Sanhedrin 210

Kapitel 210

א כרע נפל שכב וגו'
1 sank er hin, fiel nieder und lag da &c.
ב (במדבר כד, טז) ויודע דעת עליון השתא דעת בהמתו לא הוה ידע דעת עליון הוה ידע מאי דעת בהמתו דאמרי ליה מאי טעמא לא רכבת סוסיא אמר להו שדאי להו ברטיבא
2 <i>Er kennt die Gedanken des Höchsten</i>. Wenn er nicht einmal die Gedanken seines Tieres kannte, wie sollte er die Gedanken des Höchsten gekannt haben!? – Was für ein Bewenden hat es mit den Gedanken seines Tieres? – Als man ihn fragte, weshalb er nicht auf einem Pferde reite, erwiderte er, er habe es auf die Weide geschickt.
ג אמרה ליה הלא אנכי אתונך לטעינא בעלמא אשר רכבת עלי אקראי בעלמא מעודך עד היום הזה
3 Da sprach [die Eselin] zu ihm: Ich bin ja deine Eselin! [Er erwiderte:] Zum Lasttragen. [Sie entgegnete:] Auf der du geritten bist. [Er erwiderte:] Nur zuweilen. [Sie entgegnete:] Von jeher bis auf den heutigen Tag;
ד ולא עוד אלא שאני עושה [לך] מעשה אישות בלילה כתיב הכא (במדבר כב, ל) ההסכן הסכנתי וכתיב התם (מלכים א א, ב) ותהי לו סוכנת
4 und noch vielmehr, ich diene dir nachts auch als Frau. Hier heißt es nämlich: <i>pflegte ich denn</i>, und dort heißt es: <i>sie soll ihm als Pflegerin dienen</i>. –
ה אלא מאי ויודע דעת עליון שהיה יודע לכוון אותה שעה שהקב"ה כועס בה
5 Vielmehr, <i>er kennt die Gedanken des Höchsten</i>, dies ist zu verstehen, er wußte die Stunde abzupassen, in der der Heilige, gepriesen sei er, zürnt.
ו והיינו דקאמר להו נביא לישראל (מיכה ו, ה) עמי זכר נא מה יעץ בלק מלך מואב ומה ענה אותו בלעם בן בעור מן השטים ועד הגלגל למען דעת צדקות ה' מאי למען דעת צדקות ה' אמר להן הקב"ה לישראל דעו נא כמה צדקות עשיתי עמכם שלא כעסתי כל אותן הימים בימי בלעם הרשע שאילמלא כעסתי כל אותן הימים לא נשתייר משונאיהן של ישראל שריד ופליט
6 Das ist es, was der Prophet zu Jisraél sprach: <i>Mein Volk, denke doch daran, was Balaq, der König von Moáb, im Sinne hatte, und was Bilea͑m, der Sohn Beo͑rs, ihm antwortete; von Šittim bis Gilgal, damit du die Wohltaten des Herrn erkennest. –</i> Was heißt: <i>damit du die Wohltaten des Herrn erkennest</i>? – Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Jisraél: Erkennt doch die vielen Wohltaten, die ich euch erwiesen habe, indem ich während aller Tage des ruchlosen Bilea͑m nicht zürnte; denn hätte ich während jener Tage gezürnt, so würde von den Feinden Jisraéls weder Entronnener noch Flüchtling zurückgeblieben sein.
ז היינו דקאמר ליה בלעם לבלק מה אקב לא קבה אל (וגו' אותן היום [הימים] לא זעם ה') אל זועם בכל יום וכמה זעמו רגע שנאמר (תהלים ל, ו) כי רגע באפו חיים ברצונו וגו'
7 Das ist es, was Bilea͑m zu Balaq sagte: <i>Wie soll ich verfluchen, wenn Gott nicht verflucht &amp;c</i>. An jenem Tage zürnte der Herr nicht. <i>Gott zürnt täglich</i>. Wie lange hält sein Zorn an? – Einen Augenblick, wie es heißt: <i>denn sein Zorn währt nur einen Augenblick, lebenslang seine Huld &amp;c</i>.
ח איבעית אימא (ישעיהו כו, כ) לך עמי בא בחדריך וסגור דלתיך בעדך חבי כמעט רגע עד יעבור זעם אימת רתח בתלת שעי קמייתא כי חוורא כרבלתא דתרנגולא כל שעתא ושעתא נמי חוורא כל שעתא ושעתא אית ביה סוריקי סומקי ההיא שעתא לית ביה סוריקי סומקי
8 Wenn du willst, hieraus: <i>wohlan, mein Volk, geh in deine Kammern und schließe die Tür hinter dir zu; verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorüber ist</i>. – Wann zürnt er? – In den ersten drei Stunden [des Tages], wenn der Kamm des Hahnes weiß wird. – An jeder anderen Zeit ist er ja ebenfalls weiß!? – An jeder anderen Zeit hat er rote Streifen, dann aber hat er keine roten Streifen.
