרא (דברים כד, ב) ויצאה והיתה מקיש הויה ליציאה מה יציאה בשטר אף הויה נמי בשטר ואקיש נמי יציאה להויה מה הויה בכסף אף יציאה בכסף
3 daher sagt die Schrift: <i>sie gehe fort und sei,</i> das Sein gleicht dem Gehen, wie das Gehen durch Urkunde erfolgt, ebenso erfolgt das Sein durch Urkunde. – Sollte auch das Gehen dem Sein gleichen, wie das Sein durch Geld erfolgt, ebenso auch das Gehen durch Geld?
ד אמר אביי יאמרו כסף מכניס כסף מוציא סניגור יעשה קטיגור אי הכי שטר נמי יאמרו שטר מוציא שטר מכניס קטיגור יעשה סניגור
4 Abajje erwiderte: Man würde sagen, das Geld bringe herein und das Geld bringe hinaus; sollte der Verteidiger Ankläger werden!? – Demnach kann man ja auch von der Urkunde sagen, die Urkunde bringe hinaus und die Urkunde bringe herein; sollte der Ankläger Verteidiger werden!? –
ה מילי דהאי שטרא לחוד ומילי דהאי שטרא לחוד הכא נמי האי כספא לחוד והאי כספא לחוד טיבעא מיהא חד הוא
5 Der Inhalt der einen Urkunde ist ein anderer als der der anderen Urkunde. – Auch beim Gelde ist ja das eine anders als das andere!? – Immerhin ist es die gleiche Münze.
ו רבא אמר אמר קרא (דברים כד, א) וכתב לה בכתיבה מתגרשת ואינה מתגרשת בכסף ואימא בכתיבה מתגרשת ואינה מתקדשת בכתיבה הא כתיב (דברים כד, ב) ויצאה והיתה מקיש וכו'
6 Raba erwiderte: Die Schrift sagt: <i>er schreibe ihr,</i> sie wird nur durch ein Schriftstück geschieden, nicht aber wird sie durch Geld geschieden. – Vielleicht aber: sie wird nur durch ein Schriftstück geschieden, nicht aber wird sie durch ein Schriftstück angetraut!? – Es heißt ja: <i>sie gehe fort und sei,</i> und es gleicht &amp;c. –
ז ומה ראית מסתברא קאי בגירושין ממעט גירושין קאי בגירושין וממעט קידושין
7 Was veranlaßt dich dazu!? – Es ist einleuchtend, daß, wenn er von der Scheidung spricht, er die Scheidung ausschließt, aber sollte er denn, wenn er von der Scheidung spricht, die Antrauung ausschließen!? –
ח ולרבי יוסי הגלילי דאפיק ליה להאי קרא לדרשא אחרינא שאינה מתגרשת בכסף מנא ליה אמר קרא (דברים כד, א) ספר כריתות ספר כורתה ואין דבר אחר כורתה
8 Woher entnimmt R. Jose der Galiläer, der diesen Schriftvers für eine andere Auslegung verwendet, daß sie nicht durch Geld geschieden werden könne!? – Die Schrift sagt: <i>Brief der Trennung,</i> der Brief trennt sie, nicht aber trennt sie etwas anderes. –
ט ורבנן האי כריתות מאי עבדי ליה מיבעי ליה לדבר הכורת בינו לבינה
9 Wofür verwenden die Rabbanan [das Wort] <i>Trennung</i>? – Daß es eine Sache sein müsse, die zwischen ihm und ihr [vollständig] trennt.
י כדתניא הרי זה גיטיך ע"מ שלא תשתי יין על מנת שלא תלכי לבית אביך לעולם אין זה כריתות כל שלשים יום הרי זה כריתות
10 Es wird nämlich gelehrt: [Sagte er:] da hast du deinen Scheidebrief mit der Bedingung, daß du niemals Wein trinkest, oder: mit der Bedingung, daß du niemals in das Haus deines Vaters gehst, so ist dies keine Trennung, wenn aber: dreißig Tage, so ist dies eine Trennung. –
יא ורבי יוסי הגלילי מכרת כריתות קא נפקא ליה ורבנן כרת כריתות לא משמע להו
11 Und R. Jose der Galiläer!? – Er entnimmt dies aus [dem Worte] <i>Trennung</i>. – Und die Rabbanan!? – Ihnen leuchtet die Auslegung aus [dem Worte] <i>Trennung</i> nicht ein.
יב חדא מחדא לא אתיא תיתי חדא מתרתי הי תיתי לא ליכתוב רחמנא בשטר ותיתי מהנך מה להנך שכן הנאתן מרובה
12 Wenn auch eines von einem nicht zu folgern ist, so sollte doch eines von zweien gefolgert werden!? – Welches sollte gefolgert werden: wenn der Allbarmherzige es von der Urkunde nicht geschrieben hätte und man bezüglich dieser von jenen folgern wollte, so wäre zu erwidern: wohl durch jene, weil sie einen bedeutenden Genuß gewähren.
יג לא ניכתוב רחמנא בביאה ותיתי מהנך מה להנך שכן קנינן מרובה
13 Wenn der Allbarmherzige es vom Beischlafe nicht geschrieben hätte und man bezüglich dessen von jenen folgern wollte, so wäre zu erwidern: wohl durch jene, weil die Erwerbung durch sie eine vielfache ist.
יד לא ניכתוב רחמנא בכסף ותיתי מהנך מה להנך שכן ישנן בע"כ
14 Und wenn der Allbarmherzige es vom Gelde nicht geschrieben hätte und man bezüglich dessen von jenen folgern wollte, so wäre zu erwidern:
טו וכ"ת כסף נמי בע"כ באמה העבריה באישות מיהא לא אשכחן:
15 wohl durch jene, da sie auch gegenwillig zur Anwendung kommen. Wolltest du entgegnen, auch das Geld komme gegenwillig zur Anwendung, bei der hebräischen Magd, so ist dies immerhin beim Ehegesetze nicht der Fall.
טז אמר רב הונא חופה קונה מקל וחומר ומה כסף שאינו מאכיל בתרומה קונה חופה שמאכלת בתרומה אינו דין שתקנה
16 R. Hona sagte: [Durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere ist zu folgern, daß durch das Brautgemach eine Aneignung erfolge: wenn durch das Geld, das nicht zum Essen von Hebe berechtigt, eine Aneignung erfolgt, um wieviel mehr erfolgt eine Aneignung durch das Brautgemach, das zum Essen von Hebe berechtigt. –
יז וכסף אינו מאכיל והאמר עולא דבר תורה ארוסה בת ישראל אוכלת בתרומה שנאמר (ויקרא כב, יא) וכהן כי יקנה נפש קנין כספו והאי קנין כספו הוא
17 Berechtigt denn das Geld nicht zum Essen von Hebe, U͑la sagte ja, daß nach der Tora eine verlobte Jisraélitin Hebe essen dürfe, denn es heißt: <i>wenn ein Priester eine Seele erwirbt, für sein Geld gekauft,</i> und diese ist für sein Geld gekauft,
יח ומה טעם אמרו אינה אוכלת גזירה שמא ימזגו לה כוס בבית אביה ותשקנו לאחיה ולאחותיה
18 nur sagten sie deshalb, daß sie nicht essen dürfe, weil berücksichtigt wird, man könnte ihr im Hause ihres Vaters einen Becher einschenken und sie ihn ihrem Bruder oder ihrer Schwester zu trinken geben!? –
יט אלא פריך הכי ומה כסף שאינו גומר קונה
19 Vielmehr, man folgere wie folgt: wenn durch das Geld, durch das keine Vollendung erfolgt, eine Aneignung erfolgt,