Shabbat 19

Kapitel 19

א התם לא שכיחא שכרות הכא שכיחא שכרות א"נ במנחה כיון דקביעא לה זימנא מירתת ולא אתי למפשע ערבית כיון דכולא ליליא זמן ערבית לא מירתת ואתי למפשע מתקיף לה רב ששת טריחותא למיסר המייניה ועוד ליקו הכי וליצלי משום שנא' (עמוס ד, יב) הכון לקראת אלהיך ישראל
1 Hierbei ist Trunkenheit nicht zu berücksichtigen, da aber ist Trunkenheit zu berücksichtigen. Oder auch: für das Vespergebet ist eine Zeit festgesetzt, daher ist man ängstlich und versäumt es nicht, das Abendgebet aber hat die ganze Nacht Zeit, daher ist man nicht ängstlich, und man könnte es versäumen. R. Šešeth wandte ein: Ist es denn eine besondere Last, den Gürtel umzubinden!? Ferner kann man sich ja hinstellen und so beten!? – Weil es heißt: <i>bereite dich vor, Jisraél, deinem Gott gegenüberzutreten.</i>
ב רבא בר רב הונא רמי פוזמקי ומצלי אמר הכון לקראת וגו' רבא שדי גלימיה ופכר ידיה ומצלי אמר כעבדא קמיה מריה אמר רב אשי חזינא ליה לרב כהנא כי איכא צערא בעלמא שדי גלימיה ופכר ידיה ומצלי אמר כעבדא קמי מריה כי איכא שלמא לביש ומתכסי ומתעטף ומצלי אמר הכון לקראת אלהיך ישראל
2 Raba b. R. Hona pflegte Schuhe anzuziehen und dann zu beten, indem er sagte: <i>Bereite dich vor &amp;c.</i> Raba pflegte das Obergewand abzulegen, die Hände aneinander zu reiben und dann zu beten, indem er sagte: Wie ein Sklave vor seinem Herrn. R. Aši erzählte: Ich sah, wie R. Kahana, wenn Unglück auf der Welt war, das Obergewand abzulegen, die Hände aneinander zu reiben und dann zu beten pflegte, indem er sagte: Wie ein Sklave vor seinem Herrn. Wenn Frieden auf der Welt war, pflegte er sich anzukleiden, zu bedecken, einzuhüllen und dann zu beten, indem er sagte: <i>Bereite dich vor, Jisraél, deinem Gott gegenüberzutreten.</i>
ג רבא חזייה לרב המנונא דקא מאריך בצלותיה אמר מניחין חיי עולם ועוסקים בחיי שעה והוא סבר זמן תפלה לחוד וזמן תורה לחוד ר' ירמיה הוה יתיב קמיה דר' זירא והוו עסקי בשמעתא נגה לצלויי והוה קא מסרהב ר' ירמיה קרי עליה ר' זירא (משלי כח, ט) מסיר אזנו משמוע תורה גם תפלתו תועבה
3 Als einst Raba bemerkte, wie R. Hamnuna sein Gebet in die Länge zog, sprach er: Sie lassen das ewige Leben und befassen sich mit dem zeitlichen Leben. Jener aber war der Ansicht, die Zeit des Gebetes für sich, und die Zeit der Tora für sich. R. Jirmeja saß vor R. Zera, und da beide sich mit der Erörterung einer Lehre befaßten, verspäteten sie das Gebet, und R. Jirmeja beeilte sich. Da las R. Zera über <i>ihn</i>: <i>Wer sein Ohr abwendet, um die Lehre nicht zu hören, dessen Gebet ist ein Greuel.</i>
ד מאימתי התחלת דין רב ירמיה ורבי יונה חד אמר משיתעטפו הדיינין וחד אמר משיפתחו בעלי דינים ולא פליגי הא דעסקי ואתו בדינא הא דלא עסקי ואתו בדינא
4 Wann hat die Gerichtsverhandlung begonnen? – [Hierüber streiten] R. Jirmeja und R. Jona; einer sagt, sobald die Richter ihre Mäntel anlegen, und einer sagt, sobald die Prozeßgegner beginnen. Sie streiten aber nicht; dies in dem Falle, wenn sie bereits Gerichtsverhandlungen vorhatten, und jenes in dem Falle, wenn sie noch keine Gerichtsverhandlung vorhatten.
