Sanhedrin 76

Kapitel 76

א גופו מבבל וראשו מארץ ישראל ואבריו משאר ארצות עגבותיו א"ר אחא מאקרא דאגמא
1 Der Rumpf des Urmenschen war aus Babylonien, das Haupt aus dem Jisraéllande und die Extremitäten aus den übrigen Ländern. Seine Hinterbacken, wie R. Aḥa sagte, aus der Burg Agma.
ב א"ר יוחנן בר חנינא שתים עשרה שעות הוי היום שעה ראשונה הוצבר עפרו שניה נעשה גולם שלישית נמתחו אבריו רביעית נזרקה בו נשמה חמישית עמד על רגליו ששית קרא שמות שביעית נזדווגה לו חוה שמינית עלו למטה שנים וירדו ארבעה תשיעית נצטווה שלא לאכול מן האילן עשירית סרח אחת עשרה נידון שתים עשרה נטרד והלך לו שנאמר (תהלים מט, יג) אדם ביקר בל ילין
2 R. Aḥa b. Ḥanina sagte: Zwölf Stunden hat der Tag; in der ersten Stunde wurde sein Staub gesammelt, in der zweiten wurde er zu einem Klumpen geformt, in der dritten wurden seine Glieder gedehnt, in der vierten wurde ihm die Seele eingehaucht, in der fünften stellte er sich auf seine Füße, in der sechsten legte er [den Tieren] Namen hei, in der siebenten wurde ihm Ḥava zugesellt, in der achten legten sie sich ins Bett zu zweien und verließen es zu vieren, in der neunten wurde ihm das Verbot erteilt, in der zehnten sündigte er, in der elften wurde über ihn Gericht gehalten, in der zwölften wurde er verjagt und er ging fort, denn es heißt: <i>und der Mensch, in Herrlichkeit übernachtet er nicht.</i>
ג אמר רמי בר חמא אין חיה רעה שולטת באדם אלא אם כן נדמה לו כבהמה שנאמר (תהלים מט, יג) נמשל כבהמות נדמו:
3 Rami b. Ḥama sagte: Ein wildes Tier hat nur dann Gewalt über einen Menschen, wenn er ihm wie ein Vieh erscheint, denn es heißt: <i>er wird beherrscht</i>, <i>wenn er wie ein Vieh erscheint.</i>
ד (שע"ה בסו"ף ארמ"י סימן) אמר רב יהודה א"ר בשעה שבקש הקב"ה לבראות את האדם ברא כת אחת של מלאכי השרת אמר להם רצונכם נעשה אדם בצלמנו אמרו לפניו רבש"ע מה מעשיו אמר להן כך וכך מעשיו
4 R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Als der Heilige, gepriesen sei er, den Menschen erschaffen wollte, erschuf er vorher eine Klasse von Dienstengeln und sprach zu ihnen: Ist es euer Wille, daß wir einen Menschen in unserem Ebenbilde erschaffen? Diese fragten ihn: Herr der Welt, wie sind seine Handlungen? Er erwiderte ihnen: So und so sind seine Handlungen.
ה אמרו לפניו רבש"ע (תהלים ח, ה) מה אנוש כי תזכרנו ובן אדם כי תפקדנו הושיט אצבעו קטנה ביניהן ושרפם וכן כת שניה כת שלישית אמרו לפניו רבש"ע ראשונים שאמרו לפניך מה הועילו כל העולם כולו שלך הוא כל מה שאתה רוצה לעשות בעולמך עשה
5 Darauf sprachen sie zu ihm: Herr der Welt, <i>was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und das Menschenkind, daß du nach ihm schauest!</i> Da langte er mit seinem kleinen Finger zwischen sie und verbrannte sie. Ebenso geschah es auch mit der zweiten Klasse. Die dritte Klasse sprach vor ihm: Herr der Welt, was nützte es den ersten, daß sie vor dir geredet haben; dein ist die ganze Welt, tue das, was dir auf deiner Welt zu tun beliebt.
ו כיון שהגיע לאנשי דור המבול ואנשי דור הפלגה שמעשיהן מקולקלין אמרו לפניו רבש"ע לא יפה אמרו ראשונים לפניך אמר להן (ישעיהו מו, ד) ועד זקנה אני הוא ועד שיבה אני אסבול וגו'
6 Als das Zeitalter der Sintflut und das Zeitalter der Spaltung heranreichten, deren Handlungen ausarteten, sprachen sie vor ihm: Herr der Welt, hatten die ersten, die vor dir geredet, nicht Recht!? Er erwiderte ihnen: <i>Und bis zum Greisenalter bin ich derselbe, und bis zum Ergrauen will ich es auf mich laden &amp;c.</i>
ז אמר רב יהודה אמר רב אדם הראשון מסוף העולם ועד סופו היה שנאמר (דברים ד, לב) למן היום אשר ברא אלהים אדם על הארץ ולמקצה השמים ועד קצה השמים כיון שסרח הניח הקדוש ברוך הוא ידו עליו ומיעטו שנאמר (תהלים קלט, ה) אחור וקדם צרתני ותשת עלי כפכה
7 R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Adam der Urmensch war von einem Ende der Welt bis zum anderen, denn es heißt: <i>seit dem Tage, wo Gott den Menschen auf der Erde erschaffen hat, von einem Ende des Himmels bis zum anderen.</i> Nachdem er aber gesündigt hatte, legte der Heilige, gepriesen sei er, seine Hand auf ihn und verminderte ihn, denn es heißt: <i>hinten und vorn hast du mich gebildet und du legtest auf mich deine Hand.</i>
ח אמר ר"א אדם הראשון מן הארץ עד לרקיע היה שנאמר למן היום אשר ברא אלהים אדם על הארץ ולמקצה השמים (עד קצה השמים) כיון שסרח הניח הקב"ה ידו עליו ומיעטו שנאמר אחור וקדם צרתני וגו' קשו קראי אהדדי אידי ואידי חדא מידה היא
8 R. Elea͑zar sagte: Adam der Urmensch reichte von der Erde bis zum Himmel, denn es heißt: <i>seit dem Tage, wo Gott den Menschen auf der Erde erschaffen hat, von einem Ende des Himmels bis zum anderen.</i> Nachdem er aber gesündigt hatte, legte der Heilige, gepriesen sei er, seine Hand auf ihn und verkleinerte ihn, denn es heißt: <i>hinten und vorn hast du mich gebildet &amp;c.</i> – Die [Auslegungen des] Schriftverses widersprechen ja einander!? – Beide Maße sind identisch.
ט ואמר רב יהודה אמר רב אדם הראשון בלשון ארמי ספר שנאמר (תהלים קלט, יז) ולי מה יקרו רעיך אל
9 Ferner sagte R. Jehuda im Namen Rabhs: Adam der Urmensch sprach aramäisch, denn es heißt: <i>wie teuer</i> <i>sind mir, o Gott, deine Gedanken.</i>
י והיינו דאמר ריש לקיש מאי דכתיב (בראשית ה, א) זה ספר תולדות אדם מלמד שהראהו הקב"ה דור דור ודורשיו דור דור וחכמיו כיון שהגיע לדורו של רבי עקיבא שמח בתורתו ונתעצב במיתתו אמר ולי מה יקרו רעיך אל
10 So sagte auch Reš Laqiš: Es heißt: <i>das ist das Buch über die Nachkommen Adams;</i> dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, ihm jedes Zeitalter und seine Gelehrten, jedes Zeitalter und seine Weisen zeigte; als er aber zum Zeitalter R. A͑qibas herankam, freute er sich über seine Gesetzeskunde und war betrübt über seinen Tod und sprach: <i>wie teuer sind mir, o Gott, deine Gedanken</i>.
יא ואמר רב יהודה אמר רב אדם הראשון מין היה שנאמר (בראשית ג, ט) ויקרא ה' אלהים אל האדם ויאמר לו איכה אן נטה לבך רבי יצחק אמר מושך בערלתו היה כתיב הכא (הושע ו, ז) והמה כאדם עברו ברית וכתיב התם (בראשית ט, ט) את בריתי הפר
11 Ferner sagte R. Jehuda im Namen Rabhs: Adam der Urmensch war ein Minäer, denn es heißt: <i>da rief Gott der Herr den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du;</i> wohin hat sich dein Herz abgewendet? R. Jiçḥaq sagte: Er war Epispast, denn es heißt: <i>sie haben wie ein Mensch mein Bündnis übertreten,</i> und ferner heißt es: <i>mein Bündnis hat er zerstört.</i>
יב רב נחמן אמר כופר בעיקר היה כתיב הכא עברו ברית וכתיב התם (את בריתי הפר) (ירמיהו כב, ט) ואמרו על אשר עזבו (את) ברית ה' (אלהי אבותם)
12 R. Naḥman sagte: Er war ein Gottesleugner, denn hier heißt es: <i>[wie ein Mensch] mein Bündnis übertreten,</i> und dort heißt es: <i>da wird man dann antworten: Weil sie das Bündnis des Herrn, des Gottes ihrer Väter, verlassen haben.</i>
יג תנן התם ר"א אומר הוי שקוד ללמוד תורה ודע מה שתשיב לאפיקורוס אמר ר' יוחנן ל"ש אלא אפיקורוס (של) עובדי כוכבים אבל אפיקורוס ישראל כ"ש דפקר טפי
13 Dort haben wir gelernt: R. Elie͑zer sagte: Befleißige dich, die Tora zu lernen, [und wisse,] was du dem Gottesleugner zu erwidern hast. Hierzu sagte R. Joḥanan: Dies gilt nur von einem nichtjüdischen Gottesleugner, ein jisraélitischer Gottesleugner aber würde dadurch in seiner Gottlosigkeit noch mehr bestärkt werden.
יד א"ר יוחנן כ"מ שפקרו המינים תשובתן בצידן (בראשית א, כו) נעשה אדם בצלמנו (ואומר) (בראשית א, כז) ויברא אלהים את האדם בצלמו (בראשית יא, ז) הבה נרדה ונבלה שם שפתם (בראשית יא, ה) וירד ה' לראות את העיר ואת המגדל (בראשית לה, ז) כי שם נגלו אליו האלהים (בראשית לה, ג) לאל העונה אותי ביום צרתי
14 R. Joḥanan sagte: An allen Stellen, aus welchen die Minäer ihre Beweise entnehmen, findet sich die Antwort daneben. <i>Wir wollen einen Menschen in unserem Ebenbilde machen</i>. – <i>Da schuf Gott den Menschen nach seinem Ebenbilde.</i> – <i>Wohlan, wir wollen hinabfahren und daselbst ihre Sprache verwirren</i>. – <i>Da stieg der Herr hinab, um die Stadt und den Turm zu besehen.</i> – <i>Daselbst hatten sich ihm Gott offenbart. –</i> <i>Dem Gott, der mich erhört hat in der Zeit meiner Drangsal. –</i>
טו (דברים ד, ז) כי מי גוי גדול אשר לו אלהים קרובים אליו כה' אלהינו בכל קראנו אליו (שמואל ב ז, כג) ומי כעמך כישראל גוי אחד בארץ אשר הלכו אלהים לפדות לו לעם (דניאל ז, ט) עד די כרסוון רמיו ועתיק יומין יתיב
15 <i>Denn wo wäre irgend eine große Nation, die Götter hätte, die ihr nahe sind, wie der Herr, unser Gott, so oft wir ihn anrufen. –</i> <i>Und wo gleicht deinem Volke Jisraél irgend eine andere Nation auf Erden, die ein Gott sich zum Volke zu erkaufen gegangen war. –</i> <i>Bis Thronsessel hingestellt wurden. –</i> <i>Und ein Hochbetagter sich niederließ.</i> –
טז הנך למה לי כדרבי יוחנן דא"ר יוחנן אין הקב"ה עושה דבר אא"כ נמלך בפמליא של מעלה שנאמר (דניאל ד, יד) בגזירת עירין פתגמא ובמאמר קדישין שאילתא
16 Wozu sind jene nötig? – Nach einer Lehre R. Joḥanans, denn K. Joḥanan sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, tue nichts, bevor er sich mit seinem oberen Gefolge berät, denn es heißt: <i>dieser Spruch beruht auf dem Beschlüsse der Wachengel, und im Gespräche der Heiligen beratschlagt.</i> –
יז התינח כולהי עד די כרסוון רמיו מאי איכא למימר אחד לו ואחד לדוד דתניא אחד לו ואחד לדוד דברי ר"ע א"ל ר' יוסי עקיבא עד מתי אתה עושה שכינה חול אלא אחד לדין ואחד לצדקה
17 Erklärlich ist dies hei all jenen [Schriftversen], wie ist dies aber bei den aufgestellten Thronsesseln zu erklären!? – Einer für ihn und einer für David. Es wird nämlich gelehrt: Einer für ihn und einer für David – so R. A͑qiba. R. Jose sprach zu ihm: A͑qiba, wie lange noch wirst du die Göttlichkeit profanieren!? Vielmehr, einer für die Gerechtigkeit und einer für die Milde. –
יח קבלה מיניה או לא קבלה מיניה ת"ש דתניא אחד לדין ואחד לצדקה דברי ר"ע א"ל ר' אלעזר בן עזריא עקיבא מה לך אצל הגדה כלך אצל נגעים ואהלות אלא אחד לכסא ואחד לשרפרף כסא לישב עליו שרפרף להדום רגליו
18 Hat er [diese Erwiderung] anerkannt oder hat er sie nicht anerkannt? – Komm und höre: Einer für die Gerechtigkeit und einer für die Milde – so R. A͑qiba. R. Elea͑zar b. A͑zarja sprach zu ihm: A͑qiba, was hast du mit der Agada zu tun, begib dich lieber zu [den Lehren über die Unreinheit durch] Aussatz und Bezeltung. Vielmehr, einer als Stuhl und einer als Schemel. Einer als Stuhl, zum Sitzen, und einer als Schemel, zum Auflegen der Füße.
יט אמר רב נחמן האי מאן דידע לאהדורי למינים כרב אידית ליהדר ואי לא לא ליהדר אמר ההוא מינא לרב אידית כתיב (שמות כד, א) ואל משה אמר עלה אל ה' עלה אלי מיבעי ליה א"ל זהו מטטרון ששמו כשם רבו דכתיב (שמות כג, כא) כי שמי בקרבו
19 R. Naḥman sagte: Wer den Minäern zu antworten versteht, wie R. Idith, tue dies, wer aber nicht, antworte ihnen überhaupt nicht. Ein Minäer sprach einst zu R. Idith: Es heißt: <i>und zu Moše sprach er: Steige zum Herrn hinauf;</i> es sollte ja heißen: zu mir!? Dieser erwiderte: Dies [sagte] Meṭaṭron, dessen Name dem Namen seines Herrn gleicht, wie es heißt: <i>denn mein Name ist in ihm.</i> –
כ אי הכי ניפלחו ליה כתיב (שמות כג, כא) אל תמר בו אל תמירני בו אם כן לא ישא לפשעכם למה לי א"ל הימנותא בידן דאפילו בפרוונקא נמי לא קבילניה דכתיב (שמות לג, טו) ויאמר אליו אם אין פניך הולכים וגו'
20 Demnach sollte man ihn anbeten!? – Es heißt: <i>sei nicht widerspenstig gegen ihn,</i> verwechsle mich nicht mit ihm. – Wieso heißt es demnach: <i>denn er wird eure Übertretungen nicht verzeihen</i>!? Dieser erwiderte: Bei meiner Treu, wir wollen ihn nicht einmal als Faktotum anerkennen, denn es heißt: <i>da sprach er zu ihm: Wenn du nicht in Person mitgehst &amp;c</i>.
כא אמר ליה ההוא מינא לר' ישמעאל בר' יוסי כתיב (בראשית יט, כד) וה' המטיר על סדום ועל עמורה גפרית ואש מאת ה' מאתו מיבעי ליה א"ל ההוא כובס שבקיה אנא מהדרנא ליה דכתיב (בראשית ד, כג) ויאמר למך לנשיו עדה וצלה שמען קולי נשי למך נשיי מיבעי ליה אלא משתעי קרא הכי הכא נמי משתעי קרא הכי א"ל מנא לך הא מפירקיה דר"מ שמיע לי
21 Ein Minäer sprach einst zu R. Jišma͑él b. Jose: Es heißt: <i>der Herr aber ließ auf Sedom und A͑mora Schwefel und Feuer regnen vom Herrn aus;</i> es sollte ja heißen: von ihm aus!? Da sprach ein Wäscher zu ihm: Laß ihn, ich will ihm antworten. Es heißt: <i>da sprach Lemekh zu seinen Frauen: A͑da und Çila, höret meine Worte, Frauen Lemekhs;</i> es sollte ja heißen: meine Frauen; du mußt also erklären, dies sei die erzählende Form der Schrift, ebenso ist es auch hierbei die erzählende Form der Schrift. Jener fragte ihn: Woher weißt du dies? – Ich hörte dies in einem Vortrage R. Meírs,
כב דא"ר יוחנן כי הוה דריש ר' מאיר בפירקיה הוה דריש תילתא שמעתא תילתא אגדתא תילתא מתלי ואמר ר' יוחנן ג' מאות משלות שועלים היו לו לרבי מאיר ואנו אין לנו אלא שלש
22 R. Joḥanan sagte nämlich, der Vortrag R. Meírs zerfiel in drei Teile: ein Drittel Halakha, ein Drittel Agada und ein Drittel Gleichnisse. Ferner sagte R. Joḥanan: Dreihundert Fuchsfabeln hatte R. Meír, während uns sich nur die erhalten hat, [in der drei Schriftverse] vorkommen.