Megillah 30

Kapitel 30

א בפרוזבוטי אמר רב פפא וקרו ליה עבדא דמזדבן בטלמי
1 R. Papa sagte: Man nannte ihn einen Sklaven, der sich um einen Laib Brot verkaufte.
ב וכל זה איננו שוה לי מלמד שכל גנזיו של אותו רשע חקוקין על לבו ובשעה שרואה את מרדכי יושב בשער המלך אמר כל זה איננו שוה לי
2 <i>Aber dies alles genügt mir nicht</i>; dies lehrt, daß alle Schätze dieses Frevlers ihm auf dem Herzen gezeichnet waren, und wenn er Mordekhaj am königlichen Tore sitzen sah, sprach er: <i>Dies alles genügt mir nicht</i>.
ג ואמר ר' אלעזר אמר רבי חנינא עתיד הקב"ה להיות עטרה בראש כל צדיק וצדיק שנאמר (ישעיהו כח, ה) ביום ההוא יהיה ה' צבאות לעטרת צבי [וגו'] מאי לעטרת צבי ולצפירת תפארה לעושין צביונו ולמצפין תפארתו יכול לכל ת"ל לשאר עמו למי שמשים עצמו כשירים
3 Ferner sagte R. Elea͑zar im Namen R. Ḥaninas: Dereinst wird der Heilige, gepriesen sei er, eine Krone auf dem Haupte eines jeden Frommen sein, denn es heißt: <i>an jenem Tage wird der Herr der Heerscharen eine Krone der Herrlichkeit sein &amp;c</i>. Was bedeutet: <i>Krone der Herrlichkeit und prächtiger Stirnreif</i>? Für die, die seinen Willen tun und auf seine Pracht hoffen. Man könnte glauben, für jeden, so heißt es: <i>dem Reste seines Volkes</i>; nur für den, der sich als Überrest betrachtet.
ד ולרוח משפט זה הדן את יצרו וליושב על המשפט זה הדן דין אמת לאמתו ולגבורה זה המתגבר על יצרו משיבי מלחמה שנושאין ונותנין במלחמתה של תורה שערה [אלו ת"ח] שמשכימין ומעריבין בבתי כנסיות ובבתי מדרשות
4 <i>Und Gesinnung der Gerechtigkeit</i>, der seinen Trieb richtet. <i>Der zu Gerichte sitzt</i>, der der Wahrheit gemäß Recht spricht: <i>Und Heldenkraft</i>, der seinen Trieb besiegt. <i>Die Angriffe zurückschlagen</i>, die sich mit dem Kampfe in der Tora befassen. <i>Zum Tore hinaus</i>, das sind die Schriftgelehrten, die morgens früh und abends spät in den Bet- und Lehrhäusern weilen.
ה אמרה מדת הדין לפני הקב"ה רבונו של עולם מה נשתנו אלו מאלו אמר לה הקדוש ברוך הוא ישראל עסקו בתורה אומות העולם לא עסקו בתורה
5 Die Eigenschaft des Rechtes sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, womit sind diese anders als jene!? <i>Auch diese wanken vom Weine und taumeln vom Rauschtrank; sie schwanken beim Urteilen</i>.
ו אמר ליה גם אלה ביין שגו ובשכר תעו פקו פליליה אין פקו אלא גיהנם שנאמר (שמואל א כה, לא) ולא תהיה זאת לך לפוקה ואין פליליה אלא דיינין שנאמר (שמות כא, כב) ונתן בפלילים
6 Schwanken deutet auf das Fegefeuer, denn es heißt: <i>dies soll dich nicht zum Schwanken veranlassen</i>; Urteilen [pelilija] deutet auf die Richter, denn es heißt: <i>nach Angabe der Richter [pelilim]</i>.
ז ותעמד בחצר בית המלך הפנימית א"ר לוי כיון שהגיעה לבית הצלמים נסתלקה הימנה שכינה אמרה (תהלים כב, ב) אלי אלי למה עזבתני שמא אתה דן על שוגג כמזיד ועל אונס כרצון
7 <i>Und stellte sich in den inneren Vorhof des königlichen Palastes</i>. R. Levi sagte: Als sie an das Götzenhaus herangereicht war, wich die Göttlichkeit von ihr, denn es heißt: <i>mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen</i>!? Richtest du das Versehentliche wie das Vorsätzliche, das Erzwungene wie das Freiwillige!?
ח או שמא על שקראתיו כלב שנאמר (תהלים כב, כא) הצילה מחרב נפשי מיד כלב יחידתי חזרה וקראתו אריה שנאמר (תהלים כב, כב) הושיעני מפי אריה
8 Oder vielleicht deshalb, weil ich ihn einen Hund nannte!? Denn es heißt: <i>Errette mich vom Schwerte, aus Hundegewalt meine Einsame</i>. Hierauf nannte sie ihn einen Löwen, wie es heißt: <i>hilf mir aus dem Rachen des Löwen</i>.
