Sanhedrin 14

Kapitel 14

א שנאמר (שיר השירים ג, ז) הנה מטתו שלשלמה ששים גבורים סביב לה מגבורי ישראל כולם אחוזי חרב מלומדי מלחמה איש חרבו על יריכו מפחד בלילות מפחדה של גיהנם שדומה ללילה
1 denn es heißt: <i>siehe, das ist das</i> <i>Bett Šelomos, sechzig Helden, von den Helden Jisraéls, umringen dasselbe; sie alle mit der Hand am Schwerte, im Kampfe erfahren; jeder mit dem Schwerte an der Hüfte, wegen nächtlichen Grauens</i>; wegen des Grauens vor der Hölle, die der Nacht gleicht.
ב דרש ר' יאשיה ואיתימא רב נחמן בר יצחק מאי דכתיב (ירמיהו כא, יב) בית דוד כה אמר ה' דינו לבקר משפט והצילו גזול מיד עושק וכי בבקר דנין וכל היום אין דנין אלא אם ברור לך הדבר כבקר אמרהו ואם לאו אל תאמרהו ר' חייא בר אבא א"ר יונתן מהכא (משלי ז, ד) אמור לחכמה אחותי את אם ברור לך הדבר כאחותך שהיא אסורה לך אומרהו ואם לאו אל תאמרהו
2 R. Jošija, nach anderen R. Naḥman b. Jiçḥaq, trug vor: Es heißt: <i>Haus Davids, so spricht der Herr: Haltet alle Morgen gerechtes Gericht und rettet den Beraubten aus der Hand des Bedrückers</i>. Hält man denn nur am Morgen Gericht, und nicht während des ganzen Tages? Vielmehr, ist dir die Sache klar wie der Morgen, so sage es, wenn aber nicht, so sage es nicht. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Jonathans: Hieraus: <i>sprich zur Weisheit: du bist meine Schwester</i>; ist es dir klar, wie es dir klar ist, daß deine Schwester dir verboten ist, so sage es, wenn aber nicht, so sage es nicht.
ג אמר ר' יהושע בן לוי עשרה שיושבין בדין קולר תלוי בצואר כולן פשיטא לא צריכא אלא לתלמיד היושב לפני רבו
3 R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Wenn zehn zu Gericht sitzen, so hängen ihnen allen Halsfesseln um den Hals. – Selbstverständlich!? – Dies bezieht sich auf einen Schüler, der vor seinem Lehrer sitzt.
ד רב הונא כי הוה אתי דינא לקמיה מיכניף ומייתי עשרה רבנן מבי רב אמר כי היכי דלימטיי' שיבא מכשורא רב אשי כי הוה אתי טריפתא לקמיה מכניף ומייתי להו לכולהו טבחי דמתא מחסיא אמר כי היכי דלימטיין שיבא מכשורא
4 Wenn vor R. Hona eine Gerichtsverhandlung kam, versammelte er bei sich zehn Jünger aus dem Lehrhause, indem er sagte: Damit uns nur ein Span vom Balken treffe. Wenn vor R. Aši ein Totverletztes gebracht wurde, versammelte er sämtliche Schlächter von Matha Meḥasja bei sich, indem er sagte: Damit uns nur ein Span vom Balken treffe.
ה כי אתא רב דימי אמר דרש רב נחמן בר כהן מאי דכתיב (משלי כט, ד) מלך במשפט יעמיד ארץ ואיש תרומות יהרסנה אם דיין דומה למלך שאינו צריך לכלום יעמיד ארץ ואם דומה לכהן שמחזר בבית הגרנות יהרסנה
5 Als R. Dimi kam, erzählte er, R. Naḥman b. Kahan habe vorgetragen: Es heißt: <i>ein König gibt durch Recht dem Lande Bestand, wer aber Abgaben häuft, richtet es zugrunde</i>; gleicht der Richter einem Könige, der nichts braucht, so gibt er dem Lande Bestand, gleicht er aber einem Priester, der durch die Tennen wandert, so richtet er es zugrunde.
