Sanhedrin 183

Kapitel 183

א יקבוהו לאום ואין לאום אלא עוברין שנאמר (בראשית כה, כג) ולאום מלאום יאמץ ואין קבה אלא קללה שנאמר (במדבר כג, ח) מה אקב לא קבה אל ואין בר אלא תורה שנאמר (תהלים ב, יב) נשקו בר פן יאנף
1 den verwünscht das Volk. Unter ‘Volk’ sind die Geburten zu verstehen, denn es heißt: <i>ein Volksstamm wird dem anderen überlegen sein</i>. Unter ‘verwünschen’ ist verfluchen zu verstehen, denn es heißt: <i>wie soll ich verwünschen, den Gott nicht verwünscht</i>. Unter ‘Getreide’ ist die Tora zu verstehen, denn es heißt: <i>rüstet euch mit Lauterkeit</i>, <i>damit er nicht zürne</i>.
ב עולא בר ישמעאל אומר מנקבין אותו ככברה כתיב הכא (משלי יא, כו) יקבוהו לאום וכתיב התם (מלכים ב יב, י) ויקב חור בדלתו ואמר אביי כי אוכלא דקצרי
2 U͑la b. Jišmaél sagte: Sie durchlochen ihn wie ein Sieb, denn hier heißt es: <i>den verwünscht das Volk</i> und dort heißt es: <i>und bohrte</i> <i>ein Loch in die Tür</i>. Abajje sagte: Wie ein Wäscherkorb. –
ג ואם למדו מה שכרו אמר רבא אמר רב ששת זוכה לברכות כיוסף שנאמר (משלי יא, כו) וברכה לראש משביר ואין משביר אלא יוסף שנאמר (בראשית מב, ו) ויוסף הוא [השליט על הארץ הוא] המשביר לכל עם הארץ
3 Welche Belohnung erhält er, wenn er ihn wohl lehrt? Raba erwiderte: Ihm sind Segen beschieden, wie Joseph. Es heißt nämlich: <i>und Segen kommt über das Haupt des Getreide‐Verkäufers</i>, und unter ‘Getreide‐Verkäufer’ ist Joseph zu verstehen, denn es heißt: <i>und Joseph, der Machthaber war im Lande, verkaufte aller Welt Getreide</i>.
ד אמר רב ששת כל המלמד תורה בעוה"ז זוכה ומלמדה לעולם הבא שנאמר (משלי יא, כה) ומרוה גם הוא יורה
4 R. Šešeth sagte: Wer das Gesetz auf dieser Welt lehrt, dem ist es beschieden, es auch in der zukünftigen Welt zu lehren, denn es heißt: <i>wer reichlich tränkt, wird auch tränken</i>.
ה אמר רבא מניין לתחיית המתים מן התורה שנאמר (דברים לג, ו) יחי ראובן ואל ימות יחי ראובן בעולם הזה ואל ימות לעולם הבא רבינא אמר מהכא (דניאל יב, ב) ורבים מישני אדמת עפר יקיצו אלה לחיי עולם ואלה לחרפות לדראון עולם רב אשי אמר מהכא (דניאל יב, יג) ואתה לך [לקץ] ותנוח ותעמוד לגורלך לקץ הימין
5 Raba sagte: Wo ist die Auferstehung der Toten in der Tora zu finden? Es heißt: <i>es lebe Reúben und sterbe nicht</i>; es lebe Reúben, auf dieser Welt, und sterbe nicht, in der zukünftigen Welt. Rabina sagte: Hieraus: <i>und viele von denen, die im Erdenstaube schlafen, werden erwachen, die einen zu ewigem Leben, die anderen zur Schmach und zu ewigem Abscheu</i>. R. Aši sagte: Hieraus: <i>du aber gehe hin, dem Ende entgegen; du sollst ruhen und auferstehen, um dein Los zu empfangen am Ende der Tage</i>.
