Pesachim 123

Kapitel 123

א בהאי קרא קמיפלגי (ויקרא א, ד) ונרצה לו לכפר עליו עליו ולא על חבירו רבה סבר חבירו דומיא דידיה מה הוא דבר כפרה אף חבירו דבר כפרה לאפוקי האי ערל דלאו בר כפרה הוא
1 über folgenden Schriftvers:<i>Es wird ihn wohlgefällig machen und ihm Sühne schaffen</i>, ihm, nicht aber seinem Nächsten. Rabba ist der Ansicht: wenn der Nächste ihm gleicht, wie er sühnefähig ist, so auch der Nächste, wenn er sühnefähig ist, ausgenommen der Unbeschnittene, der nicht sühnefähig ist,
ב ורב חסדא סבר האי ערל נמי כיון דבר חיובא הוא בר כפרה הוא [הואיל] דאי בעי מתקן נפשיה
2 und R. Ḥisda ist der Ansicht, auch der Unbeschnittene sei, da ihm die Pflicht obliegt, sühnefähig, weil er sich [durch Beschneidung] befähigt machen kann. –
ג ומי אית ליה לרב חסדא הואיל והא איתמר האופה מיו"ט לחול רב חסדא אמר לוקה רבה אמר אינו לוקה
3 Berücksichtigt denn R. Ḥisda die Eventualität, es wurde ja gelehrt: Wer am Feste für den Wochentag bäckt, erhält, wie R. Ḥisda sagt, Geißelhiebe, und wie Rabba sagt, keine Geißelhiebe.
ד רבה אמר אינו לוקה אמרינן הואיל ואי מקלעי ליה אורחים חזי ליה השתא נמי חזי ליה ולא לקי רב חסדא אמר לוקה לא אמרינן הואיל
4 Rabba sagt, er erhalte keine Geißelhiebe, denn wir sagen, da er, wenn Gäste eintreffen würden, [das Gebäck] gebrauchen könnte, so ist es auch jetzt für ihn brauchbar; er erhält daher keine Geißelhiebe. R. Ḥisda sagt, er erhalte wohl Geißelhiebe, da wir die Eventualität nicht berücksichtigen.
ה בשלמא דרבה אדרבה לא קשיא הכא מחוסר מעשה התם דלא מחוסר מעשה אלא דרב חסדא אדרב חסדא קשיא אמרי כי לית ליה לרב חסדא הואיל לקולא לחומרא אית ליה
5 Allerdings befindet sich Rabba nicht mit sich selbst in einem Widerspruche, denn hierbei fehlt ihm noch eine Handlung, dort aber fehlt ihm keine Handlung, R. Ḥisda aber befindet sich ja mit sich selbst in Widerspruch!? Ich will dir sagen, erleichternd berücksichtigt R. Ḥisda die Eventualität nicht, erschwerend aber wohl.
ו אמר ליה מר זוטרא בריה דרב מרי לרבינא קתני הואיל וערלה פוסלת וטומאה פוסלת מה טומאה לא עשה בה מקצת טומאה ככל טומאה אף ערלה לא עשה מקצת ערלה ככל ערלה האי טומאה היכי דמי אילימא בטומאת גברי ומאי לא עשה בה מקצת טומאה ככל טומאה דאי איכא ארבעה וחמשה גברי טמאין וארבעה וחמשה גברי טהורין לא פסלי להו טמאין לטהורין
6 Mar Zuṭra, Sohn des R. Mari, sprach zu Rabina: Er lehrt: die Unbeschnittenheit macht es untauglich, und die Unreinheit macht es untauglich, wie nun bei der Unreinheit ein Teil nicht als Ganzes gilt, ebenso gilt auch bei der Unbeschnittenheit ein Teil nicht als Ganzes. Von welcher Unreinheit wird hier gesprochen: wollte man sagen, von der Unreinheit der Person; ein Teil der Unreinheit gilt nicht als Ganzes, daß nämlich, wenn vier oder fünf Beteiligte unrein und vier oder fünf Beteiligte rein sind, die unreinen es nicht für die reinen untauglich machen,
ז גבי ערלה נמי הא לא פסלי דתנן למולין ולערלים כשר מאי שנא טומאה דפשיטא ליה ומאי שנא ערלה דמספקא ליה
7 so macht ja in einem solchen Falle auch die Unbeschnittenheit es nicht untauglich, denn wir haben gelernt, daß es, wenn es für Beschnittene und Unbeschnittene [geschlachtet wird], tauglich sei; wieso ist es ihm von der Unreinheit entschieden und von der Unbeschnittenheit fraglich!?
