Sanhedrin 59

Kapitel 59

א וכל לישני דבי דינא ולא הוה כתב בה במותב תלתא הוינא וחד ליתוהי
1 und auch alle anderen Ausdrücke waren die des Gerichtes, jedoch stand darin nicht: zu dreien saßen wir.
ב סבר רבינא למימר היינו דריש לקיש א"ל רב נתן בר אמי הכי אמרינן משמיה דרבא כל כי האי גוונא חיישינן לב"ד טועין
2 Rabina wollte sagen, hierbei sei die Lehre des Reš Laqiš anwendbar; da sprach R. Nathan b. Ami zu ihm: Folgendes sagen wir im Namen Rabas: in einem solchen Falle berücksichtige man, das Gericht könnte sich geirrt haben.
ג אמר רב נחמן בר יצחק אי כתב בה בי דינא תו לא צריך
3 R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Wenn darin ‘bei Gericht’ geschrieben ist, so ist weiter nichts nötig. –
ד ודילמא בית דין חצוף הוא דאמר שמואל שנים שדנו דיניהן דין אלא שנקראו ב"ד חצוף דכתב ביה בי דינא דרבנא אשי
4 Vielleicht war es ein anmaßendes Gericht!? Šemuél sagte nämlich, wenn zwei ein Urteil fällen, sei es gültig, nur heiße es ein anmaßendes Gericht. – Wenn darin geschrieben ist: das Gericht unseres Meisters Aši. –
ה ודילמא רבנן דבי רב אשי כשמואל סבירא להו דכתיב בו (ואמרנא ליה לרבנא אשי) ואמר לן רבנא אשי
5 Vielleicht waren die Rabbanan der Schule R. Ašis der Ansicht Šemuéls!? – Wenn darin geschrieben ist: unser Meister Aši beauftragte uns.
ו ת"ר אמר להן אחד אני ראיתי אביכם שהטמין מעות בשידה תיבה ומגדל ואמר של פלוני הן של מעשר שני הן בבית לא אמר כלום בשדה דבריו קיימין
6 Die Rabbanan lehrten: Bekundet jemand: ich sah, wie euer Vater Geld in einer Truhe, einer Kiste, einem Schranke verwahrt hat, und er sagte: dies gehört jenem, dies ist [Geld] vom zweiten Zehnten, so sind seine Worte, wenn es sich in der Wohnung befindet, bedeutungslos, wenn aber auf dem Felde, so sind sie gültig.
ז כללו של דבר כל שבידו ליטלן דבריו קיימין אין בידו ליטלן לא אמר כלום
7 Die Regel hierbei ist: liegt es in seiner Hand, es selber fortzunehmen, so sind seine Worte gültig, liegt es nicht in seiner Hand, es selber fortzunehmen, so sind seine Worte bedeutungslos.
ח הרי שראו את אביהן שהטמין מעות בשידה תיבה ומגדל ואמר של פלוני הן של מעשר שני הן אם כמוסר דבריו קיימין אם כמערים לא אמר כלום
8 Haben sie gesehen, wie ihr Vater Geld in einer Kiste, einem Schranke oder einer Truhe verwahrt hat, und [gehört, wie er] gesagt hat, es gehöre, jenem, es sei vom zweiten Zehnten, so sind seine Worte, wenn in Form einer Mitteilung, gültig, wenn aber wie eine Täuschung, so hat er nichts gesagt.
ט הרי שהיה מצטער על מעות שהניח לו אביו ובא בעל החלום ואמר לו כך וכך הן במקום פלוני הן של מעשר שני הן זה היה מעשה ואמרו דברי חלומות לא מעלין ולא מורידין:
9 Wenn jemand sich um das Geld grämt, das ihm sein Vater zurückließ, und der Engel des Traumes ihm erscheint und zu ihm sagt, es sei so und so viel, es befinde sich in jenem und jenem Orte, es sei vom zweiten Zehnten, – einst ereignete sich ein solcher Fall, und sie sagten, Träume nutzen und schaden nicht.
י שנים אומרים זכאי כו': מיכתב היכי כתבי
10 W<small>ENN ZWEI ZU SEINEN</small> G<small>UNSTEN ENTSCHEIDEN</small> &amp;<small>C</small>. Wie schreibt man dann [das Protokoll]?