ט ההוא מינא דהוה בשיבבותיה דרבי יהושע בן לוי דהוה קא מצער ליה יומא חד נקט תרנגולתא ואסר ליה בכרעיה ואותיב אמר כי מטא ההוא שעתא אילטייה כי מטא ההוא שעתא נמנם אמר שמע מינה לאו אורח ארעא דכתיב (משלי יז, כו) גם ענוש לצדיק לא טוב אפילו במיני לא איבעי ליה למימר הכי
9 In der Nachbarschaft des R. Jehošua͑ b. Levi wohnte ein Minäer, der ihn sehr quälte. Da nahm er einen Hahn und band ihn an den Fuß [des Bettes], dann legte er sich nieder, indem er dachte: wenn diese Zeit heranreicht, werde ich ihn verfluchen. Als diese Zeit heranreichte, schlief er ein. Da sprach er: Es ist also zu ersehen, daß dies keine Art und Weise ist, wie es heißt: <i>unangenehm ist dem Gerechten das Strafen;</i> auch Minäern gegenüber ist dies zu unterlassen.
י תנא משמיה דרבי מאיר בשעה שהחמה זורחת והמלכים מניחין כתריהן על ראשיהן ומשתחוים לחמה מיד כועס
10 Im Namen R. Meírs wird gelehrt: Wenn die Sonne hervorstrahlt und die Könige ihre Kronen auf ihre Häupter setzen und sieb vor der Sonne niederwerfen, gerät er sofort in Zorn.
יא (במדבר כב, כא) ויקם בלעם בבקר ויחבוש את אתונו תנא משום רבי שמעון בן אלעזר אהבה מבטלת שורה של גדולה מאברהם דכתיב (בראשית כא, יד) וישכם אברהם בבקר שנאה מבטלת שורה של גדולה מבלעם שנאמר ויקם בלעם בבקר ויחבוש את אתונו
11 <i>Da stand Bilea͑m morgens auf und sattelte seine Eselin</i>. Im Namen des R. Šimo͑n b. Elea͑zar wird gelehrt: Die Liebe hebt die Grenzlinie des Stolzes auf, wie dies bei Abraham der Fall war, denn es heißt: <i>da machte sich Abraham früh auf</i>, und der Haß hebt die Grenzlinie des Stolzes auf, wie dies bei Bilea͑m der Fall war, denn es heißt: <i>da stand Bilea͑m morgens auf</i>.
יב אמר רב יהודה אמר רב לעולם יעסוק אדם בתורה ובמצוה אפילו שלא לשמה שמתוך שלא לשמה בא לשמה שבשכר ארבעים ושתים קרבנות שהקריב בלק זכה ויצאה ממנו רות א"ר יוסי בר הונא רות בתו של עגלון בן בנו של בלק מלך מואב היתה
12 R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Ein Mensch befasse sich stets mit der Tora und guten Werken, auch nicht um ihrer selbst willen, denn dadurch wird man veranlaßt, es um ihrer selbst willen zu tun. Denn als Belohnung dafür, daß Balaq zweiundvierzig Opfer darbrachte, war es ihm beschieden, daß Ruth von ihm hervorging. R. Jose b. Ḥoni sagte nämlich: Ruth war die Tochter E͑glons, des Enkelsohnes Balaqs, des Königs von Moa͑b.
יג א"ל רבא לרבה בר מרי כתיב (מלכים א א, מז) ייטב אלהים את שם שלמה משמך ויגדל [את] כסאו מכסאך אורח ארעא למימרא ליה למלכא הכי א"ל מעין קאמרה ליה
13 Raba sprach zu Rabba b. Mari: Es heißt: <i>Gott mache den Namen Šelomos herrlicher als deinen Namen, und mache seinen Thron erhabener als deinen</i>. Ist es denn schicklich, so zu einem Könige zu sprechen!? Dieser erwiderte: Sie meinte es: von.
יד דאי לא תימא הכי (שופטים ה, כד) תבורך מנשים יעל אשת חבר הקיני מנשים באהל תבורך נשים באהל מאן נינהו שרה רבקה רחל ולאה אורח ארעא למימר הכי אלא מעין קאמר הכא נמי מעין קאמר
14 Wie willst du, wenn du es nicht so auffassen wolltest, folgendes erklären: <i>gepriesen sei vor den Weibern Jae͑l, das Weib Ḥeber des Qeniters; vor den Weibern im Zelte sei sie gepriesen</i>; die Weiber im Zelte sind ja [die Erzmütter] Sara, Ribhqa, Raḥel und Lea͑; ist es denn schicklich, so zu sprechen!? Du mußt also erklären: von, ebenso auch hierbei: von.