ח אלא בטומאת בשר ומאי לא עשה בה מקצת טומאה ככל טומאה דאילו איטמי חד מאברים האי דאיטמי שרפינן ליה ואידך אכלינן ליה
8 Also von der Unreinheit des Fleisches; ein Teil der Unreinheit gilt nicht als Ganzes, daß man nämlich, wenn eines der Glieder unrein wird, das unreine Glied verbrenne und die übrigen esse.
ט במאי אוקימתא בטומאת בשר אימא סיפא דנין דבר שאינו נוהג בכל הזבחים מדבר שאינו נוהג בכל הזבחים ואל יוכיח זמן שנוהג בכל הזבחים ומאי טומאה אי נימא טומאת בשר אמאי אינו נוהג בכל הזבחים
9 Wie ist demnach, wenn du es auf die Unreinheit des Fleisches beziehst, der Schlußsatz zu erklären: man folgere bezüglich dessen, was nicht bei allen Opfern gilt, von dem, was nicht bei allen Opfern gilt, nicht aber von [der Überschreitung] der Frist, was auch bei allen Opfern gilt. Welche Unreinheit: wollte man sagen, die Unreinheit des Fleisches, wieso gilt dies nicht bei allen Opfern!?
י אלא פשיטא בטומאת גברי ומאי אינו נוהג בכל הזבחים דאילו בכל הזבחים ערל וטמא משלחין קרבנותיהן ואילו בפסח ערל וטמא אין משלחין פסחיהן רישא בטומאת בשר וסיפא בטומאת גברי
10 Doch wohl die Unreinheit der Person, und zwar gilt dies nicht bei allen anderen Opfern, indem der Unbeschnittene und der Unreine jedes andere Opfer schickendürfen, das Pesaḥopfer aber nicht. Der Anfangssatz spricht also von der Unreinheit des Fleisches und der Schlußsatz von der Unreinheit der Person!?
יא א"ל אין שם טומאה קא פריך
11 Dieser erwiderte: Allerdings, er spricht nur von der Bezeichnung ‘Unreinheit’.
יב ואיבעית אימא סיפא נמי בטומאת בשר ומאי אינו נוהג בכל הזבחים דאילו בכל הזבחים בין שנטמא חלב ובשר קיים בין שנטמא בשר וחלב קיים זורק את הדם
12 Wenn du willst, sage ich: der Schlußsatz spricht ebenfalls von der Unreinheit des Fleisches, nur gilt dies bei allen Opfern insofern nicht, als man bei allen Opfern das Blut sprengt, einerlei ob das Fett unrein geworden und das Fleisch erhalten ist, oder das Fleisch unrein geworden und das Fett erhalten ist,
יג ואילו בפסח נטמא חלב ובשר קיים זורק את הדם נטמא בשר וחלב קיים אינו זורק את הדם
13 beim Pesaḥopfer aber sprenge man das Blut nur dann, wenn das Fett unrein geworden und das Fleisch erhalten ist, wenn aber das Fleisch unrein geworden und das Fett erhalten ist, sprenge man das Blut nicht. –
יד במאי אוקימתא בטומאת בשר אימא סיפא דנין דבר שלא הותר מכללו מדבר שלא הותר מכללו ואל תוכיח טומאה שהרי הותרה מכללה במאי אילימא
14 Wie ist, wenn du es auf die Unreinheit des Fleisches beziehest, der Schlußsatz zu erklären: man folgere bezüglich dessen, was aus der Allgemeinheit heraus nicht erlaubt worden ist, von dem, was aus der Allgemeinheit heraus nicht erlaubt worden ist, nicht aber von der Unreinheit, die aus der Allgemeinheit heraus erlaubt worden ist. Welche,