ו אמר רבי אלעזר כל פרנס שמנהיג את הצבור בנחת זוכה ומנהיגם לעוה"ב שנאמר (ישעיהו מט, י) כי מרחמם ינהגם ועל מבועי מים ינהלם
6 R. Elea͑zar sagte: Wenn ein Gemeindeverwalter die Gemeinde in Sanftmut leitet, so ist es ihm beschieden, sie auch in der zukünftigen Welt zu leiten, denn es heißt: <i>denn ihr Erbarmer wird sie führen und an Wasserquellen behutsam geleiten</i>.
ז וא"ר אלעזר גדולה דעה שניתנה בין שתי אותיות שנאמר (שמואל א ב, ג) כי אל דעות ה'
7 Ferner sagte R. Elea͑zar: Groß ist die Einsicht, daß sie zwischen zwei Gottesnamen gesetzt wurde, denn es heißt: <i>Ein Gott [der] Einsicht [ist der] Herr</i>.
ח וא"ר אלעזר גדול מקדש שניתן בין שתי אותיות שנאמר (שמות טו, יז) פעלת ה' מקדש ה' כוננו ידיך מתקיף לה רב אדא קרחינאה אלא מעתה גדולה נקמה שניתנה בין שתי אותיות דכתיב (תהלים צד, א) אל נקמות ה' אל נקמות הופיע
8 Ferner sagte R. Elea͑zar: Groß ist das Heiligtum, daß es zwischen zwei Gottesnamen gesetzt wurde, denn es heißt: <i>das hast du errichtet, Herr, [das] Heiligtum, Herr, haben deine Hände bereitet</i>. R. Ada aus Qorḥina wandte ein: Demnach ist auch die Rache groß, da sie ebenfalls zwischen zwei Gottesnamen gesetzt wurde, denn es heißt: <i>ein Gott [der] Rache [ist der] Herr, als Gott der Rache erschien er</i>!?
ט אמר ליה למילתיה הכי נמי כדעולא דאמר עולא שתי הופעיות הללו למה אחת למדת טובה ואחת למדת פורענות
9 Dieser erwiderte: Erforderlichenfalls ist sie es auch. Dies nach U͑la; denn U͑la sagte: Worauf deuten die beiden ‘Erscheinungen’? Eine auf die Eigenschaft der Güte und eine auf die Eigenschaft der Strafe.
י ואמר ר' אלעזר כל אדם שיש בו דעה כאילו נבנה בית המקדש בימיו שזה ניתן בין שתי אותיות וזה ניתן בין שתי אותיות
10 Ferner sagte R. Elea͑zar: Wenn ein Mensch Einsicht besitzt, so ist es ebenso, als würde das Heiligtum in seinen Tagen erbaut worden sein, denn das eine wurde zwischen zwei Gottesnamen gesetzt und das andere wurde ebenfalls zwischen zwei Gottesnamen gesetzt.
יא ואמר ר' אלעזר כל אדם שיש בו דעה לסוף מתעשר שנאמר (משלי כד, ד) ובדעת חדרים ימלאו כל הון יקר ונעים
11 Ferner sagte R. Elea͑zar: Ein Mensch, der Einsicht besitzt, wird endlich reich, denn es heißt: <i>durch Einsicht werden die Kammern gefüllt mit allerlei kostbarer und lieblicher Habe</i>.
יב ואמר ר' אלעזר כל אדם שאין בו דעה אסור לרחם עליו שנאמר (ישעיהו כז, יא) כי לא עם בינות הוא על כן לא ירחמנו עושהו ויוצרו לא יחוננו
12 Ferner sagte R. Elea͑zar: Wenn ein Mensch keine Einsicht besitzt, so ist es verboten sich seiner zu erbarmen, denn es heißt: <i>denn es ist ein Volk ohne Einsicht, deshalb erbarmt sich sein Schöpfer seiner nicht und sein Urheber begnadigt es nicht</i>.