טו ופליגא דרב יוסי בר חוני דאמר רב יוסי בר חוני בכל אדם מתקנא חוץ מבנו ותלמידו בנו משלמה ותלמידו איבעית אימא (מלכים ב ב, ט) ויהי נא פי שנים ברוחך אלי ואיבעית אימא (במדבר כז, כג) ויסמוך את ידיו עליו ויצוהו
15 Er streitet somit gegen R. Jose b. Ḥoni, denn R. Jose b. Ḥoni sagte: Auf jeden anderen ist ein Mensch neidisch, nur nicht auf seinen Sohn und seinen Schüler. Auf seinen Sohn, wie bei Šelomo; auf seinen Schüler? – Wenn du willst, entnehme ich dies aus: <i>möchte mir denn ein doppelter Anteil an deinem Geiste zuteil werden</i>; wenn du aber willst, aus: <i>sodann legte er ihm die Hände auf und setzte ihn ein</i>.
טז (במדבר כג, ה) וישם דבר בפי בלעם ר"א אומר מלאך ר' יונתן אמר חכה
16 <i>Da legte der Herr Worte in den Mund Bilea͑ms</i>. R. Elie͑zer erklärte, durch einen Engel; R. Jonathan erklärte, durch eine Angel.
יז א"ר יוחנן מברכתו של אותו רשע אתה למד מה היה בלבו ביקש לומר שלא יהו להם בתי כנסיות ובתי מדרשות (במדבר כד, ה) מה טובו אהליך יעקב לא תשרה שכינה עליהם ומשכנותיך ישראל לא תהא מלכותן נמשכת כנחלים נטיו לא יהא להם זיתים וכרמים כגנות עלי נהר לא יהא ריחן נודף כאהלים נטע ה'
17 R. Joḥanan sagte: Aus den Segensworten dieses Frevlers lernst du, was in seinem Herzen war. Er wollte sagen: Sie mögen keine Bet- und Lehrhäuser haben, [und sagte:] <i>wie herrlich sind deine Zelte, Ja͑qob</i>. Die Göttlichkeit auf ihnen nicht ruhe, [und sagte:] <i>deine Wohnsitze, Jisraél</i>. Ihre Herrschaft möge sich nicht weit erstrecken, [und sagte:] <i>wie Bachtäler, die sich erstrecken</i>. Sie mögen keine Oliven- und Weingärten haben, [und sagte:] <i>wie Baumgärten an einem Strom</i>. Ihr Duft steige nicht auf, [und sagte:] <i>wie Aloepflanzen, die der Herr gepflanzt hat</i>.
יח לא יהיו להם מלכים בעלי קומה כארזים עלי מים לא יהיה להם מלך בן מלך יזל מים מדליו לא תהא מלכותן שולטת באומות וזרעו במים רבים לא תהא עזה מלכותן וירם מאגג מלכו לא תהא אימת מלכותן ותנשא מלכותו
18 Sie mögen keine Könige von hoher Statur haben, [und sagte:] <i>wie Zedern am Wasser</i>. Sie mögen keinen König, der Sohn eines Königs ist, haben, [und sagte:] <i>es rinnt Wasser aus seinen Eimern</i>. Ihre Herrschaft möge keine Macht über die Völker haben, [und sagte:] <i>und seine Saat hat reichliches Wasser</i>. Möge ihre Herrschaft nicht kraftvoll sein, [und sagte:] <i>mächtiger als Agag ist sein König</i>. Möge ihre Herrschaft nicht erhaben sein, [und sagte:] <i>und seine Herrschaft erhaben</i>.
יט אמר רבי אבא בר כהנא כולם חזרו לקללה חוץ מבתי כנסיות ומבתי מדרשות שנאמר (דברים כג, ו) ויהפוך ה' אלהיך לך את הקללה לברכה כי אהבך ה' אלהיך קללה ולא קללות
19 R. Abbab. Kahana sagte: alle wurden sie zurück in einen Fluch verwandelt, ausgenommen [den Segen] die Bet- und Lehrhäuser betreffend, denn es heißt: <i>da verwandelte dir der Herr, dein Gott, den Fluch zum Segen; denn der Herr, dein Gott, hatte dich lieb;</i> den Fluch, nicht aber die Flüche.
כ א"ר שמואל בר נחמני א"ר יונתן מאי דכתיב (משלי כז, ו) נאמנים פצעי אוהב ונעתרות נשיקות שונא טובה קללה שקילל אחיה השילוני את ישראל יותר מברכה שברכם בלעם הרשע אחיה השילוני קילל את ישראל בקנה שנאמר (מלכים א יד, טו) והכה ה' את ישראל כאשר ינוד הקנה במים וגו' מה קנה זה עומד במקום מים וגיזעו
20 R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Es heißt: <i>Treugemeint sind die Wunden von einem Freunde, lästig aber sind die Küsse von einem Feinde</i>. Besser ist der Fluch, den Aḥija der Šilonite über Jisraél sprach, als der Segen, den der ruchlose Bilea͑m über sie sprach. Aḥija der Šilonite verfluchte sie, indem er sie mit einem Rohre verglich, wie es heißt: <i>und der Herr wird Jisraél schlagen, gleichwie das Rohr im Wasser schwankt &amp;c</i>. Wie nämlich das Rohr am Wasser wächst, sein Stamm neue