Sanhedrin 74

Kapitel 74

א מה לנו ולצרה הזאת והלא כבר נאמר (ויקרא ה, א) והוא עד או ראה או ידע אם לא יגיד וגו' ושמא תאמרו מה לנו לחוב בדמו של זה והלא כבר נאמר (משלי יא, י) באבוד רשעים רנה:
1 <small>WAS SOLL UNS DIESE</small> P<small>LAGE, SO HEISST ES</small>: <i>und er war Zeuge, hat gesehen oder erfahren, und es nicht anzeigt &amp;c.</i> V<small>IELLEICHT WOLLT IHR SAGEN: WOZU SOLLEN WIR DAS</small> B<small>LUT DIESES</small> M<small>ENSCHEN VERSCHULDEN, SO HEISST ES</small>: <i>wenn die Gottlosen untergehen, [ertönt] Jubel.</i>
ב <big><strong>גמ׳</strong></big> ת"ר כיצד מאומד אומר להן שמא כך ראיתם שרץ אחר חבירו לחורבה ורצתם אחריו ומצאתם סייף בידו ודמו מטפטף והרוג מפרפר אם כך ראיתם לא ראיתם כלום
2 GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Was heißt: aus Vermutung? Man spreche zu ihnen: Vielleicht habt ihr gesehen, wie er hinter seinem Nächsten in eine Ruine lief, seid ihm gefolgt, und habt ihn mit einem bluttriefenden Schwerte in der Hand angetroffen, während der Erschlagene zuckte? Habt ihr das gesehen, so habt ihr nichts gesehen.
ג תניא א"ר שמעון בן שטח אראה בנחמה אם לא ראיתי אחד שרץ אחר חבירו לחורבה ורצתי אחריו וראיתי סייף בידו ודמו מטפטף והרוג מפרפר ואמרתי לו רשע מי הרגו לזה או אני או אתה אבל מה אעשה שאין דמך מסור בידי שהרי אמרה תורה (דברים יז, ו) על פי שנים עדים יומת המת היודע מחשבות יפרע מאותו האיש שהרג את חבירו אמרו לא זזו משם עד שבא נחש והכישו ומת
3 Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Šaṭaḥ erzählte: Ich will keinen Trost sehen, wenn ich nicht gesehen habe, wie jemand hinter seinem Nächsten in eine Ruine lief, und als ich ihm nachlief, traf ich ihn mit einem bluttriefenden Schwerte in der Hand, während der Erschlagene noch zuckte. Da sprach ich zu ihm: Ruchloser, wer hat diesen erschlagen, ich oder du? Was aber kann ich dagegen, daß dein Blut nicht mir ausgeliefert ist, denn die Tora sagt: <i>auf die Aussage zweier Zeugen hin &amp;c. soll der zum Tode Verurteilte getötet werden.</i> Möge der aber, der die Gedanken kennt, diesem Menschen, der seinen Nächsten erschlug, heimzahlen! Man erzählt, daß ehe sie sich von dort fortrührten, eine Schlange kam und ihn biß, worauf er starb. –
ד והאי בר נחש הוא והאמר רב יוסף וכן תני דבי חזקיה מיום שחרב בית המקדש אף על פי שבטלה סנהדרי ארבע מיתות לא בטלו לא בטלו והא בטלו אלא דין ארבע מיתות לא בטלו
4 Sollte jener denn durch eine Schlange [getötet werden], R. Joseph sagte ja, und ebenso wurde es auch in der Schule Ḥizqijas gelehrt: Obgleich mit dem Tage der Zerstörung des Tempels das Synedrium aufgehoben worden ist, so sind dennoch die vier Todesstrafarten nicht aufgehoben worden. – Wieso denn nicht, sie sind ja wohl aufgehoben worden!? – Vielmehr, das Gesetz von den vier Todesstrafen ist nicht aufgehoben worden.
ה מי שנתחייב סקילה או נופל מן הגג או חיה דורסתו מי שנתחייב שריפה או נופל בדליקה או נחש מכישו מי שנתחייב הריגה או נמסר למלכות או ליסטין באין עליו מי שנתחייב חנק או טובע בנהר או מת בסרונכי
5 Wer sich die Steinigung zuschulden kommen ließ, fällt entweder von einem Dache herunter oder ein wildes Tier zertritt ihn; wer sich die Verbrennung zuschulden kommen ließ, kommt entweder in eine Feuersbrunst oder eine Schlange beißt ihn; wer sich die Enthauptung zuschulden kommen ließ, wird entweder der Regierung ausgeliefert oder Räuber überfallen ihn; wer sich die Erdrosselung zuschulden kommen ließ, ertrinkt entweder in einem Flusse oder er stirbt an der Bräune!? –
ו אמרי ההוא חטא אחריתי הוה ביה דאמר מר מי שנתחייב שתי מיתות ב"ד נידון בחמורה:
6 Ich will dir sagen, jener hatte noch eine andere Sünde begangen, und der Meister sagte, wer sich zweier Todesstrafen schuldig gemacht hat, wird durch die schwerere hingerichtet.
ז מאומד וכו': בדיני נפשות הוא דלא אמדינן הא בדיני ממונות אמדינן כמאן כר' אחא דתניא ר' אחא אומר גמל האוחר בין הגמלים ונמצא גמל הרוג בצידו בידוע שזה הרגו
7 V<small>ERMUTUNG</small> &amp;<small>C</small>. Also nur bei Todesstrafsachen wird die Vermutung nicht berücksichtigt, wohl aber wird sie bei Geldsachen berücksichtigt; also nach R. Aḥa, denn es wird gelehrt: R. Aḥa sagte, wenn unter den Kamelen ein ausschlagendes Kamel sich befindet, und neben ihm ein erschlagenes Kamel gefunden wird, so gilt es als erwiesen, daß jenes es erschlagen hat. –
ח וליטעמיך עד מפי עד דקתני בדיני נפשות הוא דלא אמרינן הא בדיני ממונות אמרינן והתנן אם אמר הוא אמר לי שאני חייב לו איש פלוני אמר לי שהוא חייב לו לא אמר כלום עד שיאמר בפנינו הודה לו שהוא חייב לו מאתים זוז
8 Ebenso lehrt er ja hier auch von einem Zeugen, der es aus dem Munde eines anderen Zeugen weiß; nach deiner Auffassung wäre dies nur bei Todesstrafsachen nicht zulässig, wohl aber bei Geldsachen, während wir gelernt haben, wenn [der Zeuge] bekundet, [der Beklagte] habe ihm gesagt, er schulde jenem [Geld], oder jemand habe ihm gesagt, dieser schulde jenem [Geld], habe er damit nichts bekundet; nur wenn er bekundet: vor uns hat dieser eingestanden, daß er jenem zweihundert Zuz schulde.
ט אלמא אף על גב דפסילי בדיני ממונות אמרינן להו בדיני נפשות הכא נמי אף על גב דפסילי בדיני ממונות אמרינן להו בדיני נפשות:
9 Du mußt also erklären, man sage es ihnen bei Todesstrafsachen, obgleich dies auch bei Geldsachen unzulässig ist, ebenso auch hierbei: man sage es ihnen bei Todesstrafsachen, obgleich dies auch bei Geldsachen unzulässig ist.
י הוו יודעים כו': אמר רב יהודה בריה דר' חייא מלמד שעשה קין בהבל אחיו חבורות חבורות פציעות פציעות שלא היה יודע מהיכן נשמה יוצאה עד שהגיע לצוארו
10 W<small>ISSET AUCH</small> &amp;<small>C</small>. R. Jehuda, Sohn des R. Ḥija, sagte: Dies lehrt, daß Qajin dem Hebel Wunden über Wunden und Verletzungen über Verletzungen beibrachte, denn er wußte nicht, aus welcher Stelle die Seele entrückt, bis er an den Hals herankam.
יא וא"ר יהודה בריה דר' חייא מיום שפתחה הארץ את פיה וקיבלתו לדמו של הבל שוב לא פתחה שנאמר (ישעיהו כד, טז) מכנף הארץ זמירות שמענו צבי לצדיק מכנף הארץ ולא מפי הארץ איתיביה חזקיה אחיו (במדבר טז, לב) ותפתח הארץ את פיה א"ל לרעה פתחה לטובה לא פתחה
11 Ferner sagte R. Jehuda, Sohn des R. Ḥija: Seit dem Tage, an dem die Erde ihren Mund öffnete und das Blut Hebels aufnahm, öffnete sie ihn nicht mehr, denn es heißt: <i>vom Saume der Erde vernahmen wir Lobgesänge: Herrlichkeit für den Frommen;</i> vom Saume der Erde, nicht aber vom Munde der Erde. Sein Bruder Ḥizqija wandte gegen ihn ein: <i>Da tat die Erde ihren Mund auf</i>!? Jener erwiderte: Zum Bösen öffnete sie ihn, zum Guten aber nicht.
יב וא"ר יהודה בריה דרבי חייא גלות מכפרת עון מחצה מעיקרא כתיב (בראשית ד, יד) והייתי נע ונד ולבסוף כתיב (בראשית ד, טז) וישב בארץ נוד
12 Ferner sagte R. Jehuda, Sohn des R. Ḥija: Verbannung sühnt die Hälfte der Sünde, denn zuerst heißt es: <i>ich muß unstet und flüchtig sein,</i> später aber heißt es: <i>er nahm Aufenthalt im Lande Nod</i>.
יג אמר רב יהודה גלות מכפרת שלשה דברים שנאמר (כה אמר ה' וגו') היושב בעיר הזאת ימות בחרב ברעב ובדבר והיוצא ונפל אל הכשדים הצרים עליכם יחיה והיתה לו נפשו לשלל
13 R. Jehuda sagte: Die Verbannung sühnt drei Dinge, denn es heißt: <i>So spricht der Herr &amp;c. Wer in dieser Stadt bleibt, soll durch das Schwert und durch den Hunger und durch die Pest sterben, wer aber hinausgeht und sich den Kasdäern, die euch bedrängen, ergibt, wird leben bleiben und sein Leben zur Beute haben.</i>
יד ר' יוחנן אמר גלות מכפרת על הכל שנאמר (ירמיהו כב, ל) (כה אמר ה') כתבו את האיש הזה ערירי גבר לא יצלח בימיו כי לא יצלח מזרעו איש יושב על כסא דוד ומושל עוד ביהודה ובתר דגלה כתיב (דברי הימים א ג, יז) ובני יכניה אסיר (בנו) שלתיאל בנו אסיר שעיברתו אמו בבית האסורין שלתיאל ששתלו אל שלא כדרך הנשתלין גמירי שאין האשה מתעברת מעומד
14 R. Joḥanan sagte: Die Verbannung sühnt alles, denn es beißt: <i>So spricht der Herr: Tragt diesen Mann als Kinderlosen ein, als einen Mann, dem es lebenslänglich nicht glückt; denn es wird keinem seiner Nachkommen glücken, auf Davids Thron zu sitzen, und fernerhin über Jehuda zu herrschen.</i> Nach seiner Verbannung aber heißt es: <i>die Söhne Jekhonjas waren Asir, dessen Sohn war Šaltiél.</i> [Er hieß] Asir, weil seine Mutter mit ihm im Gefängnisse [asurin] schwanger wurde; Šaltiél, weil ihn Gott anders gepflanzt [šathlo-él] hat, als andere Pflänzlinge. Es ist uns nämlich überliefert, daß eine Frau stehend nicht schwanger wird, seine [Mutter]