Kiddushin 95

Kapitel 95

א המוכר שטר חוב לחבירו וחזר ומחלו מחול ואפי' יורש מוחל דמר אית ליה דשמואל ומר לית ליה דשמואל
1 Wenn jemand seinem Nächsten einen Schuldschein verkauft und darauf [auf die Schuld] verzichtet hat, so ist der Verzicht gültig, und auch der Erbe kann verzichten. Einer ist der Ansicht Šemuéls und einer ist nicht der Ansicht Šemuéls.
ב ואיבעית אימא דכ"ע אית להו דשמואל והכא באשה קמיפלגי מר סבר אשה סמכה דעתה מימר אמרה לא שביק ליה לדידי ומחל ליה לאחריני ומר סבר אשה נמי לא סמכה דעתה
2 Wenn du aber willst, sage ich: alle sind der Ansicht Šemuéls und sie streiten nur über eine Frau; einer ist der Ansicht, sie verlasse sich darauf, denn sie sagt, er werde nicht sie schädigen und zu Gunsten anderer verzichten, und einer ist der Ansicht, auch eine Frau verlasse sich nicht darauf. –
ג במלוה על פה במאי פליגי בדרב הונא אמר רב דאמר רב הונא אמר רב מנה לי בידך תנהו לפלוני במעמד שלשתן קנה
3 Worin besteht ihr Streit über das mündliche Darlehen? – In einer Lehre R. Honas im Namen Rabhs, denn R. Hona sagte im Namen Rabhs: [Wenn jemand zu einem gesagt hat:] ich habe bei dir eine Mine, gib sie diesem, so hat dieser sie, wenn sie alle drei beisammen sind, erworben.
ד מר סבר כי קאמר רב ה"מ בפקדון אבל מלוה לא ומר סבר לא שנא מלוה ולא שנא פקדון
4 Einer ist der Ansicht, Rabh sage es nur von einem Depositum und nicht von einem Darlehen, und einer ist der Ansicht, einerlei ob Darlehen oder Depositum.
ה נימא כתנאי התקדשי לי בשטר ר"מ אומר אינה מקודשת ור' אלעזר אומר מקודשת וחכ"א שמין את הנייר אם יש בו שוה פרוטה מקודשת ואם לאו אינה מקודשת
5 Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten. [Wenn er zu ihr gesagt hat:] sei mir mit der Urkunde angetraut, so ist sie ihm, wie R. Meír sagt, nicht angetraut, und wie R. Elea͑zar sagt, angetraut. Die Weisen sagen, man schätze das Papier; hat es den Wert einer Peruṭa, so ist sie ihm angetraut, wenn aber nicht, so ist sie ihm nicht angetraut,
ו האי שטר ה"ד אילימא שט"ח דאחרים קשיא דר"מ אדר"מ אלא בשט"ח דידה ובמקדש במלוה קא מיפלגי
6 Von welcher Urkunde wird hier gesprochen, wenn von einem Schuldschein auf andere, so befindet sich ja R. Meír in einem Widerspruche; doch wohl mit einem Schuldschein auf sie selbst, und sie streiten über die Antrauung mit einem Darlehen.
ז א"ר נחמן בר יצחק הכא במאי עסקינן כגון שקדשה בשטר שאין עליו עדים
7 R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er sie sich mit einer [Antrauungs]urkunde ohne Zeugenunterschriften angetraut hat.
ח ור"מ לטעמיה דאמר עדי חתימה כרתי ור' אלעזר לטעמי' דאמר עדי מסירה כרתי ורבנן מספקא להו אי כר"מ אי כרבי אלעזר הלכך שמין את הנייר אם יש בו שוה פרוטה מקודשת ואם לאו אינה מקודשת
8 R. Meír vertritt hierbei seine Ansicht, die Trennung erfolge durch die Zeugen der Unterschrift, R. Elea͑zar vertritt seine Ansicht, die Trennung erfolge durch die Zeugen der Übergabe, und den Rabbanan ist es zweifelhaft, ob nach R. Meír oder nach R. Elea͑zar zu entscheiden sei, daher schätze man das Papier; hat es den Wert einer Peruṭa, so ist sie ihm angetraut, wenn aber nicht, so ist sie ihm nicht angetraut.
