Sanhedrin 83

Kapitel 83

א ותרוייהו כר' יוחנן סבירא להו הא למיהוי כי יתרא הא למיהוי כי נפיא
1 Beide sind sie der Ansicht R. Joḥanans, nur muß er nach der einen Ansicht die Form eines Bogens und nach der anderen die Form eines Siebes erreicht haben.
ב אמר ליה רב אחא מדיפתי לרבינא וליבריך הטוב והמטיב אמר ליה אטו כי חסר מי מברכינן דיין האמת דלבריך הטוב והמטיב וליברכינהו לתרוייהו כיון דהיינו אורחיה לא מברכינן
2 R. Aḥa aus Diphte sprach zu Rabina: Sollte man doch den Segen ‘der Gute und Gütige’ sprechen!? Dieser erwiderte: Spricht man denn bei der Abnahme desselben [den Segen] ‘Richter der Wahrheit’. – Sollte man sie beide sprechen!? – Da dies der gewöhnliche Lauf ist, so spricht man sie nicht.
ג וא"ר אחא בר חנינא א"ר אסי א"ר יוחנן כל המברך על החדש בזמנו כאילו מקבל פני שכינה כתיב הכא (שמות יב, ב) החדש הזה וכתיב התם (שמות טו, ב) זה אלי ואנוהו תנא דבי רבי ישמעאל אילמלא (לא) זכו ישראל אלא להקביל פני אביהן שבשמים כל חדש וחדש דיים אמר אביי הלכך נימרינהו מעומד
3 Ferner sagte R. Aḥa b. Ḥanina im Namen R. Asis im Namen R. Joḥanans: Wenn jemand den Segen über den Neumond zur richtigen Zeit spricht, so ist es ebenso, als hätte er das Gesicht der Göttlichkeit empfangen, denn hierbei heißt es: <i>dieser Monat,</i> und dort heißt es: <i>dieser ist mein Gott, ich will ihn preisen.</i> In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Wäre den Jisraéliten nichts mehr beschieden, als jeden Monat das Gesicht ihres Vaters im Himmel zu empfangen, so würde ihnen dies genügt haben. Abajje sagte: Daher spreche man [den Segen] stehend.
ד מרימר ומר זוטרא מכתפי (אהדדי) ומברכי א"ל רב אחא לרב אשי במערבא מברכי ברוך מחדש חדשים אמר ליה האי נשי דידן נמי מברכי
4 Meremar und Mar Zuṭra wurden getragen, und sie sprachen den Segen. R. Aḥa sprach zu R. Aši: Im Westen sprechen sie: ‘Gepriesen sei, der die Neumonde erneut’. Dieser erwiderte: Diesen [Segen] sprechen bei uns auch die Frauen;
ה אלא כדרב יהודה דאמר רב יהודה ברוך [וכו'] אשר במאמרו ברא שחקים וברוח פיו כל צבאם חוק וזמן נתן להם שלא ישנו את תפקידם ששים ושמחים לעשות רצון קונם פועלי אמת שפעולתן אמת וללבנה אמר שתתחדש עטרת תפארת לעמוסי בטן שהן עתידין להתחדש כמותה ולפאר ליוצרם על שם כבוד מלכותו ברוך אתה ה' מחדש חדשים
5 vielmehr spreche man ihn nach einer Lehre R. Jehudas, denn R. Jehuda sagte: [man spreche:] ‘Gepriesen sei &amp;c, der durch sein Wort die Himmel erschaffen hat, und durch den Hauch seines Mundes ihr ganzes Heer. Gesetz und Zeit gab er ihnen, daß sie ihre festgesetzte Ordnung nicht verändern. Froh sind sie und freudig, den Willen ihres Schöpfers zu vollziehen; sie handeln in Wahrheit und ihre Handlung ist Wahrheit. Und zum Monde spricht er, daß er sich erneue; eine Krone der Herrlichkeit für die, die vom Mutterleibe an getragen, die gleich ihm sich dereinst verjüngen und ihren Schöpfer verherrlichen werden, ob des Namens der Herrlichkeit seines Reiches. Gepriesen seist du, o Herr, der die Neumonde erneut.’