יג וא"ר אלעזר כל הנותן פיתו למי שאין בו דעה יסורין באין עליו שנאמר (עובדיה א, ז) לחמך ישימו מזור תחתיך אין תבונה בו ואין מזור אלא יסורין שנאמר (הושע ה, יג) וירא אפרים את חליו ויהודה את מזורו
13 Ferner sagte R. Elea͑zar: Wer sein Brot an einen verabreicht, der keine Einsicht besitzt, über den kommen Leiden, denn es heißt: <i>die dein Brot essen, legen dir Fangnetze [mazor] unter, keine Einsicht ist in ihm</i>, und unter <i>mazor</i> sind Leiden zu verstehen, denn es heißt: <i>Ephrajim sah seine Krankheit und Jehuda merkte sein Leiden [mazoro]</i>.
יד ואמר ר' אלעזר כל אדם שאין בו דעה לסוף גולה שנאמר (ישעיהו ה, יג) לכן גלה עמי מבלי דעת
14 Ferner sagte R. Elea͑zar: Ein Mensch, der keine Einsicht besitzt, wandert endlich in die Verbannung, denn es heißt: <i>mein Volk wird unversehens</i> <i>in die Verbannung wandern</i>.
טו ואמר ר"א כל בית שאין דברי תורה נשמעים בו בלילה אש אוכלתו שנאמר (איוב כ, כו) כל חשך טמון לצפוניו תאכלהו אש לא נופח ירע שריד באהלו אין שריד אלא ת"ח שנאמר (יואל ג, ה) ובשרידים אשר ה' קורא
15 Ferner sagte R. Elea͑zar: Ein Haus, in dem man nachts keine Worte der Tora hört, wird vom Feuer verzehrt, denn es heißt: <i>im tiefsten Dunkel sind seine Schätze</i> <i>versteckt, ein Feuer, das nicht angefacht ward, verzehrt ihn; es weidet ab das Übrigbleibende in seinem Zelte</i>; unter ‘Übrigbleibende’ sind die Schriftgelehrten zu verstehen, denn es heißt: <i>und die Übrigbleibenden, die der Herr beruft</i>.
טז ואמר ר' אלעזר כל שאינו מהנה תלמידי חכמים מנכסיו אינו רואה סימן ברכה לעולם שנאמר (איוב כ, כא) אין שריד לאכלו על כן לא יחיל טובו אין שריד אלא תלמידי חכמים שנאמר ובשרידים אשר ה' קורא
16 Ferner sagte R. Elea͑zar: Wer nicht die Schriftgelehrten von seinen Gütern genießen läßt, sieht nie ein Zeichen des Segens, denn es heißt: <i>kein Übriggebliebenes bei seinem Essen, darum hat sein Glück keinen Bestand</i>; unter ‘Übriggebliebenes’ sind die Schriftgelehrten zu verstehen, denn es heißt: <i>und die Übrigbleibenden, die der Herr beruft</i>.
יז ואמר רבי אלעזר כל שאינו משייר פת על שלחנו אינו רואה סימן ברכה לעולם שנאמר אין שריד לאכלו על כן לא יחיל טובו
17 Ferner sagte R. Elea͑zar: Wer kein Brot auf seinem Tische zurückläßt, sieht nie ein Zeichen des Segens, denn es heißt: <i>kein Übriggebliebenes bei seinem Essen, darum hat sein Glück keinen Bestand</i>. –
יח והאמר רבי אלעזר כל המשייר פתיתים על שלחנו כאילו עובד ע"ז שנאמר (ישעיהו סה, יא) העורכים לגד שלחן והממלאים למני ממסך לא קשיא הא דאיכא שלימה בהדיה הא דליכה שלימה בהדיה
18 R. Elea͑zar sagte ja aber, wenn jemand Brocken auf seinem Tische zurückläßt, sei es ebenso, als hätte er Götzen gedient, denn es heißt: <i>die ihr dem Glücksgott einen Tisch zurichtet und dem Verhängnisse Mischtrank einschenkt</i>!? – Dies ist kein Einwand; eines, wenn darunter ein ganzes [Brot] ist, und eines, wenn darunter kein ganzes ist.
