Sanhedrin 57

Kapitel 57

א קרובים ונתרחקו הוו אתו לקמיה לדינא אמר להו פסילנא לכו לדינא
1 mit diesem verwandt und wurden entfremdet. Einst kamen sie vor ihm zu Gericht, und er sprach zu ihnen: Ich bin für euch als Richter unzulässig.
ב אמרו ליה מאי דעתיך כר' יהודה אנן מייתינן איגרתא ממערבא דאין הלכה כרבי יהודה
2 Sie sprachen zu ihm: Du bist wohl der Ansicht, die Halakha sei wie R. Jehuda, wir haben aber ein Schreiben aus dem Westen mitgebracht, daß die Halakha nicht wie R. Jehuda sei.
ג אמר להו אטו בקבא דקירא אידבקנא בכו דלא קאמינא פסילנא לכו לדינא אלא משום דלא צייתיתו דינא:
3 Er erwiderte ihnen: Bin ich etwa an euch mit einem Kab Wachs festgeklebt? Ich sagte euch nur deshalb, daß ich für euch als Richter unzulässig bin, weil ihr auf das Urteil nicht gehorchen würdet.
ד אוהב זה שושבינו וכו':
4 A<small>LS</small> F<small>REUND GILT DER</small> H<small>OCHZEITSKAMERAD</small> &amp;<small>C</small>.
ה וכמה אמר ר' אבא אמר רבי ירמיה אמר רב כל שבעת ימי המשתה ורבנן משמיה דרבא אמרי אפילו מיום ראשון ואילך:
5 Wie lange? R. Abba erwiderte im Namen R. Jirmejas im Namen Rabhs: Die ganzen sieben Tage des Gastmahles. Die Jünger im Namen Rabas sagten: schon vom ersten Tage an.
ו השונא כל שלא דבר כו': ת"ר (במדבר לה, כג) והוא לא אויב לו יעידנו (במדבר לה, כג) ולא מבקש רעתו ידיננו
6 A<small>LS</small> F<small>EIND GILT EINER, DER NICHT GESPROCHEN</small> &amp;<small>C</small>. Die Rabbanan lehrten: <i>Und er hegte keine Feindschaft gegen ihn,</i> er kann sein Zeuge sein; <i>und ihm nichts Böses zufügen wollte,</i> er kann sein Richter sein. –
ז אשכחן שונא אוהב מנלן
7 Wir wissen dies also vom Feinde, woher dies vom Freunde? –
ח קרי ביה הכי והוא לא אויב לו ולא אוהב לו יעידנו ולא מבקש רעתו ולא טובתו ידיננו
8 Man lese wie folgt: <i>er hegte keine Feindschaft gegen ihn,</i> und auch keine Freundschaft für ihn; er kann sein Zeuge sein; <i>und ihm nichts Böses zufügen wollte,</i> auch nichts Gutes; er kann sein Richter sein. –
ט מידי אוהב כתיב אלא סברא הוא אויב מאי טעמא משום דמרחקא דעתיה אוהב נמי מקרבא דעתיה
9 Heißt es denn. Freundschaft!? – Vielmehr, dies ist einleuchtend: ein Feind deshalb nicht, weil er gegen ihn eingenommen sein kann, ebenso kein Freund, weil er für ihn eingenommen sein kann. –
י ורבנן האי לא אויב לו ולא מבקש רעתו מאי דרשי ביה
10 Wofür verwenden die Rabbanan [die Verse:] <i>und er hegte keine Feindschaft gegen ihn,</i> und: <i>ihm nichts Böses zufügen wollte</i>!? –
יא חד לדיין
11 Einen beziehen sie auf den Richter,
יב אידך כדתניא אמר רבי יוסי ברבי יהודה והוא לא אויב לו ולא מבקש רעתו מכאן לשני תלמידי חכמים ששונאין זה את זה שאין יושבין בדין כאחד:
12 und den anderen verwenden sie für folgende Lehre: R. Jose b. R. Jehuda erklärte: <i>Und er hegte keine Feindschaft gegen ihn und ihm nichts Böses zufügen wollte,</i> hieraus, daß zwei Schriftgelehrte, die einander feindlich gesinnt sind, nicht zusammen bei einer Gerichtsverhandlung sitzen dürfen.