יא ר' יוחנן אמר זכאי ריש לקיש אמר פלוני ופלוני מזכין (ופלוני ופלוני מחייבין) רבי (אליעזר) אמר מדבריהן נזדכה פלוני
11 R. Joḥanan sagte: Er hat gewonnen. Reš Laqiš sagte: Dieser und dieser stimmten zu seinen Gunsten, jener zu seinen Ungunsten. R. Elie͑zer sagte: Bei der Verhandlung hat jener gewonnen. –
יב מאי בינייהו איכא בינייהו לשלומי איהו מנתא בהדייהו דלמאן דאמר זכאי משלם ולמאן דאמר פלוני ופלוני מזכין ופלוני ופלוני מחייבין לא משלם
12 Welcher Unterschied besteht zwischen ihnen? Der Unterschied zwischen ihnen besteht darin, ob auch er mit jenen regreßpflichtig ist; nach demjenigen, welcher sagt: er hat gewonnen, muß er mitbezahlen, und nach demjenigen, welcher sagt: dieser und dieser stimmten zu seinen Gunsten, jener zu seinen Ungunsten, braucht er nicht zu bezahlen. –
יג ולמ"ד זכאי משלם לימא להו אי לדידי צייתיתון אתון נמי לא שלמיתון
13 Weshalb muß er, nach demjenigen, welcher sagt: er hat gewonnen, mitbezahlen, er kann ja sagen: würdet ihr mir gehorcht haben, so brauchtet ihr ebenfalls nicht zu bezahlen!? –
יד אלא איכא בינייהו לשלומי אינהו מנתא דידיה למ"ד זכאי משלמי למ"ד פלוני ופלוני מזכין ופלוני ופלוני מחייבין לא משלמי
14 Vielmehr, der Unterschied besteht darin, ob sie seinen Teil mitbezahlen müssen; nach demjenigen, welcher sagt: er hat gewonnen, müssen sie ihn mitbezahlen, und nach demjenigen, welcher sagt: dieser und dieser stimmten zu seinen Gunsten, jener zu seinen Ungunsten, brauchen sie ihn nicht mitzubezahlen. –
טו ולמאן דאמר זכאי משלמי ולימרו ליה אי לאו את בהדן לא הוה סליק דינא מידי
15 Weshalb müssen sie, nach demjenigen, welcher sagt: er hat gewonnen, für ihn mitbezahlen, sie können ja zu ihm sagen, wärest du nicht mit uns, so wäre das Urteil nicht rechtskräftig? –
טז אלא איכא בינייהו משום (ויקרא יט, טז) לא תלך רכיל בעמך רבי יוחנן אמר זכאי משום לא תלך רכיל
16 Vielmehr, der Unterschied besteht [im Verbote]: <i>du sollst nicht als Verleumder unter deinen Volksgenossen umhergehen.</i> R. Joḥanan sagt: er hat gewonnen, wegen der Verleumdung.
יז ריש לקיש אמר פלוני ופלוני מזכין ופלוני פלוני מחייבין משום דמיחזי כשיקרא
17 Reš Laqiš sagt: dieser und dieser waren zu seinen Gunsten, jener war zu seinen Ungunsten, weil es sonst den Anschein einer Lüge hätte.
יח ור' אלעזר אית ליה דמר ואית ליה דמר הלכך כתבי הכי מדבריהם נזדכה פלוני:
18 R. Elea͑zar berücksichtigt sowohl das eine als auch das andere, daher schreibe man: bei der Verhandlung hat jener gewonnen.
יט גמרו את הדבר היו מכניסין כו': למאן אילימא לבעלי דינין התם קיימי אלא לעדים
19 H<small>ABEN SIE DIE</small> V<small>ERHANDLUNG BEENDET</small> &amp;<small>C</small>. Wen [läßt man eintreten]: wenn die Prozeßführenden, so befinden sie sich, ja da, doch wohl die Zeugen;
כ כמאן דלא כרבי נתן דתניא לעולם אין עדותן מצטרפת עד שיראו שניהן כאחד רבי יהושע בן קרחה אומר אפילו בזה אחר זה
20 also nicht nach R. Nathan, denn es wird gelehrt: Ihre Aussagen werden nur dann vereinigt, wenn sie es zusammen gesehen haben; R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagt, auch wenn hintereinander.
כא ואין עדותן מתקיימת בבית דין עד שיעידו שניהן כאחד רבי נתן אומר שומעין דבריו של זה היום וכשיבא חבירו למחר שומעין את דבריו
21 Ihre Aussage ist bei Gericht nur dann entscheidend, wenn sie ihr Zeugnis zusammen ablegen; R. Nathan sagt, man könne auch den einen heute vernehmen und den anderen am folgenden Tage. –
כב לא לעולם לבעלי דינין ורבי נחמיה היא דתניא רבי נחמיה אומר כך היה מנהגן של נקיי הדעת שבירושלים מכניסין לבעלי דינין ושומעין דבריהן ומכניסין את העדים ושומעין דבריהם ומוציאין אותן לחוץ ונושאין ונותנין בדבר (גמרו את הדבר מכניסין אותן כו')
22 Nein, tatsächlich die Prozeßführenden, nur ist hier die Ansicht R. Neḥemjas vertreten, denn es wird gelehrt: R. Neḥemja sagte: Bei den Sittenreinen in Jerušalem war der Brauch wie folgt; man ließ die Prozeßführenden eintreten und hörte ihre Worte, darauf ließ man die Zeugen eintreten und hörte ihre Worte; sodann ließ man sie hinausgehen und verhandelte darüber. Hatten sie die Verhandlung beendet, so ließ man sie eintreten &amp;c. –
כג והתניא גמרו את הדבר מכניסין את העדים ההיא דלא כרבי נתן
23 Es wird ja aber gelehrt, daß, wenn sie die Verhandlung beendet hatten, man die Zeugen eintreten ließ!? – Dies vertritt nicht die Ansicht R. Nathans.
כד גופא לעולם אין עדותן מצטרפת עד שיראו שניהם כאחד רבי יהושע בן קרחה אומר אפילו בזה אחר זה במאי קמיפלגי איבעית אימא קרא ואיבעית אימא סברא
24 Der Text. Ihre Aussagen werden nur dann vereinigt, wenn sie es zusammen gesehen haben; R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagt, auch wenn hintereinander. Worüber streiten sie? – Wenn du willst, sage ich: über einen Schriftvers, und wenn du willst, sage ich: über eine eigene Ansicht.
כה איבעית אימא סברא אמנה דקא מסהיד האי לא קא מסהיד האי ומנה דקא מסהיד האי לא קמסהיד האי ואידך אמנה בעלמא תרוייהו קמסהדי
25 Wenn du willst, sage ich: über eine eigene Ansicht. [Einer ist der Ansicht], über die Mine, über die der eine bekundet, bekundet nicht der andere, und über die der andere bekundet, bekundet dieser nicht; der andere aber ist der Ansicht, beide bekunden über eine Mine.
כו ואיבעית אימא קרא דכתיב (ויקרא ה, א) והוא עד או ראה או ידע
26 Wenn du willst, sage ich: über einen Schriftvers, denn es heißt: <i>und er ist Zeuge, hat gesehen oder erfahren,</i>
כז ותניא ממשמע שנאמר (דברים יט, טו) לא יקום עד איני יודע שהוא אחד מה תלמוד לומר אחד
27 und hierzu wird gelehrt: Wenn es schon heißt: <i>ein Zeuge soll nicht auftreten</i>, so weiß ich ja, daß es einer ist, wozu heißt es <i>einziger</i>?
כח זה בנה אב כל מקום שנאמר עד הרי כאן שנים עד שיפרט לך הכתוב אחד
28 Dies ist eine Hauptnorm dafür, daß überall, wo es ‘Zeuge’ heißt, zwei gemeint seien, es sei denn, daß die Schrift ausdrücklich einziger sagt.
כט ואפקיה רחמנא בלשון חד למימר עד דחזו תרווייהו כחד ואידך והוא עד או ראה או ידע מ"מ:
29 Der Allbarmherzige gebraucht deshalb die Einzahl, um zu sagen, sie müssen beide zusammen gesehen haben. Der andere aber erklärt: <i>er ist Zeuge, hat gesehen oder erfahren,</i> auf jede Weise.
ל ואין עדותן מתקיימת בב"ד עד שיעידו שניהן כאחד ר' נתן אומר שומעין דבריו של זה היום וכשיבא חבירו למחר שומעין דבריו במאי קמיפלגי איבעית אימא סברא איבעית אימא קרא
30 «Ihre Aussage ist bei Gericht nur dann entscheidend, wenn sie ihr Zeugnis zusammen ablegen; R. Nathan sagt, man könne auch den einen heute vernehmen und den anderen am folgenden Tage.» Worüber streiten sie? – Wenn du willst, sage ich: über eine eigene Ansicht, und wenn du willst, sage ich: über einen Schriftvers.
לא אב"א סברא מר סבר עד אחד כי אתי לשבועה אתי לממונא לא אתי
31 Wenn du willst, sage ich: über eine eigene Ansicht. Einer ist der Ansicht, ein Zeuge kann nur einen Eid erwirken, nicht aber eine Verurteilung;
לב ואידך אטו כי אתו בהדי הדדי בחד פומא קא מסהדי אלא מצרפינן להו הכא נמי ליצרפינהו
32 der andere aber ist der Ansicht, auch wenn sie zusammen erscheinen, bekunden sie ja nicht mit einem Munde, vielmehr werden sie vereinigt, ebenso werden sie auch in diesem Falle vereinigt.
לג ואיבעית אימא קרא (ויקרא ה, א) אם לא יגיד ונשא עונו
33 Wenn du willst, sage ich: über einen Schriftvers: <i>Wenn</i> <i>er es nicht sagt, soll er seine Sünde tragen;</i>