Pesachim 229

Kapitel 229

א מתקיף לה רב חסדא לאחר שמילא כריסו הימנו חוזר ומברך עליה אלא אמר רב חסדא מעיקרא מברך עליה בורא פרי האדמה ועל אכילת מרור ואכיל ולבסוף אכיל אכילת חסא בלא ברכה
1 R. Ḥisda wandte ein: Soll man darüber den Segen sprechen, nachdem man damit den Bauch bereits gefüllt hat!? Vielmehr, sagte R. Ḥisda, zuerst spreche man darüber den Segen ‘Der die Bodenfrucht erschafft’ und den Segen ‘Bitterkraut zu essen’ und esse es, nachher esse man es ohne Segensspruch als Bitterkraut.
ב בסוריא עבדי כרב הונא ורב ששת בריה דרב יהושע עביד כרב חסדא והלכתא כוותיה דרב חסדא רב אחא בריה דרבא מהדר אשאר ירקות לאפוקי נפשיה מפלוגתא
2 In Sura verfuhren sie nach R. Hona, und R. Šešeth, Sohn des R. Jehošua͑, verfuhr nach R. Ḥisda. Die Halakha ist wie R. Ḥisda. R. Aḥa, der Sohn Rabhs, pflegte sich um andere Kräuter zu bemühen, um sich einem Streite zu entziehen.
ג אמר רבינא אמר לי רב משרשיא בריה דרב נתן הכי אמר הלל משמיה דגמרא לא ניכרוך איניש מצה ומרור בהדי הדדי וניכול משום דסבירא לן מצה בזמן הזה דאורייתא ומרור דרבנן ואתי מרור דרבנן ומבטיל ליה למצה דאורייתא
3 Rabina sagte: R. Mešaršeja, Sohn des R. Nathan, erzählte mir, daß Hillel als Überlieferung folgendes lehrte: Man darf nicht Ungesäuertes mit Bitterkraut zusammenlegen und essen, weil wir der Ansicht sind, das Ungesäuerte sei in der Jetztzeit Pflicht der Tora und das Bitterkraut nur rabbanitisch, und das rabbanitische Bitterkraut würde [den Geschmack des] Ungesäuerten, das eine Pflicht der Tora ist, aufheben.
ד ואפילו למ"ד מצות אין מבטלות זו את זו ה"מ דאורייתא בדאורייתא או דרבנן בדרבנן אבל דאורייתא ודרבנן אתי דרבנן ומבטיל ליה לדאוריית'
4 Und auch nach demjenigen, welcher sagt, die Gebote heben einander nicht auf, gilt dies von zwei [Geboten] der Tora oder zwei rabbanitischen, wenn aber eines der Tora und eines rabbanitisch ist, hebt das rabbanitische das der Tora auf.
ה מאן תנא דשמעת לי' מצות אין מבטלות זו את זו הלל היא דתניא אמרו עליו על הלל שהיה כורכן בבת אחת ואוכלן שנאמר (במדבר ט, יא) על מצות ומרורים יאכלוהו
5 Wer ist der Tanna, welcher sagt, die Gebote heben einander nicht auf!? – Es ist Hillel, denn es wird gelehrt: Man erzählt von Hillel, daß er sie zusammenzulegen und zu essen pflegte, denn es heißt:<i>mit Ungesäuertem und Bitterkraut sollen sie es essen</i>.
ו אמר רבי יוחנן חולקין עליו חביריו על הלל דתניא יכול יהא כורכן בבת אחת ואוכלן כדרך שהלל אוכלן תלמוד לומר על מצות ומרורים יאכלוהו אפילו זה בפני עצמו וזה בפני עצמו מתקיף לה רב אשי אי הכי מאי אפילו
6 R. Joḥanan sagte: Die Genossen aber streiten gegen Hillel, denn es wird gelehrt: Man könnte glauben, man lege sie zusammen und esse sie, wie Hillel es zu tun pflegte, so heißt es: <i>mit Ungesäuertem und Bitterkraut sollen sie es essen,</i> auch dieses besonders und jenes besonders. R. Aši wandte ein: Was heißt demnach ‘auch’!?
ז אלא אמר רב אשי האי תנא הכי קתני יכול לא יצא בהו ידי חובתו אא"כ כורכן בבת אחת ואוכלן כדרך שהלל אוכלן תלמוד לומר על מצות ומרורים יאכלוהו אפילו זה בפני עצמו וזה בפני עצמו
7 Vielmehr, erklärte R. Aši, meint es der Tanna wie folgt: man könnte glauben, man genüge seiner Pflicht nur dann, wenn man sie zusammenlegt und ißt, wie Hillel es zu tun pflegte, so heißt es: <i>mit Ungesäuertem und Bitterkraut sollen sie es essen,</i> auch dieses besonders und jenes besonders.
ח השתא דלא איתמר הלכתא לא כהלל ולא כרבנן מברך על אכילת מצה ואכיל והדר מברך על אכילת מרור ואכיל והדר אכיל מצה וחסא בהדי הדדי בלא ברכה זכר למקדש כהלל
8 Da nun die Halakha weder wie Hillel noch wie die Rabbanan gelehrt wurde, so spreche man den Segen ‘Ungesäuertes zu essen’ und esse dieses, sodann spreche man den Segen ‘Bitterkraut zu essen’ und esse dieses, und darauf esse man ohne Segensspruch Ungesäuertes und Lattich zusammen, zur Erinnerung an das [Verfahren] Hillels zur Zeit des Tempels.
ט אמר רבי אלעזר אמר רב אושעיא כל שטיבולו במשקה צריך נטילת ידים אמר רב פפא שמע מינה האי חסא
9 R. Elea͑zar sagte im Namen R. Oša͑jas: Alles, was in eine Flüssigkeit getunkt wird, erfordert das Händewaschen. R. Papa sprach: Hieraus ist zu entnehmen, daß man den Lattich