ט ויהי כראות המלך את אסתר המלכה אמר רבי יוחנן ג' מלאכי השרת נזדמנו לה באותה שעה אחד שהגביה את צוארה ואחד שמשך חוט של חסד עליה ואחד שמתח את השרביט
9 <i>Als nun der König die Königin Ester stehen sah</i>. R. Joḥanan sagte: In dieser Stunde stellten sich ihr drei Dienstengel ein; einer hob ihren Hals hoch, einer überzog sie mit Anmut und einer dehnte das Szepter aus. –
י וכמה אמר רבי ירמיה שתי אמות היה והעמידו על שתים עשרה ואמרי לה על שש עשרה ואמרי לה על עשרים וארבע במתניתא תנא על ששים וכן אתה מוצא באמתה של בת פרעה וכן אתה מוצא בשיני רשעים דכתיב (תהלים ג, ח) שיני רשעים שברת ואמר ריש לקיש אל תקרי שברת אלא שריבבת רבה בר עופרן אמר משום ר"א ששמע מרבו ורבו מרבו מאתים
10 Wieviel? R. Jirmeja erwiderte: Es war zwei Ellen lang und er dehnte es auf zwölf Ellen aus. Manche sagen, auf sechzehn, manche sagen, auf vierundzwanzig, und in einer Barajtha wird gelehrt, auf sechzig. Ebenso geschah es mit dem Arme der Tochter des Pareo͑und ebenso geschah es mit den Zähnen der Frevler, von denen es heißt: <i>die Zähne der Frevler hast du zerbrochen</i>, worüber Reš Laqiš sagte, man lese nicht <i>šibarta</i> [zerbrochen], sondern <i>širbabta</i> [ausgedehnt]. Rabba b. O͑phran sagte im Namen R. Elea͑zars, der es von seinem Lehrer hörte, und sein Lehrer von seinem Lehrer: Zweihundert [Ellen].
יא ויאמר לה המלך לאסתר המלכה מה בקשתך עד חצי המלכות ותעש חצי המלכות ולא כל המלכות ולא דבר שחוצץ למלכות ומאי ניהו בנין בית המקדש
11 <i>Und der König sprach zur Königin Ester: Was ist dein Verlangen; bis zur Hälfte des Königreiches, es soll geschehen</i>! Bis zur Hälfte des Königreiches, nicht aber das ganze Königreich, auch nicht das, was das Königreich behindern könnte, nämlich der Bau des Tempels.
יב יבא המלך והמן אל המשתה ת"ר מה ראתה אסתר שזימנה את המן ר"א אומר פחים טמנה לו שנאמר (תהלים סט, כג) יהי שלחנם לפניהם לפח
12 <i>So möge der König samt Haman zum Gastmahle kommen</i>. Die Rabbanan lehrten: Was veranlaßte Ester, Haman einzuladen? R. Eliézer erklärte: Sie wollte ihm eine Schlinge legen, denn es heißt: <i>möge ihr Tisch vor ihnen zur Schlinge werden</i>.
יג ר' יהושע אומר מבית אביה למדה שנאמר (משלי כה, כא) אם רעב שונאך האכילהו לחם וגו' ר"מ אומר כדי שלא יטול עצה וימרוד
13 R. Jehošua erklärte: Sie hatte es in ihrem väterlichen Hause gelernt, denn es heißt: <i>ist dein Feind hungrig, so speise ihn mit Brot</i>. R. Meír erklärte: Damit er sich nicht Rat hole und sich [gegen den König] auflehne.
יד ר' יהודה אומר כדי שלא יכירו בה שהיא יהודית ר' נחמיה אומר כדי שלא יאמרו ישראל אחות יש לנו בבית המלך ויסיחו דעתן מן הרחמים ר' יוסי אומר כדי שיהא מצוי לה בכל עת ר"ש בן מנסיא אומר אולי ירגיש המקום ויעשה לנו נס
14 R, Jehuda erklärte: Damit man nicht merke, daß sie Jüdin sei. R. Neḥemja erklärte: Damit die Jisraéliten nicht sagen: wir haben im königlichen Palaste eine Schwester und so ihre Gedanken vom [göttlichen] Erbarmen abwenden. R. Jose erklärte: Damit sie ihn stets vor sich habe. R. Šimo͑n b. Menasja erklärte: Damit Gott dies beachte und ein Wunder geschehen lasse.
