Shabbat 111

Kapitel 111

א בני שמואל חטאו אינו אלא טועה שנאמר (שמואל א ח, ג) ויהי (כי זקן שמואל ובניו לא הלכו) בדרכיו בדרכיו הוא דלא הלכו מיחטא נמי לא חטאו
1 die Söhne Šemuéls hätten gesündigt, irrt sich nur; denn es heißt: <i>als Šemuél alt war und seine Söhne nicht in seinen Wegen wandelten</i>; allerdings wandelten sie nicht in seinen Wegen, aber gesündigt haben sie ebenfalls nicht.
ב אלא מה אני מקיים (שמואל א ח, ג) ויטו אחרי הבצע שלא עשו כמעשה אביהם שהיה שמואל הצדיק מחזר בכל מקומות ישראל ודן אותם בעריהם שנאמר (שמואל א ז, טז) והלך מדי שנה בשנה וסבב בית אל והגלגל והמצפה ושפט את ישראל והם לא עשו כן אלא ישבו בעריהם כדי להרבות שכר לחזניהן ולסופריהן
2 Wie aber halte ich aufrecht [die Worte:] <i>sie neigten nach dem Gewinne</i>? Sie handelten nicht nach den Werken ihres Vaters. Der fromme Šemuél reiste nämlich in allen Orten Jisraéls umher und sprach ihnen Recht in ihren Städten, wie es heißt: <i>und er wanderte Jahr für Jahr umher, und er besuchte Bethél und Gilgal und Miçpa und sprach Jisraél Recht</i>; sie aber taten nicht so, vielmehr saßen sie in ihren Städten, um die Einkünfte ihrer Beamten und Schreiber zu mehren.
ג כתנאי ויטו אחרי הבצע ר' מאיר אומר חלקם שאלו בפיהם רבי יהודה אומר מלאי הטילו על בעלי בתים ר' עקיבא אומר קופה יתירה של מעשר נטלו בזרוע ר' יוסי אומר מתנות נטלו בזרוע:
3 Hierüber streiten auch Tannaím: <i>Sie neigten nach dem Gewinne</i>. R. Meír erklärte: Sie forderten ihren Anteil mit dem Munde. R. Jehuda erklärte: Sie bürdeten den Leuten Waren auf. R. A͑qiba erklärte: Sie nahmen mit Gewalt einen größeren Anteil vom Zehnten. R. Jose erklärte: Sie nahmen [Priester]geschenke mit Gewalt.
ד א"ר שמואל בר נחמני אמר ר' יונתן כל האומר דוד חטא אינו אלא טועה שנאמר (שמואל א יח, יד) ויהי דוד לכל דרכיו משכיל וה' עמו וגו' אפשר חטא בא לידו ושכינה עמו
4 R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Wer da glaubt, David habe gesündigt, irrt sich nur, denn es heißt: <i>David war in allen seinen Wegen erfolgreich, und der Herr war mit ihm</i>. Wäre es denn möglich, daß die Göttlichkeit mit ihm war, wenn er eine Sünde begangen hätte!? —
ה אלא מה אני מקיים (שמואל ב יב, ט) מדוע בזית את דבר ה' לעשות הרע שביקש לעשות ולא עשה
5 Wie aber halte ich aufrecht [die Worte:] <i>warum hast du die Worte des Herrn verachtet, das Böse zu tun</i>? — Er wollte es tun, tat es aber nicht.
ו אמר רב רבי דאתי מדוד מהפך ודריש בזכותיה דדוד מדוע בזית את דבר ה' לעשות הרע רבי אומר משונה רעה זו מכל רעות שבתורה שכל רעות שבתורה כתיב בהו ויעש וכאן כתיב לעשות שביקש לעשות ולא עשה
6 Rabh sagte: Rabbi, der von David abstammt, bestrebte sich, dies zu Gunsten Davids auszulegen: <i>Warum hast du die Worte des Herrn verachtet, das Böse zu tun?</i> Hierzu sagte Rabbi: Dieses ‘Böse’ ist anders als alle anderen in der Tora. Überall, wo [das Wort] ‘Böse’ in der Tora vorkommt, heißt es: <i>und er tat</i>, hier aber heißt es: <i>zu tun</i>; er wollte es tun, tat es aber nicht.
ז (שמואל ב יב, ט) את אוריה החתי הכית בחרב שהיה לך לדונו בסנהדרין ולא דנת ואת אשתו לקחת לך לאשה ליקוחין יש לך בה
7 <i>Urija, den Ḥetiter, hast du mit dem Schwerte erschlagen</i>; du solltest ihn durch das Synedrium aburteilen lassen, hast dies aber unterlassen. <i>Und sein Weib hast du dir geehelicht</i>; deine Ehe mit ihr ist gültig.
ח דא"ר שמואל בר נחמני א"ר יונתן כל היוצא למלחמת בית דוד כותב גט כריתות לאשתו שנאמר (שמואל א יז, יח) ואת עשרת חריצי החלב האלה תביא לשר האלף ואת אחיך תפקוד לשלום ואת ערובתם תקח
8 R. Šemuél b. Naḥmani sagte nämlich im Namen R. Jonathans: Wer in den Krieg des Hauses David zog, gab seiner Frau einen Scheidebrief, denn es heißt: <i>diese zehn Milchkäse bringe dem Hauptmanne und erkundige dich nach dem Frieden deiner Brüder, und lasse dir von ihnen eine Bürgschaft geben</i>,
ט מאי ערובתם תני רב יוסף דברים המעורבים בינו לבינה
9 und unter ‘Bürgschaft’ ist, wie R. Joseph lehrte, das zu verstehen, was zwischen ihm und ihr als Bürgschaft gilt.