ו (משלי כד, ו) כי בתחבולות תעשה לך מלחמה א"ר אחא בר חנינא א"ר אסי א"ר יוחנן במי אתה מוצא מלחמתה של תורה במי שיש בידו חבילות של משנה קרי רב יוסף אנפשיה (משלי יד, ד) ורב תבואות בכח שור:
6 <i>Denn mit kluger Leitung wirst du [glücklich] Krieg führen.</i> R. Aḥa b. Ḥanina erklärte im Namen R. Asis im Namen R. Joḥanans: Nur der kann [glücklich] Krieg in der Tora führen, in dessen Besitz sich ganze Bündel von Mišnalehren befinden; R. Joseph las über sich: <i>Reichliches Einkommen ist in der Kraft des Stieres</i>.
ז אחד אומר בשתי שעות כו': א"ר שימי בר אשי לא שנו אלא שעות אבל אחד אומר קודם הנץ החמה ואחד אומר לאחר הנץ החמה עדותן בטילה
7 W<small>ENN EINER SAGT, IN DER ZWEITEN</small> S<small>TUNDE</small> &amp;<small>C</small>. R. Šimi b. Aši sagte: Sie lehrten dies nur von dem Falle, wenn sie sich in der Stunde [widersprechen], wenn aber einer sagt, vor Sonnenanbruch, und einer sagt, nach Sonnenanbruch, so ist ihr Zeugnis ungültig. –
ח פשיטא אלא אחד אומר קודם הנץ ואחד אומר בתוך הנץ הא נמי פשיטא מהו דתימא הא בגילויא קאי וזהרורי בעלמא הוא דחזא קמ"ל:
8 Selbstverständlich!? – Vielmehr, wenn einer sagt, vor Sonnenanbruch, und einer sagt, während des Sonnenanbruches. – Dies ist ja ebenfalls selbstverständlich!? – Man könnte glauben, der eine habe in der Helligkeit nur einen Abglanz gesehen, so lehrt er uns.
ט ואחר כך מכניסין כו': אותו היום ותו לא והתניא אם יש ממש בדבריו לא היה יורד משם לעולם ואם אין ממש בדבריו אין יורד כל היום כולו כדי שלא תהא עלייתו ירידה לו אמר אביי תרגומה אאם אין ממש בדבריו:
9 D<small>ARAUF FÜHRTE MAN HEREIN</small> &amp;<small>C</small>. Nur diesen Tag und weiter nicht, es wird ja aber gelehrt: Sind seine Worte erheblich, so verließ er seinen Platz niemals; sind seine Worte unerheblich, so verließ er ihn den ganzen Tag nicht, damit nicht sein Aufstieg für ihn ein Abstieg werde!? Abajje erwiderte: Beziehe dies auf den Fall, wenn seine Worte unerheblich sind.
י מצאו לו זכות כו': יין מאי טעמא לא אמר רבי אחא בר חנינא אמר קרא (משלי לא, ד) ולרוזנים אי שכר העוסקין ברזו של עולם אל ישתכרו:
10 B<small>EFINDEN SIE IHN FÜR</small> F<small>REISPRECHUNG</small> &amp;<small>C</small>. Weshalb dürfen sie keinen Wein [trinken]? R. Aḥa b. Ḥanina erwiderte: Die Schrift sagt: <i>und den Fürsten keinen Rauschtrank,</i> die sich mit den Geheimnissen der Welt befassen, dürfen sich nicht berauschen.
יא (מצאו לו זכות כו'): לא ראו מאי
11 Wie ist es, wenn sie nicht einleuchten?
יב א"ר אחא פוטרין אותו וכן א"ר יוחנן פוטרין אותו א"ל רב פפא לאביי וליפטריה מעיקרא א"ל הכי א"ר יוחנן כדי שלא יצאו מב"ד מעורבבין
12 R. Aḥa erwiderte: So wird er entlassen. Ebenso sagte auch R. Joḥanan, er werde dann entlassen. R. Papa sprach zu Abajje: Sollte man ihn doch gleich entlassen!? Dieser erwiderte: Folgendes erklärte R. Joḥanan: damit nicht die Gerichtssitzung beschlußunfähig aufgehoben werde.