ה רב אמי ורב אסי הוו יתבי וגרסי ביני עמודי וכל שעתא ושעתא הוו טפחי אעיברא דדשא ואמרי אי איכא דאית ליה דינא ליעול וליתי רב חסדא ורבה בר רב הונא הוו יתבי בדינא כולי יומא הוה קא חליש לבייהו תנא להו רב חייא בר רב מדפתי (שמות יח, יג) ויעמד העם על משה מן הבקר עד הערב וכי תעלה על דעתך שמשה יושב ודן כל היום כולו תורתו מתי נעשית אלא לומר לך כל דיין שדן דין אמת לאמיתו אפילו שעה אחת מעלה עליו הכתוב כאילו נעשה שותף להקדוש ברוך הוא במעשה בראשית כתיב הכא ויעמד העם על משה מן הבקר עד הערב וכתיב התם (בראשית א, ה) ויהי ערב ויהי בקר יום אחד
5 R. Ami und R. Asi saßen zwischen den Säulen [des Lehrhauses] und lernten, und von Zeit zu Zeit klopften sie an den Riegel der Tür, indem sie sprachen: Hat jemand eine Prozeßsache, so trete er ein.R. Ḥisda und Rabba b. R. Hona saßen den ganzen Tag zu Gericht, und das Herz ward ihnen schwach. Da trug ihnen R. Ḥija b. Rabh aus Diphte folgende Lehre vor: <i>Das Volk trat vor Moše vom Morgen bis zum Abend.</i> Sollte es dir denn in den Sinn kommen, daß Moše den ganzen Tag dasaß und Recht sprach, wann hätte er sich mit der Tora befaßt? Dies besagt vielmehr, daß die Schrift jedem Richter, der ein richtiges Urteil der Wahrheit wegen fällt, wenn auch nur eine Stunde, es anrechnet, als wäre er mit dem Heiligen, gepriesen sei er, am Schöpfungswerke beteiligt, denn hier heißt es: <i>das Volk trat vor Moše vom Morgen bis zum Abend,</i> und dort heißt es: <i>es ward Abend und es ward Morgen, ein Tag.</i>
ו עד מתי יושבין בדין אמר רב ששת עד זמן סעודה אמר רב חמא מאי קרא דכתיב (קהלת י, טז) אי לך ארץ שמלכך נער ושריך בבקר יאכלו אשריך ארץ שמלכך בן חורים ושריך בעת יאכלו בגבורה ולא בשתי בגבורה של תורה ולא בשתייה של יין
6 Wie lange sitze man zu Gericht? R. Šešeth erwiderte: Bis zur Mahlzeit. R. Ḥama sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: es heißt: <i>Wehe dir, Land, dessen König ein Knabe, dessen Fürsten</i> <i>am Morgen schmausen. Heil dir Land, dessen König ein Edler, dessen Fürsten zu rechter Zeit speisen; in Mannhaftigkeit und nicht in Völlerei;</i> in der Mannhaftigkeit der Tora und nicht in der Völlerei des Weines.
ז תנו רבנן שעה ראשונה מאכל לודים שניה מאכל לסטים שלישית מאכל יורשין רביעית מאכל פועלים חמישית מאכל כל אדם
7 Die Rabbanan lehrten: In der ersten Stunde speisen Ludim, in der zweiten speisen Räuber, in der dritten speisen Erbschafter, in der vierten speisen Arbeiter, in der fünften speisen gewöhnliche Leute. –
ח איני והאמר רב פפא רביעית זמן סעודה לכל אדם אלא רביעית מאכל כל אדם חמישית מאכל פועלים ששית מאכל ת"ח מכאן ואילך כזורק אבן לחמת אמר אביי לא אמרן אלא דלא טעים מידי בצפרא אבל טעים מידי בצפרא לית לן בה
8 Dem ist ja aber nicht so, R. Papa sagte ja, in der vierten speisen gewöhnliche Leute!? – Vielmehr, in der vierten speisen gewöhnliche Leute, in der fünften speisen Arbeiter. In der sechsten speisen Schriftgelehrte; [speist man] später, so ist es ebenso, als wenn man einen Stein in einen Schlauch wirft. Abajje sagte: Dies nur, wenn man morgens nichts gekostet hat, hat man aber morgens etwas gekostet, so ist nichts dabei.
ט אמר רב אדא בר אהבה מתפלל אדם תפלתו בבית המרחץ מיתיבי הנכנס לבית המרחץ מקום שב"א עומדין לבושין יש שם מקרא ותפלה ואין צריך לומר שאילת שלום ומניח תפילין ואין צריך לומר שאינו חולץ
9 R. Ada b. Ahaba sagte: Man darf sein Gebet im Bade verrichten. Man wandte ein: Wenn man in das Badehaus kommt, in den Raum, in dem die Leute bekleidet sind, so darf man da das Šema͑ lesen, das Gebet verrichten, selbstverständlich Frieden bieten und die Tephillin anlegen, und selbstverständlich braucht man sie nicht abzulegen.
י מקום שבני אדם עומדים ערומים ולבושין יש שם שאילת שלום ואין שם מקרא ותפלה ואינו חולץ תפילין ואינו מניח לכתחלה
10 Wenn in den Raum, in dem die Leute teils nackt und teils bekleidet sind, so darf man da Frieden bieten, jedoch nicht [das Šema͑] lesen und das Gebet verrichten; die Tephillin braucht man da nicht abzulegen, darf sie aber nicht anlegen.
יא מקום שבני אדם עומדין ערומים אין שם שאילת שלום ואין צריך לומר מקרא ותפלה וחולץ תפילין ואין צריך לומר שאינו מניחן
11 Wenn in den Raum, in dem die Leute nackt sind, so darf man da nicht Frieden bieten, und um so weniger [das Šema͑] lesen und das Gebet verrichten; man muß da die Tephillin abnehmen, und selbstverständlich darf man sie nicht anlegen!? –
יב כי קאמר רב אדא בר אהבה במרחץ שאין בו אדם והא אמר רבי יוסי בר חנינא מרחץ שאמרו אע"פ שאין בו אדם בית הכסא שאמרו אע"פ שאין בו צואה
12 R. Ada b. Ahaba spricht von einem Bade, in dem keine Menschen sich befinden. – R. Jose b. Ḥanina sagte ja aber, wenn sie von einem Bade sprechen, so gelte es auch von einem, in dem keine Menschen sind, wenn sie von einem Aborte sprechen, so gelte es auch von einem, in dem kein Kot ist!? –
יג אלא כי קאמר רב אדא בחדתי והא מבעיא בעא ליה רבינא הזמינו לבית הכסא מהו יש זימון או אין זימון ולא איפשיטא ליה לאו הוא הדין למרחץ לא דילמא
13 Vielmehr, R. Ada [b. Ahaba] spricht von einem neuen. – Aber Rabina fragte ja, wie es denn sei, wenn man ihn als Abort nur bestimmt hat, ob die Bestimmung entscheidend sei oder nicht, und es wurde ihm nicht entschieden, und dasselbe gilt wohl auch von einem Bade!? –