יג <big><strong>מתני׳</strong></big> כיצד בודקים את העדים היו מכניסין אותן לחדר ומאיימין עליהן ומוציאין את כל האדם לחוץ ומשיירין את הגדול שבהן
13 <b>W</b><small>IE PRÜFT MAN DIE</small> Z<small>EUGEN?</small> M<small>AN FÜHRT SIE IN EIN</small> Z<small>IMMER UND SCHÜCHTERT SIE EIN; ALSDANN SCHICKT MAN SIE HINAUS UND NUR DER GRÖSSTE VON IHNEN BLEIBT ZURÜCK, </small>
יד ואומרים לו אמור היאך אתה יודע שזה חייב לזה אם אמר הוא אמר לי שאני חייב לו איש פלוני אמר לי שהוא חייב לו לא אמר כלום עד שיאמר בפנינו הודה לו שהוא חייב לו מאתים זוז
14 UND MAN SPRICHT ZU IHM: S<small>PRICH, WOHER WEISST DU, DASS DIESER JENEM</small> [G<small>ELD</small>] <small>SCHULDIG IST</small>? S<small>AGT ER, DIESER HABE IHM GESAGT, ER SCHULDE JENEM</small> [G<small>ELD</small>], <small>ODER JEMAND HABE IHM GESAGT, DASS DIESER JENEM</small> [G<small>ELD</small>] <small>SCHULDE, SO HAT ER NICHTS BEKUNDET; ER MUSS DURCHAUS BEKUNDEN:</small> I<small>N UNSERER</small> G<small>EGENWART HAT DIESER EINGESTANDEN, DASS ER JENEM ZWEIHUNDERT</small> Z<small>UZ SCHULDE</small>.
טו ואחר כך מכניסין את השני ובודקין אותו אם נמצאו דבריהן מכוונין נושאין ונותנין בדבר
15 A<small>LSDANN FÜHRT MAN DEN ZWEITEN HEREIN UND PRÜFT IHN; STIMMEN IHRE</small> A<small>USSAGEN ÜBEREIN, SO WIRD DARÜBER VEBHANDELT</small>. W<small>ENN ZWEI ZU SEINEN</small> G<small>UNSTEN ENTSCHEIDEN UND EINER ZU SEINEN</small> U<small>NGUNSTEN, SO WIRD ZU SEINEN</small> G<small>UNSTEN ENTSCHIEDEN; </small>
טז שנים אומרים זכאי ואחד אומר חייב זכאי שנים אומרים חייב ואחד אומר זכאי חייב אחד אומר חייב ואחד אומר זכאי אפילו שנים מזכין או שנים מחייבין ואחד אומר איני יודע יוסיפו הדיינין
16 WENN ZWEI ZU SEINEN U<small>NGUNSTEN ENTSCHEIDEN UND EINER ZU SEINEN</small> G<small>UNSTEN, SO WIRD ZU SEINEN</small> U<small>NGUNSTEN ENTSCHIEDEN.</small> W<small>ENN EINER ZU SEINEN</small> U<small>NGUNSTEN UND EINER ZU SEINEN</small> G<small>UNSTEN ENTSCHEIDET, ODER SELBST WENN ZWEI ZU SEINEN</small> G<small>UNSTEN UND ZWEI ZU SEINEN</small> U<small>NGUNSTEN ENTSCHEIDEN, UND EINER SAGT, ER WISSE NICHT, SO WERDEN</small> R<small>ICHTER HINZUGENOMMEN</small>.
יז גמרו את הדבר היו מכניסין אותן הגדול שבדיינין אומר איש פלוני אתה זכאי איש פלוני אתה חייב
17 H<small>ABEN SIE DIE</small> V<small>ERHANDLUNG BEENDET, SO LÄSST MAN</small> [<small>DIE</small> P<small>ROZESSFÜHRENDEN</small>] <small>EINTRETEN UND DER</small> O<small>BMANN DER</small> R<small>ICHTER SPRICHT</small>: D<small>U</small> N. <small>HAST GEWONNEN, UND DU</small> N<small>. HAST VERLOREN.</small>
יח ומניין לכשיצא לא יאמר אני מזכה וחביריי מחייבים אבל מה אעשה שחביריי רבו עלי על זה נאמר ((ויקרא יט, טז) לא תלך רכיל בעמך ואומר) (משלי יא, יג) הולך רכיל מגלה סוד:
18 W<small>OHER, DASS KEINER BEI SEINEM</small> F<small>ORTGEHEN SAGEN DÜRFE: ICH HABE ZU SEINEN</small> G<small>UNSTEN GESTIMMT UND MEINE</small> K<small>OLLEGEN ZU SEINEN</small> U<small>NGUNSTEN, WAS ABER KONNTE ICH DAFÜR, DASS MEINE</small> K<small>OLLEGEN MICH ÜBERSTIMMT HABEN?</small> E<small>S HEISST</small>: <i>du sollst nicht als Verleumder unter deinen Volksgenossen umhergehen;</i> <small>FERNER HEISST ES:</small> <i>Verleumder ist, wer Geheimnisse verrät.</i>
יט <big><strong>גמ׳</strong></big> היכי אמרי' להו אמר רב יהודה הכי אמרינן להו (משלי כה, יד) נשיאים ורוח וגשם אין איש מתהלל במתת שקר
19 GEMARA. Was spricht man zu ihnen? R. Jehuda erwiderte: Man spricht zu ihnen wie folgt: <i>Gewölk und Wind und doch kein Regen, ein Mann, der mit falschen Gaben</i> <i>prahlt.</i>
כ אמר (ליה) רבא יכלי למימר שב שני הוה כפנא ואבבא אומנא לא חליף
20 Raba entgegnete: Sie können ja sagen: Sieben Jahre währt die Hungersnot, aber an die Tür eines Handwerkers kommt sie nicht.
כא אלא אמר רבא אמרינן להו (משלי כה, יח) מפץ וחרב וחץ שנון איש עונה ברעהו עד שקר
21 Vielmehr, sagte Raba, spricht man zu ihnen: <i>Hammer und Schwert und scharfer Pfeil, so ein Mann, der wider seinen Nächsten als falscher Zeuge aussagt.</i>
כב אמר (ליה) רב אשי יכלי למימר שב שני הוה מותנא ואיניש בלא שניה לא שכיב
22 R. Aši entgegnete ihm: Sie können ja sagen: Sieben Jahre währt die Seuche, doch stirbt niemand vor der ihm festgesetzten Zeit.
כג אלא אמר רב אשי אמר לי נתן בר מר זוטרא אמרינן להו סהדי שקרי אאוגרייהו זילי דכתיב (מלכים א כא, י) והושיבו שנים אנשים בני בליעל נגדו ויעידוהו לאמר ברכת אלהים ומלך:
23 Vielmehr, sagte R. Aši, Nathan b. Mar Zuṭra sagte mir, man spreche zu ihnen wie folgt: Falsche Zeugen sind ihren Auftraggebern selber verachtet, denn es heißt: <i>und setzt ihm zwei nichtswürdige Buhen gegenüber, daß sie wider ihn zeugen und sprechen: Naboth hat Gott und dem König geflucht.</i>
כד אם אמר הוא אמר לי כו' עד שיאמרו בפנינו הודה לו שהוא חייב לו מאתים זוז:
24 S<small>AGT ER, DIESER HABE IHM GESAGT &amp;C., ER MUSS DURCHAUS BEKUNDEN:</small> I<small>N UNSERER</small> G<small>EGENWART HAT DIESER EINGESTANDEN, DASS ER JENEM ZWEIHUNDERT</small> Z<small>UZ SCHULDE.</small>
כה מסייע ליה לרב יהודה דאמר רב יהודה אמר רב צריך שיאמר אתם עדיי
25 Dies ist also eine Stütze für R. Jehuda, denn R. Jehuda sagte im Namen Rabhs, [der Gläubiger] müsse sagen: Ihr seid meine Zeugen.
כו איתמר נמי א"ר חייא בר אבא א"ר יוחנן (מנה לי בידך אמר לו הן למחר אמר לו תנהו לי אמר) משטה אני בך פטור
26 Auch wurde gelehrt: R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: [Wenn jemand zu einem sagt:] ich habe bei dir eine Mine, und dieser ihm erwidert: jawohl, und wenn er am folgenden Tage zu ihm sagt: gib sie mir wieder, er ihm erwidert: ich habe mit dir nur gescherzt, so ist er frei.