ו דבי נשיאה אוקמו דיינא דלא הוה גמיר א"ל ליהודה בר נחמני מתורגמניה דריש לקיש קום עליה באמורא קם גחין עליה ולא א"ל ולא מידי
6 Im Hause des Fürsten stellten sie einst einen Richter an, der nichts gelernt hatte, und sie sprachen zu Jehuda b. Naḥmani, dem Dolmetsch des Reš Laqiš: Stelle dich ihm als Dolmetsch [zur Seite]. Dieser stellte sich neben ihn und bückte sich; jener aber sprach nichts.
ז פתח ואמר (חבקוק ב, יט) הוי אומר לעץ הקיצה עורי לאבן דומם הוא יורה הנה הוא תפוש זהב וכסף וכל רוח אין בקרבו ועתיד הקב"ה ליפרע ממעמידין שנאמר (חבקוק ב, כ) וה' בהיכל קדשו הס מפניו כל הארץ
7 Da begann er und sprach: <i>Wehe über den, der zum Holze spricht: erwache, zum stummen Steine: rege dich. Sollte er lehren? Ist er doch in Gold und Silber gefaßt und keinerlei Geist belebt sein Inneres</i>. Dereinst wird aber der Heilige, gepriesen sei er, denjenigen heimzahlen, die solche anstellen, denn es heißt: <i>aber der Herr ist in seinem heiligen Tempel, vor ihm schweige die ganze Erde</i>.
ח אמר ריש לקיש כל המעמיד דיין (על הציבור) שאינו הגון כאילו נוטע אשירה בישראל שנאמר (דברים טז, יח) שופטים ושוטרים תתן לך וסמיך ליה (דברים טז, כא) לא תטע לך אשירה כל עץ אמר רב אשי ובמקום שיש תלמידי חכמים כאילו נטעו אצל מזבח שנאמר (דברים טז, כא) אצל מזבח ה' אלהיך
8 Reš Laqiš sagte: Wenn jemand einen unwürdigen Richter über die Gemeinde einsetzt, so ist es ebenso, als hätte er eine Ašera in Jisraél gepflanzt, denn es heißt: <i>Richter und Amtsleute sollst du dir einsetzen</i>, und darauf folgt: <i>du sollst dir keine Ašera von irgend welchem Holze pflanzen</i>. R. Aši sagte: Sind in diesem Orte Schriftgelehrte vorhanden, so ist es ebenso, als hätte er sie neben einen Altar gepflanzt, denn es heißt: <i>neben den Altar des Herrn, deines Gottes</i>.
ט כתיב (שמות כ, כג) לא תעשון אתי אלהי כסף ואלהי זהב אלהי כסף ואלהי זהב הוא דלא עבדי הא דעץ שרי אמר רב אשי אלוה הבא בשביל כסף ואלוה הבא בשביל זהב
9 Es heißt: <i>verfertigt euch neben mir keine silbernen und keine goldenen Götzen</i>; also nur silberne und goldene Götzen sind verboten, hölzerne aber erlaubt!? R. Aši erklärte: Götzen, die durch Silber und durch Gold entstehen.
י רב כי הוה אתי לבי דינא אמר הכי ברעות נפשיה לקטלא נפיק וצבי ביתיה לית הוא עביד וריקן לביתיה עייל ולואי שתהא ביאה כיציאה
10 Wenn Rabh zur Gerichtssitzung ging, sprach er wie folgt: Aus freiem Willen geht er dem Tode entgegen, ohne daß es ihm den Bedarf seines Hauses einbringt, denn leer geht er heim; o daß doch das Kommen dem Fortgehen gleiche!