יט ואמר רבי אלעזר כל המחליף בדבורו כאילו עובד ע"ז כתיב הכא (בראשית כז, יב) והייתי בעיניו כמתעתע וכתיב התם (ירמיהו י, טו) הבל המה מעשה תעתועים
19 Ferner sagte R. Elea͑zar: Wenn jemand sein Wort wechselt, so ist es ebenso, als diene er Götzen, denn hierbei heißt es: <i>ich erscheine dann in seinen Augen wie einer, der [mit ihm] Spott treibt, und dort</i> heißt es: <i>eitel sind sie, ein Spottwerk</i>.
כ ואמר רבי אלעזר כל המסתכל בערוה קשתו ננערת שנאמר (חבקוק ג, ט) עריה תעור קשתך
20 Ferner sagte R. Elea͑zar: Wer die Scham betrachtet, dessen Glied wird impotent, denn es heißt: <i>bloß</i> <i>und blank ist dein Bogen</i>.
כא ואמר רבי אלעזר לעולם הוי קבל וקיים אמר רבי זירא אף אנן נמי תנינא בית אפל אין פותחין לו חלונות לראות נגעו ש"מ
21 Ferner sagte R. Elea͑zar: Bleibe im Dunkeln, so wirst du leben. R. Zera sagte: Auch wir haben demgemäß gelernt: In einem dunklen Hause breche man keine Fenster auf, um den Aussatz zu besichtigen. Schließe hieraus.
כב אמר ר' טבי אמר ר' יאשיה מאי דכתיב (משלי ל, טז) שאול ועוצר רחם ארץ לא שבעה מים וכי מה ענין שאול אצל רחם אלא לומר לך מה רחם מכניס ומוציא אף שאול מכניס ומוציא
22 R. Ṭabi sagte im Namen R. Jošijas: Es heißt: <i>das Grab, der verschlossene Mutterschoß, die Erde, die des Wassers nie satt wird</i>. In welchem Zusammenhange steht das Grab mit dem Mutterschoße? Dies besagt dir: wie der Mutterschoß aufnimmt und zurückgibt, ebenso nimmt auch das Grab auf und gibt zurück.
כג והלא דברים קל וחומר ומה רחם שמכניסין בו בחשאי מוציאין ממנו בקולי קולות שאול שמכניסין בו בקולות אינו דין שמוציאין ממנו בקולי קולות מיכן תשובה לאומרין אין תחיית המתים מן התורה
23 Nun ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn der Mutterschoß, der im Stillen aufnimmt, unter Lärmen zurückgibt, um wieviel mehr wird das Grab, das unter Lärmen aufnimmt, unter Lärmen zurückgeben. Hieraus entnehme man eine Erwiderung gegen diejenigen, welche sagen, die Auferstehung der Toten sei nicht in der Tora zu finden.
כד תנא דבי אליהו צדיקים שעתיד הקדוש ברוך הוא להחיותן אינן חוזרין לעפרן שנאמר (ישעיהו ד, ג) והיה הנשאר בציון והנותר בירושלים קדוש יאמר לו כל הכתוב לחיים בירושלים מה קדוש לעולם קיים אף הם לעולם קיימין
24 In der Schule Elijahus wurde gelehrt: Die Frommen, die der Heilige, gepriesen sei er, dereinst beleben wird, werden nicht mehr zu ihrem Staube zurückkehren, denn es heißt: <i>und die in Çijon überleben und in Jerušalem übrig bleiben, sollen heilig heißen; alle, die zum Leben in Jerušalem eingetragen sind</i>; wie das Heilige ewig besteht, ebenso werden sie ewig bestehen.