כז תניא נמי הכי מנה לי בידך אמר לו הן למחר אמר לו תנהו לי אמר לו משטה אני בך פטור
27 Ebenso wird gelehrt: [Wenn jemand zu einem sagt:] Ich habe bei dir eine Mine, und dieser ihm erwidert: jawohl, und wenn er am folgenden Tage zu ihm spricht: gib sie mir wieder, er ihm erwidert: ich habe mit dir nur gescherzt, so ist er frei.
כח ולא עוד אלא אפילו הכמין לו עדים אחורי גדר ואמר לו מנה לי בידך אמר לו הן רצונך שתודה בפני פלוני ופלוני אמר לו מתיירא אני שמא תכפיני לדין למחר אמר לו תניהו לי אמר לו משטה אני בך פטור
28 Und noch mehr: wenn jener seine Zeugen hinter dem Zaune versteckt hält und zu ihm sagt: ich habe bei dir eine Mine, und dieser ihm erwidert: jawohl, und auf die Aufforderung, dies vor N. und N. einzugestehen, er ihm erwidert: ich fürchte, du wirst mich verklagen, so ist er, wenn jener am folgenden Tage zu ihm sagt: gib sie mir wieder, er ihm erwidert: ich habe mit dir nur gescherzt, frei.
כט ואין טוענין למסית
29 Den Verführer verteidige man nicht. –
ל מסית מאן דכר שמיה חסורי מיחסרא והכי קתני אם לא טען אין טוענין לו ובדיני נפשות אע"ג דלא טען טוענין לו ואין טוענין למסית
30 Wer spricht hier vom Verführer!? – [Die Lehre] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: wenn er aber sich seihst nicht verteidigt, so verteidige man ihn nicht. Bei Todesstrafsachen verteidige man ihn, auch wenn er dies nicht selber tut; einen Verführer aber verteidige man nicht. –
לא מאי שנא מסית אמר ר' חמא בר חנינא מפירקיה דרבי חייא בר אבא שמיע לי שאני מסית דרחמנא אמר (דברים יג, ט) לא תחמול ולא תכסה עליו
31 Weshalb keinen Verführer? R. Ḥama b. Ḥanina erwiderte: Ich habe dies in einem Vortrage des R. Ḥija b. Abba gehört: anders ist es bei einem Verführer, denn der Allbarmherzige sagt: <i>du sollst seiner nicht schonen und seine Schuld nicht verheimlichen.</i>
לב אמר רבי שמואל בר נחמן אמר רבי יונתן מניין שאין טוענין למסית מנחש הקדמוני דא"ר שמלאי הרבה טענות היה לו לנחש לטעון ולא טען ומפני מה לא טען לו הקב"ה לפי שלא טען הוא
32 R. Šemuél b. Naḥman sagte im Namen R. Jonathans: Woher, daß man den Verführer nicht verteidige? Von der Urschlange. R. Šimlaj sagte nämlich: Vieles hatte die Schlange zu ihrer Verteidigung zu sagen, sie verteidigte sich aber nicht. Weshalb aber verteidigte sie nicht der Heilige, gepriesen sei er? Weil sie es selbst unterlassen hatte. –
לג מאי הוה ליה למימר דברי הרב ודברי תלמיד דברי מי שומעין דברי הרב שומעין
33 Was konnte sie sagen? – Von den Worten des Meisters und den Worten des Schülers hat man ja auf die Worte des Meisters zu hören.
לד אמר חזקיה מניין שכל המוסיף גורע שנאמר (בראשית ג, ג) אמר אלהים לא תאכלו ממנו ולא תגעו בו
34 Ḥizqija sagte: Woher, daß man durch die Hinzufügung vermindert? Es heißt: <i>sagte Gott, ihr dürft sie nicht essen und dürft sie nicht berühren</i>.
לה רב משרשיא אמר מהכא (שמות כה, י) אמתים וחצי ארכו
35 R. Mešaršeja sagte: Hieraus: <i>zwei</i> <i>und eine halbe Elle lang.</i>
לו רב אשי אמר (שמות כו, ז) עשתי עשרה יריעות
36 R. Aši sagte: [Hieraus:] <i>elf</i> <i>Teppiche.</i>
לז אמר אביי לא שנו אלא דאמר משטה אני בך אבל אמר
37 Abajje sagte: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn er sagt: ich habe mit dir nur gescherzt, wenn er aber sagt,