יא כי הוי חזי אמבוהא (דספרי) אבתריה אמר (איוב כ, ו) אם יעלה לשמים שיאו [וגו'] כגללו לנצח יאבד (וגו') מר זוטרא חסידא כי הוו מכתפי ליה בשבתא דריגלא אמר הכי (משלי כז, כד) כי לא לעולם חוסן ואם נזר לדור ודור
11 Und wenn er die Scharen hinter sich sah, sprach er: <i>Auch wenn seine Höhe bis zum Himmel reicht &amp;c., gleich seinem, Kote schwindet er für immer &amp;c</i>. Wenn man Mar Zuṭra den Frommen an einem Feštsabbath trug, sprach er wie folgt: <i>Denn Vermögen währt nicht immer, und bleibt etwa die Krone von Geschlecht zu Geschlecht?</i>
יב דרש בר קפרא מנא הא מילתא דאמרו רבנן הוו מתונין בדין דכתיב (שמות כ, כו) לא תעלה במעלות וסמיך ליה (שמות כא, א) ואלה המשפטים אמר ר' אליעזר מניין לדיין שלא יפסע על ראשי עם קודש שנא' לא תעלה במעלות וסמיך ליה ואלה המשפטים
12 Bar Qappara trug vor: Woher das, was die Gelehrten sagen, man sei bedächtig beim Rechtsprechen? Es heißt: <i>du sollst nicht auf Stufen heransteigen</i>, und darauf folgt: <i>folgendes sind die Rechtssatzungen</i>. R. Elie͑zer sagte: Woher, daß der Richter nicht über die Köpfe des heiligen Volkes treten dürfe? Es heißt: <i>du sollst nicht auf Stufen heransteigen</i>, und darauf folgt: <i>folgendes sind die Rechtssatzungen</i>. –
יג אשר תשים אשר תלמדם מיבעי ליה אמר רבי ירמיה ואיתימא רבי חייא בר אבא אלו כלי הדיינין רב הונא כי הוה נפק לדינא אמר הכי אפיקו לי מאני חנותאי מקל ורצועה ושופרא וסנדלא
13 <i>Die du ihnen vorlegen sollst</i>; es sollte ja heißen: die du sie lehren sollst!? R. Jirmeja, nach anderen R. Ḥija b. Abba, erklärte: Das sind die Geräte der Richter. Wenn R. Hona zur Gerichtssitzung ging, sprach er wie folgt: Holt mir mein Handwerkszeug: Stock, Riemen, Blashorn und Sandale.
יד (דברים א, טז) ואצוה את שופטיכם בעת ההיא אמר רבי יוחנן כנגד מקל ורצועה תהא זריז (דברים א, טז) שמוע בין אחיכם ושפטתם אמר רבי חנינא אזהרה לבית דין שלא ישמע דברי בעל דין קודם שיבא בעל דין חבירו ואזהרה לבעל דין שלא יטעים דבריו לדיין קודם שיבא בעל דין חבירו קרי ביה נמי שמע בין אחיכם
14 <i>Ich befahl euren Richtern zu jener Zeit</i>. R. Joḥanan erklärte: Sei mit Stock und Riemen gewappnet. <i>Verhören eure Brüder, und richtet</i>. R. Ḥanina erklärte: Dies ist eine Warnung für den Richter, daß er nicht die Worte der einen Partei höre, bevor die andere da ist. Ferner ist dies eine Warnung für eine Partei, daß sie nicht ihre Worte begründe, bevor die andere da ist, denn man lese auch: höre [die Worte] unter den Brüdern.
טו רב כהנא אמר מהכא (שמות כג, א) מלא תשא לא תשיא
15 R. Kahana sagte: Hieraus: <i>du sollst nicht anhören</i>, und: du sollst nicht anhören lassen.
טז (דברים א, טז) ושפטתם צדק אמר ריש לקיש צדק את הדין ואחר כך חתכהו (דברים א, טז) בין איש ובין אחיו (ובין גרו) אמר רב יהודה אפילו בין בית לעלייה
16 <i>Und fällt ein gerechtes Urteil</i>. Reš Laqiš erklärte: Erwäge das Urteil und entscheide dann. <i>Zwischen jemand und seinem Bruder</i>. R. Jehuda erklärte: Sogar zwischen Erdgeschoß und Söller.
יז ובין גרו אמר רב יהודה אפילו בין תנור לכירים
17 <i>Und zwischen einem Fremdling</i>. R. Jehuda erklärte: Sogar zwischen Ofen und Herd.
יח (דברים א, יז) לא תכירו פנים במשפט רבי יהודה אומר לא תכירהו רבי אלעזר אומר לא תנכרהו
18 <i>Seid nicht parteiisch im Gerichte</i>. R. Jehuda erklärte: Erkenne keinen; R. Elea͑zar erklärte: entfremde dich keinem.
יט אושפיזכניה דרב אתא לקמיה לדינא אמר לו לאו אושפיזכני את אמר לו אין אמר ליה דינא אית לי אמר ליה
19 Einst kam der Hauswirt Rabhs vor diesen zu Gericht; da fragte er ihn: Bist du etwa nicht mein Hauswirt? Jener erwiderte: Jawohl. (Er sprach zu ihm:) Ich habe einen Prozeß. Dieser entgegnete: