Sanhedrin 65

Kapitel 65

א מיכן שפותחין בדיני נפשות תחלה לזכות:
1 daß man bei Todesstrafsachen mit der Verteidigung beginne.
ב דיני ממונות מחזירין כו': ורמינהו דן את הדין זיכה את החייב חייב את הזכאי טימא את הטהור טיהר את הטמא מה שעשה עשוי וישלם מביתו
2 B<small>EI</small> G<small>ELDSACHEN KANN DAS</small> U<small>RTEIL WIDERRUFEN WERDEN</small> &amp;<small>C</small>. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Hat er eine Entscheidung getroffen und dem Unrechthabenden Recht und dem Rechthabenden Unrecht gegeben, oder das Reine als unrein und das Unreine als rein erklärt, so ist seine Entscheidung gültig und muß er aus seiner Tasche bezahlen!?
ג אמר רב יוסף לא קשיא כאן במומחה כאן בשאינו מומחה ובמומחה מחזירין והקתני אם היה מומחה לב"ד פטור מלשלם
3 R. Joseph erwiderte: Das ist kein Einwand: das eine gilt von einem anerkannten und das andere gilt von einem nicht anerkannten [Richter]. – Kann denn bei einem anerkannten das Urteil widerrufen werden, es wird ja gelehrt, wenn er vom Gerichte anerkannt ist, brauche er nicht zu bezahlen!?
ד א"ר נחמן כאן שיש גדול הימנו בחכמה ובמנין כאן שאין גדול הימנו בחכמה ובמנין
4 R. Naḥman erwiderte: Eines in dem Falle, wenn ein an Weisheit und Zahl größeres [Gericht] vorhanden ist, und eines in dem Falle, wenn kein an Weisheit und Zahl größeres vorhanden ist.
ה רב ששת אמר כאן שטעה בדבר משנה כאן שטעה בשיקול הדעת דאמר רב ששת אמר רב אסי טעה בדבר משנה חוזר טעה בשיקול הדעת אינו חוזר
5 R. Šešeth erwiderte: Eines in dem Falle, wenn er sich in einer Lehre geirrt hat, und eines in dem Falle, wenn er sich in der Erwägung geirrt hat. R. Šešeth sagte nämlich im Namen R. Asis: Hat er sich in einer Lehre geirrt, so ist [die Entscheidung] aufzuheben, hat er sich in der Erwägung geirrt, so ist [die Entscheidung] nicht aufzuheben.
ו א"ל רבינא לרב אשי אפילו טעה בר' חייא ורבי אושעיא א"ל אין אפילו בדרב ושמואל אמר ליה אין אפילו בדידי ודידך א"ל אטו אנן קטלי קני באגמא אנן
6 Rabina sprach zu R. Aši: Selbst wenn er sich in einer Lehre von R. Ḥija und R. Oša͑ja geirrt hat? Dieser erwiderte: Jawohl. – Selbst in einer Lehre von Rabh und Šemuél? Dieser erwiderte: Jawohl. – Selbst in einer Lehre von mir und dir? Dieser erwiderte: Sind wir denn Binsenschneider!? –
ז היכי דמי שיקול הדעת אמר רב פפא כגון תרי תנאי או תרי אמוראי דפליגי אהדדי ולא איתמר הלכתא לא כמר ולא כמר ואיקרי ועבד כחד מינייהו וסוגיא דשמעת' אזלי כאידך היינו שיקול הדעת
7 Was heißt: in der Erwägung? R. Papa erwiderte: Wenn zum Beispiel zwei Tannaím oder zwei Amoraím darüber streiten und die Halakha weder wie der eine noch wie der andere gelehrt wurde, und er nach der einen Ansicht entschieden hat, während ein Brauch nach der anderen Ansicht besteht; das heißt: in der Erwägung.
ח איתיבי' רב המנונא לרב ששת מעשה בפרה (של בית מנחם) שניטלה האם שלה והאכילה רבי טרפון לכלבים
8 R. Hamnuna wandte gegen R. Šešeth ein: Einst wurde einer Kuh die Gebärmutter entfernt, und R. Tryphon ließ sie Hunden zum Fressen geben;
ט ובא מעשה לפני חכמים ביבנה והתירוה שאמר תודוס הרופא אין פרה וחזירה יוצאת מאלכסנדריא של מצרים אלא אם כן חותכין האם שלה כדי שלא תלד א"ר טרפון הלכה חמורך טרפון אמר לו רבי עקיבא פטור אתה שכל המומחה לרבים פטור מלשלם
9 als aber die Sache vor die Weisen in Jamnia kam, erlaubten sie [den Genuß] derselben. Theodos der Arzt sagte nämlich, eine Kuh oder eine Sau dürfe nur dann aus Alexandrien in Ägypten ausgeführt werden, wenn ihr vorher die Gebärmutter ausgeschnitten worden ist, damit sie nicht mehr werfe. Darauf sprach R. Tryphon: Dein Esel ist fort, Tryphon! R. A͑qiba sprach zu ihm: Du bist nicht regreßpflichtig; wer für das Publikum anerkannt ist, ist nicht regreßpflichtig.
י ואי איתא לימא ליה טועה בדבר משנה אתה וטועה בדבר משנה חוזר
10 Wenn dem nun so wäre, so sollte er zu ihm gesagt haben: du hast dich in einer Lehre geirrt, und wer sich in einer Lehre geirrt hat, widerrufe [die Entscheidung]!? –
יא חדא ועוד קאמר חדא דטועה בדבר משנה אתה וטועה בדבר משנה חוזר ועוד אי נמי בשיקול הדעת טעית מומחה לרבים אתה וכל המומחה לרבים פטור מלשלם
11 Er sprach zu ihm erstens und zweitens: erstens hast du dich in einer Lehre geirrt, und wer sich in einer Lehre geirrt hat, ist nicht regreßpflichtig, und zweitens, auch wenn du dich in einer Erwägung geirrt hättest, bist du ja für das Publikum anerkannt, und wer für das Publikum anerkannt ist, ist nicht regreßpflichtig.
יב אמר רב נחמן בר יצחק לרבא מאי קא מותיב רב המנונא לרב ששת מפרה פרה הרי האכילה לכלבים וליתא דתהדר
12 R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach zu Raba: Was ist dies für ein Einwand, den R. Hamnuna gegen R. Šešeth erhob; er ließ ja die Kuh den Hunden zum Fressen geben, was sollte er nun widerrufen, wo sie nicht mehr vorhanden war!? –
יג הכי קאמר ליה אי אמרת בשלמא טעה בדבר משנה אינו חוזר אלמא קם דינא היינו דקא מפחיד ר"ט וקאמר ליה איהו מומחה לב"ד אתה ואתה פטור מלשלם אלא אי אמרת טעה בדבר משנה חוזר לימא ליה כיון דאילו הואי פרה דינך לאו דינא ולא כלום עבדת השתא נמי לא כלום עבדת
13 Er meint es wie folgt: einleuchtend ist es, wenn du sagst, wer sich in einer Lehre irrt, könne das Urteil nicht widerrufen; R. Tryphon fürchtete also, da das Urteil bestehen bleibt, und jener erwiderte ihm, er sei vom Gerichte anerkannt und nicht regreßpflichtig. Wenn du aber sagst, wer sich in einer Lehre irrt, könne das Urteil widerrufen, so könnte er ihm ja erwidern: wäre die Kuh noch vorhanden, so könntest du ja deine Entscheidung widerrufen, ebenso ist auch jetzt deine Entscheidung ungültig.
יד רב חסדא אמר כאן שנטל ונתן ביד כאן שלא נטל ונתן ביד
14 R. Ḥisda erwiderte: Eines in dem Falle, wenn er es mit der Hand von diesem genommen und jenem gegeben hat, und eines in dem Falle, wenn er es nicht mit der Hand von diesem genommen und jenem gegeben hat. –
טו בשלמא חייב את הזכאי כגון שנטל ונתן ביד אלא זיכה את החייב היכי משכחת לה דאמר ליה פטור אתה והא לא נטל ונתן ביד כיון דאמר פטור אתה כמו שנטל ונתן ביד דמי
15 Allerdings kann es in dem Falle, wenn er dem Rechthabenden Unrecht gibt, vorkommen, daß er es mit der Hand von diesem nimmt und jenem gibt, wie aber kann dies in dem Falle vorkommen, wenn er dem Unrechthabenden Recht gibt; wenn er zu ihm sagt: du brauchst nichts zu zahlen, so heißt dies ja nicht mit der Hand von diesem genommen und jenem gegeben!? – Sobald er zu ihm sagt; du brauchst nichts zu zahlen, so ist, ebenso, als hätte er mit der Hand genommen von jenem und diesem gegeben. –
טז אלא מתניתין דקתני דיני ממונות מחזירין בין לזכות בין לחובה בשלמא לזכות משכחת לה דא"ל מעיקרא חייב אתה ולא נטל ולא נתן ביד אלא לחובה היכי משכחת לה דאמר ליה פטור אתה והאמרת כיון דא"ל פטור אתה כמו שנטל ונתן ביד דמי
16 In unserer Mišna wird ja aber gelehrt, daß bei Geldsachen das Urteil widerrufen werden könne, ob zu Gunsten oder zu Ungunsten; allerdings kann dies zu Gunsten vorkommen, wenn er nämlich zuerst zu ihm gesagt hat, er müsse zahlen, jedoch nicht mit der Hand von diesem genommen und jenem gegeben hat, zu Ungunsten aber kann dies nur dann vorkommen, wenn er zuerst zu ihm gesagt hat, er brauche nichts zu zahlen, und du sagst ja, wenn er zu ihm gesagt hat, er brauche nichts zu zahlen, sei es ebenso, als hätte er mit der Hand von jenem genommen und diesem gegeben!? –
יז חדא קתני דיני ממונות מחזירין לזכות שהיא חובה דכוותה גבי נפשות מחזירין לזכות
17 Dies gehört zusammen: bei Geldangelegenheiten kann das Urteil zu Gunsten [des einen], das ist also zu Ungunsten [des anderen] widerrufen werden. – Demnach wäre bei den Todesstrafsachen entsprechend zu erklären: das Urteil kann nur zu Gunsten widerrufen werden,