ט ואיבעית אימא כגון שכתבו שלא לשמה ובדר"ל קמיפלגי דבעי ר"ל שטר אירוסין שכתבו שלא לשמה מהו הויה ליציאה מקשינן מה יציאה בעינן לשמה אף הויה נמי בעינן לשמה או דלמא הויות להדדי מקשינן מה הויה דכסף לא בעינן לשמה אף הויה דשטר לא בעינן לשמה
9 Wenn du willst, sage ich: wenn er [die Antrauungs]urkunde nicht auf ihren Namen geschrieben hat, und sie streiten über eine Lehre des Reš Laqiš, denn Res Laqiš fragte: Wie ist es, wenn er die Antrauungsurkunde nicht auf ihren Namen geschrieben hat: vergleichen wir die Antrauung mit der Scheidung, wie die Scheidung auf ihren Namen erfolgen muß, ebenso muß auch die Antrauung auf ihren Namen erfolgen, oder aber sind die Antrauungen mit einander zu vergleichen, wie die Antrauung durch Geld nicht auf ihren Namen zu erfolgen braucht, ebenso braucht auch die Antrauung durch eine Urkunde nicht auf ihren Namen zu erfolgen?
י בתר דבעיא הדר פשטה (דברים כד, ב) ויצאה והיתה מקיש הויה ליציאה מר אית ליה דר"ל ומר לית ליה דר"ל
10 Nachdem er es gefragt hatte, entschied er es: [es heißt:] <i>sie gehe fort und sei</i>, womit er die Antrauung mit der Scheidung vergleicht. Einer ist der Ansicht des Reš Laqiš und der andere ist nicht der Ansicht des Reš Laqiš.
יא ואי בעית אימא דכ"ע אית להו דר"ל והכא במאי עסקינן שכתבו לשמה ושלא מדעתה ובפלוגתא דרבא ורבינא ורב פפא ורב שרביא קמיפלגי דאיתמר כתבו לשמה ושלא מדעתה רבא ורבינא אמרי מקודשת רב פפא ורב שרביא אמרי אינה מקודשת
11 Wenn du aber willst, sage ich: alle sind der Ansicht des Reš Laqiš, und hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er [die Urkunde] auf ihren Namen ohne ihr Einvernehmen geschrieben hat, und sie führen den Streit von Raba und Rabina mit R. Papa und R. Serebja, denn es wurde gelehrt: Wenn er sie auf ihren Namen ohne ihr Einvernehmen geschrieben hat, so ist sie ihm, wie Raba und Rabina sagen, angetraut, und wie R. Papa und R. Serebja sagen, nicht angetraut.
יב נימא כהני תנאי דתניא עשה לי שירים נזמים וטבעות ואקדש אני לך כיון שעשאן מקודשת דברי רבי מאיר וחכ"א אינה מקודשת עד שיגיע ממון לידה
12 Es wäre anzunehmen, daß hierüber folgende Tannaím streiten: [Sagte sie zu ihm:] mache mir Armbänder, Nasenringe, Fingerringe, und ich will dir angetraut sein, so ist sie ihm, sobald er sie gemacht hat, angetraut – so R. Meír; die Weisen sagen, sie sei ihm nicht eher angetraut, als bis eine Wertsache in ihren Besitz gekommen ist.
יג האי ממון ה"ד אילימא אותו ממון מכלל דת"ק סבר אפי' אותו ממון נמי לא אלא במאי בו מקדשא אלא לאו בממון אחר ושמע מינה במקדש במלוה קמיפלגי
13 Welche Wertsache: wollte man sagen, diese Wertsache, so wäre ja der erste Autor der Ansicht, auch diese Wertsache sei nicht erforderlich, womit sollte sie ihm denn angetraut sein!? Doch wohl mit einer anderen Wertsache, und sie streiten über die Antrauung mit einem Darlehen.
יד וסברי דכ"ע ישנה לשכירות מתחלה [ועד] סוף והוה מלוה מאי לאו בהא קמיפלגי דמר סבר המקדש במלוה מקודשת ומר סבר המקדש במלוה אינה מקודשת
14 Sie glaubten, beide seien der Ansicht, der Arbeitslohn sei von Beginn [der Arbeit] bis zur Beendigung fällig, sodaß er als Darlehen gilt, somit besteht ihr Streit wahrscheinlich in folgendem: einer ist der Ansicht, die Antrauung mit einem Darlehen sei gültig, und einer ist der Ansicht, die Antrauung mit einem Darlehen sei ungültig. –
טו לא דכולי עלמא מקדש במלוה אינה מקודשת והכא בישנה לשכירות מתחלה ועד סוף קמיפלגי מר סבר
15 Nein, alle sind der Ansicht, die Antrauung mit einem Darlehen sei ungültig, und hier streiten sie, ob der Arbeitslohn von Beginn bis zur Beendigung fällig ist;