טו רבי יהושע בן קרחה אומר אסביר לו פנים כדי שיהרג הוא והיא רבן גמליאל אומר מלך הפכפכן היה אמר רבי גמליאל עדיין צריכין אנו למודעי דתניא ר' אליעזר המודעי אומר קנאתו במלך קנאתו בשרים
15 R. Jehošua͑ b. Qorḥa erklärte: Sie wollte ihm ein freundliches Gesicht zeigen, damit er und sie getötet würden. R. Gamliél erklärte: Er war ein leichtsinniger Herrscher. R. Gamliél sprach: Wir brauchen immer noch des Modäers. Es wird nämlich gelehrt: R. Elie͑zer aus Modai͑m erklärte: Sie machte den König eifersüchtig und sie machte die Fürsten eifersüchtig.
טז רבה אמר (משלי טז, יח) לפני שבר גאון אביי ורבא דאמרי תרוייהו (ירמיהו נא, לט) בחומם אשית את משתיהם וגו' אשכחיה רבה בר אבוה לאליהו א"ל כמאן חזיא אסתר ועבדא הכי א"ל ככולהו תנאי וככולהו אמוראי
16 Rabba erklärte: <i>Dem Sturze geht Stolz voran</i>. Abajje und Raba erklärten: <i>Wenn sie glühen, will ich ihnen ein Mahl bereiten &amp;c</i>. Rabba b. Abuha traf Elijahu und fragte ihn, welche Absichten von all diesen Ester wirklich hatte. Dieser erwiderte: Alle von den Tannaím und Amoraím genannten.
יז ויספר להם המן את כבוד עשרו ורוב בניו וכמה רוב בניו אמר רב ל' עשרה מתו ועשרה נתלו ועשרה מחזרין על הפתחים
17 <i>Haman erzählte ihnen von seinem gewaltigen Reichtume und der Menge seiner Söhne</i>. Wieviel Söhne hatte er? Rabh erwiderte: Dreißig; zehn starben, zehn wurden aufgehängt und zehn gingen betteln.
יח ורבנן אמרי אותן שמחזרין על הפתחים שבעים הויא דכתיב (שמואל א ב, ה) שבעים בלחם נשכרו אל תקרי שבעים אלא שבעים
18 Die Rabbanan sagten: Siebzig gingen betteln, denn es heißt: <i>Satte vermieteten sich um Brot</i>, und man lese nicht <i>sebei͑m</i> [Satte], sondern <i>sibhi͑m</i> [siebzig].
יט ורמי בר אבא אמר כולן מאתים ושמונה הוו שנאמר ורוב בניו ורוב בגימטריא מאתן וארביסר הוו אמר רב נחמן בר יצחק ורב כתיב
19 Rami b. Abba sagte: Zusammen hatte er zweihundertundacht, denn es heißt: <i>und die Menge [νerob]</i> <i>seiner Söhne</i>. – Das Wort <i>verob</i> beträgt ja zweihundertundvierzehn!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Die Schreibweise ist [defektiv] <i>verob</i>.
כ בלילה ההוא נדדה שנת המלך אמר רבי תנחום נדדה שנת מלכו של עולם ורבנן אמרי נדדו עליונים נדדו תחתונים רבא אמר שנת המלך אחשורוש ממש
20 <i>In jener Nacht floh der Schlaf des Königs</i>. R. Tanḥum sagte: Der Schlaf des Königs der Welt. Die Rabbanan sagten: Der der Oberen und der der Unteren. Raba sagte: Einfach, der Schlaf des Königs Aḥašveroš.
כא נפלה ליה מילתא בדעתיה אמר מאי דקמן דזמינתיה אסתר להמן דלמא עצה קא שקלי עילויה דההוא גברא למקטליה הדר אמר אי הכי לא הוה גברא דרחים לי דהוה מודע לי הדר אמר דלמא איכא איניש דעבד בי טיבותא ולא פרעתיה משום הכי מימנעי אינשי ולא מגלו לי מיד ויאמר להביא את ספר הזכרונות דברי הימים
21 Es fiel ihm nämlich ein: Was hat es zu bedeuten, daß Ester den Haman einlud? Sie planen wahrscheinlich einen Anschlag gegen mich. Dann dachte er: Ich habe also gar keinen Freund, der es mir mitteilt! Weiter dachte er: Vielleicht gibt es jemand, der mir Gutes getan hat, dem ich es aber nicht belohnt habe, und deshalb unterlassen es die Leute, mich in Kenntnis zu setzen. <i>Da befahl er das Buch der geschichtlichen Denkwürdigkeiten herbeizubringen</i>.
כב ויהיו נקראים מלמד שנקראים מאיליהן וימצא כתוב כתב מבעי ליה מלמד
22 <i>Und sie wurden vorgelesen</i>. Dies lehrt, daß sie sich von selbst gelesen haben. <i>Da fand es sich aufgezeichnet</i>. Es sollte ja heißen: daß aufgezeichnet war!?