יג איכא דאמרי א"ל רב פפא לאביי ולמה לי יוסיפו ליפטריה מבי דינא קמא אמר ליה ר' יוסי קאי כוותך דתניא ר' יוסי אומר כשם שאין מוסיפין על ב"ד של שבעים ואחד כך אין מוסיפין על ב"ד של עשרים ושלשה
13 Manche lesen: R. Papa sprach zu Abajje: Wozu werden [Richter] hinzugenommen, sollte ihn doch das erste Gerichtskollegium entlassen!? Dieser erwiderte: R. Jose ist deiner Ansicht, denn es wird gelehrt: R. Jose sagt: Wie zum Gerichtskollegium von einundsiebzig Mitgliedern keine [Richter] hinzugenommen werden, ebenso werden auch zum Gerichtskollegium von dreiundzwanzig keine hinzugenommen.
יד ת"ר אומר בדיני ממונות נזדקן הדין ואין אומר בדיני נפשות נזדקן הדין
14 Die Rabbanan lehrten. Bei Geldsachen sage man, die Angelegenheit ist reif, bei Todesstrafsachen sage man nicht, die Angelegenheit ist reif. –
טו מאי נזדקן הדין אילימא קש דינא איפכא מיבעיא ליה אמר רב הונא בר מנוח משמיה דרב אחא בריה דרב איקא איפוך רב אשי אמר לעולם לא תיפוך ומאי נזדקן הדין חכם דינא
15 Was heißt ‘die Angelegenheit ist reif’: wollte man sagen, die Angelegenheit ist schwierig, so müßte es ja entgegengesetzt lauten!? R. Hona b. Manoaḥ erwiderte im Namen des R. Aḥas, des Sohnes R. Iqas: Lies entgegengesetzt. R. Aši erklärte: Tatsächlich brauchst du nicht entgegengesetzt zu lesen, denn unter ‘reif ist zu verstehen, die Angelegenheit ist genügend erörtert.
טז מיתיבי גדול שבדיינין אומר נזדקן הדין אי אמרת בשלמא חכם דינא היינו דאמר גדול אלא אי אמרת קש דינא לא סגיא דלא אמר גדול כסופי הוא דקא מיכסיף נפשיה
16 Man wandte ein: Der Obmann der Richter spricht: die Angelegenheit ist reif. Einleuchtend ist es nun, daß dies der Obmann spricht, wenn du erklärst, die Angelegenheit sei genügend erörtert, wieso aber spricht dies der Obmann, wenn du erklärst, die Angelegenheit sei-schwierig, er beschämt sich ja selber!? –
יז אין אינו דומה מתבייש מעצמו למתבייש מאחרים
17 Allerdings, anders ist es, wenn jemand sich selber beschämt, als wenn er von anderen beschämt wird.
יח איכא דאמרי אי אמרת בשלמא קש דינא היינו דאינו דומה מתבייש מעצמו למתבייש מאחרים אלא אי אמרת חכם דינא גדול אשבוחי משבח נפשיה והכתיב (משלי כז, ב) יהללך זר ולא פיך
18 Manche lesen: Einleuchtend ist es, wenn du erklärst, die Angelegenheit sei schwierig, denn anders ist es, wenn jemand sich selber beschämt, als wenn er von anderen beschämt wird, wenn du aber erklärst, die Angelegenheit sei genügend erörtert, so lobt sich ja der Obmann selber, während es heißt: <i>es lobe dich ein anderer und nicht dein eigener Mund</i>!? –
יט שאני מילתא דבי דינא דאגדול רמיא כדתנן גמרו את הדבר היו מכניסין אותן גדול שבדיינין אומר איש פלוני אתה זכאי איש פלוני אתה חייב:
19 Anders ist es bei einer gerichtlichen Angelegenheit, denn dies obliegt ja dem Obmann, wie wir gelernt haben: Haben sie die Verhandlung beendet, so läßt man [die Prozeßführenden] eintreten und der Obmann der Richter spricht: Du N. hast gewonnen, und du N. hast verloren.
כ <br><br><big><strong>הדרן עלך היו בודקין</strong></big><br><br>
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