י (שמואל ב יב, ט) ואותו הרגת בחרב בני עמון מה חרב בני עמון אי אתה נענש עליו אף אוריה החתי אי אתה נענש עליו
10 <i>Ihn selbst hast du durch das Schwert der A͑mmoniter erschlagen</i>; wie du für das Schwert der A͑mmoniter nicht strafbar bist, so bist du auch für Urija den Ḥetiter nicht strafbar.
יא מאי טעמא מורד במלכות הוה דאמר ליה (שמואל ב יא, יא) ואדוני יואב ועבדי אדוני על פני השדה חונים
11 Weshalb? Weil er Majestätsverbrecher war, denn er sagte in seiner Gegenwart: <i>Mein Herr Joáb und die Knechte meines Herrn</i> <i>lagern auf dem Felde</i>.
יב אמר רב כי מעיינת ביה בדוד לא משכחת ביה בר מדאוריה דכתיב (מלכים א טו, ה) רק בדבר אוריה החתי
12 Rabh sagte: Wenn du über David nachdenkst, so findest du an ihm nichts weiter, als die Angelegenheit mit Urija, wie es heißt: <i>außer in der Sache Urija des Ḥetiters</i>.
יג אביי קשישא רמי דרב אדרב מי אמר רב הכי והאמר רב קיבל דוד לשון הרע קשיא
13 Abajje der Ältere wies auf einen Widerspruch hin, in dem Rabh sich befindet. Kann Rabh denn dies gesagt haben, Rabh sagte ja, David habe Verleumdung entgegengenommen!? – Ein Widerspruch.
יד גופא רב אמר קיבל דוד לשון הרע דכתיב (שמואל ב ט, ד) ויאמר לו המלך איפוא הוא ויאמר ציבא אל המלך הנה הוא בית מכיר בן עמיאל (בלא) דבר וכתיב וישלח המלך ויקחהו מבית מכיר בן עמיאל (מלא) דבר
14 Der Text. Rabh sagte: David nahm Verleumdung entgegen. Es heißt: <i>und der König sprach zu ihm: Wo ist er? Und Çiba sprach zum König: Er ist im Hause des Makhir, des Sohnes A͑miéls, zu Lodebar</i>. Darauf folgt: <i>da sandte der König und ließ ihn holen aus dem Hause des Makhir, des Sohnes A͑miéls, zu Lodebar</i>. –
טו מכדי חזייה דשקרא הוא כי הדר אלשין עילויה מ"ט קיבלה מיניה דכתיב (שמואל ב טז, ב) ויאמר המלך (אל ציבא איה) בן אדוניך ויאמר ציבא אל המלך הנה (הוא) יושב בירושלים וגו' ומנא לן דקיבל מיניה דכתיב (שמואל ב טז, ב) ויאמר המלך הנה לך כל אשר למפיבושת ויאמר ציבא השתחויתי אמצא חן (בעיני) המלך
15 Wieso nahm er, nachdem er gesehen hatte, daß es eine Lüge war, die Verleumdung entgegen, als jener ihn später abermals verleumdete I? Es heißt nämlich: <i>und der König sprach zu Çiba: Wo ist der Sohn deines Herrn? Da sprach Çiba zum König: Siehe, er weilt in Jerušalem</i>. – Woher, daß er sie von ihm entgegennahm? – Es heißt: <i>und der König sprach: Dein sei alles, was Mephibošeth gehört. Da sprach Çiba: Ich werfe mich nieder; möge ich Gunst in den Augen des Königs finden</i>.
טז ושמואל אמר לא קיבל דוד לשון הרע דברים הניכרים חזא ביה דכתיב (שמואל ב יט, כה) ומפיבושת בן שאול ירד (לפני) המלך ולא עשה רגליו ולא עשה שפמו ואת בגדיו לא כיבס וגו' וכתיב ויהי כי בא ירושלים לקראת המלך ויאמר לו המלך למה לא הלכת עמי מפיבושת ויאמר אדוני המלך עבדי רמני כי אמר עבדך אחבשה לי החמור וארכב עליה ואלך את המלך כי פסח
16 Šemuél aber sagte, David habe die Verleumdung nicht entgegengenommen, denn er selber bemerkte an ihm Dinge, die daraufdeuteten. Es heißt: <i>und Mephibošeth, der Sohn Šaúls, trat vor den König; er hatte seine Füße nicht gepflegt, seinen Bart nicht geordnet und seine Kleider nicht gewaschen</i> <i>&amp;c</i>. Hierauf heißt es: <i>und als er aus Jerušalem zum König kam, fragte ihn der König: Warum bist du nicht mit mir ausgezogen, Mephibošeth. Er erwiderte: Mein Herr und König, mein Diener hat mich betrogen. Dein Knecht sagte: Ich will mir den Esel satteln lassen, daß ich ihn besteige</i> <i>und zum König komme; </i>