Nazir 22

Kapitel 22

א רישא כגון דנזר מחדא לרבנן דאמרי דאפי' לא נזר אלא מאחת מהן הוי נזיר ואסור לר' שמעון דאמר עד שיזיר מכולם מותר
1 Im ersten Falle, wo das Gelübde sich auf das eineerstreckt, ist es ihm nach den Rabbanan, welche sagen, er sei Nazir, auch wenn er sich nur einem entzogen hat, verboten, und nach R. Šimo͑n, welcher sagt, nur wenn er sich allem entzogen hat, erlaubt;
ב סיפא דנדר מכולהו ואיתשיל מחדא
2 im letzten Falle, wo er sich alles abgelobt hat und das Gelübde hinsichtlich des einen auflösen lassenwill,
ג לרבנן דאמרי אפילו לא נזר אלא מאחת מהן הוי נזיר כי מתשיל מחדא מינייהו אישתרי לרבי שמעון דאמר עד שיזיר מכולם כי מתשיל נמי מההוא עד דמתשיל מכולהו משום הכי קתני ור"ש אוסר
3 ist es ihm nach den Rabbanan, welche sagen, er sei Nazir, auch wenn er sich nur einem entzogen hat, da er es sich hinsichtlich des einen auflösen läßt, erlaubt, nach R. Šimo͑n aber, welcher sagt, nur wenn er sich allem entzogen hat, ist, wenn er es hinsichtlich des einen auflösen läßt, [die Auflösung nur dann gültig,] wenn er es vollständig auflösen läßt. Daher lehrt er: nach R. Šimo͑n verboten.
ד ואב"א בנדרי אונסין קא מיפלגי ובפלוגתא דשמואל ורב אסי דתנן ארבעה נדרים התירו חכמים נדרי זירוזין נדרי הבאי נדרי שגגות נדרי אונסין
4 Wenn du aber willst, sage ich: sie streiten über das Zwangsgelübde. Sie führen denselben Streit wie Šemuél und R. Asi, denn wir haben gelernt: Vier Gelöbnisschwüre erklärten die Weisen als aufgelöst: Anspornungsgelübde, Übertreibungsgelübde, irrtümliche Gelübde und Zwangsgelübde.
ה ואמר רב יהודה אמר רב אסי ארבעה נדרים הללו צריכין שאלה לחכמים כי אמריתה קמיה דשמואל אמר לי תנא קתני התירו חכמים ואת אמרת צריכין שאלה לחכמים
5 Hierzu sagte R. Jehuda: R. Asi sagte, diese vier Gelübde benötigen der Auflösung durch einen Gelehrten. Als ich dies Šemuél vortrug, sprach er zu mir: Der Autor lehrt, die Weisen erklärten sie als aufgelöst, und du sagst, sie benötigen der Auflösung durch einen Gelehrten!?
ו רבנן סברי כשמואל ור"ש כרב אסי:
6 Die Rabbanan sind der Ansicht Šemuéls und R. Šimo͑n der Ansicht R. Asis.
ז <big><strong>מתני׳</strong></big> הריני נזיר ועלי לגלח נזיר ושמע חבירו ואמר ואני ועלי לגלח נזיר אם היו פקחים מגלחין זה את זה ואם לאו מגלחין נזירים אחרים:
7 <b>W</b><small>ENN JEMAND SAGT</small>:] <small>ICH WILL</small> N<small>AZIR SEIN UND NEHME AUF MICH DIE</small> H<small>AARSCHUR</small><small>FÜR EINEN</small> N<small>AZIR, UND EIN ANDERER DIES HÖRT UND SAGT: AUCH ICH, UND NEHME AUF MICH DIE</small> H<small>AARSCHUR FÜR EINEN</small> N<small>AZIR, SO KÖNNEN SIE, WENN SIE GESCHEIT SIND, SICH FÜR EINANDER SCHEREN, SONST ABER MÜSSEN SIE SICH FÜR ANDERE</small> N<small>AZIRÄER SCHEREN</small>.
ח <big><strong>גמ׳</strong></big> איבעיא להו שמע חבירו ואמר ואני מהו ואני אכוליה דיבורא משמע או דלמא אפלגיה דדיבורא משמע את"ל אפלגיה דדיבורא משמע ארישא או אסיפא
8 GEMARA. Sie fragten: Wie ist es, wenn ein anderer es hört und sagt: auchich; bezieht sich das ‘auch ich’ auf das ganze [Gelöbnis] oder nur auf die Hälfte? Und bezieht es sich, wenn du entscheidest, es beziehe sich auf die Hälfte, auf den Anfang oder auf den Schluß? –
ט תא שמע ואני ועלי לגלח נזיר אם היו פקחים מגלחין זה את זה מדקאמר ואני ועלי ש"מ ואני אפלגיה דדיבורא אמרי אין אפלגיה דדיבורא משמע מיהו ארישא או אסיפא מינה מדקאמר ועלי לגלח ש"מ ואני על תחילת דיבורא משמע
9 Komm und höre: Auch ich, und nehme auf mich die Haarschur für einen Nazir, so können sie, wenn sie gescheit sind, sich für einander scheren. Da es nun heißt: auch ich, und ich nehme auf mich, so ist zu entnehmen, daß das ‘auch ich’ sich nur auf die Hälfte des [Gelöbnisses] beziehe. – Ich will dir sagen, allerdings bezieht es sich auf die Hälfte, aber auf den Anfang oder auf den Schluß? – Hieraus, da es heißt: und nehme auf mich die Haarschur, ist zu entnehmen, daß das ‘auch ich’ sich auf den Anfang beziehe.
י א"ל רב הונא בריה דרב יהושע לרבא ממאי דהכי לעולם אימא לך ואני אכוליה דדיבורא ואי משום ועלי מאי קאמר ועלי בהא מילתא דאי לא תימא הכי דקתני סיפא הרי עלי לגלח חצי נזיר ושמע חבירו ואמר ואני עלי לגלח חצי נזיר התם מי איכא תרתין מילי אלא מאי קאמר עלי בהא מילתא הכא נמי כי קאמר עלי בהא מילתא
10 R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sprach zu Raba: Woher, daß dem so ist? Tatsächlich, kann ich dir erwidern, bezieht sich das ‘auch ich’ auf das ganze [Gelöbnis], und [die Worte] ‘und nehme auf mich’ beziehen sich ebenfallshierauf. Wie ist, wenn du nicht so erklären wolltest, der Schlußsatz zu verstehen: [Wenn jemand sagt:] ich nehme auf mich die Hälfte der Haarschur für einen Nazir, und ein anderer dies hört und sagt: auch ich, ich nehme auf mich die Hälfte der Haarschur für einen Nazir. Da sind es ja keine zweiDinge!? Da ist also das ‘auf mich’ auf dieselbe Sache zu beziehen, ebenso ist es auch hierbei auf dieselbe Sache zu beziehen.
יא א"ל רבא הכי השתא אי אמרת בשלמא רישא צריכא סיפא לא צריכא תני סיפא דלא צריכא משום רישא דצריכא אלא אי אמרת רישא לא צריכא סיפא לא צריכא תני רישא דלא צריכא ותני סיפא דלא צריכא
11 Raba erwiderte ihm: Was soll dies; allerdings lehrt er es, wenn du sagst, im Anfangsatze sei es nötigund im Schlußsatze sei es nicht nötig, im Schlußsatze unnötig wegen des Anfangssatzes, wo es nötig ist, wozu aber lehrt er es, wenn du sagst, es sei im Anfangsatze unnötig und im Schlußsatze unnötig, unnötig im Anfangsatze und unnötig im Schlußsatze!?
יב אמר ר' יצחק בר יוסף אמר רבי יוחנן האומר לשלוחו
12 R. Jiçḥaq b. Joseph sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn jemand zu seinem Beauftragten gesagt hat,